Freitag, 30. Juni 2023

Nietzsche

https://www.chbeck.de/felsch-nietzsche/product/32447685

 Wieder ein Buch, das tief in meine intellektuelle Biografie zurückreicht: die Geschichte der Nietzsche-Lektüre als Geschichte der Ausgabe von Giogio Colli und Mazzino Montinari. Nietzsche faszinierte mich schon als Schüler, weil ich bei ihm eine Rezeption des Christentums fand, die dem, was ich als vielbeschäftigter Mitarbeiter in Kindergottesdienst und KU, aber such im RU und im Alltag erlebte, sehr nahe war; zugleich war und bin ich dem Schriftsteller Nietzsche doch sehr verfallen. 

Meine Nietzsche-Lektüre begann also, als die Taschenbuchausgabe auf den Markt kam, eine meiner ersten richtig heftigen Investition in Bücher. 

Und in Göttingen nahmen sich gleich zwei Profs des Themas an: Der sehr junge W.Chr. Zimmerli, der das Nietzsche-Bild des vorausgehenden Jahrhunders sanft postmodern  und wissenschaftstheoretisch korrigierte (Deleuze-nah) - und der greise Theologe Wolfgang Trillhaas, der in den 50er Jahren ein Nietzsche-Buch geschrieben hatte und nun sein persönliches Nietzsche-Bild in einer sehr bewegenden Vorlesung z.T. unter Tränen revidierte - unter Tränen nicht zuletzt deshalb, weil auch er vieles zu Karl BarthGesagte revidieren musste, der neben Bonhoeffer einzige deutschsprachige Theologe, der sich mit Nietzsche ernsthaft  auseinandergesetzt hatte.

 Der Höhepunkt war ein Vortrag seines Freundes (!) Mazzino Montinari, auch schon ein Greis [meine Erinnerung trügt: er war mitte Fünfzig], über die Eigenart seiner Nietzsche-Ausgabe. Und nun dieses Buch, das all diese Geister beschwört…schöner Trip. 

Eucharistie

 Echten Vegetarismus wird es nie geben können, so Derrida, weil die Liebe etwas Kannibalisches hat. (Was natürlich kein Argument gegen vegetarische Ernährung ist. Aber eines gegen vegetarische Ideologie, einer Art Prüderie des Essens). 

Pharmakologie

 „Anesthesie und Religion, da haben sie ihr Programm“ (Derrida, Todesstrafe 1,388). Ernsthafte Theologie sollte also pharmakologische Kritik sein. Glaube als Betäubungsmittel, dann gilt wohl auch hier: die Dosis macht das Gift. Moderne protestantische akademische Theologie enthält das lindernde Gift nur noch in D12 Verdünnung: keine Wirkung, gerade noch Placebo (dh. Kirche simuliert Glaube). Kein Wunder, dass es immer weniger interessiert. Wer braucht schon religiöse Homöopathie (ausser denen, die sich vor Gott fürchten…)? Möglicherweise ist einfach die Dosis an Opium in der altersschwachen Kirche zu niedrig, weil die andere Droge, Relevanz, zu stark ist. Man nimmt also das falsche Gift gegen den Schmerz des Lebens und propagiert zugleich die heroische Askese des Aushalten, die Kälte der Vernunft, verpackt in gefühlsduseligen Emo-Kitsch. Das ist ein bisschen verlogen. Nehmt einfach Eure Pillen und betet ohne Unterlass. 

Natürlicher Tod

 Montaigne macht darauf aufmerksam, dass der „natürliche Tod“ des Wegdämmerns an Altersschwäche der seltenste und daher eigentlich unnatürlichste Tod ist. Wir belügen uns bis zum letzten Atemzug. 

Donnerstag, 29. Juni 2023

Kleine Berichtigung

 Der Teufel steckt - im Großen und Ganzen. 

Zielgruppe

 Die meisten Menschen wollen keine Lösungen, sondern ihre Ruhe. 

Leere

 Manchmal beschleicht mich ja der wenig nette Gedanke, dass die, die so eifrig dafür eintreten, „religiöse Gefühle“ zu schützen, indem man sie aus dem öffentlichen Raum verbannt, gar nicht wissen, wovon sie reden. Ich habe keine „religiösen Gefühle“, die kann man auch nicht verletzen - gerade weil ich „fromm“ bin. Die Treppenhausreligionswissenchaft hat, wie die Küchenpsychologie  und die Hobbykellerbiologie, in vielen Köpfen arge Verwirrung gestiftet - die politisch immer relevanter wird.  

Vanitas

 Es ist nicht die „Komplexität“, die die Leute verrückt macht. Es ist die Sterblichkeit. Jeder, der Begräbnisse macht, erfährt das: jeder Tod aufs Neue „unfassbar“. Auch hier: definitiv totales Verschwinden jeglichen Christentums. Das postchristliche Heidentum ist eine lebensverachtende, weil vor Todesangst völlig irre gemachte Religion. Da gehört für mich übrigens auch der bemerkenswerte faschistoide Backlash hinein. Hysterie des Überleben-wollens. 

Ersticken

 Ein schönes Symbol für den Kapitalismus westlicher Ausprägung sind die clickbaitseiten: inzwischen so mit Werbebannern überfüllt, dass sie nicht mehr richtig scrollen. An der eigenen Sch*e erstickt. 

Mittwoch, 28. Juni 2023

Noble Keckheit

 Genau. Es ist keck, wie Olga Tokarczuk den Zauberberg ironisiert und zugleich - korrigiert. So von Nobelpreis zu Nobelpreis. 

Pilze im Empusion

 Meine Passion fürs fungisch-mycelische ist ja nicht neu, und auch wenn ich nur wenig überrascht bin, das das Pilzige jetzt so eine Karriere macht und bereits beginnt, den intellektuellen Feuilletontod der Verquarkung zu sterben - gelegentlich bin ich dann doch verblüfft, wo ich ihm überall begegne. Hätte sie nicht von Anfang an meine warme Leseliebe gehabt, jetzt wäre ich dahin: Empusion von Olga Tocarzcuk ist ein sehr schönes Buch voller kluger Gedanken und wunderbarer Sätze, die eben wie ein Mycelium Gedanken-Fruchtkörper von fragiler Statur hervorbringen, gelegentlich mit einer Spur Gift. 

Dienstag, 27. Juni 2023

Klare Sache

 Vielleicht ist es an der Zeit, gerade als Christ, deutlich zu sagen: AfD wählen und mit autoritären Phantasien zu hantieren ist schlicht unanständig. 

Verurteilt

 Sterben müssen/können, ohne Ort und Datum zu kennen, ist zutiefst menschlich, daraus erwachsen Hoffnung und Würde - selbst der Soldat, die Soldatin  ziehen ihre Kraft zum Kämpfen aus der Gewissheit ihres Todes und der Ungewissheit seines Zeitpunktes. Die Todesstrafe aber kappt diesen Faden. Zum Tod Verurteilte haben keine Zukunft. Dieses Argument von Derrida leuchtet mir immer mehr ein, und ich finde es theologisch von äusserster Relevanz. Dass wir weder Zeit noch Stunde wissen, aber dass wir wissen, dass es diese Zeit und diese Stunde gibt: das ist unsere spezifisch menschliche Würde, denn das bringt uns dazu, die Zeit auszukaufen und das Leben als Leben zu schätzen. Darum ist die Todesstrafe entwürdigend, sie steht moralisch noch unter dem Krieg und dem Mord: ein Hingerichteter stirbt schlicht für nichts. Wie unter dieser Perspektive das Kreuz Jesu noch einmal neu erscheint - das Kreuz ist das menschenmöglichste Übel und es gibt jedem zum Tode Verurteilten seine Würde zurück. Zugleich wird deutlich, dass vom Tod „als der Sünde Sold“ nicht so geredet werden kann, als wären wir Deliquenten. Diese Variante des Christentums (auf einem krass missverstandenem Augustin und pervertierter angelsächsich-irischer Bussfrömmigkeit beruhend) ist geradezu die Nemesis der westlichen Kultur. Was war Dostoijewski für ein Genie, das nicht nur erkannt und selbst erfahren zu haben (er stand vor dem Erschiessungskommando), sondern auch literarisch derart brillant verarbeitet zu haben - was nicht nicht hinderte, zugleich auf andere, östliche Weise menschenverachtend gewesen zu sein. Das Werk ist immer klüger als der Autor - es ist das tief verstandene Kreuz im obigen Sinne, das im Text stärker ist als die „Überzeugungen“ des Autors. Was dieser Exkurs soll? Nun, letztlich ist die Todesstrafe entsetzlich naiv und dumm, wie jede Form der Gewalt. Und das wirft ein Licht auf alle, die für sie eintreten: entwürdigende Dummheit. Sehr gefährlich. 

Montag, 26. Juni 2023

Buchstabenverfall

Auf Ebay, Facebook und anderswo beginnt gerade ein schon lange erwartbarer Prozess: die „Pfarrerschwemme“-Kolleginnen und Kollegen lösen ihre theologischen Bibliotheken auf. Zwei Dinge dazu:

  • 90% davon ist inhaltlich inzwischen Makulatur. 
  • Was keine Makulatur ist, überschwemmt trotzdem den Markt. 
Eine schöne Variante des vanitas-Motivs in einer Szene, die bibliophil ist wie wenige sonst. Disruption hat viele Masken. „Nehmt Abschied Brüder…“ - nur das hier die Nichtwiederkehr sehr gewiss ist. 

Ich habe kürzlich 3 Bananenkisten Bücher „(Praktische Theologie und Liturgisch-spirituelle Texte)  auf dem Entsorgungshof in Kassel der einzig wahren und wirklich sinnvollen Verwendung zugeführt. Wir haben nämlich eine massive Papierkrise…

Sonntag, 25. Juni 2023

Krise

 Dass man einen AfD-Kandidaten wählt, kann ich nachvollziehen. Dass man nicht wählen geht, nicht. 

Erbe

 Ich habe ja ein russlanddeutsches Erbe, bin der russischen Kultur (Musik, Literatur, Malerei) und Geschichte sehr verbunden (warum ich nie Russisch gelernt habe? Wäre ein paar Therapiesitzungen wert.). Ich kann mir ein demokratisches Russland einfach nicht vorstellen, nicht mal eine rudimentäre Form, geschweige denn eine aktive, nicht völlig radikalisierte Zivilgesellschaft. Autokratie, Oligarchie und geradezu rhizomatische Korruption haben bisher alle derartigen Versuche (1905,1917,1991) scheitern lassen, und immer hatten sie etwas mit verlorenen Kriegen, also mit einer Kränkung zu tun. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie das gehen kann. Das treibt mich schon ziemlich um. 

Samstag, 24. Juni 2023

ex oriente lux.

 Rebellion, Aufstand, Putsch, Umsturz, Revolte, was auch immer, Atommacht bleibt Atommacht und ein GröFaz den anderen schlachtet, bleibts dabei: ein Haufen Halbirrer Halbdemokraten hat die Schlüssel. Tyrannenmörder und Aufsteiger haben einen besonderen Drang zu zeigen, dass sie es ernst meinen. 

Hogwarts

 Hogwarts und Harry Potter machen ja gerade Metaphern-Karriere in der Kirche (klar, die Millennials kommen). Da habe ich auch eine, und siehe, ich verrate Euch ein Geheimnis: Es gibt nur Muggel in der Kirche. Weil es überhaupt nur Muggel gibt. Und weil es überhaupt keine Zauberer gibt. Und weil Metaphern mehr über ihre Herkunft sagen als über ihren „Bezug“. Die Leiterin von Hogwarts….erzähl mir deine Träume.  

Jaulerei

 Mir geht das Rumgeheule in der Kirche zunehmend auf die Nerven. Nichts, was gerade geschieht, kommt unerwartet. Nichts. Ende der Durchsage. Gerade unsere „Generation“ (+/- 60) hatte 40 Jahre Zeit, sich darauf vorzubereiten. Dass das eigentlich kaum stattfand: das ist der eigentliche Skandal. 

Blaue Blume AfD

 20% sind keine „Protestwähler“ mehr. Die WOLLEN autoritäre Regierung. Ganz einfach. Warum fällt es so schwer, dass zu begreifen? Der Sünder, die Sünderin: natural born faschists. Was wir erleben: zurück zur Natur! Der ganze esoterisch-quere Schmonz des deutschen Geisteslebens (gefangen in Kleinstaaterei und Träume vergangener, nie existierender deutscher Größe) ballt sich da als heruntergekommenes Kulturgut: die blaue Blume als blaue Partei. 

Freitag, 23. Juni 2023

Next step

 Ob sich wohl jemand traut (oder wütend oder genervt oder verblüfft genug ist), etwas über Einfaltspinsel im Pfarrhaus zu schreiben? Oder Narzisten? Oder ehrpusselige Pseudointellektuelle? Oder…was es eben sonst noch so gibt….das Hauptproblem ist doch, dass es keine klare Vorstellung von Professionalität im Pfarramt  gibt, weswegen alle recht einfach als Amateure diffamiert werden können. Das Problem liegt also viel tiefer und ist viel schmerzhafter…

Kapitalfaschismus

 Man mag sich fragen, warum ich gerade jetzt ein so komplexes und kompliziertes Buch über Todesstrafe lese. Nun: Die Androhung von (scheinbar) legitimer Tötung ist ein wesentliches Element einer autoritär-faschistoiden Sicht der Welt. Und HÖCHST aktuell. Die Todesstrafe stellt nicht nur die Frage nach „Humanität“ (Derrida arbeitet heraus, dass man damit die Todesstrafe auch begründen kann!!). Sie stellt die Frage nach dem Staat. Und DAS ist die Frage, um die es politisch gerade geht: Wer darf tödliche Gewalt? 

Lehre

 Das Buch „Todesstrafe I“ besteht aus Seminarpapieren von J. Derrida. Es ist das Klügste, was ich zum Thema Schuld, Strafe, Blut, Sühne etc. seit langem grlesen habe. Aber nicht nur das bewegt mich. Ich habe in meinem gesamten Studium eigentlich nur ein einziges Seminar gehabt, das in Intensität, Tiefe und Hartnäckigkeit dem Thema gegenüber annähernd ähnlich war (Jüngel, Schleiermachers kurze Darstellung, eines der berühmten Freitagsseminare, wir waren nur ca. 20 Personen.). Auch im Rückblick waren die meisten Seminare Geplapper. Ich habe das als Student schon do empfunden, allerdings nicht in der Klarheit. Die kam erst in der Marburger Zeit, als ich Teil der Wissensmaschine und ihrer Machinationen wurde. Schade, im Rückblick. Viel Zeit mit Blabla verbracht. Es ist schön, dass ichmir immer die Zeit genommen habe, an diesen Lücken zu arbeiten. Was fehlt, ist der Austausch. Die Krise der Theologie (und möglicherweise der Lehre überhaupt?) ist ziemlich substantiell und offensichtlich von einer gewissen Dauer. Mein (nur im ersten Moment dcheinbar paradoxer Verdacht): es ist gerade der sehr elitäre Bildungsbegriff, der eine ausdifferenzierte Lehre auch mit Angeboten für Hochinteressierte (nicht „-begabte“, anderes Thema) blockiert. Ein Großteil der lehre (dss war auch mein Eindruck im Studiensemester 2018) hat sich einfach akkomodiert. Es war -1983- ein mittlerer Skandal, dass Jüngel für das Seminar (übrigens sehr tolle) Vorgespräche führte. Crazy. 

Donnerstag, 22. Juni 2023

Humanität

 Es verblüfft mich zutiefst, ja irritiert mich zutiefst, wenn ein laizistischer, arabisch-jüdischer Franzose aus Algerien das Christentum als die einzige Religion beschreibt, die einen Humanismus entwickelt hat (Derrida, Todesstrafe I, 293 passim). Doch die Argumentation (die sich z.B. stark auf Victor Hugo stützt) ist sehr überzeugend. Wieviel Selbstverachtung ist in meiner kritischen Haltung gegenüber der Kirchen- und Christentumsgeschichte, dsss ich das nur unter größten Vorbehalten zugestehen kann, zugleich aber merke, dass ich zutiefst davon überzeugt bin? Der Wohlfahrtsstaat, die repräsentative Demokratie mit Gewaltenteilung und Minderheitenschutz, das Gewaltmonopol mit gleichzeitigem prinzipiellen Gewaltverzicht, usw.: alles nur im (westlichen) christlichen Kulturkreis entwickelt, nicht zuletzt im Erschrecken vor der eigenen Barbarei. Zumindest also Koinzidenz. 

Atavismus

 Dass jetzt alle so erschrocken sind, das es richtige Nazis, Antisemitinnen und Antisemiten, Rassistinnen und Rassisten, Misogyne und Misoandre, gewaltätige und Gewaltbereite Menschen gibt: ist es auch überraschend, dass wir alle  einen Blinddarm haben? 



(Dass diese Überraschung bei Theologinnen und Theologen so gross ist - was sagt das über die Theologie aus?) 

Dienstag, 20. Juni 2023

Zirkel-Beweis

 Wenn alte weisse Männer schreiben, dass es keine alten weissen Männer gibt, dann weiss ich als alter weißer Mann gerade deshalb, dass es sehr wohl alte weisse Männer gibt. 

Montag, 19. Juni 2023

Ekel

 Angesichts der Rammstein-Debatte (zu der ich nichts sagen kann, nur beobachten) ist es jetzt vielleicht möglich, dass ich schlicht sage, was mich seit frühester Jugend bewegt: ich fand die ganze Rock-Pop-Kultur schon immer einfach eklig. Ganz niedrigschwelliges, geradezu animalisches Gefühl. Oder - Instinkt? 


Die Kultur. Nicht die Musik. Da bin ich zu Differenzierung durchaus in der Lage. 

Sonntag, 18. Juni 2023

Transition

 Zwischen allgemeinem Priestertum und allgemeinem Schwätzertum aller Getauften liegt - der Unterricht. Er verwandelt Meinung in Wissen und Behauptungen in Argumente. Glaube hat eine kognitive Seite, die Sätze, Memes und Rituale umfasst. Wir ernten gerade die Früchte einer Religion, die meint, auf biblisch-traditionelles Wissen und kritisch-rituelles Training verzichten zu können. Der leichte Weg führt nicht in die Hölle des ewigen Feuers, sondern ins Leere des zerstörerischen Geredes. Nur wer mit dem Alten vertraut ist, fürchtet sich nicht vor dem Neuen. 

Samstag, 17. Juni 2023

Finis mundi

Rationalität in der Theologie und anderswo nur noch rationalisiert. Ich habe keine Lust mehr. 

Freitag, 16. Juni 2023

Fortschritt

 Die Guillotine hat das Töten humanisiert. Es besteht doch Hoffnung für die Menschheit: es wurden immer Lösungen gefunden. 

Dilemma

 Wenn in einem Parlament einer repräsentativen Demokratie nur die klügsten, besten und besonnensten Menschen sässen - wäre es dann noch eine repräsentative Demokratie??

Resilienz

 Dummheit zu copen ist die civilisatorische Herausforderung schlechthin. 

Odium

 Möglicherweise ist prinzipielle Menschenverachtung die einzige Möglichkeit, sie lieben zu können. 

Donnerstag, 15. Juni 2023

Revolution

 "Revolutionen entstehen, wenn der Mensch mit seiner Unzufriedenheit unzufrieden ist" (Guttierez, Theologie der Befreiung, 226, nach Eric Weil). Dann sind wir ja davon so weit nicht entfernt - wenn das Genörgel und Gemecker zu sich selbst kommt...

Bildung

 Mangelnde Bildung in Sachen Religion ist das Gefährlichste, was es gibt, von mangelnder Bildung in Sachen Sexualität abgesehen, wobei beide ja meist zusammen auftreten. Leider gerade auch bei sehr gebildeten Menschen. 

Trostlos

 Wenn Theologie und Theologietreibende nicht ganz bei Trost sind, wo sind so dann? Was Derrida (in Aufbahme Nietzsches) über Glauben und ursprüngliche differenzlose Grausamkeit als Wurzel auch der Religion schreibt, (Todesstrafe, 6. Sitzung) macht mich sehr nachdenklich, ob eins moralinsäuerliche Theologie, die defensiv nur von Defekten (als gäbe es etwas Heiles) ausgeht, nicht die trostloseste Sache der Welt ist - eine subtile Grausamkeit, eine Verlängerung des Todes in das Leben hinein. 

Montag, 12. Juni 2023

Sonntag, 11. Juni 2023

Ohne Mähmühe

 Naturintensive Gartenbewirtschaftung: macht deutlich weniger Arbeit und mehr Freude. Mensch und Tier. Mehr Mut zum Nichtmähen  






Freuden des Nerds

 Ha! Ich war mir sicher, dass nicht nur im Melchinger-Ring aus den 70ern, sondern auch im Leinert-Ring in den 90ern die Walküren Motorrad fuhren. Das ist irgendso ein Kassel-Ding. 


Modern life

 Ich habe mein Sauerteig-Baguette schneller gebacken, als es dauerte, es beim Sonntagsbäcker zu holen. Den Teig am Tag vorher vorzubereiten (während ich samstäglich die Bude aufräume),  dauert 5 min.  



Post-Ring-Depression

 Solche Festivalereignisse erzeugen bei mir immer einem heftigen Hangover. Aber zu meiner Partyzeit (bis meine Alkoholunverträglichkeit auftrat) wusste ich: das beste Mittel gegen hangover ist gleich ein Bier nach dem Aufwachen. Also: heute noch mal Wagner nachhören und ein wenig im Alex Ross, Die Welt nach Wagner, nachlesen, wie man ein rassistischer Bastard sein kann und zugleich Wagner lieben. 

Meine kluge Klavierlehrerin, Lotte von Blücher (!), hatte früh bemerkt, dass es mit meiner praktischen Musikalität nicht sehr weit her ist und fing daher an, mir faktisch Unterricht in Musiktheorie und Musikgeschichte zu geben, mit reichlichem Vorspielen. Nach 1976, als der Chereau-Ring mich endgültig zu Wagner brachte, schenkte sie mir  Klavierauszüge und Wagners gesammelte Werke. „Das Judentum in der Musik“ las ich schon sehr früh (ich war ja von sog „Neo-Nazis“ umgeben-mit deren struktureller Dummheit stuggele ich schon ein Denkleben lang), “Oper und Drama” auch. Da wars nur ein Schritt zu Schopenhauer und Nietzsche, dem Anti-antisemiten schlechthin (und von da dann im Studium nur ein kleiner Schritt zur Postmoderne, Nietzsche-Rezeption ist auch so ein Thema). 


In Summa: Wagner-Rezeption ist mir ein langes Thema (und unter Theologiestudierenden ein Heikles dazu: was ich da für einen unsäglichen Quatsch hören musste hat mich sehr sensibel gemacht dafür, dass im Bereich „Bildung“ viel uninformierter Bullshit und ideologische Kackscheisse [sorry] erzählt wird). 

HIER war meine Herkunft aus dem kleinbürgerlichen bildungsfernen bzw. bildungssimulierendem Milieu ein push-faktor: ich war unbefangen, geradezu Siegfried-mässig offen für Eindrücke und wenig beeindruckt von Habitus-Getue. (Was leider auch dazu führte, dass ich mir eine rein akademische Laufbahn gar nicht vorstellen konnte, weil ich die Spielchen abstossend fand). In Summa: ich verdanke Wagner und meiner Klavierlehrerin viel. Nicht zuletzt meinen ausgeprägten Sinn für Ambivalenzen und Ambiguitäten. Und das Wissen darum, dass man sich Kultur hart erarbeiten muss, auch hier ist blosses Erben fatal. 

Samstag, 10. Juni 2023

Götterdämmerung

 Wie man diesem Exzess entfesselter widerlichster frauenverachtender Männlichkeit (auf der Ebene der Handlung) folgen kann und gleichzeitig Nazi sein kann, ist mir ein Rätsel: da müssen ganze Hirn- und Gemütsregionen brachliegen. Die Wagner-Rezeption wird mir immer ein Geheimnis bleiben: wie unglaublich dumm muss man sein, nicht mitzubekommen, was hier auf der Bühne geschieht (und aus dem Orchestergraben deutlichst kommentiert wird): Gier und Geilheit zerstören Frauen, Beziehungen, Natur und am Ende die Welt, übrig bleibt eine prekäre, entzauberte Existenz. Und wer reisst es am Ende? Die Frauen - durch „Opfer“ . Das ist auch keine Lösung. Der alte Anarchist Wagner bleibt sich eben doch treu, nix Schopenhauer. Oder ist es am Ende der Anarchismus des Ganzen, der faschistische und reaktionär-bürgerliche Gemüter erhitzt? Das kriegt auf dem Hintergrund der Rammstein-Geschichte einen gruseligen Aspekt…die Okkupation Wagners durch den Faschismus und reaktionär-nationalistische Operngucker ist jedenfalls immer noch ein Thema. Auf jeden Gall: das Werk ist klüger als als Produzent und Rezipient. DAS sollte man bei Wagner allemal begreifen.  Und es bleibt die Erkenntnis: das grösste Gift der Neuzeit ist der Antisemitismus -allein dass es möglich ist, Figuren wie Mime, Alberich, Beckmesser, Kundry etc „jüdisch“ zu lesen, zeigt das deutlich. Man muss das Werk vor dem Autor retten. Und seine Figuren vor den Rezipienten. Vielleicht war es das, was Wagner vom Theater ohne Theater träumen lösst, nachdem er die erbärmlichen Aufführungen in Bayreuth gesehen hat. Was wäre wohl geschehen, wenn Wagner auf Freuds Couch gelegen hätte? Das ganze Elend der letzten 200 Jahre in einer Person. Und dann höre ich die Musik und denke mir: musste sich dieses ungeheure musikalisch-dramatische Genie in so einer jämmerlichen Figur inkarnieren. Und der Theologe wird ganz still. 

Relativitätstheorie der Traurigkeit

 Je älter ich werde, umso mehr greift die vorauseilende Traurigkeit nach mir, schon bevor etwas Schönes beginnt, was manchmal die Intensität des Erlebens erhöht, oft aber eher blockiert. Die Vergangenheit bedrängt doppelt: als Gewesene und als kommende. Vielleicht bin ich deshalb so ein Musikjunkie? Weil dort die Zeit auf merkwürdige Weise steht und gleichzeitig ihr Verstreichen gestaltet wird? „Zum Raum wird hier die Zeit“, dichtet Wagner im Parsifal, und das ist schon ein kluger Satz. Seufz. 

Konstitutionelle Monarchie

 „Jesus Christus herrsch als König“ ist eine merkwürdig aktuelle und analytische taugliche Aussage zu seiner Bedeutung in modernen demokratisch-säkularen  Gesellschaften. Es stimmt mehr als zu Zeit der Abfassung des Liedes. Hiller, 1755. 

Ernst der Lage

 Dass ein liberalkonservativer, letztlich unpolitischer und eher elfenbeinturmiger Autor wie  Sloterdijk sich so dezidiert  auf das Klima/Ressourcenthema bezieht und so klar Stellung nimmt (unter Aufnahme von B.Latours Begriff der ökologischen Klasse) ist ein echtes Alarmsignal. Es überrascht mich. 

Begräbnis

 Zu meinem Begräbnis sollen alle in Schwarz kommen, Frauen mit was auf dem Kopf, Männer mit Krawatte. Diese konventionellen Beerdigungen „bitte keine Trauerkleidung“ sind doch alle authentische Heuchelei, ich hätte gerne explizite Heuchelei!!


Merkt eigentlich jemand, wie unglaublich verletztend dieser „Bei Beerdigungen wird doch nur geheuchelt“-Diskurs ist? Und dass die Entritualisierung das alles nur schlimmer macht? Früher musstest du dich nicht „verhalten“ zu einem Trauerfall. Du hast die Kovention befolgt, die in einer hochriskanten Situation alle Beteiligten so weit wie möglich schützte. Dieser Schutz ist weg. Ergebnis: Trauerfeiern/Beerdigungen werden immer einsamer. Und viele trauen sich nicht mehr, hinzugehen. In diesem Fall bin ich nicht aus einer konservativen Haltung (die mir fern liegt), sondern aus Erfahrung den Traditionen verbunden. Bei diesen zunehmend personalisierten Trauerfeiern fühle ich mich sehr unwohl (abgesehen davon, dass da ein Markt entsteht, anderes Thema). 

Flüchtigkeit

 Ich hatte eben noch eine Idee, die ich unbedingt notieren wollte, jetzt ist sie weg, okay, dann notiere ich halt, dass ich etwas notieren wollte. Hauptsache content! 




(Das IST die Idee gewesen!)

AI-Simulation

 Diesen post versteht  nur, wer du den letzten post gelesen hat: der war nämlich bullshit https://denkfriedhof.blogspot.com/2023/06/selbst.html. Ich habe, wie eine AI, einfach angefangen, was zu tippen, den Rest machten die Plappermaschine und das Archiv. 



Aber: ist es deswegen falsch, was da steht?

Selbst

 „Dass ich nichts zu sagen habe, ist okay. Aber dass mir niemand dabei zuhört, kränkt mich“. Häufiger, als man denkt, sagt meine Erfahrung. Der Ego-Tunnel ist schmal. Imposter-Syndrom und Dunning-Kruger sind nicht nur komplementär. Sie können, auf unterschiedlichen Bewusstseinsebenen auch gleichzeitig auftreten. Es ist wirklich ein Mysterium, dass überhaupt irgendetwas funktioniert und Kommunikation gelegentlich gelingt. 

Freitag, 9. Juni 2023

Revision

 https://denkfriedhof.blogspot.com/2023/06/tipp.html

Offensichtlich habe ich mich, zum Glück, geirrt. Schön. 

Wald/weltbrand

 Merkwürdig: Sloterdijk macht den (gelegten) Waldbrand zur Metapher für die verpnglückte Moderne, New York erstickt im Rauch und Samstag geht die Götterwelt im grossen Brand der Weltesche in Kassel unter. Wie sich Themen manchmal verdichten…

 Die pyrotechnisch ermächtigten Menschen werfen unendlich größere Mengen an Brennstoffen ins Feuer, als anfangs als »hyletische« Masse in Betracht kam. Über ihren gesammelten offenen Feuerstellen, ihren Motoren, ihren Hochöfen, ihren Bohrlöchern, ihren Kraftwerken, ihren Kaminen, ihren Schlachtfeldern, ihren brennenden Unfallstellen sammeln sich Rauchwolken, die alles andere als Gutes bedeuten. Die Wolken verdichten sich so sehr, daß sie den Bestand der Welt, wie Götter und Menschen sie bisher kannten, im ganzen in Frage stellen. Sloterdijk, Prometheus, 32 „ Kein »energetischer Imperativ«, weder in der Wilhelm-Ostwaldschen Version von 1912 (»Verschwende keine Energie, nutze sie!«) noch in der Hermann-Scheerschen Fassung von 2010 (»Die Umstellung auf erneuerbare Energien zu 100 Prozent ist in der Reichweite des politischen Willens«), kann bis auf weiteres die große Ekpyrosis (die von Heraklit und den Stoikern sowie in der germanischen Mythologie gelehrte Wiederauflösung der Welt im Feuer) aufhalten. Das Erlöschen des Mega-Feuers wird auch in den kommenden Jahrzehnten verhindert durch den Kohlehunger von Großnationen wie China, Indien und den USA sowie zahlreicher Schwellenländer.„ 52

Challenge

 Der Rechtsstaat ist womöglich die allergrößte Herausforderung an den „gesunden“, woken, reaktionären und überhaupt Menschenverstand. Vor allem die Unschuldsvermutung bis zum letztinstanzlichen Richterspruch. Und die Unabhängigkeit von Richterinnen und Richtern womöglich das höchste Kulturgut. Ich musste alt werden, um das in seiner Tragweite zu begreifen und zu verstehen, warum das in der Bibel so ein prominentes Thema ist - bis hin zum Prozess Jesu. Macht mich sehr nachdenklich. 

Weisheit

 Wissenschaft ohne Mythos ist blind, Mythos ohne Wissenschaft ist leer. Theologie ohne beides ist - Geplapper. 

Energie

 Der schöne (und für seine Verhältnisse ganz dchön bittere) Essay von Sloterdijk (Die Reue des Prometheus) zeigt mir noch einmal deutlich, wie unüberlegt, töricht und kontraproduktiv technische und „Energie“-Metaphern für Gott und Mensch sind. Wir laden keinen Akku auf, wenn wir ruhen. 

Resonanz

 Es gibt Autorinnen und Autoren, die bei mir irgendwie auf einer Ebene weit unterhalb des kognitiven resonieren, es genügen ein oder zwei Sätze, und ich bin gefangen, selbst dann, wenn ich nicht ihrer Meinung bin oder nichts kapiere oder beides. Ein seltsames Phänomen, es ist oft mit dem (resignierten) Wunsch verbunden: so müsstest du schreiben können! (Und denken, versteht sich).  Ich lese gerade Sloterdijks neuesten Essay über Prometheus - er ist einer von diesen Autoren. Was ist das für eine merkwürdige Magie, die ja auch erwas Fanboy-mässiges auslöst? Und was haben Arno Schmidt, Jane Austen, Jacques Derrida, Donna Haraway, Karl Barth und Peter Sloterdijk gemeinsam?

Donnerstag, 8. Juni 2023

Ausschleichen

 Dass ich aus meinem Beruf sozusagen „ausschleiche“ erspart mir, wenn ich’s recht spüre, die Trauer des „Etwas-gewesen-seins“, dass ich in so vielen verstörten Blicken gutbürgerlich-patrizischer älterer Männer zu erkennen meine. Das eher weibliche Problem verblichener Schönheit betrifft mich  nicht so wirklich. So ein Opernabend in einem vollem Haus hat viele Aspekte…

Drachenblut

 Drachenblut, so ging mir gerade im „Siegfried“ auf, könnte das Problem des lyrischen Ichs lösen… STIMME DES WALDVOGELS:

Hei! Siegfried gehört
nun der Helm und der Ring!
O, traute er Mime,
dem treulosen, nicht!
Hörte Siegfried nur scharf
auf des Schelmen Heuchlergered'!
Wie sein Herz es meint,
kann er Mime verstehn:
so nützt' ihm des Blutes Genuss.

Szenen einer Ehe

 Man muss sich vor Augen führen, dass der ganze Ring letztlich auf einem doppelten Ehekrach beruht, ohne Frickas Intervention wäre es nicht zu Walküre 2+3 und Siegfried gekommen,Rheingold  letzte beiden Szenen Götterdämmerung und fertig. Aber dann hätte  Wagner womöglich Zeit für seine Christussoper gehabt. Hail to Fricka!!

Holla!

 Der tag wird kommen, wo alles als befleckt, toxisch, reaktionär-faschistisch, linksradikal, kriminell, sexistisch, verlogen, gefährlich, ungesund usw. erscheinen wird. Der Theologe dann: Ach, sieh an. 

Toxische Männlichkeit

 Als Wagner-Fan sage ich lieber nichts zu Rammstein. Da bin ich gleich doppelt unter Verdacht: dass ich das eine toxischen bullshit nenne und das andere nicht. Guess. 

Bashing

 Warum immer dieses Theologie-Bashing? Ist das Mehl bitter, weil das Mäuschen satt ist? - vielleicht. 

Diastase

Richard Wagner ist ein wirklich beeindruckender Beleg dafür, dass das Werk einer Künstlerin/eines Künstlers wenig mit deren Überzeugungen zu tun hat und noch weniger mit deren Rezeption. Den größten Quatsch über den Ring schreibt Wagner, als sein eigener Rezipient, selbst. Wie man den Ring schreiben kann und zugleich krasser Antisemit und Misogyn sein kann - es ist ein Rätsel. Dessen Lösung heisst: es gibt schlicht keinen Zusammenhang zwischen Denken, Imaginieren, Reden und Handeln. Das sind alles Behauptungen, Selbst-Stilisierung zur Aufrechterhaltung einer personalen Kohärenz, die eine Illusion ist. Deswegen, liebe Theologinnen und Theologen, gibt es auch keinen Weg von Indikativ zum Imperativ. Hinter Nietzsche und Freud gibt es kein Zurück. Und hinter die Sünde auch nicht….

Dumb

 Es bleibt dabei: Das Phänomen Dummheit stellt mich  in einer Mediengesellschaft vor die Theodizeefrage. Und zwar existentiell, weil Bildung bis hinein in mein gegenwärtiges Angebot des Digitalcoachings mein Lebensthema war. Und meine Leidenschaft. Aber ich spüre: ich habe keine Lust mehr. Und das ist kein Altersphänomen, da bin ich mir ziemlich sicher. Es ist ein Gegenwartsphänomen. Ich denke, dass der Brexit und die Wahl von Trump sowie die Coronazeit die rationalitätsökologischen Kipp-punkte waren. Wo ist der Geist, wenn er am dringlichsten gebraucht wird? (Möglicherweise ist das auch eine dumme Frage). 

Hoffnung

Mein  apokalyptische Kassandragemüt hofft ja heimlich, nicht Recht zu haben, ein bisschen dumm und überfokussiert, verbittert oder überzogen zu sein. Man gewinnt eine gewisse Energie daraus, falsch gelegen zu haben, aber es zermürbt auch auf Dauer - vor allem, wenn ich dann doch richtig lag. Das ist der Fluch der Gabe, Trends immer etwas voraus zu sein, aber Gott sei Dank lässt auch diese lästige Gabe im Alter spürbar nach.  Sie wird natürlich auch nicht trainiert, und in der Kirche, wo Hoffnung und Illusion gerne einander verteten, noch weniger als anderswo: zuviel träge Masse, zu wenig Entschlossenheit. Dabei wäre es eine große Entlastung, die Rettung Gott zu überlassen, und sich aufs Reparieren zu konzentrieren. Darauf zu warten, dass Gott repariert, ist keine kluge Haltung (und auch letztlich gottlos). 

Mittwoch, 7. Juni 2023

Dialektik der Reformation

 Und wenn, mal im Nietzscheschen Denkstil gefragt, das Ende der (Landes)Kirchen die Vollendung der Reformation wäre, und es sich daran zeigte, dass der deutsche Protestantismus es cum grano salus nie geschafft hat, einer zu sein (war am Ende der Anfang zu peinlich, so viel Gestänkere gegen die Kirche), eine Kirche aus Protest an der Kirche, konnte das eigentlich funktionieren? 2030: die 500 Jahrfeier als Selbstauflösung und - Apotheose? 

Therapie

 So ein Blog ist wie Schreien im Wald. 

Rammstein

 Ich habe keine Belege dafür: aber in der klassischen Musikszene (mit ihrem Geniekult und ihrer Anmutung bürgerlicher Anständigkeit) wird es kaum anders sein, als in anderen Musikszenen. Wahrscheinlich nur „subtiler“. Jetzt (ob mit recht oder ohne) auf die Rockszene zu zeigen, ist jedenfalls nicht angezeigt. Es geht um (alternde) Männer und Macht. 

Tipp

 Ich gebe mal einen waghalsigen Tipp ab: dieser Kirchentag könnte etwas von Showdown bekommen. Die Ära des gesellschaftlichen Engagements der Kirche, das mit dem (de facto schon von Anfang an kontrafaktischen)  Konzept der “öffentlichen Theologie“  seinen Schwanengesang anstimmte. Der reaktionär-sentimentale Backslash wird auch hier zuschlagen, ein Anfang wäre schon mal gemacht. 

Ergänzung: wer jünger ist als dreissig, hat in der Corona-Zeit am deutlichsten gelitten - und uns nicht die Bude angezündet, wozu sie, angesichts dessen, was sie sonst noch so aufzuräumen haben werden, da und dort durchaus Grund hätten. Ich finde die Äußerungen des Kirchentagspräsidenten beschämend. Mir geht es gewisse Sorte alter Männer so auf die Nerven, dass ich mich geradezu schäme, so alt zu sein. Und es gibt soooo viele davon. 


Nachtrag: Okay, ich lag falsch...erstaunlich. Völlige Fehleinschätzung der Situation. Vor allem die öffentliche Wahrnehmung hat mich überrascht. Schön. 

Dunkler Spiegel

 Wagners Fassung des Nibelungen-Mythos mit seiner Insistenz auf Gewaltlosigkeit, Gesetzesauflösung. Versöhnung und Transformation ist derart christlich (und zwar in der protestantischen Variante), dass es mich immer wieder verblüfft, wie wenig das wahrgenommen wird und wie absolut krass falsch Wagner hier gerade von seinen Jüngern verstanden wurde. Das gesamte Unheil der Welt liegt seit dem Lohengrin in den Händen dummer alter Männer, die im Gesetz gefangen sind, Frauen vernichten und entweder alles anzünden oder faktisch sich und andere belügen (Meistersinger!) Mein Verdacht: was hat Hitler da auf der Bühne gesehen und in der Musik gehört? Möglicherweise war sein Wotanstraum vom gloriosen Schopenhauerschen Unterhang sehr viel tiefer in ihm angelegt, als ihm vielleicht selbst zugänglich war: wer den Ring aus Wotans Perspektive erlebt, kann eigentlich ernsthaft nicht Macht wollen - es ist Wotan, der deutlich sagr: Keine Gewalt (im Rheingold) und lieber den Untergang will. Es ist wirklich ein Rätsel um Wagner. Und warum haben Theologen das nicht erkannt? Weil sie auf die Erzähloberfläche reingefallen sind und aus blosser Prüderie nicht hinschauten? Es würde mich nicht wundern. Das ist bis heute eine Schwachstelle der Theologie: Prüderie und Gesetzlichkeit. 

Minne

 Eigentlich schade, dass dieses schöne Wort sowohl als Verb, als Nomen und auch als Adjektiv aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist. Im deutschen haben wir dafür entweder nur prüde verschleiernde und gruselig-diffamierende, quasi technische Wörter („Beischlaf“,“Geschlechtsverkehr“ etc.) oder ziemliche ekelhafte Slangwörter mit oft phallisch-misogynem Konnotat.  Aber „die bräutliche Schwester minnte der Bruder“ (Walküre) ist weder technisch-verschleiernd noch vulgär diffamierend. Da klingt sogar der der krassestmögliche Inzest überhaupt (Zwillinge) poetisch, und „minniglich“ meint eben mehr als „sexy“ oder „begehrenswert“. In „Minne“ ist der Beziehungsaspekt beim Sex mitgemeint, die innigliche Verbundenheit bei gleichzeitiger Hingabe ohne Angst. Der eher bindende Aspekt hiess „freien“. 

Prüfstein

 Ob das sog. „Alte Testament“* Gesetzeskraft hat - das ist im Grunde die Testfrage auf „Christlichkeit“ überhaupt. Und ich fürchte….




*hier ganz bewusst „Altes Testament“. Das gibt es nämlich nur dort, wo es ein „Neues“ gibt. „Hebräische Bibel“, „Erstes Testament“ und andere Bezeichnungen (die ihr kontextuelles Recht haben), verschleiern das. 

Dienstag, 6. Juni 2023

Wagner

 Das Schöne an Wagner ist ja, dass er so simpel ist, dass auch schlichtere musikalische Gemüter ihren Spaß haben, Adorno hat da mit fast allem Recht. Sehr schön in den Pausen zu erleben, wenn ältere Herren (O MEIN  GOTT) ihre Gattinnen über Leitmotive mansplainen, nun, wenige Minuten später wird auch auf der Bühne wotanesk gemansplaint….hahaha, da gehts ihnen dann auch dreckig, denn DIESER Monolog gehört zum härtesten, was Wagner gemacht hat. Andererseits geht es mir so: dank Übertiteln (die für Wagner eigens hätten erfunden werden müssen, von wegen Gesamtkunstwerk) bin ich immer mehr von den wirklich genialen, konsequent „musikalisch“ gestalteten  und stilisiertenTexten fasziniert. Ein Narr, wer die „wörtlich“ nimmt. Er hat mit die schönsten Bilder für Sex gefunden, immer harrt am Schlüpfrigen (im Parsifal dann schon ein bisschen altherrenschmierig). Er war schon ein verdammtes Genie. Schade, dass er in die falschen Hände geraten ist, bis heute. Übrigens heisst die Wagner-Truppe, die gerade in der Ukraine mordet, nach ihm. Nun. Ein Schwert verhiess mir der Vater. 

Demokratie und Infarkt

 Ein Stück Autobahn um Kassel ist gesperrt. Es gibt klug geplante Bypässe. Trotzdem sind die Folgen heftig. Es kann so nicht weitergehen. Alles zuviel, alles zu eng gestrickt, fern jeglicher Rationalität. Hier kann mit Bauchgefühl, Meinung und Empörung nichts erreicht werden. Bei der Lösung dieser Aufgabe gerät Demokratie an ihr Limit - denn die ultimative Lösung ist völlig unakzeptabel: die Ausrufung des ökologischen Ausnahmezustands. Carl Schmitt grinst. 

Ennui

Warum schreibst du das alles auf? Und warum so und nicht anders? 

Aus Langeweile. Es ist wie ein Handyspiel. Nur ohne schlechtes Gefühl dabei. Und der cringe beim Wiederlesen hält mein Ego flach. 

Montag, 5. Juni 2023

Mindset

 Ich fahre im Moment jeden Tag mit meinem neuen Fahrrad ca. 1h durch die Gegend. Trotzdem wprde ich das nicht sport nennen, auch wenn meine Knochen sich gerade so anfühlen. Es ist technisch unterstütztes  Spazierengehen. 

Der erste Kapitalist

 Mit der Vorstellung, Sünde sei eine Art Zahlungsrückstand, den zu stunden Gnade sei, erweist sich Anselm von Canterbury (und nicht der Protestantismus) als Ursprung des (westlichen) Kapitalismus und seiner letztlich systemisch bedingten Menschenverachtung (er, der Mensch, ist nämlich ohne göttlichen Kredit und Vorschuss nichts wert. Wieviele, gerade linke Theolog*innen sind hier, indem sie an ausgleichende Gerechtigkeit appelieren, Agenten dessen, was sie zu bekämpfen meinen. Es könnte zum Lachen sein, wenn man Gott wäre. 

Ökonomie der Sünde

 Als zwei Affen das erste Mal etwas „tauschten“, war die Schuld in der Welt: als Inkommensurabilität. Glaube war nötig für den Deal. Und dann wurde der Betrug als Möglichkeit durch den Hinweis auf Gott sanktioniert. Und plötzlich war die „Schuld“ in der Welt, die mehr nur bezahlt, sondern heimgezahlt werden musste.  Die Ökonomie des Tausches steckt tief in der Religion - in einer durchökonomisierten Welt ein grotesker Atavismus. 

Telefon und Gott

 Macht hat, wer mit einem Anruf alles verändern kann. Techno-Theologie der Abwesenheit. 

Dumpfes Rätsel

 Ich wüsste gern, wie die Mehrheit der Menschen sich Herkunft, Aufgabe und Pflege des Rechts vorstellen. Das wäre, glaube ich, sehe erhellend. Ich erinnere mich an Gespräche mit wirklich klugen Menschen, die erstaunlich dumme, ja geradezu dumpfe Vorstellungen davon hatten (seltsamerweise auch mit jurist*innen. Man kann offensichtlich auch Jura, wie Theologie, ohne Sinn und Verstand rein dogmatisch-reproduktiv studieren). Meist zeigt sich  ein sehr faschistoides Naturrecht (erstaunlicherweise auch oft von links) oder ein diffuses Gottesrecht (es ist viel Theologie unterwegs, wo sie wenige vermuten), gleichzeitig aber die (faktisch rechtspositivische) Forderung nach diesem oder jenem - bei ebensolch gleichzeitiger Ablehnung des Rechts (wenn es um eigene Rechtsbeugung geht). Mir wird immer klarer, das hier eine der Hauptquellen für das schwindende Verständnis von Demokratie zu finden ist: die intuitive Suche nach einer nicht-ambivalenten Rechtsquelle und die Sehnsucht nach Gewalt als Rechtsmittel. Die deutlich nachlassende Regeldisziplin (aka „Verrohung“) ist da für mich ein deutliches und ziemlich beunruhigendes Signal. Woher kommt das? Nun, nichts macht das Recht so unplausibel wie Korruption. 

Sonntag, 4. Juni 2023

Totenstille

 20:00 Uhr. Ein lauer Abend. Terassentür sperrangelweit offen. Es ist still. Völlig still. Keine Insenkten. Wenig Vögel (keine überdrehte Abendsamsel).  Silent spring. Die Apokalypse kommt lautlos. 

https://theoschreibt.blogspot.com/2018/05/mainacht.html

Bämm!

 Ich höre ja wirklich gerne symphonische Musik der sog.  „Kleinen Meister“, derer es ja viele gab und deren zum Teil wirklich tolle Musik dankt Streaming gut zugänglich ist. Aber wenn  ich dann mal eine Sinfonie z.B. von Tschaikowski höre, haut das rein wie ein brennender Dornbusch unter Kerzen. Absolute Meisterschaft/Genialität ist schon ein berückendes Phänomen. 

Zeitzuflucht

 Ist diese Zugkraft der Vergangenheit letztlich ein Versuch, zu jenem heilen Ort zu gelangen, wie weit er auch zurückliegen mag, wo die Dinge noch ganz sind, es nach Gras riecht, du aus nächster Nähe die Rose und ihr Labyrinth betrachtest. Ich sage Ort, doch es ist eine Zeit, ein Ort in der Zeit. Ein Rat von mir, besucht nie, wirklich nie nach langer Abwesenheit den Ort, den ihr als Kinder zurückgelassen habt. Er ist ausgetauscht worden, von Zeit entleert, verlassen, gespenstisch.

Dort. Ist. Nichts.


Das ist mit das Traurigste, weil Wahrste, das ich seit längerem gelesen habe. Georgi Gospodinov, Zeitzuflucht. Wundervolles Buch. 

Autobiografie

 Ich hatte die Idee, eine Autobiografie zu schreiben, aber schon einige wenige Recherchen ergaben, dass mein Seat eine viel zu langweilige Geschichte dafür hat. 

Und nur, um eine paar wirklich dumme Witze unterzubringen, lohnt sich der Aufwand nicht. 

Samstag, 3. Juni 2023

Stolzmonat

 Mit dem „Stolzmonat“ haben die Deutschtümler das Christentum als Mindset endgültig hinter sich gelassen, . 

Spiel mit dem Feuer

 Der Satz „Wir müssen sowieso alle sterben“ ist einer der gefährlichsten Sätze überhaupt. Glaube ist der Versuch, den fatalen Zynismus dieses Satzes zu brechen mit einem „ja, aber“. Natürlich nur ein Glaube, der nicht auf ein metaphysisches Wolkenkuckucksheim hofft - denn dann wird’s noch schlimmer. Das ist der Unterschied von einem kleinen Glauben (der nüchtern bleibt) zum Kleinglauben, der sich fürchtet. 

Ehrpusselig

 Wer „Ehre“ mit „Würde“ verwechselt, hat schon eine Hand am Colt. Töten zu können und es nicht zu tun: das macht die Würde aus, die Menschen ehrt. Alles andere ist bestenfalls barbarischer Bullshit. 

Perspektivenwechsel

 Spanien hat jetzt die Möglichkeit des Menstruationsurlaubes eröffnet. Ich habe in meiner Zeit als Lehrer bei 10. Klassen, in denen das möglich war (Vertrauen, Reifegrad, Intensität), an einer Fantasie/Utopie gearbeitet: wie sähe die Welt aus, wenn sie auf  Frauen ausgerichtet wäre?  Es kam nur sehr selten vor, dass eine junge Frau/eine Jugendliche das ansprach. Wenn ich es dann ansprach, gingen die Wogen hoch - weil die jungen Männer/Jugendlichen von Menstruationsbeschwerden zum ersten mal hörten


Sehr interessant dazu: . https://youtu.be/wVz8RZZFF-g

Simpel

 Menschen wählen Faschismus, weil sie Faschismus WOLLEN. Dahinter steht die feste Überzeugung, so anständig zu sein, dass ihnen nichts passieren wird. So verrückt es ist: die politische Richtung, für die Gewalt ein legitimes Mittel der Politik ist, ist gegenüber der Gewalt völlig naiv. Das ist das Problem. So wie bei den Armleuchtern, die ständig mit „Sünde“ und „Gericht“ herumfuchteln, als wären sie davor gefeit und als wäre dass Herumfuchteln mit „Sünde“ nicht selbst….was übrigens schön erklärt, warum Religion politisch immer eher Schlagseite nach Rechts hat. Und das hat sie. Die öffentliche Wokeness der Führungselite ist nur eine dünne Lackschicht. Nur eine starke Theologie kann hier helfen, die Gewalt einzig in die Macht Gottes stellt. Die. Barmer Erklärung…

Freitag, 2. Juni 2023

Opfer

Eine „aufgeklärte“, „moderne“ Gesellschaft, die besessen ist vom Gedanken des Opfers, die sich aber zugleich von der Religion abwendet (die das Opfer irgendwie zu bewältigen versucht) - was kann aus ihr werden ausser einer ihrer selbst nicht bewussten Agentin des Todes? Solange das Opfer ein inszeniertes öffentliches Spektakel war, war das Töten um des Tötens Willen öffentlich, in all seiner Widerlichkeit. Wo ist es jetzt? In den endlosen Krimimorden einer angeblich bloß virtuellen Gewalt (als wäre Gewalt nicht immer Verletzung), in den beschämenden Tränen einer Ukrainerin? Und was ist mit den Tränen der Boatpeople? Wer sich dem Opfer, des Tötens um des Tötens willen als zutiefst  menschlicher Möglichkeit und seine Projektion in Gott als Vollendung der Gottlosigkeit nicht stellt, verfällt ihr. Der tötende Priester okkupiert göttliche Macht - im Tempel bleibt sie wenigstens sichtbar. Wo agieren die Todespriester heute und im Namen welchen Gottes? Theologie muss tiefer graben, wenn sie „relevant“ sein soll und von „Opfern“ spricht. Jede Trivialisierung des Begriffs wird Teil der Ursache dessen, was man mit ihm zu bekämpfen meint. Ein schönes Beispiel: Abtreibungsgegner, die bereit sind, Ärzte zu töten. 

Donnerstag, 1. Juni 2023

SM Content Hitliste

Nach Zugriffen:


Fahrrad

Brot

Noch mehr Brot

Figuren! 

Landschaft

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Gedanken

Prophezei

 Ich bin heute beim scrollen auf den Film „Silent Running“(Lautlos im Weltraum) gestossen, und hatte einen massiven Erinnerungsflash. Ich habe ihn 1974 im TV gesehen, und er hat (neben Soilent Green) am stärksten mit angestossen, mich mit dem zu befassen, was heute Gaia-Theorie bzw. Anthropozän heisst. Ich bin ja ziemlich fest davon überzeugt, das Science Fiction in ihrer Bedeutung als funktionales  Äquivalent zur Prophetie in der sich selbst als „säkular“ (miss-)verstehenden Gesellschaft massiv unterschätzt wird, das fällt mir gerade wieder auf, wo ich die alten StarTrek Shows wieder sehe und auch immer wieder erstaunt bin, wer alles Perry Rhodan liest bzw. gelesen hat. Das Naserümpfen der Bildungsfritzen darüber ist Teil des Problems, warum wir uns den Themen nicht stellen können: es klebt ihnen etwas „triviales“ an. So kippt „Bildung“ via Ignoranz im Barbarei. Übrigens ein Standardthema von Gene Roddenberry, einem der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts 😉

Blut

 Blut ist das wahre Thema der Theologie: der blutende Gott. Wo Blut ist, ist Leben: Menstruation und Eucharistie, Gewalt und Transfusion. Wo Blut  fliesst, wurde Haut geöffnet oder Haut abgestossen, wo Blut als Cruor stockt, ist kein Leben mehr. Inkarnation meint: Bluten können. Die Spur des Blutes seit Kain und Abel: die „Heilsgeschichte“. Wie weit das vom Schokoosterhasenchristentum entfernt ist. Verdacht: wäre mehr von Blut die Rede, flösse dann vielleicht weniger? Wäre mehr von blut die Rede: wären Frauen sichtbarer? Wäre mehr von Blut die Rede: hätten es die Tiere dann leichter mit uns? Blut ist die reinste aller Substanzen, die Substanz des warmen Lebens. Möglicherweise ist das die neue, die alles umwälzende, die antireligiöse Wende, die „das Christentum“ gebracht hat. Denn Religion ist immer auch, wenn nicht sogar im Kern, Blutkult - weil Blut und Schuld vermischt werden statt Blut und Leben. 

Gericht

 Wenn die künstliche Intelligenz wirklich intelligent ist, dann sieht es nicht gut aus für die Menschheit.