Freitag, 28. Februar 2025

Was Faschistoide so gefährlich macht

 Was Faschistoide so gefährlich macht ist, dass sie gefährlich sind. Punkt. 


(... und dass sie, anders als Linksextreme, eine relativ breite Zustimmung in der Bevölkerung haben. Es hat schon Gründe, warum der Begriff des "Sympathisanten", der beim RAF-Terror so eine große Rolle spielte, hier nicht verwendet wird. Es wären zu viele). 

Donnerstag, 27. Februar 2025

Kolokratie/colocracy

 Ich bin ganz erstaunt, dass es laut Suchmaschinen Recherche das Wort „Kolokratie“ tatsächlich nich nicht gibt. Dabei könnte es zur Beschreibung der offensichtlich vorherrschenden Regierungsform in an Unbildung und Desinformation sterbenden Demokratien ein Phänomen präzise beschreiben: die Herrschaft ungehobelter weisser Menschen voller Ressentiments. 


(Kolon: griechisch für „After“). 


I am quite astonished that, according to search engines, the word "colocracy" actually does not exist. When used to describe the apparently predominant form of government in democracies dying from ignorance and misinformation, it could accurately describe a phenomenon: the rule of uncouth white people full of resentment.


(Colon: Greek for "anus").

Mittwoch, 26. Februar 2025

Die demokratische Pest

„Umfragen“ sind eine wahre Pest, tödlich für eine Demokratie. Sie erzeugen ein Konstrukt von Wahrheit, das unter dem Mäntelchen der Empirie nichts anderes ist als das immer kränkelnde gesunde Volksempfinden. Das schon beim Wetter fast immer schiefliegt. Hier wird eine Scheinwelt erzeugt, auf die eine Scheinpolitik  reagiert, was den Schein erhöht, was die Umfragen verschlechtert und was im Faschismus endet: dem Schein des Einfachen. Und dann gibts keine Umfragen mehr. 

Messianisches Paradox

 Erst,  wenn du alle „Hoffnungen“ aufgegeben hast, kommt die Hoffnung. 

Fressen, Fi***n, Pennen

 An Macron wird einmal mehr deutlich: Wirklich mitmischen auf dem grossen Pausenhof können nur die Jungs mit den Atomwaffen. Unter einer  hauchdünnen Schicht von Kultur arbeitet das Reptiliengehirn. Leider mit einer Knarre im der dicken Hose. 


Kyrie eleison. 

Todesursachen

 Es könnte gut sein, dass die 1940-1955 Geborenen die beste Zeit erlebten, die die Menschheit je hatte, zumindest im privilegierten „Westen“, die kommende Barbarei wird ein furchtbarer backlash gutmeinender Idioten und skrupelloser Narzissten. Die Enkel wissen nicht mehr, woher das gute Leben kommt: weil alle wussten, dass Auschwitz nicht noch einmal sich ereigne, rissen sie sich am Riemen und bauten  Damm. Vergessen. Die, für die das Wasser aus der Leitung kommt, zerstören die Quellen, und die, die kein Hochwasser kennen, finden den Damm unnütz. 

Dienstag, 25. Februar 2025

Umgang mit Ideologen

 Nehmt sie beim Wort. 

Wer keine Gedanken hat, hat auch keine Hintergedanken. 

Sonntag, 23. Februar 2025

Alter Armleuchter. Eine Entscheidung

Ich bin jetzt 64, seit einem halben Jahr im vorgezogenen Ruhestand. Die Entscheidung war und ist richtig, keine Reue, kein Leiden unter erodierter Wichtigkeit (die mir nie wichtig war), keine Langeweile, ich versuche gerade, mein Hobby ein bisschen zu professionalisieren, und die Aktivitäten an der Uni tun mir auch gut, wenn es auch mit weniger Schwung geht, als ich dachte. Nun ja.  

Aber ich wache jeden Morgen auf und "sortiere meine Knochen", und das kann schon mal eine Stunde  oder länger dauern. Ich war früher so ein "hopp-aus-der-Kiste-und-los-Typ", gerne schon, ohne Wecker, um 4.30 Uhr. Das ist vorbei. Ich habe chronische oder doch sich chronifizierende Schmerzen unklarer Herkunft, die mich daran hindern, ausführlich spazieren zu gehen oder gar zu wandern, selbst Treppensteigen und die ca. 100 Meter bergauf von der Bushaltestelle nach Hause können ein schmerzensreiches Abenteuer werden. Gott sei Dank kann ich Fahrradfahren, wenn auch mit dem E-Bike auf höchstem Unterstützungslevel (was für ein Segen). Sonst bin ich recht fit, mache jetzt, wegen HWS, ziemlich heftiges "Kieser-Training", das gut anschlägt. Ich kann nur noch halbe Portionen essen, mein immer sehr hoher Spaß am Essen ist da etwas getrübt. Ich muss richtig gut überlegen, was und wieviel ich esse, sonst lähmt mich meine Verdauung. Die Pillen, die ich gegen die Schmerzen nehme, trüben ein wenig - nur einen Hauch - meine Empfindungsfähigkeit und Umgebungssensibilität, für einen alerten Typen wie mich gewöhnungsbedürftig. Meine Hörgeräte (25% Hörtrübung) sind zwar ein großartiges Enhancement und weit mehr als eine Prothese, aber lästig sind sie schon. Privat ist es gerade etwas anstrengend, wir haben die Handwerker im Haus und das zieht sich. 

Natürlich ist viel Lebensrückblick angesagt: Ich habe einiges zu bedauern (weniger, als ich denke, dafür aber einiges sehr Schmerzhaftes), ich bin beruflich einmal falsch abgebogen mit ziemlich heftigen Folgen, das holt mich manchmal ein, obwohl ich mich beruflich nicht beklagen kann, ich habe wirklich viel erlebt und hatte meistens die Chance, im meiner Arbeit gut klarzukommen, wirklich große Böcke habe ich nicht geschossen, und dass ich mich die letzten vier Jahre noch meinem Lieblingsthema Digitalisierung widmen konnte, war ein Glücksfall. Alles gut. Eine gescheiterte Ehe, fast alle Freunde tot (!), und ich muss mindestens 10h am Tag schlafen, ohne Mittagsnapp wird es schwierig. Und ich höre natürlich die Uhr ticken. Da ich, aus alter Berufsgewohnheit, die Todesanzeigen gründlich lese, wird mir schon klar, dass ich dem Tod doch deutlich näher bin. Und so weiter, möchte ich fast sagen: es ist ein deutlicher Erosionsprozess. 

In der Politik stiftet ein orientierungsloser Konservativismus gerade maßlose und nicht ungefährliche Verwirrung, faschistoide Narrative greifen wieder öffentlich um sich (es gab sie schon immer, ich komme aus so einem Umfeld), die demokratische Kultur ist, vorsichtig gesagt, im Wandel, und beide Großmächte werden von gefährlichen alten Männern regiert, die ihre persönlichen Lebensrechnungen begleichen, es ist erschreckend simpel, was vorgeht. Und leider auch ziemlich bedrohlich. 20% AfD Wähler bedeutet auch: stehe ich mit 10 Leuten an der Bushaltestelle, stehen dort mindestens zwei AfD-Wähler, simpel gesagt. Das erhöht meine Lebensfreude nicht, die Lautstärker der schieren Dummheit macht mir sehr zu schaffen. Die Dorfdeppen organisieren sich. Und es ist unübersehbar: Das ganze wird von alten Männern dominiert. Auch diese simple Einsicht stellt sich bei mir ein, ich habe mich lange dagegen gewehrt. Und das wirklich bedrängende Thema, der Energiewandel, wird auf einer geradezu infamen Weise ausgeblendet. 

Und das ist der Anlass dieses Post: Ich muss morgens nach dem Aufwachen nicht nur meine "Knochen sortieren", im konkreten wie im übertragenen Sinne, ich muss mir auch jeden Morgen aufs neue vornehmen, kein alter Armleuchter zu werden. Denn das spüre ich ganz deutlich: Das ist eine Entscheidung. Es wäre viel bequemer, rantend und grantig, mürrisch und simpel durch die Welt zu gehen. Aber es wäre auch dem Leben, meinem Leben und dem meiner Mitmenschen, mehr als abträglich. Eine der wichtigsten Aufgaben beim Altwerden (und ich denke, so ähnlich wie bei mir fühlt es sich bei den meisten an, in unterschiedlicher Intensität) ist es, daran zu arbeiten: Kein alter Armleuchter zu werden. Wir sehen, wohin das führt. Wünscht mir Glück (übrigens hilft mir mein Glaube dabei sehr). 

Samstag, 22. Februar 2025

Erdkunde, Wahlen und Demokratie.

 Morgen wird in Deutschland gewählt. Ein verfassungsmäßig völlig normaler Vorgang in einer Demokratie - eine Regierung zerfällt, es gibt Neuwahlen innerhalb einer gesetzlich vorgeschriebenen Frist - hat etwas Sensationelles bekommen, in einem wenig guten Sinn. Der Verlust elementar vernünftiger Erwartungen an das, was Demokratie, parlamentarische Demokratie, bedeutet und leisten kann, was also vernünftigerweise davon zu erwarten ist, setzt mir dabei am meisten zu. Ich treffe auf Threads, und zunehmend auch auf Facebook auf "MAGA" Anhänger. Was mich dabei wirklich zutiefst erschüttert, ist das Ausmaß fehlender elementarer Kenntnisse (ich vermeide den Bildungsbegriff hier bewusst). 

Ich habe, halb scherzhaft, halb ernstgemeint - zu meinen Schülern oft gesagt: In einer Bewerbung würde ich immer zuerst auf die Erdkundenote schauen. Wer in diesem Fach, für das man keine intellektuelle Hochbegabung, sondern einfach nur ein mittelmäßig interessierter Schüler bzw. Schülerin sein muss, schlecht ist, ist entweder faul oder ignorant. Orientierung auf der Landkarte ist ein einer globalen Gesellschaft, die wir längst sind (mögen Nationalisten aller Art noch so laut krakeelen), ein elementares Wissen. 

Die Propaganda in den USA setzt erkennbar und sehr zynisch darauf, dass die meisten US-Amerikaner offensichtlich nur sehr verschwommene Vorstellungen von der Landkarte haben, und ich bin auch hierzulande in Gesprächen oft erstaunt, wie wenig viele Menschen die Landkarte kennen. Kiew ist näher als Madrid. Über Kaliningrad ist Russland 500 km von Berlin entfernt. Kanada ist größer als die USA. Afrika ist kein Land, die Herkunftsländer vieler Migranten würden die wenigsten auf Anhieb auf der Karte treffen. Usw., usw. 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele der Debatten, die wir führen, auf miserablen historischen und geographischen Kenntnissen beruhen und mit ihnen spielen. Die Krise der Demokratie - die zweifelsfrei da ist, die ich allerdings für Deutschland nicht so dramatisch einschätze, wie es "öffentlich" (wer ist das eigentlich?) kommuniziert wird, hat viel mit mangelndem Wissen zu tun. 

Eine "Machtergreifung" irgendeiner Art ist bei uns schon sehr schwer, das sieht man auch in Ländern, die von ganz rechts regiert werden, so richtig klappt das mit dem "Durchregieren" weder in Italien noch in den Niederlanden, und die Polen haben den rechten Unsinn abgeschüttelt, in Serbien rührt sich massiver Widerstand. 

Gleichwohl: Es gehört zur demokratischen Grundbildung, dass zur Demokratie unauflösbare Paradoxien allein daraus ergeben, dass die "Macht des Volkes" delegiert wird, dass für viele Schritte einfache Mehrheiten nicht genügen (Demokratie also gerade nicht einfach die Macht der Mehrheit bedeutet), und dass Regierungswechsel, auch ruppige, zur DNA der Demokratie gehören. Eine Demokratie muss auch damit leben, dass ihre Feinde in ihr Raum und Gehör bekommen, solange sie den Boden des Rechts nicht verlassen. Das ist zweifelsohne schwer auszuhalten. Dass sie Raum und Gehör bekommen, bedeutet allerdings nicht, dass sie auch Recht bekommen. Es ist völlig legitim, dass ein Parlament eine extreme Partei von politischen Entscheidungen exkludiert, solange es dafür legitime Mehrheiten bekommt. Das Gerede von der "Brandmauer" ist da wenig hilfreich. Es engt den politischen Spielraum ein. Hilfreicher wäre, sehr genau zu benennen, inwiefern ein Gesetzesvorhaben, auch wenn es Interessen von Rechtsradikalen streift, gleichwohl im Rahmend es geltenden Rechtes bleibt. Wenn das nicht gegeben ist, dann muss die Rechtssprechung in die Entscheidungen der Politik eingreifen. DA gehört die "Brandmauer" hin, die aber eben keine Mauer ist, sondern Durchsetzung des Rechtes. Dafür und dafür hat eine Demokratie exekutive Gewalt, die sich natürlich in solchen Fällen auch gegen ihre Bürger richtet - dann nämlich, wenn deren Vorstellungen gegen die Verfassung verstoßen. 

Ein demokratisch regiertes Land ist darum  auch nicht "gespalten", wenn politische differente Meinungen und Überzeugungen aufeinandertreffen - Interessenausgleich ist genau das, was die zentrale Aufgabe von Demokratie ist, sie geht nicht von irgendeiner mystischen Einheit aus, sondern setzt Strittigkeit voraus, weswegen der Kompromiss die zentrale Funktion politischen Handelns in einer Demokratie ist. 

Demokratie ist immer, wie der französische Philosoph Derrida formuliert, "im Kommen", ein gewisses Gefühl des Defizitären, Unerfüllten und Misslungenem ist ein integraler Bestandteil eines demokratischen Habitus. Jedes politische System, dass sich selbst für vollkommen hält, ist bereits auf Abwegen. 

Schon die Vorstellung, alle müssten einer Meinung sein, ist im Kern undemokratisch und hat einen totalitären Zug.  Wenn also morgen ein sehr differenziertes (!) Wahlergebnis erscheint, womit ja zu rechnen ist, ist die Demokratie, der Parlamentarismus vor allem, sehr herausgefordert, aber keineswegs "gescheitert" oder "in der Krise". Die Krise der Demokratie ist vielmehr die, dass, angefangen bei der Demokratie, Menschen zu wenig wissen - und dass damit, wie ich meine wahrnehmen zu können, in wirklich bedenklicher Weise politisch hantiert wird. leider im Moment gerade auf der konservativen Seite, aber das ist ein anderes Thema (es hängt damit zusammen, dass es die Welt, die der Konservativsimus bewahren will, nicht mehr gibt, wenn es sie je gab). Das mangelnde demokratische Wissen aber fängt bei Erdkunde an. 

Donnerstag, 20. Februar 2025

Stammtisch-Kassandra

 Es erfüllt mich mit tiefer Traurigkeit, dass meine dunkelsten Visionen über den Gang der Dinge, die in meinem Umfeld gerne als eine Art Stammtischapokalyptik angesehen wurden, von der Realität noch übertroffen werden. 


Und ich bin in grosser Sorge, was meine weiteren Einschätzungen betrifft. 

Ich habe, nicht weil ich so schlau bin, sonderm weil ich mich hobbybedingt seit Jahrzehnten intensiv mit Militärgeschichte befasse, bemerkt, dass immer die Falken Recht behalten haben (vor allem Martin v. Creveld, horribile dictu). Es war der NATO-Doppelbeschluss, der mich da geprägt hat. 

Und ich bin sehr erleichtert, dass im linksgrünen Bereich das Verständnis dafür wächst. Krieg ist immer noch ein Mittel der Politik und deswegen auch Bestandteil von Politik - in autoritären Staaten nämlich.    

Ich habe das Baltikum als Kriegsschauplatz für den Beginn eines grossen europäischen Krieges schon lange im Blick (ich habe vor vierzig Jahren in einem baltischen Studentenwohnheim gewohnt und sehr viel über Lettland, Litauen und Estland gelernt).

Die Bundeswehr verlegt nicht ohne Grund eine Brigade nach Litauen. Aber eine Brigade: das ist nichts.

 So schwach, wie Europa militärisch jetzt ist - wäre ich Putin: lieber heute als morgen, sobald in der Ukraine Ruhe ist. . Es scheint so zu sein, dass in Europa immer dann grosse Kriege ausbrechen, wenn mindestens ein Schlafwandler dabei ist. Und da sind Demokratien sehr anfällig.  Ich bin sehr erfreut, mit Kaja Kallas eine estnische Politikerin in der europäischen Aussenpolitik und als Vizepräsidentin zu haben. 

Freier Wille

 „Freiheit“ ist immer eine Simulation, aber als Simulation ist sie der Ernstfall. 

„Würde“ ist immer eine Behauptung, aber als Behauptung ist sie die Wahrheit. 

 


Mittwoch, 19. Februar 2025

Zurück in die Zukunft

 Ich trage Hörgeräte. Das ist eine ganz feine Sache, sie öffnen mir die Welt. Die Kugel des Hörbaren war auf wenige Meter zusammengeschrumpft. Lege ich die Hörgeräte an, öffnet sie sich bis über den Horizont hinaus. Der Preis dafür? Ich lebe hörend ein paar Hundertstel Sekunden hinter dem, was die Augen sehen. Schallgeschwindigkeit plus Lichtgeschwindigkeit zusammen versetzen meine Phase. Das geschieht beim normalen Hören auch, unser Gehirn rechnet das raus - aber durch die Elektronik habe ich zusätzlich ein eigenes Zeitfeld. Manchmal meine ich, diese Asynchronizität zu spüren. Mir war niemals vorher klar, wie sehr unser Zeitempfinden vom Hören abhängt. Diese winzige technische Phasenverschiebung zusätzlich zur biologischen lässt mich in zwei Zeiträumen leben. Unsere Hörkugel ist eine Art Warpfeld im sozialen Raum. 

Makel und Moral

Ich rauche leidenschaftlich gern Pfeife. Das delegitimiert alles, was ich über Vernunft sage. Ethik ist unmöglich. . 

Dienstag, 18. Februar 2025

Zuhören

 Es ist bemerkenswert. Als die RAF bzw. die radikalisierte Linke in den späten 60ern ihre Pamphlete herausgab, wurde jedes Wort  geglaubt (durchaus mit Recht, wie sich zeigte) und es brachen Panik und Hysterie aus. Bei rechten Pamphleten ist das seltsam anders. Auch Rechtsradikale und Rechtsextreme sind in der Regel sehr mitteilsam, und da wir es hier zumeist nicht gerade mit brillanten Denkern zu tun haben, oft auch in grosser Klarheit. Was alle Radikalen und Extremisten - auch ohne Hufeisen - eint: sie MEINEN es so. Das sind keine Metaphern oder Hyperbeln. Nichts von dem, was faschistische oder faschistoide Menschen tun, kommt überraschend und unvorhersehbar. Im den 60/70ern wurde mit enormer Energie bis an den Rand von Verfassungsbruch und Staatskrise verhindert, dass radikalisierte, extremistische Linke auch nur in die Nähe der Macht kamen, weil man sie beim Wort nahm. Nehmt radikale und extreme Rechte beim Wort! SIE MEINEN ES SO! 

Bürokratieabbau

 Allein die Tatsache, das Rechte aller Art immer vom „Bürokratieabbau“ faseln zeigt schon, wie wichtig eine ausdifferenzierte Verwaltung für Gerechtigkeit und sozialem Frieden ist. Sie sagen „Bürokratie“, aber sie meinen: Sozialverwaltung, Bildung und Justiz, Privatisierung hoheitlicher Aufgaben. Hinter dem “Bürokratieabbau“ steht der reaktionäre Anarchismus eines Konservativismus, der nicht mehr weiss, warum er konservativ ist. Und schlimmeres. Denn „Bürokratie“ wird in diesem Diskurs schon genannt, was tatsächlich Gewaltenteilung ist. Es geht um das Herz der Demokratie. Allzuoft meint Bürokratieabbau Demokratieabbau.   

(Dass es groteske Fehlentwicklungen gibt, steht völlig außer Frage. Aber darum geht es nicht. Und schon gar darum, dass Karl-Heinz mal eine gerichtliche Abmahnung über 5.-€ gekriegt hat, weil er sein, natürlich ungerechtferigtes, Knöllchen nicht bezahlt hat) 

Montag, 17. Februar 2025

Metaphysische Kränkungen.

 Kopernikus, Darwin, Freud…die größte metaphysische Kränkung ist doch, dass Menschen und Primaten gemeinsame Vorfahren haben. Ich kann gut verstehen, dass die Affen das nicht gut ertragen. 

Extrem simple Wahrheit

 Faschistische oder faschistoide Regierungen plündern zuerst den Staat, um ihren Wählerinnen und Wählern durch exzessive “Sozialprogramme” den Eindruck zu erwecken, es ginge um sie. Wenn das Geld alle ist, werden die einen in den Schützengraben gesendet, die anderen kriegen Lebensmittelmarken, sofern sie nicht in irgendeiner Art und Weise aus der Gesellschaft entfernt wurden. Am Ende bringen sie sich um oder hängen kopfüber an der Dachrinne. 

Was bleibt? „Er/Sie hat die Autobahnen gebaut und die Arbeitslosigkeit beendet“. 

Es ist die Primitivität des Faschistoiden, die es so kompliziert macht. (s. Taubenschach). 

Sonntag, 16. Februar 2025

Die AfD - eine Nazipartei?

Die AfD ist keine "Nazi-Partei". Ich halte es für wenig hilfreich, wenn sie so benannt wird. Aber sie ist eine  faschistoide, und in einigen Punkten, vor allem aber im Auftreten einiger ihrer Vertreter und Vertreterinnen eine faschistische Partei. 

Jeder Nationalsozialist war (und wo es sie noch gibt: ist) ein Faschist. Aber nicht jeder Faschist, nicht jede Faschistin ist Nationalsozialist. Weil der Nationalsozialismus einen besondere Ausprägung des Faschismus ist, dessen Grundlage vor allem Antisemitismus und nationaler, rassistischer Größenwahn waren, der sich in einem totalitären, gewaltbasiertem Staatsverständnis ausdrückte, und in vieler Hinsicht war er so tatsächlich nur in einem deutschen oder deutschsprachigen Kontext möglich. Ich möchte die Singularität des Nationalsozialismus gewahrt wissen, nicht zuletzt, um damit auch die Singularität des Holocaust zu wahren. 

Meiner Einschätzung nach verschleiert die Bezeichnung als "Nazi" für alle faschistischen Weltanschauungen, dass der  moderne Faschismus aus dem 20. Jahrhundert gelernt hat und unter völlig anderen Voraussetzungen agiert als der historische Nationalsozialismus (der in vieler Hinsicht vom italienischen Faschismus "gelernt" hat), der auf seine Weise zwar auch "modern" war, weil er nur einem Staat entstehen konnte, der sich, ganz modern, als nationaler Verfassungsstaat etabliert hatte. Das war so eben nur unter den Bedingungen der Moderne möglich. Dazu gehören auch die frühen Massenmedien. Aber es war die Moderne vor der universellen Massenkommunikation und vor der Globalisierung. 

Auf eine merkwürdige Art und Weise finde ich daher, dass die Bezeichnung "Nazi" für die AfD - unabhängig davon, dass es in ihr definitiv Nazis geben mag (bei Herrn Höcke z.B. finde ich das durchaus gegeben) - geradezu verharmlosend, weil die Gefahr besteht, den modernen Faschismus als historisch und faktisch überholt anzusehen, als etwas "ewig Gestriges". Faschismus ist aber ein, "ewiges" Phänomen. Faschismus unter den Bedingungen der "Informationsgesellschaft" ist auf eine sehr andere Weise gefährlich, als es der Nationalsozialismus war. Das wird vielleicht deutlicher, wenn man sich Umberto Ecos Definition von Faschismus anschaut. Ich habe eine sehr schöne Zusammenfassung  dieses Textes gefunden: https://www.dr-walser.ch/14_merkmale_des_ur-faschismus_nach_umberto_eco.pdf

Ähnlich, aber historisch eben noch sehr nah an der Erfahrung des Nationalsozialismus, argumentiert Adorno, auch von seinem Vortrag habe ich eine schöne Zusammenfassung gefunden: https://www.deutschlandfunkkultur.de/theodor-w-adorno-aspekte-des-neuen-rechtsradikalismus-102.html

Ich bin übrigens selbst von mir überrascht, wie stark der Faschismus-Begriff für mich wieder geworden ist, er ist leistungsfähiger, als ich bisher dachte, weil er auch Bewegungen umgreift, die eben nicht "nationalsozialistisch" sind, weil es geradezu absurd wäre, z. B. den französischen Rechtsradikalismus darunter zu subsumieren. Marine Le Pen weist das, aus guten und sehr fatalen Gründen, zurück. Auch Donald Trump und seine "MAGA" Bewegung ist nicht "nationalsozialistisch", aber deutlich faschistoid, wenn nicht gar im Kern vollständig faschistisch. 

"Dass Auschwitz sich nie wiederhole..." - Theodor Adorno - kann nur dann eine sinnvolle Maxime sein, wenn man wahrnimmt, dass der Faschismus von heute zwar dem Faschismus von damals ähnlich ist und ihn in vieler Hinsicht auch beerbt - aber er ist etwas anderes, am Ende sogar weitaus Gefährlicheres: Er gebärded sich zwar immer wieder nationalistisch, aber er hat einen globalen Zug, es gibt eine internationale extreme Rechte - eine Perspektive, die der "historische" Nationalsozialismus so nicht haben konnte und auch nicht wollte. 

In Summa: Ich halte die summarische Bezeichnung der AfD als "Nazi-Partei" für eine Vereinfachung, die verschleiert, womit wir es zu tun haben, sie macht es auch zu leicht, sie von sich zu weisen (wieder verweise ich auf Marine Le Pen). Was nicht heißt, dass es natürlich Überschneidungen gibt und dass es einzelne Protagonisten gibt, für die diese Bezeichnung zutreffen mag. Der moderne Faschismus ist eine Reaktion auf Globalisierung, Klimawandel, Migration, Digitalisierung und Diversität. Das ist ein völlig anderes Feindbild als das des Nationalsozialismus, der im wesentlichen auf seinem Antisemitismus beruhte, er hat eine andere Grunderzählung: Die Feindschaft gegen Diversität. Und damit gegen die entwickelte Moderne. 




Litanei über Beine

Wer erwartet, dass Politik einfach sein muss, 
        steht mit einem Bein im Faschismus. 

Wer erwartet, dass Wissenschaft intuitiv sein muss, 
        steht mit einem Bein im Faschismus.

Wer erwartet, dass es eine Wahrheit gibt, die klar ist, 
        steht mit einem Bein im Faschismus.

Wer erwartet, dass Begriffe nur eine Bedeutung haben, 
        steht mit einem Bein im Faschismus

Wer erwartet, dass sich nichts veränderst, 
        steht mit einem Bein im Faschismus.

Wer erwartet, dass Natur die Vorlage für Kultur sei, 
        steht mit einem Bein im Faschismus.

Wer erwartet, dass alle dasselbe erwarten, 
        steht mit beiden Beinen im Faschismus


Fatale Kausalität

 Dass wir alles möglichst billig haben wollen, kommt uns teuer zu stehen.


Dass wir alles „einfach“ haben wollen, machte es total kompliziert. 


Dass wir billigen Frieden haben wollen, beschert uns teure Kriege.

Samstag, 15. Februar 2025

Idiotokratie

 Ich bin heute auf Threads so übel angepöbelt worden,  dass sogar mein Schattenmisanthrop erschauerte. Wir leben in wachsendender Barbarei: Idiotokratie. Moronarchie. Die traditionelle Demokratie erstickt an ihrem Unrat. Und ich habe nicht die geringste Vorstellung davon, wie wir da herauskommen. 

Mittwoch, 12. Februar 2025

Demokratie und Brot

 Derrida („Schurken“) stellt die Frage, wer/was da kommt im Kommenden. Ein Gott ist es, der nicht ist. Die Moderne hat eine Lücke, eine Singularität eher, die sie nicht füllen kann, die als Lücke kommt. Wo nur Kausalität herrscht, gibt es keine Zukunft. Wo nur Kontingenz herrscht, gibt es keinen Plan, nicht mal eine Prognose, keine Figur ist lächerlicher als der Prophet, Kassandra lacht. Wo nur das Recht herrscht (das immer das des Stärkeren ist, die Maske gezügelter, aber eben auch nur gezügelter), gibt es keine Barmherzigkeit eines guten Endes, wer nur von hinten lebt -„Geschichte“- muss nichts so sehr fürchten wie das „Ende“, und es zugleich lieben, weil es die Erlösung ist. Reine Kausalität ist suizidal. Wie soll da Demokratie möglich sein, ja überhaupt nur denkbar? Wo sie doch nur als kommende überhaupt ist? Der Gott, der uns da retten kann (Heidegger) ist tot, weil es ihn nie gab, er war der Götze der Geschichte. Das Kommende findet sich in den Augen der Hungernden: das Stück Brot für heute, damit es ein Morgen gibt. 

Falschbildung

 Durch die Ereignisse in den USA und was man dazu alles so lesen kann in den Social Media, ist mir ein Begriff in den Sinn gekommen, den ich vorher noch nicht kannte.

Ein bisschen arrogant und überheblich wird ja gerne mit dem Begriff der „Bildung“ umgegangen und seinem Gegenbegriff der „Unbildung“. Dazu ließe sich viel sagen. Mir ist schon sehr bewusst, wie schwierig beide Begriffe sind und vor allem die Entgegensetzung, es stellt sich die Frage der Standards. Die Debatte ist mir geläufig. Und dennoch:   In den letzten Jahren hat sich etwas etabliert, was ich „Falschbildung“ nennen möchte, denn es geht nicht nur darum, dass man Dinge nicht weiß, Zusammenhänge nicht kennt und bestimmte kulturelle Techniken nicht trainiert hat, sondern dass man es falsch macht und falsch gelernt hat und falsch weitergibt. Ich weiß natürlich, dass auch die Unterscheidung von „richtig“ und „falsch“ nicht unproblematisch ist. Dennoch: Was mir in vielen Posts, Artikeln, Stellungnahmen usw. in den Social Media begegnet, zeigt ein Maß an Verwirrung auf fast allen Ebenen, dass man nicht mehr sagen kann es sei „Unbildung“ sondern eben „Falschbildung“, der Habitus der „Fake-News“, nur dass es um mehr als um News geht. Es ist auch nicht einfach ideologische Verengung.  Es ist ein bisschen wie der Zwiesprech bei Orwell. Nur fürchte ich, dass das sehr viel tiefer geht. Mir macht das große Sorge, denn es ist von der Aufklärung her gedacht, zu der ich ja durchaus ein dialektisches Verhältnis habe, eine Verdunkelung.


Dienstag, 11. Februar 2025

Nackte Wahrheit

 Eine Ethik, die wirklich auf Veränderung aus ist und zugleich wahrhaftig sein will, setzt bei ihrem ewigen Zuspätkommen an, sie formuliert kein „Du sollst“, sondern ein: „So hätte es sein müssen, okay, nächstes Mal“. Und so weiter. Inzwischen sorgt irgendwie eine Mischung aus Instinkt und Metaphysik dafür, dass wir uns nicht permanent den Schädel einschlagen, Frauen bei jeder Gelegenheit niedermachen und ständig furzen. 

Sonntag, 2. Februar 2025

Wachsen und Schrumpfen

 Es gibt eine Frage, die mich mein gesamtes Leben, allemal aber zu meiner Zeit im aktiven Dienst, zutiefst bewegt hat, und einen nicht geringer Anteil meiner leidenschaftlichen, niemals unterbrochenen Lektüre von allem Möglichen hat die Suche nach einer Antwort darauf als Motiv: 

Warum zerbrechen die einen an dem, was ihnen im Leben so begegnet und andere nicht? 

Warum kommen die einen aus Trauer, Schock, Enttäuschung und Verletzung nie heraus und werden kleiner und kleiner, biestiger, stummer, einsamer, und die anderen wachsen, reifen, erblühen, überleben nicht nur, sondern nehmen sogar noch etwas mit? 

Alles, was ich dazu gedacht und gelesen, spekuliert und geredet habe, zeigt nur: es ist so. Es betrifft Fromme und Unfromme, Reiche und Arme, Privilegierte und Verdrängte, Männer und Frauen, egal welcher Nationalität und Herkunft - und ich selbst habe mich auch als jemand erlebt, der aus Krisen (und davon gabs nicht wenige) und Verlusten (davon gab es sogar noch mehr) eher stärker, oder zumindest gereifter, besonnener herausgekommen ist, in dem Sinne, dass ich meinen Lebensmut nicht verlor (auch wenn es manchmal sehr knapp war), mein Kompass stabil blieb (auch wenn ich ihn oft nicht mehr ablesen konnte), während ich in meinem Umfeld, und natürlich in meinem Beruf, erlebte, dass Menschen schon bei sehr viel kleineren (sofern man das werten kann) Erfahrungen völlig zerrütteten und nie wieder stabil wurden. 

Der Glaube, die Religiosität, spielte dabei immer nur eine katalytische Rolle, niemals eine kausale (der Grundirrtum aller die meinen, man könne auf diese Weise etwas reparieren), und es ging auch völlig ohne (sofern es ohne überhaupt geht, anderes Thema). Auch Therapien habe ich so wahrgenommen, sofern das von außen möglich war - bei mir haben sie eigentlich immer gewirkt. Und sei es nur, dass ich die Zähne länger zusammenbeißen konnte oder rechtzeitig die Flucht ergriff (was ich für ein durchaus rationales Verhalten halte und erst einmal nicht moralisch sehe. Das ist immer die zweite Frage, allemal, wenn es um Treue und Solidarität geht). 

Das Rätsel wird für mich eher größer mit dem Alter. Warum zerbrechen die einen, wachsen die anderen? Selten habe ich etwas dazwischen erlebt, das waren, sofern ich es mitbekam, immer eher Latenzphasen. 

Ich habe gelernt, dass das "Resilienz" heißt. Aber das Wort erklärt gar nichts, es benennt es nur, und ich bin mir auch nicht so sicher, ob es wirklich ein gutes Wort ist. Es geht um mehr als und Fehlerfreundlichkeit und Repariermechanismen. 


Aber worum geht es? 


Theologisch - es sei nur angedeutet - kommen wir hier in den heiklen Bereich von Determinismus und Prädestination. Aber auch hier habe ich die Vermutung, dass Menschen, die nicht so leicht zerbrechen, eine andere Auffassung haben als solche, die eher zerbrechlich sind. 


Und ganz in der Tiefe meiner Seele liegt der - fast schon dekonstruktivistische Verdacht - dass zerbrechliche Menschen keinen Zugriff auf ihre Vulnerabilität haben, während die stabileren die Vulnerabilität alles Lebendigen eher vor Augen haben. Aber das nur hinter vorgehaltener Hand, dieser Gedanke hat ein paar unerfreuliche Implikationen. 


Die Frage treibt mich jetzt wieder um, weil die politische Situation sehr viel mit Vulnerabilität und Resilienz zu tun hat. Es könnte schließlich auch sein, und jetzt wird es wirklich dekonstruktivistisch, dass hinter der Resilienz eine Wahrnehmungsschwäche liegt, die bis zur Ignoranz gehen kann. 


Derrida spricht vom hermeneutischen Zirkel als von einem Rad, auf das wir geflochten werden. 

Inbrunst

 Die glühende Sehnsucht, gemischt mit einem hinter scheuer Höflichkeit eines immensen Intellekts verborgenem Zorn, mit der Jaques Derrida von Erlösung spricht, ist schiere Inbrunst, die ich in der Theologie so schmerzlich vermisse. Es ist ein Leiden an dem was ist, im Namen dessen, was  sein könnte, das erst dadurch zum wirklichen Schmerz wird, dass es keinen metaphysischen Trost gibt, kein Denker ist der dunklen Wahrheit des Kreuzes so nahe. 

Samstag, 1. Februar 2025

Nerd-Expertise

 Nerd-Expertise ist ein großer Spaß. Solange man kein Nerd ist. Merke: Wer sich selbst Nerd nennt, ist keiner. In jedem Fandom leicht zu bestaunen. Da bekommt das Wort „Fach-simplen“ noch mal eine ganz neue Bedeutung.