Blut ist das wahre Thema der Theologie: der blutende Gott. Wo Blut ist, ist Leben: Menstruation und Eucharistie, Gewalt und Transfusion. Wo Blut fliesst, wurde Haut geöffnet oder Haut abgestossen, wo Blut als Cruor stockt, ist kein Leben mehr. Inkarnation meint: Bluten können. Die Spur des Blutes seit Kain und Abel: die „Heilsgeschichte“. Wie weit das vom Schokoosterhasenchristentum entfernt ist. Verdacht: wäre mehr von Blut die Rede, flösse dann vielleicht weniger? Wäre mehr von blut die Rede: wären Frauen sichtbarer? Wäre mehr von Blut die Rede: hätten es die Tiere dann leichter mit uns? Blut ist die reinste aller Substanzen, die Substanz des warmen Lebens. Möglicherweise ist das die neue, die alles umwälzende, die antireligiöse Wende, die „das Christentum“ gebracht hat. Denn Religion ist immer auch, wenn nicht sogar im Kern, Blutkult - weil Blut und Schuld vermischt werden statt Blut und Leben.
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