Donnerstag, 30. November 2023

Korrekte Panik

 Nicht die Kirche geht unter. Sondern der feuchte Boomer-Traum von Kirche. 

Partizipation

 Das Paradox: je mehr Partizipation, umso weniger findet sie tatsächlich statt - wegen der sich immer weiter öffnenden kognitiven Schere. Das tiefe Paradox der Demokratie ist: sie ist ein Eliteprojekt.

Patt

 Auf Dauer wird der Herr zum Sklaven seines Sklaven, ohne dass der Sklave zum Herren seines Herren wird: ein Patt, das in eine Revolution von der Seite führt, die zuerst die Nerven verliert. 

Mittwoch, 29. November 2023

Simpler fakt

 Demokratie ist das Grösste!.

Solange man nicht in der Minderheit ist. Dann ist sie Willkür, Fremdbestimmung, ja Diktatur! 

Demokratie stirbt einen sehr qualvollen und unnötigen silly death. 

Nicht-nicht-Organisation

 Mitglied in einer Organisation sein zu wollen, bei der man nicht Mitglied sein möchte, ist vielleicht das grösste lebbare Paradox. Wenn es denn lebbar ist. Möglicherweise haben wir auch hier ein Tiefenproblem von Kirche vorliegen. 

Ausdifferenzierung

Natürlich ist die gesellschaftliche Ausdifferenzierung ein Fortschritt, weil er erlaubt, verschiedene Lebensstile zu entfalten. 

Aber: Der Bullshit differenziert sich auch aus und gewinnt eine  höhere Sichtbarkeit. Ich glaube nicht, dass es "heutzutage" (wie ich dieses Wort hasse) mehr Unfug gab als früher. Aber es gab in den traditionellen Gesellschaften auch so etwas wie eine gnädige Decke der Nichtwahrnehmung und Einhegung über dem Schwachsinn. 

Die ist weg. 

Christliche Tugenden

 Ganz unbescheiden und mit wenig Zurückhaltung frage ich mal: wo sind eigentlich die christlichen Tugenden der Bescheidenheit und Zurückhaltung geblieben, die aus einer Haltung der Demut fliessen??


Die Frage fühlt sich an, als hätte ich den Mund voll Sand. Die Krise der Kirche ist eine Krise der  Glaubensweisen - sie werden eingeholt von ihren eigenen Themen. 

Rassismus-test

 Was hat es zu bedeuten, dass ein Jude darüber lügt, antisemitisch angegangen worden zu sein und dafür einen Menschen in schlimmste Bedrängnis bringt??


Nichts. 


Es ist einfach nur ein Lügner. 

Ridicul

 Das Schlimmste, was einem oder einer Geistlichen, egal welcher Glaubensweise, geschehen kann, ist  lächerlich zu sein. Möglicherweise hat die Krise der Kirche sehr viel damit zu tun, dass die Kinder des Lichtes nicht immer die hellsten sind. Jesu Gleichnisse machen sich ja oft über „religiöse“ Menschen lustig. Es ist dann schon sehr lustig, zu hören, wie „religöse“ Menschen mit diesen Geschichten umgehen ohne zu merken: tat wam asi. Das ist an tragischer Komik kaum zu überbieten. Es ist aber auch ein bisschen dumm. Nietzsches Gelächter hat längst die Studierstube verlassen. 

Dienstag, 28. November 2023

Rigoros

 Ich bin nicht radikal. Ich bin rigoros. Das eine hat Ethos, das andere Pathos. 

Verbotsverbotempörung

 Man darf ja noch nicht einmal sagen, dass man gar nicht sagen darf, dass man gar nichts sagen darf. 

Sehfehler

 Wer vor der Zukunft die Augen verschließt, verschließt sie davor, sie zu verschließen. Nur sehenden Auges kann man das Leben ergreifen: als endliches. Sonst könnten wir alles auf „morgen“ verschieben. 

Sonntag, 26. November 2023

Peinlich

"Hör auf zu bloggen, wenn Du anfängst, peinlich zu werden." 

"Aber wie merke ich das?" 

"Wenn Du Deine eigenen Posts liest und sie sofort löschen möchtest!"

"Dann hätte ich gar nicht erst anfangen dürfen." 

Umkehr

 „Du machst dir einfach viel zu viel Gedanken!“

Nein. Die Gedanken machen mich. 

Performanz-Performance

 Wer “Reden” und “Handeln” im Namen der Verantwortung gegeneinander auspielt, handelt redend verantwortungslos. Man statt Verantwortung auch.“Gott“ einsetzen, dann bekommt man den„low-theology-bias“ zu Gesicht. Klingt doch viel besser als „unreflektierte Naivität“ oder gar „protofundamentalistische Denkfaulheit“. 

Apokalypse, gefühlt

 Wenn man jahrelang seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, kommt irgendwann die eine Aufgabe, wo man es merkt. Dann bricht die Apokalypse aus - und die anderen sind schuld, weil sie mich nicht haben abschreiben lassen. 

Metapher für die infantilisierte Informationsgesellschaft

Samstag, 25. November 2023

Ego

 Es ist erstaunlich, wie sehr unsere Gesellschaft Narzissten bevorzugt. Das war sicherlich nicht immer so. Mich würde interessieren, wann der Wandel kam. Thema war Narzissmus als Sozialisationstyp schon in den 80ern, das war die grosse Entdeckung der 68er: die nach ihnen kommen, wollen gar nicht kämpfen!!. Danach war es sehr still um das Thema. Vieles von dem, was damals als Schwarzseherei belächelt wurde, zeigt sich jetzt doch sehr deutlich. Für Organisationen sind vor allem Narzissten extrem gefährlich: sie comitten nicht und sind wie schwarze Löcher, gewsesene, kollabierte Sterne, die das Licht fressen. 

Generation Gap

 Ich würde ja mal sagen, dass Boomer, die nun wahrlich nicht die schlimmste Epoche der Geschichte abbekommen haben, in Fragen, die die Zukunft betrifft, lieber den Mund halten sollten, wenn die Jüngeren sprechen. Es gibt wenig, was hier „Respekt vor dem Alter“ oder „der Erfahrung” rechtfertigen würde. Und das gilt allemal, wenn es darum geht, die Jüngeren zu unterstützen. Da ist „Klappe halten“ sogar essentiell, wenn man nicht in den allerdümmsten „…und wir damals so…“ abgleiten will. Aus der Perspektive der Jüngeren sind „wir“ immer „ihr“. 

Bewunderung

Was ich an Rechtsradikalen so bewundere: wie man nicht nur den grössten Verbrechern der Weltgeschichte, sondern auch den grössten Losern der Geschichte huldigen kann. 

Freitag, 24. November 2023

Fatal

 Meine These, dass das Verschwinden der Institution die Organisation sichtbar macht, braucht noch eine Ergänzung: und die meisten Mitglieder erfahren das als Irritation, weil sie von Organisation nichts verstehen: „Legitimation durch Verfahren“ ist ihnen fast schon verschwörerisch anmutend fremd. Und zwar vor allem die Verfahren, die in einer Organisation meist hinter dem Schleier der Macht als „Verwaltung“ verborgen waren.  

Niedergang

 Der Kampf um Privilegien: das scheint nun der Hauptkampf der Kirche(n) zu werden. Das könnte sehr jämmerlich werden. 

Donnerstag, 23. November 2023

Absoluter Krieg

 Des Internet ist die Front und wir sind alle Kombattanten. 

Mittwoch, 22. November 2023

Schlinge

 Wenn du keine Ahnung von etwas hast, hast du oft auch keine Ahnung davon, dass du davon keine Ahnung hast. 

Dienstag, 21. November 2023

Gefühlsumkehrung

 Kaum etwas macht mich inzwischen so traurig wie die Lektüre eines wirklich klugen Buches.

Missverständniss

 Ein Rücktritt, der andere disst, ist nicht ehrenvoll. 

Sonntag, 19. November 2023

Expertise

 Die Krise der Expertise ist ein sehr bedrängendes Problem - in der Theologie ist noch nicht einmal geklärt, was Expertise ist. Das wird sie als eine Form des Wissens verschwinden lassen. 

Samstag, 18. November 2023

Sex als Waffe

 Der Sexual-Diskurs der Moderne, der, wie man bei Foucault lernen kann, geradezu besessen ist vom Körper und seinen Disziplinen, hat aus Sexualität und Körperlichkeit eine Waffe gemacht, die der Scham/Schuldkultur des Mittelalters (vor allem im Bereich der Bußfrömmigkei) nicht nur in nichts nachsteht - da es keinen gnädigen Gott gibt in der medial vernetzen Welt, ist diese Waffe absolut vernichtend. Da man nicht nicht sexuell sein kann, tritt dies an die Stelle von Erbsünde und Urschuld als dumpfes Narrativ prinzipieller Erpressbarkeit, und der Körper wird zur Bühne der Moral. Und es gibt kein Bussakrament. Was sich aber tatsächlich zeigt: nicht der Sex ist das Problem, sondern die Gewalt: der übliche blinde Fleck der westlichen Moderne. Deswegen sind die Metoo-, Missbrauchs- und Selbstbestimmungsdebatten so ambivalent. Sie sind gewalthaltig und eignen sich nicht für den öffentlichen Diskurs. Ein grosses Dilemma, dem einzig Bildung abhelfen kann. Hätte können, besser gesagt. Die Fokussierung moralischer Debatten auf „Gendern“ und dergleichen zeigt, dass es zu spät ist. Die Devolution von freiheitlicher Demokratie bringt auch hier das patriarchal-Barbarische nach vorne. Wer nicht restlos geständig ist, muss mit allem rechnen (Spoiler: wer nicht, auch).  

Weltgericht

 Mt 25 ist ohne starke Christologie überhaupt nicht predigbar: ein Qualitätsprüfstein der Theologie. Nur der Blick auf den Sprechenden, der sich als der sich selbst richtende Richter für die Geringsten hingegeben hat, macht diesen Text (samt seiner Wirkungsgeschichte) erträglich. Das letze, das größte, das finale Liebeswerk ist die Aufhebung des Gerichtes - nicht aber die Aufhebung des Gesetzes: das Böse ist das Gute, das man nicht tut. Und das Gute ist das selbstverständlich einfache Gute. Das Gesetz der Liebe ist nicht kasuistisch, es ist selbsterklärend: Liebe ist Begehren und Erfüllung. „Was willst du, das sich dir tue“ ist die einzige „ethische“ Frage. Alles andere ist bestenfalls moralisierender Kitsch oder mehr oder weniger verhohlene Drohung. Es ist gerade darin, dass er ein theologisch so starker Text ist, Gericht an der Kirche, wenn sie, als Dienst an den Geringsten, auch nur im Ansatz etwas anderes verkündigt als vorbehaltlose Liebe - zum Feind (Bergpredigt!). Noch einfacher: es geht hier nicht um Christen oder die Kirche. Nicht einmal imGericht ist sie relevant. Relevant ist sie einzig, wenn sie die universale Liebe gegen allen Augenschein, aber eben gerade nicht gegen alle Vernunft, verkündigt. Wer meint, dass das zu wenig sein, überlege noch mal, was genau Jesus hier gerade macht.

Religionsunterricht

„ In der Tiefe entspringt ein Fluss“ - aber die wenigstens können schwimmen…


(Dieser Tiefenmystizismus erzeugt nur Konfusion und schiefe Metaphern, sonst nichts).

Unglaube

 Wenn ein Mensch Glaube gegen Wissen ausspielt, und damit seinen Unglauben bekräftigt, zugleich aber der Wissenschaft nicht glaubt: ist das auch Unglaube? 

X-it

 Der Antisemitismus und der ungezügelte Erben-Kapitalismus hat mich einer meiner wichtigsten Informationsresdourcen beraubt. Ich radikalisiere mich zunehmend in meiner Verachtung für Beides. Sie zerstören Humanität, eine wahre Klimakatastrophe des Geistes. 

De bello II

 Es gibt eine seltsame Tendenz, den Verteidigern „Angemessenheit der Mittel“ oder möglichst viele Feuerpausen zu empfehlen. Wer das tut, hat nicht ansatzweise begriffen, wie Krieg funktioniert: einmal angefangen muss er bis zum Ende durchgezogen werden - vom Angreifer. Einen Angriffskrieg zu verlieren, ist die ultimative Katastrophe, die mit allen Mitteln verhindert werden muss  

Auch das sollte man in Deutschland wissen. Aber vielleicht weiss man es hier nur zu gut….

Bei Israel kommt noch Antisemitismus dazu - der mich in der Breite seiner Streuung (und eben nicht nur bei Muslimen oder Levantinern) zutiefst erschreckt. 

Freitag, 17. November 2023

Theodizee

 Ich glaube, es ist viel Elend in der Welt, weil die wenigsten verstehen, was Organisation ist. 

Donnerstag, 16. November 2023

Purpose

 Für wen schreibst du das alles eigentlich, liest  doch kaum jemand? 


Für mich. Damit ich, wenn ich tot bin, nicht vergesse, was für ein Idiot ich war. Beweismaterial für das jüngste Gericht: mildernde Umstände. 

Und: Schreiben ist wie Kacken. Muss sein, fühlt sich durchaus gut an, macht Mief, ist irgendwie immer auch peinlich und intim,  aber es ist auch Dünger. 

Also ist das hier - eine Kloake?

Es könnte auch Kompost sein. Heisst nicht ohne Grund Denkfriedhof: ich glaube an die Auferstehung. Womit wir wieder am Anfang wären. 

Du gehst davon aus, dass Gott das liest? Du bist ja wirklich ein Idiot! 

Wir werden sehen. 

Wirklich

 Meine Erfahrung: mit einem Drittel meiner Wahrnehmungen und Deutungen von „Welt“ liege ich soweit richtig, dass die daraus folgenden Handlungen oder Ereignisse sinnvoll bzw, erfolgreich sind. Ein Drittel sind zumindest nicht so falsch, dass aus ihnen Ereignisse und Handlungen folgen, die ich rekonstruieren kann, auch wenn ich erstaunt oder verunsichert bin. Mit einem Drittel liege ich völlig daneben, es geschehen rätselhafte Dinge. D.h. einen konsistenten Wahrheitsanspruch (Anspruch, nicht Behauptung!) kann ich von vornherein überhaupt nur auf einen geringen Teil meiner Wahrnehmungen und Aussagen geltend machen. Jedes Wort, jeder Satz ist ein Experiment, dass mit 66%er Wahrscheinlichkeit nicht verifizierbar sein wird. Evolutionär scheint das zu reichen, um als Individuum den Fortbestand der Gattung zu sichern. Für die Welt, die wir uns gebaut haben, reicht das nicht. Ich komme in meiner Nische gerade so durch  mit dem einen Drittel, das halbwegs hinhaut. 


Mittwoch, 15. November 2023

Endlich!

 Eines Tages habe ich meinen Durchbruch! 


Lieber nicht, sagte der Internist. 

Dienstag, 14. November 2023

Glaubensweisen

 Was bis jetzt über die KMU VI so zu erfahren ist, bestätigt mich darin, auf das Wort, die Kategorie "Religion" immer mehr zu verzichten. 

Es ist eine Abstraktion, die aus einer Weltsicht stammt, die ich für völlig überholt halte, weil sie einem  längst erledigtem Essentialismus folgt. Ich bin nun kein akademisch trainierter und etablierte Denker, darum versuche ich es in den folgenden schlichten Gedanken zu formulieren. Für mich, wie immer in diesem Blog, aber das braucht ja niemanden abzuhalten, dem zu folgen....

Innerlich rede ich inzwischen, angeregt von Bruno Latour, von "Glaubensweisen". 

Ich weiß natürlich, das "Glauben" ein jüdisch/christlich/muslimische Konzept ist, das eine Form von Vertrauen, von "sich öffnen" als minimale Geste bis hin zu "sich hingeben" als maximale Geste,  beschreibt. Andere Kulturen kennen diesen Begriff zur Bezeichnung ihrer Gottesbeziehung nicht und nutzen ihn auch nicht zur Selbstbeschreibung. 

Aber ich rede als "christlicher" Theologe, was ich nicht als supremativen Wahrheitsanspruch verstehe, sondern als schlichte Standortbestimmung, als, die Metapher sei gewagt, Kalibrierung des Beobachtungswerkzeugs. Ich kann nicht nicht so tun, als wäre es nicht so. Es ist Augenwischerei, "von Innen" eine valente Außenperspektive entwerfen zu wollen. (Mein altes Argument gegen eine "christliche Religionswissenschaft", die so etwas wie einen allgemeingültigen Religionsbegriff entwirft, ohnen zu bedenken, dass der Begriff "religion" selbst christlichen Ursprungs ist, bzw vom Christentum in besonderer Weise geprägt wurde. Das hat einen Hauch von Etikettenschwindel). 

"Glaube" ist diesem recht schlichten Sinne eine Vertrauensbeziehung, die eine eine fundamentale distinktive Form, sich in einer Geste zu äußern, die in keinem anderen kulturellen Feld zu finden ist: Das Gebet. Für mich das Gebet eine Geste, also eine expressiv-darstellende Handlung,  die, erst einmal ganz formal, so etwas wie einen Horizont über das Empirisch-Experimentelle aufweist. Ein Akt, eine Handlung, die fundamentale Glaubenshandlung schlechthin. Womit werder gesagt ist, was sie ausdrückt, noch, ob diese Ausdrucksverhalten spezifisch gerichtet ist. Das ergibt sich erst, wenn man sich das "Gegenüber" der Ausdruckshandlung anschaut: das, was "Gott" genannt wird, denn "Gott" ist per definitionem das, woran Gebete gerichtet sind. Insofern ist jedes Gebet eine Existenszbehauptung, zumindest aber eine Existenzvermutung, selbst dann, wenn es es ein spontane, nicht-intentionale Geste ist. Alles andere wäre kein Gebet, sondern ein Schrei oder ein Seufzer. 

Im Gebet stellen sich Menschen in, mit oder vor Gott. 

"In Gott" bezeichnet für mich die traditionell "mystisch" genannte Glaubensweise, die davon ausgeht, dass  mit Gott so etwas wie ein Raum, eine Sphäre oder Kontinuum gemeint ist, in das man in einer Art Immersions-Erfahrung eintauchen kann oder in die man hineingezogen wird. Dem entsprechen meditative, kontemplative oder sprachfreie Formen des Gebets und spekulativ- allegorische Theologiekonzepte. Hier kann ein personales Gottesbild vorliegen, muss aber nicht (man denke an die "Force" in StarWars, um etwas Unverfängliches zu nennen). Ihre Schattenform sind die esoterischen Verschmelzungsphantasien, die bis zu magischen Vorstellungen gehen können oder in dann durchaus vordergründig erotische abgleiten können. 

"Vor Gott" nenne ich die quasi juristische-kultische Form der Beziehung, die davon ausgeht, dass es so etwas wie angemessene Lebensweise gibt, die einer Art Beobachtung oder Begleitung unterliegt, so das sdas Gebet immer auch eine Distanz überbrückt, sei es eine der Furcht, des Begehren oder der Dimensionalität ("vor" legt ja in besonderer Weise eine räumliche Dimensionalität nahe). Diese Form der Glaubensweise neigt in besonders starker Weise zur Gemeinschaftsbildung, weil sie Committment erwartet. Das Gebet hat hier eine vornehmlich appelative oder exkulpative ("um Entschuldigung bittende)  Grundgeste,  diese Form des Gebetes ist ohne ein personales, also Handlungen und Haltungen zurechnendes Gottesbild, nicht vorstellbar. Sie neigt auch am ehesten dogmatischer Lehrbildung, kultischem Ritualismus und zu exklusiven Fundamentalismen. Sie ist die dem traditionellen Christentum affinste Glaubensweise, und wird deshalb am ehesten mit den leeren Religionsbegriff beschrieben (z.B. in Karl Barth Polemik). 

"Mit Gott" nenne ich die quasi monastisch- ethische Glaubensweise, die im Gebet sozusagen "partnerschaftlich" oder doch zumindest wenig asymetrisch davon ausgeht, dass wir nicht prinzipiell allein und einsam sind, sondern so etwas wie eine ständige Begleitung haben, die Sinn, Ziel und Bedeutung generiert (wie immer man das im Einzelnen fast). Hier hat das Gebet eher eine soliloque Geste ("in Einsamkeit mein Sprachgesell), hier ist auch das "Beten ohne Unterlass" anzusiedeln, das Gebet ist quasi analog zum Atmen. Es ist nicht von vornherein auf Gemeinschaft angelegt, schließt sie aber auch nicht aus, weil aus diesem Lebensgefühl, wie sie oft genannt wird, ethische Standards fließen, durchaus mit hohem Anspruch . Sie ist anfällig für illusionäre Konzepte, unterstützt narzistische Fehlformen von Humanität und kann weltflüchtig werden und darin zwar nicht fundamentalistische, aber ethisch-moralisch rechthaberisch. Sie hat einen starken Hang zu mythischen Formen der Narrativität, bis hin zur puren Fantasy.

Das sind keine einander ausschließenden Glaubensweisen, sondern die Begriffe sind eher wie eine Matrix zu verstehen oder wie ein Venn-Diagramm, das sehr fein ziseliert beschreiben kann, wie Menschen mit Transzendenz leben oder eben nicht (wenn sie nämlich nicht beten!). 

Die Gretchenfrage lautet also nicht: Bist du religiös? Sondern: Betest Du? Da das Beten in der christlichen Tradition als fundamental ethisch geforderte Handlung verstanden wird, ist das eine konkrete und persönliche Frage, die nach einer intimen Praxis fragt (und nicht nach einem abstrakten Konzept von Lebensgestaltung, das dann "verblüffenderweise" zeigt, dass Menschen in der Kirche sind, aber nicht religiös, religiös, aber nicht in der Kirche. Falsche Frage, falsche Antwort). 

Diese drei "Glaubensweisen" sind mir inzwischen viel hilfreicher, gerade in seelsorgerlichen Situationen und im exegetischen Bereich (!), als der traditionelle Religionsbegriff, der bis zur Unkenntlichkeit ausdifferenziert ist -was nicht ein Beweis für semantische Leistungsfähigkeit ist,  Ausweis einer viel zu große Extension - bis hin zur Konstatierung von "Quais-religion", was am Ende darauf hinausläuft, gar keinen religionsfreien Raum mehr annehmen zu können (das meine ich oben mit Essentialismus). 

Meine Erfahrung sowohl mir mir selbst als auch mit anderen Menschen zeigt, dass das eine leere Abstraktion ist, die aus einer Epoche stammt, wo die sich selbst beobachtende Vernunft quasi sozilogisch versuchte, Bereiche des Humanen abzustecken, in denen unterschiedliche Grad der Finsternis zu vermuten sind - und hier war der aufklärerische Religionsbegriff auch erst einmal  sehr leistungsfähig, eine klassische "Wittgensteinsche Leiter". ( 6.54 Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.) Er muss diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.)

 

Mit anderen Worten: der Religionsbegriff ist m.E. dysfunktional geworden, er verunklart mehr, als er klärtDenn leider musste er von derselben Aufklärung im Zuge der Entwicklung der empirischen Wissenschaften  in eine Semantik der Wahrheit eingeschrieben werden, die ihn letztlich in Konkurrenz zu anderen sozialen Phänomenen und Welterschließungsmodi brachte, mit dem Ergebnis, das so recht eigentlich niemand mehr weiß, wovon die Rede ist: es kam beim Thema Religion zu einer Schlacht um die Wahrheit. Kann ein Physiker religiös sein? Kann eine Ärtztin religiös sein? sind dann die vermeintlich aporetischen Fragen, die aber nur deswegen aporetisch sind, weil der Begriff der Religion aporetisch ist. Am Ende ist es der Begriff der Religion, verknüpft mit einem Wahrheitsanspruch, der den Fundamentalismus erzeug hat, in dem die Moderne als Wahrheitsbehauptung ihren eigenen Schatten gestaltet: die "wahre" Religion. 

Glaubensweisen aber beschreibt eine Praktik (nicht: eine Praxis, die sofort den Theoriebegriff hervorruft). Eine Praktik hingegen ist eingeschrieben in ein Dispositiv von Kult, Transzendenz, Bezüglichkeit und Horizontalität. 

Menschen beten oder sie tun es nicht. Es ist eine Praktik, an der sich entscheidet und zeigt,  ob Menschen "Glauben" oder nicht. Die konkreten Religionen - als Gestalten, in denen die Gebetspraxis sich soziologisch erfassen lässt - sind dann relativ klar beschreibbar: Zum wem wird gebetet, wie wird gebetet, wann wird gebetet, gibt es exklusive Ort, exklusive Zustände etc. 

Dabei stellt sich die Frage gar nicht, ob das Gebet "essentiell" ist für das Menschsein oder nicht. Menschen tun es, Tiere, soweit wir es sagen können, nicht. Ob jemand, der nicht betet, also mehr oder weniger Mensch ist (was ja bei Beschreibungen von "essentiellen Eigenschaften" immer mitschwingt, stellt sich gar nicht. Es sind ja auch nicht alle Menschen sportlich, musikalisch oder vernünftig, dh. sie machen keinen Sport, machen keine Musik und handeln nicht vernunftgeleitet. 

Das Gebet ist die Geste des Glaubens, in der sich die Glaubensweise ausdrückt. Jesus wird zu allererst, zuvörderst und fundamental als Betender beschrieben, der alle drei Glaubensweisen akzentuiert, was die Vielfalt der christlichen Glaubensweisen schon im Neuen Testament widerspiegelt. 

Was er verkündigt, ist das angstfreie Beten. Christliches Beten reagiert als Geste auf eine Geste der unbedingten Zuwendung, das ist die christliche Glaubensweise. Darum hat er auch keine "Religion" gestiftet, sondern Glaubensweisen grundsätzlich verändert. Gerade in der Passionsgeschichte sind alle drei Glaubensweisen auserzählt, die sich eben nicht "widersprechen", sondern wie in einem mehrdimensionalen Kontinuum (wie wir es aus der Quantenphysik wenigstens zu ahnen gelernt haben) immer das zeigen, wonach gefragt wird. Die Aufgabe von Theologie einer Glaubensweise ist, die jeweils anderen Glaubensweisen präsent zu halten, so ist sie kritisch  und affirmativ zugleich. Sie muss sich nicht zum Pappkameraden "Religion" und seinem Verhältnis zur "Kirche" verhalten. Verkündigen ist anstiften zum Gebet. Die Bergpredigt beginnt nicht ohne Grund damit, auch auch die Briefe beginnen nicht grundlos mit einem Gebet. Es ist die Eröffnungsgeste zur "Verkündigung", in der Glaubensweisen dem begegnen, was sie betend "Gott" nennen. 

Soweit fürs Erste. 

De bello

 Wer vor dem Wort „Krieg“ Angst hat, hat ihn schon verloren, bevor er da ist. 

Montag, 13. November 2023

Falsche Angst

 Künstliche Intelligenz wird nicht „die Weltherrschaft übernehmen“. Sie wird jede Form von Rationalität, Legitimität und Diskursivität zerstören und das pushen, was im Mainstream ist. Sie wird Unregierbarkeit erzeugen. D.h. sie macht nichts z als die „natürliche Intelligenz“, nur eben schneller, wirksamer und noch weniger steuerbar. 

Durchsetzung

 Gewaltlosigkeit kann man nicht mit Gewalt durchsetzten, Rechtstaatlichkeit nicht mit rechtlosen Mitteln. Das ist ein riesiges Problem. 

Man kann faschistoiden Schwätzern nicht einfach ins Arbeitslager stecken und Menschen, die Grundrechte leugnen, nicht einfach die Grundrechte entziehen. Eine triviale Erkenntnis. Aber keine banale. Denn das macht Gewalt so verlockend und Demokratien so „schwach“. Der zwanglose Zwang des gewaltfreien Diskurses allerdings entpuppt sich sls Illusion. Also braucht es eine Art Pax Romana der Demokratie? Eine Gratwanderung. 

Spur

 Wirkungsgeschichtlich kann man schon sagen, dass das westliche Christentum auf den beiden Säulen Augustinus und Anselm ruht - allerdings beide grotesk missgedeutet. Eine besonders krasse Missdeutung findet sich bei Luther - woraus aber eine korrigierte Interpretation folgte. Die wiederum fehlinterpretiert wurde. Und so weiter. So funktioniert das. 

Der Tiefsinn von gestern ist der Schwachsinn von morgen, weil Theologie, wie jede Wissenschaft, auch Machtinteressen dient. Darum muss man gerade auch die Missinterpretationen intensiv studieren - um sie hinter sich lassen zu können. Denn bei kaum einer anderen Wissenschaft ist Denkfaulheit so gefährlich wie in der Theologie, sie endet immer in Gewalt. 

Drift

 „Du driftest ab!“

 „Stimmt, von der Mitte des Flusses zum rettenden Ufer“.

Sonntag, 12. November 2023

Unerreichbar

Ich wäre manchmal gerne so dumm, für wie ich oft gehalten werde. 

Inkarnation

 Die gefährlichste Gestalt von Dummheit heisst Extremismus. 

Gottlose Hoffnung.

„Es gibt keine Hoffnung, darum lassen sie uns die lebenserhaltenden Maßnahmen beenden“ - „Nein, Frau Doktor, es gibt eine Hoffnung. Darum stellen wir die Maschinen jetzt ab“. 

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“. „Nein. Wir geben sie auf“. 


Freitag, 10. November 2023

Dissimulative Matrix

 Ich komme langsam dahinter, dass viel Arbeit oft nur simuliert wird, ( manchmal sogar ohne dass die Akteure merken, dass sie simulieren). Das könnte erklären, warum die vier-Tage-Woche so gefürchtet wird. Die Simulation flöge auf: in der kürzeren Zeit müsste tatsächlich gearbeitet werden. Ich bemerke: es sind gerade die Fleissigen und Fokussierten, die sich die vier-Tage-Woche sehr gut vorstellen können. 

Donnerstag, 9. November 2023

Irre Syntax

 Die normal Wahnsinnigen und die wahnsinnig Normalen unterscheiden sich nur durch die Wortstellung. 

Mittwoch, 8. November 2023

Endzeit

 Das Einzige, was ich wirklich kann - Predigen - wird irgendwie immer weiter marginalisiert (weniger, kürzer, oft gar nicht oder auf ein paar schlichte Moderationen reduziert) und auf eine merkwürdige Weise entkernt, ich kann es gar nicht genau fassen. Vieles, was ich so als Predigt lese, kommt mir gar nicht so vor, mir fehlt da oft etwas, ich würde vielleicht sagen: der Wille zum Überzeugen (nicht: Überreden!). Es sind oft so bemühte, ausgedachte Texte, manchmal gar nicht schlecht unter rein literarischen Gesichtspunkten. Aber Predigt ist doch keine Literatur! Und manche wirken sehr müde… Mit meiner Art zu predigen käme ich jedenfalls heute in keinem Proseminar durch (den Menschen gefällts aber, gerade auch den jungen). Alles sehr seltsam und verwirrend. Summa: Meine Zeit ist echt vorbei. Times they are changing. Mit 63 ist da offensichtlich ein Punkt erreicht. Eine interessante Erfahrung, eine Mischung aus Trauer, Verwunderung und Erleichterung. 

Nationalparadox

 Ein guter Deutscher kann kein „guter Deutscher“ sein. Ein anständiger Deutscher kann kein „anständiger Deutscher“ sein. (Für Frauen gilt das alles natürlich sowieso nicht, die können ja sowieso kein „Deutscher“ sein). Es sind die „Deutschen“, die einem das Deutschsein schwermachen. Woran könnte das nur liegen? Man sollte meinen, es gäbe da vielleicht ein Problem in der Vergangenheit….

Sonntag, 5. November 2023

Vom Dolmetschen

 Den Menschen aufs Maul schauen heisst nicht, ihnen in den Arsch kriechen. 

Induktion

 Die Notwendigkeit der Hoffnung zeigt die Verlorenheit der Welt. 

Samstag, 4. November 2023

Römer 3,12

 Auf den social media lerne ich: es gibt widerliche Rechte und widerliche Linke. Die eine Torheit schützt halt nicht vor der anderen. 

Freitag, 3. November 2023

Trigger

 Wenn wir am Körper einen Knochen oder Knorpel hätten, den wir nur in einer bestimmten Weise drücken müssten, um augenblicklich zu sterben - wieviele würden ihn wohl nutzen? Und wie sähe es aus, wenn das nur mit Hilfe eines anderen ginge? 

Purpose II

 Mein Leben hat keinen Sinn mehr! - Oh, wie schön, dann kannst du ja endlich anfangen zu leben! 

Donnerstag, 2. November 2023

Schreck

 Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass mir die Worte Pöbel, Mob und Plebs je über die Zunge kämen, um die Gegenwart zu beschreiben. Das macht mich fertig. Der beste Staat und die beste Gesellschaft, die Deutschland je hatte, gerät in die Hände grölender Dummbatzen und ihrer selbsternannten Anwälte. 

Verwahrlosung

 Der Missbrauchsbericht der nordelbischen Landeskirche spricht von institutioneller Verwahrlosung als einem wesentlichen Faktor, der Missbrauchsvertuschungvermöglichte. Das ist zu meinem Lieblingswort geworden, seit ich intensiver mit Digitalisierung befasst bin. Es erklärt sehr viel. 

Denkichandeutschland

 Robert Habeck hat eine Rede gehalten zum Thema Israel und die Hamas. Die Kommentare zu dieser Rede in den Netzwerken ängstigen mich. Wir haben ein grosses Problem: unsere Demokratie gerät in de Hand von Pöblern und denen, die sich von ihnen wählen lassen. Ein Alptraum. Nicht nur für Jüdinnen und Juden. Die Plebs war immer die erste, die unter dem zu leiden hatte, was sie herbeischrie. Und dann alle anderen. 

Mittwoch, 1. November 2023

Nervkram

 Richard Wagner war als Künstler (aber wirklich nur als Künstler, sonst Riesenarsch) schon sehr feinfühlig: das bühnenlose Theater, die theaterlose Oper….inzwischen sind die „krassen“ Einfälle des Regietheaters auch völlig abgenudelt und auf B-Movie Niveau angekommen. Ich habe das mal gemocht. Ein Glück sind Libretto und Musik stabil, da hält sich Pippi-Kacka-Schrei in Grenzen. (Hamburger Salome nervt). Nehmt es als Allegorie für Kirche. 

Funktionales Äquivalent

 Die Soziologie ist die Theologie der Säkularität. 

Opfer

 Das Ende des Opferkultes ist der Beginn der Kultur. Wo immer vom Opfer die Rede ist, ist von Gewalt die Rede. Christus ist das Ende des Opfers. 

Mut

 Gestern hielt ich eine Predigt, die von einigen am Ausgang als mutig und anspruchsvoll dankbar honorierten. Ich hingegen war von Scham über meine Feigheit und Banalität erfüllt. 

Knigge

 Demokratie stirbt an schlechten Manieren. Höflichkeit und Wertschätzung sind die ersten demokratischen Tugend, die auch die zutiefst christliche Tugend ist: Feindesliebe. 

Narrenschiff

 Fussball-WM in Saudi-Arabien. Ich muss mehr kotzen, als ich fressen kann. 

Hobby

 „Die Zeit totschlagen“ ist eine besonders subtile Form von Suizid. 

Purpose

 Man braucht ein Ziel im Leben, sagt der Auftragskiller

Prinzip

 Aus der Gegenwart lernen. Geschichte ist vergangen. 

Change Management

 Gott will, dass wir uns verändern, denn so kann es nicht bleiben. Er liebt dich nicht „wie du bist“, er liebt dich, wie er dich sieht.