Donnerstag, 29. August 2013

Müdigkeiten

Heute abend bin ich hundemüde, aber es ist eine völlig andere Müdigkeit als die, die ich die letzten zwei Jahre empfunden habe, wenn ich abends heimkam. Ich habe in meinem "homeoffice" einen schönen Text fertiggestellt (an dem ich im Büro seit drei Wochen herumgedoktert habe), zwei Gespräche betreffs der Gemeinde geführt, drei (!) Gottesdienste vorbereitet bwz. konzipiert - mit anderen Worten, ich habe etwas geschaffen, anstatt etwas zu verwalten. Und siehe, schon geht es mir gut. Und zwischendurch hatte ich noch Muße, mit meinen Zinnfigurenfreunden Kaffeeklatsch zu halten.

Es gibt ein richtiges Leben im Falschen.
 Hoffentlich.

Montag, 26. August 2013

Tageslosung: Ansprache zur Verabschiedung LKA 27.8.2013



Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.
Psalm 48,10                                                                                                          
Lasst uns aufeinander acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen.
Hebräer 10,24-25                                                                                                 


Liebe Hausgemeinde!

Was macht die Kirche, was nur die Kirche macht? Was machen wir, was sonst kein Anderer macht? Woran sind wir so eindeutig als Kirche zu erkennen, dass man uns gar nicht verwechseln kann?

Das ist, auf modernem Medienfachsprech gesagt, die Frage nach dem Alleinstellungsmerkmal der Kirche.
Dieses, so wird man allenthalben von Marketingfachleuten, den modernen Nachfahren der Marktschreier, belehrt, dient dazu, die Kirche auf dem Markt zu profilieren.
Ich stelle die Frage immer wieder einmal gerne im Gespräch. Und bin immer ganz erstaunt über die Antworten.
Da kommt:
„Naja, wir stehen für Werte wie Nächstenliebe und Vertrauen“. Aha. Das würde die AWO auch sagen, auch der friedliche Islam würde das sagen, und nur ein sehr hartgesottener und fehlgeleiteter Atheist würde das nicht für sich in Anspruch nehmen. Werte? Das ist nicht unser Alleinstellungsmerkmal.

„Ja, gut, soziale Aktivitäten, wir kümmern uns“.
Nun, auch das tun andere gut, sehr gut sogar, oft besser als wir, weil weniger umständlich und betulich.  Wer würde das bestreiten?
„Nun: wir kümmern uns um die Seele.“
Tja, aber das tun die Kurhessen-Thermen nach eigenem Bekunden auch. Und auch der Yoga-Lehrer in der umgebauten Scheune im Dorfkern tut das. Und eine Armee von Therapeuten kümmert sich.
„Wir halten die Tradition aufrecht“. Das macht der Dorfverschönerungsverein, der Gesangverein, die historische Gesellschaft und selbst die Kirmesbuchen auch. Und oft richtig gut. Hochzeiten und Beerdigungen machen inzwischen auch Profis, bei denen es sich lohnt, einmal hinzuschauen, womit die so viel Geld verdienen.
„Wir halten den Glauben an Gott wach“. Das klingt schon besser, möchte man meinen. Aber das würden der Imam, der Rabbi und die Zeugen Jehovas auch sagen.

Jetzt ist der Punkt der Verunsicherung langsam erreicht. „Ja, wozu sind wir denn dann da? Was macht uns zur Kirche?“
Nun denn, die Antwort auf die Frage ist kinderleicht. ich gebe sie immer wieder gerne. Und ernte damit immer wieder gerne bedenkliche Blicke, gefaltete Stirnen, gemessen-zweifelndes Kopfwiegen. Das stimmt nun wieder mich sehr bedenklich und zeigt mir: Hier stimmt was nicht. Haben wir  vergessen, wer wir sind?
Denn die Antwort lautet: Kirche ist überall dort, wo das Evangelium lauter und rein verkündigt und die Sakramente gemäß dem Worte Gottes gereicht werden. So steht es in der Grundurkunde der evangelischen Kirche, der Confessio Augustana. Mit anderen Worten: Dort, wo christlicher Gottesdienst stattfindet, da ist die Kirche. Das machen nur wir. Nur wir verehren Jesus Christus in der Versammlung der Getauften und reichen Abendmahl und Taufe so, wie sie in der Bibel stehen. Also noch klarer:
Jesus Christus macht uns zu Christen und damit zur Kirche. An Jesus Christus erkennt man uns. Wo man darauf trifft, da trifft man auf Kirche. In vielerlei Gestalt, wohlgemerkt. das ist nicht das Alleinstellungsmerkmal der Evangelischen Kirche von Kurhessen Waldeck - das findet man in der Grundordnung.
Nein, es geht um die Kirche als die Gemeinschaft der Heiligen, als die von Gott gerufenen getrösteten Sünder und Sünderinnen, als die Boten der Frohen Botschaft von der Versöhnung, es geht um uns, die wir das Salz der Erde und das Licht der Welt – nein, nicht sein sollen: sondern eben sind!
Denn das ist die wunderbare Botschaft, die uns anvertraut ist.

Die Tageslosung beschreibt, was der Kern einer christlichen Existenz ist, und wo wir zu denken anfangen und aufhören müssen: Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel, betet Israel und wir mit ihm.  Dieser Tempel aber ist für den Glauben der Leib Christi, schreibt Paulus, und das ist die versammelte Gemeinde. Alles, was  wir als Kirche sonst noch tun, auch und gerade das, was in diesem Haus hier geschieht – und ihr wisst, wie sehr ich inzwischen die Arbeit, die in diesem Hause gleistet wird, schätze und für wertvoll einschätze – alle Arbeit, die wir als Kirche leisten, dient nur diesem einem: Gottesdienst zu ermöglichen, damit das Wort Gottes nicht verstummt und wir als Kirche sichtbar und vor allem hörbar bleiben, als Kirche, und nicht als Traditionsverein zur Pflege christlichen Brauchtums. Wir werden in den nächsten Jahren diese Frage nach dem Kern unseres Tuns immer und immer wieder stellen. Wir werden uns verabschieden müssen von unserem Wohlstand,  und wir werden uns verabschieden müssen von Dingen, über die wir jetzt noch gar nicht nachzudenken uns trauen. Nur vom Gottesdienst, sollten wir uns nicht verabschieden.  Aber dafür braucht´s nur Menschen und einen Ort.
Und ich finde, und das nehme ich aus den 2 ½ Jahren meiner Tätigkeit auf dem Marktplatz der Meinungen mit, ich finde, wir können das ruhig offensiv und deutlich tun, auch und gerade untereinander. Denn die Probleme sind nicht neu. Gemeinden haben schon immer darum kämpfen müssen, bestehen zu bleiben. Der Schwund des Gottesdienstbesuches ist nichts Neues. in der Gemeinde, in der ich jetzt anfange, ist der Gottesdienstbesuch heute fast dreimal so hoch wie vor 70 Jahren. Es war letztlich die preussische Polizeiverordnung, die dafür sorgte, dass im 19. Jahrhundert die Kirchen Sonntag voll waren, jedenfalls auf dem Dorf. In den Städten sah es immer schon anders aus, je nach Epoche. In Schleiermachers Berlin, also um 1820, sah es auch ganz schlecht aus.
Wir haben da auch ganz falsche Vorstellungen.
Dabei bräuchten wir bloß aufmerksam die Bibel zu lesen. Der Hebräerbrief, ein Text aus der dritten Generation, der schreibt am Ende seiner Gemeinde schon hinter die Ohren, worum es geht, und zwar deutlich:
Lasst uns aufeinander acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen.

Ja genau, darum geht es, dass wir uns zur Gemeinschaft auch anreizen und ermahnen, einander einladen, einander mitbringen und einander tragen und stützen. Wir spüren doch, wie gut es uns tut, wenn wir einander sehen und erleben. Kein Medium, kein Fernsehen, kein Radio, kein Internet kann ersetzen, dass man sich Aug´ in Aug´ sieht, eng beieinander sitzt und sich seines Glaubens durch bloßes Dasein vergewissert. Der Glaube ist nicht selbstverständlich. Alles in uns Sündern wehrt sich dagegen. Wir sind faul und träge, wir sind im Kern gottlos. Käme Gott nicht zu uns, wir kämen nicht zu ihm. Wir wollen uns gar nicht verändern lassen. Wir sind zwar unglücklich, in dem, was wir sind, aber wir fürchten das mögliche Unglück der Veränderung noch viel mehr. Damit aber verpassen wir auch das Glück der Veränderung. Wer Gottes Wort nicht hört, wird nicht von selber darauf kommen. Darum. Gottesdienst, Unterricht, Seelsorge. Eine Kirche, die nicht Gottesdienst feiert, wie ist wie ein Fußballverein, der nicht spielt, ist wie ein stummes Orchester oder wie ein Verschönerungsverein, der sich Dias davon anschaut, wie schön es mal war.

Ich will raus, ich will an die Menschen und unter Menschen. Dahin bin ich gerufen. Da gehe ich wieder hin. Dafür bin ich ordiniert: das zu tun, was der Hebräerbrief uns ans Herz legt, damit wir Kirche bleiben.

Und dass ich das mitmeiner Frau zusammen darf und unter so passenden Verhältnissen, empfinde ich als besonderen Segen und besondere Herausforderung. Diese Chance, so jedenfalls unser Gefühl, kommt so schnell nicht noch einmal.

Gottesdienst ist das Alleinstellungsmerkmal der Kirche,
die Verkündigung der Botschaft von Jesus Christus,
die Anbetung Gottes des Vaters, des Schöpfers
und das Leben aus der Liebe, die vom Geist gestiftet wird.
Jeder und jede an seinem Ort.
Jeder und jede nach seinen Gaben.
Jeder und jede nach seiner Kraft.
Aber immer im Dienst des Herrn:
Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.
Lasst uns aufeinander acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen.
Darum gehe ich jetzt an meinen Ort.

In diesem Sinne: Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.

Sonntag, 25. August 2013

Übergänge

Als ich vor mehr als zwei Jahren das Amt des Pressesprechers/Leiters ÖA antrat, habe ich nächtelang nicht geschlafen, aus Respekt vor der Aufgabe. Nach wenigen Wochen wusste ich schon, dass es ganz schwierig wird. Und nach einem Jahr brach ich zusammen. Ich war angetreten, weil ich das Zutrauen hatte, dass die Aufgabe bewältigbar ist, wenn ich Zeit habe, mich einzuarbeiten und das Aufgabengebiet das ist, als das es mir begegnete. Es kam anders.
Jetzt bin ich froh, entronnen zu sein. Was mich aber doch etwas bitter und traurig macht ist, dass ich jetzt schon zum dritten Mal eine Stelle verlasse, weil die Arbeit nicht passt oder die Umstände sich gegen mich gewendet haben.
Ich spüre, das mich das verunsichert. Heißt es nicht, bei als 2mal ist es ein Muster? Und ist es nicht, dass wenn einem ein Muster begegnet, man selber der Verursacher ist?
Und schließlich sass ich heute in einem Gottesdienst, der zwar nicht schlecht war, aber eben doch einer von der Sorte, bei der ich dachte: Kein Wunder, dass uns keiner für voll nimmt.

Werde ich das gut könne, was ich einmal gut konnte? Oder haben mich die Erfahrungen so weit verändert, dass ich nicht mehr so frisch und klar bin, wie ich einmal war?

Ich bin gespannt. Das wird eine spannende Woche des Überganges: Und zwar komplett ohne Pause.

Ist vielleicht gut so.
Warum ich das geschrieben habe?
Damit ich in einem Jahr noch einmal nachlesen kann, wie es war.

Morgen kommt die Ansprache. Deren kristalline Schärfe erschreckt mich etwas.

Ich bin gespannt.

Seltsamerweise: ich schlafe in letzter Zeit so gut wie selten zuvor.

Dienstag, 20. August 2013

Feuchtgebiete. Die Emanzipation der Perversität.

Wie es aussieht, erleben wir gerade die zweite Welle der sexuellen Befreiung, wie es in den 70ern hieß. Ging es damals darum, die "normale" Sexualität aus den Fängen von Prüderie, Heuchelei und Zwängen zu befreien, geht es jetzt darum, das ehemals "Perverse" in die "Normalität" zu holen. Sowohl der Roman als auch der Film "Feuchtgebiete" gehören dazu, 50 Shades of Grey, aber auch auch die verbissene Debatte um Homosexaltität und überhaupt sexuelle basierte Partnerschafen. Demnächst wird die Denkschrift der EKD zur Sexualethik erscheine, da darf man gespannt sein.
Worum es geht?
Die Emanzipation der "Perversion". Es zeigt sich, dass dieser Begriff als Leitbegriff für deviante oder pathologische Formen von Sexualität ausgedient hat. Die "Normalität" ist ein Feld von "Normalitäten" geworden. Denn es fehlt die Norm.
Die biblischen Vorbehalte gegen bestimmte Formen ausgeübter Sexualität hat ausschließlich religöse Gründe: verboten waren alle Praktiken, die in Israels Umwelt mit anderen Göttern verknüpft waren. DAs ist etwas vollkommen anderes als die modernen hygienischen und sozialmoralischen Argumente, die sich ein szientistisches Mäntelchen umhängen. Daraus resultiert auch das völlige Desinteresse an vielen anderen sexuellen Praktiken. Was haben die Patriarchen mit ihren mehreren Frauen getrieben? Wie sahen wohl sexuelle Praktiken aus, die auf keinen Fall zur Schwangerschaft führen durften? Was geschah wohl im Rahmen der Sklaverei? Der gesamte Bereich der Penetration, der heute die Gemüter so bewegt, spielt überhaupt keine Rolle, mit der einen Ausnahme des Onan, der seiner Frau das Kind verweigerte, was also mit Selbstbefriedigung nun überhaupt gar nichts zu tun hat - usw., usw. Die Biblische Tradition schätzt dei Sexualität sehr hoch und gibt ihr eine elementare Rolle im Leben. Erst im neuen Testament haben wir es mit Sexualverboten zu tun, die über diese rein religiöse Motivation hinausgeht, der Städter und polysprachliche Mulitkulti-Abkömmling Paulus hat die zerstörerischen Potentiale von Sexualtität im Blick, nciht aus Vorbehalten gegenüber der Sexualtität, sonderna aus Erfahrung mit Promiskuität. Korinth war ein einziges Bordell. Das wird in Tarsus nicht viel anders gewesen sein. Und in der multikulturellen ersten Christenheit wird es ein elementares Bedürfnis gewesen sein, die unterschiedlichen Sexualkulturen von Juden und Griechen, Sklaven und Freien etc. unter einen Hut zu bringen.

M. a. W.: was wir gerade erleben, setzt uns in mancher Hinsicht in die Antike zurück: Sexualtität wird polymorph. Was das für uns bedeutet? DAss uns auch hier ein Gebiet zuwächst, wie die Medien, für das einzelne trainiert werden muss, Entscheidungen zu finden und zu kommunizieren. WEr seine eigene Sexualtität nicht kennt, wird nicht in der Lage sein, auf dem Markt (und das genau entsteht gerade) zu reüssieren. Gerade weil die Enthemmung der Sexualität gerade einen deutlichen weitern Schub macht, wird Reden immer wichtiger. Sonst kann es zu bösen Überraschungen kommen. Wir brauchen also eine Sexualmoral, die Formen behutsamer Kommunikation, sensibler Sprache und einfühlsamer Regeln erstellt. Die Zeit der Verbote ist vorbei.Dazu passt auch, dass jetzt ein drittes Geschlecht auf amtlichen Formularen auftaucht. DAs betrifft eine extreme Minderheit, von deren Existenz die meisten Menschen sicherlich von 50 oder 70 Jahren nicht wußten und auch nicht wissen wollten.Interessant auch, was unter diesem Aspekt gerade in Russland vor sich geht: Angst vor der neuen Normalität. Dabei reden wir - auch in Russland - von verschwindenden Minderheiten.

Montag, 19. August 2013

Kooperation-Fusion

Im Moment sind ja in fast allen Kirchen auf fast allen Ebenen entweder Fusionen oder Kooperationen auf dem Weg. Für einen Text zum Thema habe ich folgende einfache Erkenntnis zu Grunde gelegt:
Fusionen schaffen neue Identitäten unter Aufgabe von Alten Identitäten.
Kooperationen schärfen Identitäten unter Gewinn von neuer Identität.

Das Risiko von Fusionen ist, dass es nicht dazu kommt, das Beste aus allen Welten zu retten, sondern dass ein Misch-masch entsteht, mit dem sich niemand wirklich identifizieren kann. Dann braucht es mehr als eine Generation, bis das enstandene Gebilde akzeptiert ist und zum Leben erweckt werden kann.

Das Risiko von Kooperationen heißt Doppelstrukturen und Asymetrie. Doppelstrukturen entstehen, wenn keine Kompromisse gefunden werden, die Stellen und Arbeitsbereiche betreffen und man tatsächlich weniger kooperiert, als nebeneinander her arbeitet. Asymetrie ist die eigentliche Gefahr bei Kooperationen: wenn der finanz-oder personalstärkere Partner bestimmt.

Gleichwohl:    ein einer Gesellschaft wie die, wir jetzt erleben, polykkomplex, multilateral, pluralistisch und funktional hochdifferenziert wird nur überleben, wer sich auf eine der beiden Formen von Organisationsverdichtung einlässt.

Die meisten Einheit sind entweder zu klein, zu wenig differenziert oder in einer feindlichen Umwelt angesiedelt. Das gilt vor allem auf Gemeindeebene. Hier werden wesentliche Aufgaben der Gemeindearbiet nicht mehr anders zu erledigen sein. Oder man trennt sich von dem in der Mitte des 20. Jahrhunderts entstandenen Bild der Gemeindearbeit (was mein heimlicher Favorit ist: wir verschwenden zu viele REssourcen auf SAchen, die andere besser, billiger und schneller können).

Sonntag, 18. August 2013

Roland Kupski @Roland_Kupski
Wir "sparen" nicht in der Kirche. Wir müssen aufhören, Geld auszugeben, das wir bald nicht mehr haben.
 

Dienstag, 13. August 2013

Kirche ohne Volk

Die Rede von der Volkskirche krankt an einem Problem: es gibt kein Volk mehr. Es gibt eine Bevölkerung. Und die besteht aus Bevölkerungsgruppen. Und innerhalb derer gibt es noch einige Differenzierungen, die mir jetzt nicht so vor Augen sind - außer einer: wir haben seit einiger Zeit wieder deutlich mit Elitebildung und Vermassung zu tun. Die läuft ganz anders als in der Mitte des 20. Jahrhunderts, weil es das klassische Proletariat nicht mehr gibt. Die "Masse" definiert sich ganz anders.
Was wollen wir also sein? Eine Kirche für die Massen?

Dann haben wir aber noch einiges zu tun.

Im Moment sind wir Kirche für den Rest von denen, die meinen, es gebe noch ein Volk, oder von Individualisten oder von Randsiedlern und Restbeständen. Das Volkskirche zu nennen ist ziemlich kühn, da ist die Volksbank wesentlich mehr "Volk".

Montag, 12. August 2013

Friedhof?

Ich liebe Friedhöfe. Sie sind so still. Hier müssen die Lebenden endlich mal die Klappe halten und sich aufs Blümchengießen beschränken. Was aber lächerlich ist: das, was in der Erde ist, verhöhnt das, was drüber ist. Je bombastischer, um so mehr. Friedhöfe sind Orte absoluter Wahrheit unter der Oberfläche. Sie sind auch eine Mahnung, nicht bloß des memento mori. Sondern eine Mahnung all jener Millionen zu gedenken, die nicht auf Friedhöfen liegen. So sind Friedhöfe ein Ort der Würde, zutiefst menschlich. Wer dort liegt, wurde nicht gefressen, zerissen, zerstampft, vermisst;  und wenn es nur kleiner Finger war, er steht für das ganze der Person. Friedhöfe sind aber auch Orte der absoluten Lüge: als wären sie das Ende.

Ich werde, endlich, wieder neben einem Friedhof wohnen. Wie schön. Angenehme Nachbarn. Und ein wirklich schöner Friedhof: Ich blicke auf ihn, wenn ich aus meinem Arbeitszimmer schaue, und über den Friedhof hinweg in den Habichtswald und die große Ebene Richtung Fritzlar, ins Weite.

Also ist doch ein Denkfriedhof ein wundervoller Name für einen Notizzettelkasten.

Ende

Drei Jahre blogge ich jetzt. Ursprüngliche als Experiment gedacht, hat das blog einige Veränderungen erfahren, weil ich einige Veränderungen erfahren habe.

Ich habe schon seit Jahren regelmässig in meinen Zettelkasten geschrieben, und zu dem werde ich jetzt auch wieder zurückkehren. Ohne "Öffentlichkeit" im Blick zu haben, schreibt es sich leichter.

Ich möchte die anstehenden Veränderungen nutzen, auch in meinem Lebens- und Arbeitsverhalten etwas zu ändern: Hier ist mir Einiges aus der Hand gerutscht.  Ich habe in den letzten 3-4 Jahren nicht so gelebt und gearbeitet, wie ich es brauche und wie ich es eigentlich 20 Jahre lang gehandhabt hatte.

Ich fange dieses Jahr nicht nur eine neue Pfarrstelle an, ich habe auch "silberne Ordination". Zeit, die Dinge zu ordnen.

Ich habe nun meine Erfahrungen gemacht mit "social media". Sie werden überschätzt.

Ich habe 14 Follower, am Tag gibt es ca. 25 Zugriffe. Der von mir erwartete oder erhoffte Austausch bliebt faktisch völlig aus, von gelegentlichen Kommentaren oder e-mails abgesehen. Da habe ich auf meinem Figuren-blog deutlich mehr "traffic"!

Resultat: Ich verbringe viel zu viel Zeit damit.

Darum werde ich das Blog jetzt einstellen, und meinen privaten Zettelkasten wieder mehr füttern. Zudem werde ich jetzt wieder in die regelmässige Textproduktion für Kanzel, Unterricht und Seelsorge einsteigen, das wird meinen Schreibtrieb dorthin lenken, wohin er gehört.

Das Netz ist letztlich kein Ort für mich. Ich müsste wahrscheinlich, wenn ich hier stärker reüssieren wollte, mehr Energie hineinstecken. Die wende ich aber doch lieber für Menschen im "RL"* auf.
Das ist ja schließlich einer der Gründe, mich dem Gemeindepfarramt wieder zuzuwenden. Jede Kommunikation, die nicht "face to face" ist, ist keine. Das ist übrigens ein echter Ertrag meiner blog-Erfahrung: Die körperliche Dimension der Kommunikation ist mir sehr deutlich geworden. Jeder Kommunikationsbegriff, der diese somatische Komponente nicht berücksichtigt, ist gnostische Spiritualisierung und fällt auf eine ganz lucide Weise auf den Leib-Seele-Dualismus, dieser Pest des Abendlandes, rein.  Das ist in der Tat eine theologische Aussage. Und meine Arbeit als Chef-Kommunikator der Landeskirche hat mir das nur bestätigt. Das Gespräch in Anwesenheit ist durch nichts zu ersetzen.

Ich kann mir vorstellen, wenn die künftigen Kolleginnen und Kollegen damit kein Problem haben, die eine oder andere Predigt auf der Homepage der Kirchengemeinde einzustellen.

Ich bedanke mich bei allen, die hier gelesen haben und den Kontakt mit mir gesucht haben, es gab auch viele schöne Anregungen und "Debatten".

Ich werde den Blog am Mittwoch abschalten.



* Real life. Ich finde, das Wort "life" würde sogar  genügen. Das virtual life ist keines.

Montag, 5. August 2013

Christenverfolgung

Dass es in weiten Teilen der Welt massive Christenverfolgungen gibt, ist kein Geheimnis. Man kann sogar davon ausgehen, dass das Christentum die am stärksten verfolgte Religion auf der Welt, wenn man sich nicht nur an Zahlen, sondern an der Intensität der Verfolgung orientiert.
Warum aber wird das bei uns so wenig wahrgenommen?
Wenn in der Türkei Christen Repressalien ausgesetzt sind und das Gespräch darauf kommt, gibt es verlegene Blicke. Bis dahin, dass man nach Gründen, warum die Christen vielleicht doch nicht so ganz ohne Grund....ich bin da manchmal etwas fassungslos. Ich halte das nämlich für leichtfertig. Allemal in einem Lande, in man wissen sollte, was geschieht, wenn man Verfolgung von Minderheiten auf die leichte Schulter nimmt oder gar bei den Verfolgten eine hiemliche Schuld sucht. Wehret den Anfängen.

Warum aber ist das bei uns kein Thema (obwohl es schon allein unter Menschenrechtsgesichtspunkten eines sein sollte.)

Zum ersten: weil sich die deutsche Gesellschaft nicht mehr als christliche versteht. Dass hier so etwas wie geschwisterliche Anteilnahme gefragt ist kommt wenigen in den Sinn. Wenn es verfolgte Deutsche wären, wäre das anders, aber auch nicht viel anders. Zugehörigkeit definiert sich heute anders, aber fragt mich nicht wie. Religiöse Verfolgung jedenfall ist irgendwie Privatsache, man muss ja nicht religiös sein. (das kann ein böses Erwachen geben, fragt mal Christen in der DDR).

Zum zweiten: Wir können uns, von gelegentlichen, kriminellen Ausrutschern oder punktuellen Ausbrüchen, echten Haß, echte Verfolgung, wirklich Drangsalierung nicht mehr so recht vorstellen. Das ist auf der einen Seite eine gute Sache, zeigt es doch, dass die Pazifizierung in unserer Gesellschaft weit voran gekommen ist. Aber andererseits führt das auch dazu, die Gewalt zu verharmlosen. Das war schon immer brandgefährlich.


Zum Dritten: Dass Menschen verfolgt werden, weil sie Christen sind, ist gerade vielen Christen ein wahrscheinlich eher unangenehmer Gedanke. Denn er weist auf die Möglichkeit des Martyriums hin: auf den Ernstfall.
Sage keiner, den werde es bei uns nicht geben.

Was also tun?

Aufhören mit dem Wischi-Waschi-Christentum und anfangen, den leberndigen Christus zu verkündigen, damit spürbar wird und hörbar, wer wir als Kirche sind und wo wir stehen. Dann wird sich vieles von selbst klären. Solange wir in der "Mitte" bleiben wollen, werdne wir sicherlich nicht verfolgt werden - aber bagetellisiert. Und das macht es dann wieder unmöglich, sich mit den Verfolgten anderswo solidarisch zu erklären: weil man nicht versteht, warum. So gibt es einen fatalen Konnex zwischen Christenverfolgungen und Gleichgültigkeit, der uns eines Tages noch leid tun könnte - so wie wir heute die Früchte der aggressiven Mission ernten, werden wir eines Tages die Früchte unserer Gleichgültigkeit ernten. Nämlich dass auch wir keine Hilfe bekommen, wenn wir sie brauchen werden.

Und wir werden sie brauchen.

Tageslosung: Unser Innen ist unser Außen.

Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren.
Psalm 86,9

Paulus schreibt: Wir wollen das Evangelium auch denen predigen, die jenseits von euch wohnen.
2.Korinther 10,16



Müssen alle Menschen Christen sein? Das Alte Testament überliefert uns die Vison der "Völkerwallfahrt zum Zion". Es ist die Vision vom Weltfrieden durch Religion. Alle werden kommen und gemeinsam den wahren Gott in Jerusalem anbeten. Davon spricht der Psalm.
Tatsächlich aber ist Jerusalem bis heute der Ort der Schmach der Religionen. Das muss ich nicht weiter ausführen.

Dann kam Jesus.
Mit ihm verschwand die zentrale Rolle des Tempels. Gemeinschaft unter dem Wort tritt an die Stelle von zentralen Kultorten, die Hoffnung auf das Reich Gottes als Neuer Schöpfung tritt an die Stelle einer politisch-geographischen Vision von einer befriedeten Welt.
Paulus greift das auf und erkennt seine Mission: ein weltumspannendes Netz von exemplarischen Gemeinden wird die gefallene Schöpfung auf ihre Umwandlung vorbereiten.

Die Offenbarung des Johannes malt sich aus, wie das geschieht: Durch finalen Krieg der Mächte des Guten gegen die Mächte des Bösen, das ist die Vision des  Karfreitag als kosmischem Geschehen. Der abschließende Sieg wird dann wieder entfaltet mit dem Bild von Jerusalem als dem Ort der Versöhnung, diesmal aber kommen nicht die Menschen zum Zion, sondern der Zion kommt zu den Menschen, und es wird auch kein Tempel in diesem Jerusalem sein, sondern die Gemeinschaft mit Gott wird unvermittelt sein. Das Reich Gottes ist keine geographisch-politische Vision mehr.

Man kann hier von Spiritualisierung sprechen, von Entweltlichung, Entpolititisierung; die Verlegung der Reich Gottes Vision in die Innerlichkeit und dergleichen mehr. Aber was soll damit gesagt sein? Dass es nicht konkret ist? Nicht mehr politisch?

Wohl kaum. Eher ist es andersherum:


Man kann  auch sehen,dass hier ein Modell für die Kirche im Zeitalter der Globalisierung verborgen ist: Exemplarische Gemeinden statt Totalitätsansprüche.

Das ist  nicht zufällig so, denn diese Texte enstanden in einer Zeit maximaler "Globalisierung" und in einer ausgsprochen multikulturellen Atmosphäre. Und daher war es eine ungeheure Befreiungsleistung, dass der Pharisäer Paulus alle Herrschaftsansprüche einer Religion fahren lassen konnte und stattdessen auf die "Leuchtturm"-Funktion von einzelnen Orten der Verkündigung zuging.

So war seine Missin gestaltet: Nicht jeder überall und immer, sondern an bestimmten Orten wird der Keim gelegt, so dass Gott es wachsen lassen kann. Das gibt ihm die große Freiheit, nicht "das Christentum", sondern in der Tat "Christentümer" zu etablieren.

Jeder Paulusbrief ist an eine individuelle Gemeinde gerichtet, und die Konfliktbewältigungsstrategien sind je andere. Weil unterschiedliche Problemlagen vorlagen, weil unterschiedliche Gruppierungen existierten. Es war nicht sein Bestreben, alle über einen Kamm zu scheren, es war sein Bestreben, dass jede Gemeinde ihre Form findet, das Evangelium zu leben. Und "das Evangelium leben" bedeutet bei Paulus: Im Lob Gottes leben, aus ihm heraus und auf es zu. Und das ist gerade nicht unpolitisch, denn diese lobende Grundhaltung verändert den Umgang mit der Welt. Es ist nicht mehr möglich, sich von der gefallenen Schöpfung mit abgespreiztem kleinen Finger zu distanzieren (Pharisäer!). Wer Gott in der gefallenen Schöpfung lobt, lobt gegen den Augenschein (Kreuz!) und dann lobt man auch das Geschöpf im gefallenen Geschöpf: im Vorgriff, sozusagen, aber nichts beschönigend.

Nichts ist "natürlich", nichts ist "pervers", sondern der Maßstab ist die Liebe und die aus ihr gestellte Frage, was an persönlicher Freiheit möglich ist und was nicht. Denn alle sind unter dem Fluch und unter der Verheißung. Das ist nicht schizophren, sondern das ist eine Form der Doppelbeschreibung, die weiten Raum lässt und Festlegungen verhindert. Schwul sein ist ebenso "natürlich" wie der Heterosex "natürlich" ist: denn er findet unter den Bedingungen von Sterblichkeit und Schmerz statt, denn die Natur ist die gefallene Schöpfung. Das "Natürliche" ist das, was von Gott abweicht und damit von dem, was dem Menschen dient. Heterosex, das wird immer ausgeblendet, steht unter einem Fluch: Todesdrohung für die Schwangere, Dominanzverhalten und also keine echte Nähe für den Mann. Wir leben hier im Provisorium. Gier, Neid und Stolz sind in der Tat "Todsünden", die nicht einfach aus der Welt sind, sondern mit denen wir rechnen müssen. Sie sind Ausfluß der Sterblichkeit. Die Aufgabe ist, die gefallene Welt im Lichte der Erlösung zu gestalten: Aus dem Vertrauensvorschuss Gottes heraus, aus der Perspektive der Unsterblichkeit. Es gibt nicht die eine Lösung, es gibt nicht den einen Weg in Sinne eines Rezeptes, aber im Sinne einer Haltung der Versöhnung: Ich bin der Weg, sagt Jesus.  So gibt es eine gemeinsame Erkenntnis und Aufgabe: Keiner soll verloren gehen, keiner soll zurückbleiben, jeder soll seinen Platz bekommen, und sei es auch zum Schutze der Gemeinschaft am äußersten Rand. Aber niemals draussen. Weil es kein Draussen gibt in der befreiten Schöpfung.

Daurm können die Existenz und die Aufgabe der Gemeinde nicht selbstbezüglich sein. Sie ist der Trupp derer, die von der Rettung gehört haben und darum aus ihr heraus leben können.Die "anderen" sind nicht "verloren". Sie leben nur mit einer falschen Diagnose und Prognose. Das ist doch wahrhaftig Fluch genug.

Paulus sieht die ganze Schöpfung als gerettet an, und er sieht es als seinen Auftrag an, dass die gesamte Schöpfung das erfährt, damit sie sich, salopp gesagt, entspannt. Das heißt aber, der Impuls der Gemeinde ist im wesentlichen nach "Draußen" gerichtet, aus der Sicht der Gemeinde heraus. Wobei dieses "Draussen", man beachte, nicht die feindliche, gefallene Welt ist, der gegenüber die Gemeinde existiert.

Dieses "Draussen" ist rein soziologisch, nicht theologisch. Das ist der entscheidende Gedanke. Draussen sind nicht die Gottlosen. Die Gottlosen, wird Paulus nicht müde im Römerbrief zu betonen, sind überall. Nur, dass die "Drinnen" von ihrer Gottlosigkeit wissen und gehört haben, dass Gott sie beendet, indem er zu ihnen kommt, anstatt auf sie zu warten.
Und so soll es auch die Gemeinde tun.
Das kann man Mission nennen, aber das Wort ist sehr abgenutzt und, bedenkt man das ebens schon Gesagte, nachgerade in sein Gegenteil verkehrt worden. Nennen wir es doch lieber so, wie es Paulus auch nennt: Verkündigung des lebendingen Christus.

Wenn wir als Kirche das tun, wozu wir als Kirche berufen sind, nämlich die Rettung zu verkündigen, werden wir gehört und wahrgenommen, denn wer sonst verkündigt das? Wer sonst spricht dem Sauhaufen, als den wir die Welt erleben, die bereits geschehene Erlösung zu und befreit sie vom Selbstmissverständnis, verdammt zu sein und sich selber erlösen zu müssen? Nur so bekommen wir die zerstörerische Energie der Weltbemächtigung in den Griff, indem wir diese Energie herausnehmen, die Energie des "Rettens". Das können wir getrost Gott überlassen.Und damit zeigt sich, wie sehr wie selber "draussen" sind. Wer die Welt retten will, zeigt nur seine Gottlosigkeit. Hier liegen Scham und Schande einer sich immer wieder selber missverstehenden Kirche begründet: wenn aus der soziologischen Innen/Außen-Differenz eine theologische gemacht wird und die Kirche sich aufmacht, das Draussen zu retten: die Muslime, die Juden, die Schwulen. Daran haben viele ein wohlbegründetes Interesse. Aber diese Duale sind böse, wie man sich leicht mit einem Blick in die Weltgeschichte vergewissern kann. 

Die Völker müssen nicht zu uns kommen. Wir sollen zu den Völkern gehen,weil wir selber dazugehören. Die Menschen kommen zum Worte Gottes, wenn das Wort Gottes zu ihnen kommt.

Das ist ein hochpolitisches Programm, kirchenpolitisch vor allem.
Solange in den Köpfen das ganz und gar unevangelische Bild einer Kirche als regelorientierte "Heilsanstalt" herumspukt, zu der die Menschen kommen müssen, werden wir unglücklich bleiben angesichts der Tatsache, dass sie nicht kommen.

Aber der Sauerteig muss unter das Mehl gemischt werden, wenn es durchsäuert werden soll. Das Wort muss zu den Menschen gebracht werden.

Denen zu predigen, die schon da sind ist wichtig. Es ist die Erbauungs- und Erhaltungspredigt, die Vergewisserungs- und Bestätigungspredigt. Aber es nützt nichts, nur sich selber zu predigen. Das kann nur die Ertüchtigung zum Zeugendienst sein. Denn  die eigentliche Herausforderung ist die Verkündigung nach "Draussen":

Das Wort wallfahrtet zu den Völkern.

Ich bin deswegen zunehmend verärgert, wenn ich merke, dass außerhalb der eigenen Mauern von Jesus Christus so merkwürdig geschwiegen wird. Ich habe in diesem Urlaub wieder ein wenig Zeit gehabt, am Maltisch zu sitzen und  - das ist nämlich das Schöne an diesem Hobby - Radio zu hören. Ich habe viel allgemeine Lebensberatung, wirklich zum Teil kluge und textlich sehr gelungene Sachen gehört.

Aber Verkündigung: Jesus Christus und die Rettung der Welt - davon habe ich wenig gehört. Es sei denn, ich bin bei eher evangelikal-fundamentalistischen Sendungen gelandet. Da aber hörte ich nur Erstarrtes oder so krass Weltfremdes und Binnenbezogenes, dass ich es oft nicht glauben wollte, dass die Sprecher je auch nur einen Blick in einen Paulusbrief geworfen haben oder aufmerksam Zeitung lesen.

Soll die Schere der Geschichte wirklich so auseinandergehen: Das Christentum mit der Belanglosigkeit und die Welt mit der alten Angst?


Aber woran liegt das? Woran liegt das, dass theologische Einsicht nicht zu klarer Verkündigung führt? Woran liegt es, dass der christologische Impuls, der das "natürliche" Denken um 180 Grad dreht so selten zu hören und sehen ist und stattdessen allerlei Psychologisches, Philosophisches oder auch nur bloß irgendwie allgemein-Menschliches (das die "Anderen" meistens viel besser können), wenn nicht gar platt Politisierendes?

Woran liegt es, dass Christus ganz offensichtlich nicht mehr die Mitte ist?

Ich bekomme zunehmden den Eindruck, dass Kirche, die evangelische Kirche, inzwischen jenseits ihrer selbst wohnt.
Unser Innen ist unser Außen.

Es müssen nicht alle Menschen Christen sein.
Aber alle Christen müssen Menschen sein:
Von Christus berührte Menschen. Menschen des Wortes. 

Freitag, 2. August 2013

Meistersinger in Salzburg, eine Erleuchtung.

Hans Sachs, angesichts des Regelstürmers Walter von Stolzing zu den anderen "Meistern": 

 
Vernehmt mich recht! Wie ihr doch tut!
Gesteht, ich kenn die Regeln gut;
und dass die Zunft die Regeln bewahr,
bemüh ich mich selbst schon manches Jahr.
Doch einmal im Jahre fänd ich's weise,
dass man die Regeln selbst probier,
ob in der Gewohnheit trägem Gleise
ihr' Kraft und Leben nicht sich verlier.
Und ob ihr der Natur
noch seid auf rechter Spur,
das sagt euch nur,
wer nichts weiss von der Tabulatur.



Tja, wenn die Wagnerianer Wagner kennten, wären sie wohl etwas vorsichtiger.....

Bayreuth 2013, Video vom Ring, Kritik von F. Zinnecker

Florian Zinneckers Kritik kann ich nicht immer folgen, der Linie schon. Als Bayreuther Lokalredakteur hat er offensichtlich Zugriffe, die kein anderer hat. Also für alle, die ich ein wenig neugierig gemacht habe: Bewegte Bilder.

videos/einblicke_den_jubilaeums_ring_von_frank_castorf

Bayreuth 2013, Bayreuth 1950

Ich habe immer noch diese Buhs im Ohr.
Und bin doch vom Bayreuther Publikum schockiert. Haben die vergessen (oder nie gewußt), dass Bayreuth eine der Quellen, der "Urorte", um es wagnerisch zu raunen, des radikalen Ausdrucks- und Regietheaters ist?
Ich lese gerade das Buch von Ingrid Kapsamer, (sieher vorheriger Thread) und komme von einem Staunen in das nächste. Natürlich war die Bayreuther Moderne der 50er Jahre eine gigantische Verdrängungs- ja sogar Vernebelungstaktik, aber sie war auch ein inszenierte Bruch von beispielloser Heftigkeit.
Das steht auf derselben Ebene die Einführung der radikalen Abstraktion in der Malerei oder, woran ich noch eher denken musste, an James Joyce und die Dadaisten.

Ich habe eine sehr schöne Rezension zu diesem Buch gefunden, die erfreulicherweise schönes und eindrückliches Bildmaterial liefert, für alle, die gar keinen Schimmer haben, wovon ich rede.
Das war mal Bayreuth! In den 50er Jahren! Es hat sich damals vermutlich nur keiner getraut, richtig in Opposition zu gehen, weil man dann - und ich sage mal, was Bayreuth betrifft, wohl zu Recht - in der braunen Ecke gelandet wäre. Schade, dass Wieland Wagner so früh starb. Es wäre spannend gewesen, ihn in der 68er Zeit zu erleben. Aber das hat ja dann Chereau erledigt, indem er den Mythos rehistorisiert hat und als Sozialkritik darstellte. Und ich finde, das Castorf geht einfach den nächsten logischen Schritt: Man muss den Mythos nicht erzählen, er wirkt; man muss seine Wirkungen zeigen: den Fluch des Ringes, der die Menschen gierig macht und brutalisiert, der alles in Stücke haut, auch die Erzählung und die Kunst.
Ich finde das Fragmentarische völlig angemessen im Jahre 2013 - aber gehörte das nicht in die 80er und 90er Jahre? Bayreuth kommt, wie es scheint, immer so um die 20 Jahre zu spät. Da darf man nun auf Meeses Parsifal sehr gespannt sein, nachdem das postmoderne Gewusel von Schlingensief nicht funktionierte. UND ICH WILL KEINE BRAUNEN UNIFORMEN MEHR AUF DER WAGNERBÜHNE SEHEN: man tut denen damit zu viel der Ehre an. Wagner zeigt, wie es dazu kommt, dass Menschen verhärten: das geht viel tiefer. Es wäre viel wichtiger zu zeigen, bei wie Vielen die braune Uniform im Schrank hängt, ohne dass sie es wissen, und wie viele braune Unterwäsche tragen (schöne, mehrdeutige Metapher!) und denken, es wäre weiße (schöner innermetaphorischer Reim. Was man manchmal so schreibt...)

kapsamer

Weitere, eindrückliche Bilder:
www.wagneroperas.com

Donnerstag, 1. August 2013

Bayreuth 2013, Götterdämmerung und Castorferleuchtung

Ich habe mich für das Publikum ein wenig geschämt. So ein widerlicher Buh- und Trillerpfeifenlärm - das war völlig unangebracht. Der Ring war eine starke künstlerische Gesamtleistung, ob man dem im Einzelnen folgen kann oder nicht, ist eine andere, diskussionswürdige Frage. Hier wurde mit größer Konzentration und mit viel Wissen um Text und Musik inszeniert. Was für eine gewaltige Aufgabe. Das nicht zu würdigen, sondern die eigenen Erwartungen, wie es denn richtig sein müsse, zum Maßstab zu machen, ist klein.

Die Götterdämmerung: Das ist ein Kawenzmann von Musikdrama, selbst für Wagnersche Verhältnisse. Eine komplexe Handlung, eine superkomplexe Musik, lauter neue Personen und Leitmotive, ständig wechselnde Orte. Und wirklich, wirklich schwere, aber wahnsinnig schöne Musik.

Die Götterdämmerung kann man von allen Wagner-Werken am wenigsten im Halbdämmer des Bewußtseins genießen, sie verlangt volle Aufmerksamkeit. Von den ersten Takten an.

Castorf setzt noch einen drauf. Er überlässt, noch souveräner als in den vorangegangenen Abenden, der Musik die Aufgabe, den düsteren Mythos zu erzählen. Er setzt  - und wo, wenn nicht in Bayreuth - voraus, dass Musik, Erzählung und Text soweit verinnerlicht sind, das man mit ihnen spielen, Theaterspielen kann.

Während die Musik für die Kontinuität der Ring-Erzählung, des Mythos, sorgt, erzählt die Bühne eine eigene, sozusagen von dem Drama selber evozierte, sie auf der Oberfäche der Ereignisse abbildende Geschichte.
Ich könnte jetzt einiges Gelehrtes zu narrativer Tiefenstruktur und textueller Repräsentanz sagen, Greimas, Propp und andere zitieren, tu ich aber nicht. Wir nehmen jetzt mal einfach hin, dass das wirklich so geht. Jeder Krimi funktioniert so. Die alte "who done it" Geschichte wird neu erzählt, mit dem üblichen mythischen Personen-Inventar und einem Ensemble standartisierter Ereignisse. Diese Tiefenaufgabe übernimmt bei Castorf die Musik, und sie tut es, weil befreit von der Erdenschwere der Handlung, wundervoll. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die ungewöhnliche Qualität der Musik, die ich erleben durfte, etwas damit zu tun hatte, dass sie aus dem Knechtsdienst der "Handlung" entlassen wurde - ganz in Wagners Sinne, bei dem ja die Musik die Handlung generiert. Hier war sie jedenfalls, was bei Wagner immer die Gefahr ist, nicht bloß Soundtrack, sondern Akteur. Die Erzählerin aus dem Off, wenn man so will. Die Castorfsche Handlung kommentierte dabei aber die Musik, nicht umgekehrt. Nicht immer gelungen, aber nachvollziehbar selbst in den Kalauern.Die waren oft spürbar von der Musik evoziert.

Aber nicht nur die Musik sorgt für Kontiunität und Zusammenhang. Auch die virtuos eingesetzte Drehbühne und die Videos, die vor allem die orchestralen Zwischenspiele (die sich ja technischen Herausforderungen der Theatertechink verdanken) sehr nach vorne bringen. Ich habe diese Musikstücke noch nie so intensiv in ihrer Aufgabe wahrgenommen, den Mythos zu rekapitulieren. Die Videobilder fokussieren den schweifenden Blick und fesseln damit das Ohr, bei mir jedenfalls.

Und schließlich die Kostüme. Siegfried in knallenger eierschau-Hose mit Vokuhila-Frisur - man wusste sofort, hier kommt der Stecher. Die Nornen erst in mythsicher Verkleidung, gar nicht recht beschreibbar, und darunter in einer femininen Pracht, die ihresgleichen suchte. Die Rheintöchter in ihrer ganzen Biesterhaftigkeit, fast ein wenig nuttig, aber voller Stolz, Rheintöchter eben, älter als alle.
Und Gutrune im Schicki-Micki-Outfit, sie hätte glatt im Publikum sitzen können. Sie wurde von Hagen mit einer Isetta bestochen, in dem miesen Spiel mitzumachen, auch Schicki-Micki. Tochter vom Schlage der Mutter (die für Geld!!! mit Alberich Hagen auf die Welt gebracht hat. Feine Sippschaft!).

Ihr Wahnsinn ist ihr Reifeprozess. Im flotten Cocktailkleidchen schnappt sie über. Beeindruckend. Da werden sich Regisseure für Gutrune aber demnächst immer etwas einfallen lassen müssen, anstatt sie irgendwie staffagemässig den ganzen Schluß über herumliegen zu lassen.



Die Gewalt und der Sex.
Sie sind das große Thema des Ringes, und Castorf macht es sichtbar. Das Öl ist bloß ein inszenatorischer Vorwand, eine Anhaltspunkt für die, die "Inhalte" brauchen. Dass Walhall Wallstreet ist, sagte schon Wieland Wanger um 1950, und er hat es von G. B. Shaw, 1909. Es wird doch keiner erwartet haben, von Castorf eine platte Allegorie geliefert zu bekommen.

Nein, es geht um Gewalt und Sex. Kompromisslos. Hagen erschlägt Siegfried und Gunther mit dem Baseballschläger, den wir von schon von den freundlichen Riesen aus dem Rheingold kennen.  Der Speer wird optisch zitiert, wie das Schwert, das macht es leichter, wieder an die Musik anzuknüpfen. Erschütternd, obwohl beide Tode absoluten Armleuchtern gelten; man erwischt sich bei ganz unfrommen Gefühlen. Die Gewalt wird als das gezeigt, was sie ist: roh und sinnlos. Sie hält nichts auf, sie bringt nichts voran, sie kommt aus der Rohheit und sie führt in sie zurück.

Aber am besten ist es mit dem Sex in diesem Ring bestellt - und ich sage absichtlich nicht Erotik. Die Rheintöchter machen einem hier mal wirklich Angst mit ihrer sexuellen Wucht. Biester, ganz gefährliche Biester. Fricka (im Rheingold, man sollte die Texte kennen!) hasst sie nicht ohne Grund. Sie bringen etwas in die Ehe, was die Ehe gefährdet (wenn man von der "hehren Ehe" träumt, wie es die Götter tun, worüber sich Loge ja bekanntlich mehr als lustig macht. Das Wertegelaber....). Sogar die Nornen sind - als Erdatöchter - von einer geradezu chtontischen Sexualität im Abendkleid.

 Die Rheintöchter. Mit einer Leiche im Kofferaum, die Siegfrieds Tod, so vermute ich mal, vorwegnimmt und den Ernst der Situation zeigt.


Castorf zeigt sehr deutlich, worum es am Ende geht. Und dass Männer, die ein Gewaltproblem haben, auch ein Sexproblem haben: Sie können das nämlich nicht wirklich auseinanderhalten. Es fehlt die Zärtlichkeit.
Zu Lasten der Frauen. Die sind wieder ganz stark. Habe ich mich beim Siegfried über das Coming-out des Waldvogels sehr gefreut, so war ich gestern Abend von den Rheinmädchen sehr angetan: sie sind die Siegerinnen.
Das Finale, das Castorf uns zeigt, mag Manchen in seiner Lakonie vergrätzt haben (weil Brünnhilde einfach in Richtung angedeutetes Weltenfeuer von der Bühne geht). Aber Castorf zeigt uns etwas, was man sonst nie sieht: Brünnhilde gibt den Rheintöchtern den Ring, bzw. übergibt ihn der Vernichtung. Ein unglaublich erlösender Moment. Sie töten Hagen nicht (jedenfalls nicht gleich), was auch gar nicht so explizit im Text Wagners steht, sie schubsen ihn einfach weg. Dieses Wegschubsen ist so souverän -
genial!!!!
Da sitzt er dann am Feuer (LOGE!!!), in den sie den Ring geworfen haben (Tolkien lässt grüßen), der Loser auf der ganzen Linie, und denkt wohl darüber nach, was er seinem Vater erzählen soll. Großartig. Alle gescheitert, die Helden, auch der Böse. Ein Sieg der Frauen und der Natur, in der Musik überdeutlich zu hören. Aber die "erlöste" Welt ist nicht einfach die Welt des Anfanges - diesem Irrtum verfallen manche Inszenierungen, wenn sie am Ende das Anfangsbild wieder zeigen. Erlösung ist nicht Weidergutmachung, Erlösung ist Verwandlung: "Oh hehrstes Wunder", jubelt das Orchester und zitiert Sieglinde, die den alles verändernden Helden so begrüßt (Ihr Magnifikat, sozusagen).
Zu Gutrune, die die Ophelia gibt, siehe oben.

Brünnhilde: Souverän in der Annahme ihrer tiefen Verletzung in der Welt hirnloser Männer, von Pappa über Ehemann 1 und 2 bis Hagen. Darin steckt die Erlösung. Sie setzt den Ring frei, und geht. Toll, wirlich, das ist eine mögliche Interpretation, die sowohl dem Text, der Musik als auch dem Augenschein standhält. Ich rede immer von hirnlosen Männern: das ist ein Zitat, Götterdämmerung, 1. Akt, 5. Szene, Hagen zu Gunter:
"Dir hilft kein Hirn,
dir hilft keine Hand:
dir hilft nur – Siegfrieds Tod!"

Vieles mehr wäre noch zu sagen. Hagen als Schamane, und da irgendwie den Nornen nah (die auch vor dem Schamanenschrein agieren, mit Blut und so, Igitt). Natürlich, warum nicht. Er ist auch bei Wagner nicht einfach nur ein Verbrechertyp. Er ist ein Schwarzmagier, der wahrhaft heftige Tränke brauen kann. Sein Tritonus und die Zaubertrnachtmotiv prägen die Musik der Götterdämmerung massiv: Da ist schwazre Magie im Orchestergraben präsent. Castorf zeigt sie. Starke Bilder!

Im Progammheft steht, vielleicht sei das alles bloß der Traum eines Schamanen. Ist es doch. Der
Schamane heißt Richard Wagner. Man vergisst immer so schnell, dass das alles ausgedacht ist.

Nur Gutes? Nö, es gab auch Längen und Verlegenheitslösungen, wieder einige Kalauer, okay, kann man machen, ist vielleicht ein bisschen abgenutzt, jedenfalls draussen, in der richtigen Welt (in Bayreuth können sie noch provozieren!). Es fehlt an Kleinarbeit. Manches muss sich erst bewähren. Ich sehe viel Potential gerade auch in den kleinen Ideen, von denen ich wahrscheinlich, wie von der Musik, nur einen Bruchteil wahrgenommen habe.

Jedenfalls hat bei mir, tief vertraut mit dem Mythos des Ringes, die Abkoppelung von der Handlungsoberfläche und die Verlegung der Handlung in eine traumartige Parallelwelt von fast fantasyhafter Eindringlichkeit ganz und gar ausgezeichent funktionert. Ich glaube, dass dieser Ring, wenn an ihm noch ein bisschen gearbeitet wird, ein Jahrhundertring werden wird, an dem man, wie in den letzten 30 Jahren am Chereau-Ring, nicht wird vorbeikönnen.

Danke, Frank  Castorf.

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Das Bayreutherlebnis: dazu ein andermal. Das ist eine eigene Geschichte. Ich bin dankbar, dass ich es gemacht habe. Auf auf die Gefahr hin, dass jeder Wagneraufführung außerhalb des Festpielhauses, jedenfalls was den Klang betrifft, nur etwas Schattenhaftes bekommen wird. Wagner hatte ein ganz konkretes Klangbild vor Augen, einen echten Soundtrack, und das geht so nur in Bayreuth. Wie gut, das muss ich noch erzählen, zeigt eine kleine Anekdote: Ich hatte mich mit einem älteren Herrn aus England bekanntgemacht, der auch eher zufällig und in letzter MInute die Karten bekommen hat. Er war von der Inszenierung ziemlich enttäuscht, weil er schon Hörnerhelme, Rüstungen und Wald erwartet hatte. Okay, das kann ich verstehen. Gelegenheitswagnerianer haben da schon auch ein gewisses Recht drauf, wenn auch nicht gerade in Bayreuth.
Aber wirklich bemerkenswert fand ich, als er mich frug, ob den überhaupt ein Orchester spiele und warum man die Musik vom Band laufen liesse.
Besser kann man die Wirkung des "mystischen Abgrundes", des unsichtbaren Orchesters im versenkten Graben, nicht beschreiben. Es ist überwältigend, gerade in der Götterdämmerung, die musikalisch ja schon deutlich in Richtung Parsifal geht.


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Natürlich war es völlig unmöglich, an den Buchläden vorbeizugehen. Jetzt lese ich, nach Brigitte Hamanns "Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth" (schrecklich, nicht das Buch, aber das, was es berichtet) "Wieland Wagner: Wegbereiter und Weltwirkung Vorwort von Nike Wagner von Ingrid Kapsamer. Haben alle schon vergessen, was in den 50er Jahren in Bayreuth passierte?


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Und natürlich Thomas Mann. Dessen Schmerz ich teile. Wie schade, dass man Wagner nicht einfach so lieben kann. Es ist viel Hitler in Wagner (aber es ist fast kein Wagner in Hitler, das sei auch deutlich gesagt).