Freitag, 7. Juni 2024

Stufen der Macht

Du musst etwas aus deinem Leben machen!

Du musst aus Macht leben! 

Du musst dein Leben ausmachen. 

Sonntag, 2. Juni 2024

Fazit: Intellektualität

 Meine Examensarbeit für das zweite Examen war eine linguistische Analyse der gerade erschienen Fürbitten-Ergänzung für die Agende I, es war eine Analyse mit pragmatischem Schwerpunkt. Es ging darum, welche Geste Fürbitten ausdrücken und inwiefern über diese Geste definiert werden kann, was eine Fürbitte ist oder nicht. Es war eine streng empirische Auswertung mit Tabellen und allem drum und dran, die alle über 170 Gebete akribisch aufdröselte und die dann theologisch ausgewertet wurde: Was ist eine gottesdienstliche Fürbitte? Gibt es ein Standardmodell? Ab wann kippt eine Fürbitte in eine Minipredigt, eine moralische Argumentation oder gar in eine bloße Meditation um usw.

Die Arbeit brachte mir ein Gespräch mit einem kirchenleitenden Menschen ein, in dessen Folge mir auf sehr deutliche Weise klar gemacht wurde, dass eine bestimmte Form von kritischer Intellektualität in der Kirche nicht besonders gern gesehen wird. 

Sie war und ist (?) mit dem Ansinnen von Karrierismus und Dominanz umgeben - das Groteske an dem Gespräch war, dass mir klar gesagt wurde, dass eine Berufung in die liturgische Kammer der EKKW nicht Frage käme, mein Ansatz würde da alles sprengen (Gott sei Dank hatte der Menschen noch nie eines meiner Gedichte oder meiner Gebete gelesen). 

Was daran grotesk ist? 

Ich hatte niemals dieses Ansinnen, Karriere in dem Sinne war mir immer fremd, die Arbeit war noch nicht einmal im Ansatz deswegen geschrieben worden. Ich hatte bloß bemerkt, das manche Gebete im Gottesdienst nicht "funktionierten", und wollte wissen, ob man das empirisch belegen und und ob das linguistische Werkzeug, das ich mir dafür im Studium angeeignet hatte, etwas taugt, oder ob ich hier einem bloßen Bauchgefühl folgte. 

Mir wurde es als Selbstempfehlung für ein kirchliches Gremium unterstellt. Und natürlich als Arroganz. Die war es nie, ein bisschen Verbitterung gelegentlich schon. (Möglicherweise hing das auch mit meine Mentor zusammen, der damals Sekretär der liturgischen Kammer war - der aber hat mich schon sehr früh verstanden: dass ich immer Pfarrer werden wollte und an Karriere, vor allem an Gremienkarriere, nicht das geringste Interesse hatte. Er war sehr interessiert daran, dass ich das Instrumentarium auf die Gebete für das damals gerade konzipierte EG anwendete und mit ihm einen Kriterienkatalog für "gute Gebete" erstellte. Das war Fun - für beide. Er hatte viel Spaß an dem, was ich an unkonventionellem Denken aus dem Studium mitbrachte).  

Ich habe allerdings gelernt - einer der Gründe, warum ich mich mit Organisationswissenschaft befasst habe - das organisationstheoretisch einzuordnen. 

Was freilich kein wirklich gutes Bild von Kirche als Organisation entwirft, das traurigerweise durch die Missbrauchsstudie bestätig wird. 

Eine Organisation, die keinen Ort hat, kritisch über sich selbst, ihr Handeln und ihre Grundlagen nachzudenken, wird niemals smart werden, und damit eben auch nicht agil. 

Das meine durchaus so scharf wie ich es schreibe - ein Teil der Hilflosigkeit, die der jetzigen Situation mit ihrer Krisenbeschwörungsrhetorik anzumerken ist, hat auch etwas damit zu tun, dass die theologischen Werkzeuge stumpf geworden sind. 

Andererseits ist mein Vertrauen in evolutionäre Prozesse doch sehr hoch. Irgendwo arbeitet der ThinkTank der eine wirklich brauchbare Theorie hervorbringen wird und eine Gedankenschärfe, die es erlaubt, wirklich strategisch zu handeln. Ich vermute aber mal, das die nicht aus dem Mainstream kommen wird - oder vielleicht gerade, wenn eine oder einer so richtig das Kotzen kriegt? (Ich denke oft an Safenwil...)

Das alles habe ich mir gut gemerkt. Und tatsächlich bin ich immer dann angeeckt, wenn ich theologische Argumente geltend machen wollte. Selbst im meiner Aufgabe als Referent stand ich oft auf der Bremse, was gelegentlich ein Akt von großer Selbstdisziplin war. Es gelang mir nicht immer. Der Zynismus dieses Antiintellektualismus ist vielen überhaupt mich bewusst, das hat mich oft verblüfft. Es waren oft gerade die akademisch ausgewiesenen Theologinnen und Theologen, die einen antiintellektuellen Impuls zeigten. War und ist das so etwas wie Kondeszendenz (Herabneigung), schlechtes Gewissen gegenüber einer vermeintlich privilegierten Situation, oder Schlimmeres, Heuchelei? Es gibt Formen von intellektuellem Anti-Intellektualismus, sind sind per se schlimm paternalistisch (was übrigens auch politisch hochbedenklich ist: Wenn Pfarrerinnen und Pfarrer von "Theologengerede" oder "bloßer Theorie" reden, nähren sie eine Natter am Busen).

Und nach dreissig Jahren kann ich deutlich formulieren: In der protestantischen Kirchentheologie ist ein deutlicher Anti-Intellektualismus zu verspüren, in dessen Folge die Qualität der Theologie und der theologischen Reflexion kirchenleitenden Handelns (in Sinne Schleiermachers: also nicht bloß Kirchenregiment) etwas an Brillanz, Schärfe und Zugriffigkeit verloren hat, was, wie immer im Sinne eines absinkenden Kulturgutes, bis in die Gemeinden durchschlug. Einer der Gründe, warum keiner mehr der Theologie zuhört. Nicht einmal die Theologie selbst. 

Das gehört zu den weniger erfreulichen Fazits. Und zu dem, wo ich doch eine deutliche Müdigkeit spüre. 

Fazit: Fleiß

 Ich hatte das große Glück, dass meine Begabungen und Talente so perfekt in meinen Beruf passten, dass ich eigentlich nie mehr als 80% geben musste. Ich musste also nie „fleissig“ sein, und darum war auch nie „faul“. Was bedeutet: wenn es mal auf 100% ankam, waren die Reserven dafür da. „Stress“ in diesem Sinne kannte ich nicht, und diese ganzen Arbeitsskrupel, die ich bei vielen Kolleginnen und Kollegen bemerkte, sind mir fremd. 

Bis ich auf die Stelle als Leiter Öffentlichtsarbeit/Pressesprecher kam. Da reichten die 100% nicht. Prompt brach ich zusammen. Mit dem Langzeiteffekt, dass ich Jahre brauchte, um die 100% wieder zu ermöglichen. Glücklicherweise passte der Referentenjob noch besser in mein Talentraster, so dass ich - auf wohl gewählter halber Stelle - auch hier mit 80% gut durchkam und wieder Reservev aufbauen konnte (z.B. für das Jahr des Refornationsjubiläums oder die Arbeit fpr den deutschen Ethikrat). Aber das waren dann 100% von dem, was ich kann und was mich interessierte  

Fazit: 

Augen auf bei der Berufswahl.

Möglicherweise stimmt etwas mit dem Berufsprofil „Pfarramt“ nicht (Achtung, Ironie). 


Dekonstruktion: Allmacht

 Der Dreh in der christlich-trinitarischen Rede von „Allmacht“: Sie kann nur sinnvoll als die Macht beschrieben werden, die sich selbst begrenzen kann in der innertrinitarischen Gewaltenteilung. „Alllmacht“  ist geteilte Macht und so beherrschte Macht. Und damit das Gegenteil der sonst mit diesem Begriff beschriebenen Omnipotenz. „Allmacht“ dekonstruiert Omnipotenz. Gerade dort, wo christliche Theologie besonders abstrakt und „lebensfern“ erscheint, ist sie besonders konkret, weil sie countercultural ist. (Sofern man keinen Theorie/Praxis-Fetisch hat. Dann wirds blöd). Was aber auch dazugehört (und z.B. bei Paulus entscheidend ist: zur Macht gehört auch Lernfähigkeit. D.h. auch die „Allwissenheit“ Gottes ist nur sonzu denken, dass sie ein Wissen um die Wissbarkeit ist und nicht einfach nur die Kenntnis von allem, was der Fall ist und der Fall sein könnte. Auch für Gott gabelt sich mit jeder Entscheidung ein Universum. (Während die Dummheit keine Alternative kennt, weil sie nicht weiss, was das Nichtwissbare bist). Gott ist nicht nur kein „Caesar mit Keule“(Liesendahl), er ist auch kein Klugscheisser mit universaler Wikipedia. Trinität beschreibt nicht nur die göttliche Gewaltenteilung, sonder auch den unendlich offenen Lernprozess (das eigentliche Geheimnis der Inkarnation). Denkt man nun die Allgüte Gottes als ultimativer Wille zur Freiheit des Anderen…

Samstag, 1. Juni 2024

Fazit: Predigt

 Ich gelte als guter Prediger, sogar bei Konfirmanden. Hat sich das irgendwie auf den Gottesdienstbesuch ausgewirkt? Nein. Die, die kamen, kamen gerne und wurden selten enttäuscht. 

Aber „Ausstrahlung“? Null. So funktioniert es nicht. Vielleicht hat das „gute Predigen“ Abwanderung verhindert. Aber Zuwachs gab es keinen.

(Es wurden Predigten gerühmt, für die ich mich tagelang geschämt habe. Es wurden Predigten sehr kritisch angegangen, die ich für sehr gelungen hielt. Ich habe immer streng theologisch gepredigt und mich in vielen nicht an die „Regeln“ der Homiletik gehalten. Spielte keine Rolle. Am Ende war es kedesmal neu. Und deswegen ist es das, was mich am meisten erfüllt und wohl auch das, was ich am besten kann. Insofern bedauere ich sehr, dass die Predigt so in Misskredit geraten ist bei vielen, vor allem auch die theologisch anspruchsvolle. Ob das wirklich im Sinne derer ist, die in den Gottesdienst gehen? Ich habe viel Klagen über kitschige, banale und vor allem anbiedernde Predigten gehört. Überprüfen kann ich das nicht. 

Fazit: Teamwork.

 Ich kann der Erkenntnis nicht ausweichen, dass meine gelungenen Projekte Einzelaktionen (mit Unterstützung) waren. Richtig schief gelaufen sind nur Teamprojekte. Und vor allem die, wo ich von Anfang an das Gefühl hatte, dass sie als Teamprojekte nicht taugen. Ich halte „Teamwork“ inzwischen für einen ideologischen Begriff, der sich völlig verselbsständigt hat. Ich habe zuviel Zeit und Energie daran verschwendet, anstatt ein Sensorium dafür zu entwickeln, was im Team (oder sogar nur im Tean) geht und was nicht.