Freitag, 30. Juni 2023

Pharmakologie

 „Anesthesie und Religion, da haben sie ihr Programm“ (Derrida, Todesstrafe 1,388). Ernsthafte Theologie sollte also pharmakologische Kritik sein. Glaube als Betäubungsmittel, dann gilt wohl auch hier: die Dosis macht das Gift. Moderne protestantische akademische Theologie enthält das lindernde Gift nur noch in D12 Verdünnung: keine Wirkung, gerade noch Placebo (dh. Kirche simuliert Glaube). Kein Wunder, dass es immer weniger interessiert. Wer braucht schon religiöse Homöopathie (ausser denen, die sich vor Gott fürchten…)? Möglicherweise ist einfach die Dosis an Opium in der altersschwachen Kirche zu niedrig, weil die andere Droge, Relevanz, zu stark ist. Man nimmt also das falsche Gift gegen den Schmerz des Lebens und propagiert zugleich die heroische Askese des Aushalten, die Kälte der Vernunft, verpackt in gefühlsduseligen Emo-Kitsch. Das ist ein bisschen verlogen. Nehmt einfach Eure Pillen und betet ohne Unterlass. 

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