Ich bin mit linkem Terrorismus groß geworden, aber auch in einer Region mit viel Nazis. Sich politisch über ein „anti“ zu definieren, finde ich auch nicht besonders klug, und ich würde meine politische Haltung als pragmatisch bezeichnen - Die seit 70 Jahren unveränderte Blindheit nach Rechts und die Hysterie nach Links machen mir deswegen schon etwas Sorge. Denn wirklich gefährlich ist ein stupider Konservativismus (egal ob rechter oder linker), der das Augenmaß für politische Ziele verliert und Jugendliche radikalisiert und kriminalisiert, weil er jede Form von Engagement und Aktivismus als „links“ definiert.. Das war schon Kalten Krieg falsch.
Mittwoch, 31. Mai 2023
Sentenced to death
Solange Menschen „hingerichtet“ werden oder „fallen“, bleibt das Kreuz ein Symbol der Schande - und der Anmaßung des Staates, an Gottes Stelle zu treten, die dunkelste Seite der „Säkularisierung“, der Okkupation der Macht. Hier hat der christliche Glaube noch kaum einen Teilsieg errungen, zu lange war er selbst Agent dieser schlimmsten aller Sünden und damit Bote des Todes - möglicherweise sogar, man wagt es kaum zu denken - in suizidalem Eros zum Tod: willst du sterben, dann töte!
Todesstrafe und Krieg verletzen also nicht nur die Würde des Menschen. Sie verletzen, als Eingriff in die Souveränität Gottes, die Würde Gottes. Das ist der Grund, warum Gott nur Gott bleiben kann, wenn er die Gewalt ausschliesst. Anselm lag fundamental falsch schon in seiner Prämisse: der, über den Höheres nicht gedacht werden kann (allahu akbar), kann kein Vergelter sein, weil Vergeltung „niedrig“ ist und ein auf Vergeltung gebautes Recht noch unter dem Tier rangiert (Tiere „vergelten“ nicht), es ist die finstere unnatürliche Karikatur des Rechtes, die hier zum Recht gemacht wird. Nur Gott kann töten, und er kann es nicht, wenn er das ist, worüber hinaus Höheres nicht gedacht werfen kann. Er kann nur sterben lassen…darum ist der Tod such keine Strafe mehr. Eine Theologie, die von der Macht (als Gewalt) fasziniert ist, kann das nicht sehen, es ist ihr blinder Fleck. Und damit wurd sie toxisch, und wer die Geschichte des „Abendlandes“ verstehen will, sollte auch das sehen: das todesverliebte Christentum des hinrichtenden misogynen Kriegergottes. Er lebt, solange die Todesstrafe existiert
Die Todesstrafe ist allzu menschlich, ihre Abschaffung göttlich“. Derrida, Die Todesstrafe I, 161.
Dienstag, 30. Mai 2023
Kippschalter
Erstaunlich, wie wichtig noch im 24./25 Jahrhundert offensichtlich ganz schlichte Kippschalter sind - sie bevölkern alle nur denkbaren Raumschiffe und Vehikel in SF-Filmen und Serien. Der Verlust des Haptischen scheint doch schmerzlich zu sein, und natürlich ist die lässige Geste des Schalterkippens nebst einem satten Klick unendlich viel telegener als touchscreens oder gar neuronale Steuerung. Der Kippschalter ist also mehr fiction als science, denn soviel science will man dann doch nicht.
Urlaub
Zur Vorbereitung meines Urlaubs stelle ich schon mal das Denken ein, damit keine unerledigten Reste bleiben
Carl Schmitt
Er bestimmt unser Denken wie kaum ein anderer („politische Theologie“), und doch begegnete ich ihm erst vor wenigen Jahren, außerhalb der Theologie. Wie kann das sein? Weil er „rechts“ ist? Und grade deshalb sollte man ihn kennen. Er ist sehr schlau, und es ist eine enorme Herausforderung, ihm zu widerstehen. Und er ist eine bestimmte Linie des Protestantismus zu Ende gedacht - interessanterweise derjenigen, die heute eher im linken Spektrum anzutreffen ist: Klimaschutz als Ausnahmezustand…oder gar: Glaube als Ausnahmezustand…
Weg des Samurai
Liebe Deine Feinde. Nur so lernst Du die wirklich kennen. Und dann…
(Es ist viel Verlogenheit, aber noch mehr abgrundtiefe Naivität im mancher sogenannter „christlicher Ethik“. Nietzsche hat sich geirrt: nicht Ressentiment, sondern Sentimentalität kennzeichnet das neuzeitliche westliche Christentum. Das macht es jetzt so gefährlich, wo es keiner mehr lieb hat).
Poetische Evidenz
There’s a crack in everything / that’s how the light gets in“ - ja, aber der Kaffee fliesst auch raus. Doofe Metapher.
Montag, 29. Mai 2023
Matte Matten
Heute habe ich das Wort „Mattering“ gelernt und es macht mich ganz matt. Menschen können schon sehr anstrengend sein.
Finsternis
Die Gotik und die scholastischen Summen zeigen, dass das Mittelalter nicht finster war, sondern anders hell. Die frühe Neuzeit hingegen…
Esofascho
Wer je wirklich verstanden hat, was „Wissenschaft“ wirklich macht, was „Poesie“ und Literatur wirklich bedeuten, was „Mythen“ und „Rituale“ für eine Funktion haben - wird in „Esoterik“ genau das erkennen, was sie ist: gemeingefährlicher Irrsinn. Eine der wesentlichen, wenn nicht gar die wesentliche Aufgabe von Theologie ist es, diesen ganzen Schwachfug aus dem Glauben herauszufiltern - denn Religion kann für jemanden, der Wissenschaft, Poesie und Mythen nicht auseinanderhalten kann, zu einem üblem Gift werden. Und „Esoterik“ beginnt schon, wenn Koinzidenz und Kausalität verdreht werden. In diesem Sinne schliesst der Gedanke an den vorigen an: durch die elektronischen Medien und deren Verknotung ist Schwachsinn carceromorph geworden und eine öffentliche Gefahr. Denn Faschismus ist eine Metastase von Homöopathie und Parapsychologie, , Fundamentalismus, magischer Kausalität, unverstandener Regelkreise, „wörtlich“ genommener Mythen und so weiter. Das Angebot lautet: Wärmeerzeugung in einer „kalten“ Welt durch Simplifizierung bzw. Pseudokomplexität (aka Geheimwissen) und legitimierte private Gewalt für die individuelle Komplexitätsreduktion. Es ist, zu Ende gedacht, sehr gruselig und wenig Hoffnung erzeugend (Hoffnung in dem platten und krass falschen Sinne, dass es mit dieser Welt ein gutes Ende nimmt. Dagegen spricht schon die Thermodynamik…). Demokratie ist eine riesige Herausforderung für das Reptiliengehirn. Und mit Zuckerkügelchen, Handauflegen und aller Art Spökenkiekerei fängt es an.
Samstag, 27. Mai 2023
Gott im Buch
Ich lese jetzt zum dritten Mal einen Autor, der so selbstverständlich Gott (den christlichen Gott) in die Erzählung einbaut, dass ich mich ernsthaft frage, ob der Theologie da gerade etwas entgeht - oder ob sie auf eine Lücke reagieren. Knausgård und Rothmann erzählen dezidiert „christlich“, die Alternative „gläubig/ungläubig“ existiert bei ihnen gar nicht, Gott ist eine ernsthaft in Erwägung zu zu ziehende Größe. (Von dem schäumenden Atheismus des letzten Jahrhunderts sind sie weit entfernt - aber natürlich sind sie keine „christlichen“ Autoren). Bei Gospodinov bin ich noch nicht sicher, aber sein Roman ist theologisch richtig klug - und völlig entkrampft. Meilenweit entfernt von dem bemühten cringe, der mir Tag für Tag beruflich begegnet. Was geht hier vor?
Möglicherweise hat Sloterdijk Recht: es geht um Poesie.
Wahnsinn
Der Wahnsinn ist die vielleicht am meisten unterschätzte Bedrohung unserer durchschnittlichen Stabilität, als das „Andere der Vernunft“, so weit, so trivial. Das kann man bei Nietzsche, Freud, Wittgenstein, Deleuze/Guattari und vielen anderen lernen. Was aber ein eigenes Thema ist, das mir noch nicht so oft begegnet ist: Wahnsinn und Technik/Digitalisierung. Nicht, weil ich nun selbst davon besessen bin, sondern weil erst durch das „Netz“, das ja in Wahrheit ein wucherndes Rhizom, ein sympoietisches Mycel ist (das eben auch sykophantisch sein kann), konnte der Wahnsinn in eine Grauzone geraten, der ihn neben Klimawandel und Atomkrieg zu einer Gefahr macht, die leicht eine kritische Masse erreichen kann - oder im Grunde ist es ja schon so, dass die Themen Klima und Atom in Irrsinsdiskurse eingebetet sind. Und von da aus breiten sie sich, als rationaler Diskurs getarnt, rasend schnell aus: ich bin immer wieder frappiert, wieviel Wahnsinn ich inzwischen im Alltag (auch meines Berufes) begegne. Die Technik nun hat die Masse, die man für eine kritische Masse braucht, für eine soziale Kernschmelze sozusagen, weit herabgesenkt - der US-Wahlkampf, der auf Republikanischer Seite im Moment definitiv von zwei Irren gestaltet wird und die Bürgerkriege in Afrika, die auch wahnsinnige Züge haben, lassen ahnen, was ich meine, aber auch die Klimakleber-Hysterie hat etwas Pathologisches, oder denken wir (es war nicht wirklich witzig unter dieser Perspektive an diie Klopapierpanik 2021. Nach dem Jahrhundert der Gier kommt das Jahrhundert der Irren, und wie so oft, ist die Philosophie ein Seismograph dafür. Und die Theologie? Und die Religion? Nun…dort sammelten sich schon immer besonders gern die Irren.
Furz-Pfingsten.
Ich habe ChatGPT gebeten, eine Predigt für morgen unter meinem Motto zu schreiben, mit dem Hinweis „witzig“. Was das betrifft, ist der Chatbot entschieden weiter als Commamder Data. Vielleicht muss er noch etwas über Kontextsensibilität lernen…
Liebe Gemeinde,
heute feiern wir Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Ein Fest, bei dem wir uns daran erinnern, wie die Jünger Jesu von Feuerzungen auf ihren Köpfen geflashed wurden und plötzlich in vielen Sprachen reden konnten.
Flammen über dem Kopf, Feuer unterm Hintern und Brennen im Bauch - das klingt fast wie ein schlechter Tag nach zu viel Chili con Carne. Aber im Ernst: Was bedeutet das für uns heute?
Nun, das Brennen im Bauch beschreibt die Leidenschaft, die wir empfinden, wenn wir von Jesus Christus und seinem Evangelium begeistert sind. Der Heilige Geist entfacht in uns eine Begeisterung für das Reich Gottes, die uns antreibt und motiviert, uns für die Sache Jesu einzusetzen.
Das Feuer unterm Hintern ist ein Bild für die Dringlichkeit, mit der wir das Evangelium weitergeben sollen. Der Heilige Geist ermutigt uns, nicht auf der faulen Haut zu liegen, sondern aktiv zu werden und die frohe Botschaft zu verbreiten.
Und schließlich die Flammen über dem Kopf - ein Bild für die Gegenwart Gottes in unserem Leben. Der Heilige Geist verändert uns, erneuert unser Denken und unser Handeln. Er gibt uns die Kraft, unser Leben nach Gottes Willen auszurichten und ihm zu dienen.
Also, liebe Gemeinde, lassen Sie uns heute den Heiligen Geist in unser Leben eintreten lassen, damit wir voller Leidenschaft und Begeisterung das Evangelium weitergeben können. Lasst uns uns von ihm leiten und ermutigen, damit wir als Gemeinde mutig und kraftvoll das Evangelium in die Welt tragen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein frohes Pfingstfest und eine feurige Begeisterung für Jesus Christus. Amen.
Grandioser Irrtum
Pfingsten: Sie sprachen gerade nicht alle diesselbe Sprache. Das Pfingstwunder hebt Diversität nicht auf. Der Geist empowert sie. Und der Auftrag heisst: bekommt das hin! Das ist das Feuer, das in den Briefen des Paulus brennt. Eine Generation später heisst es dann schon: ordnet euch unter.
Freitag, 26. Mai 2023
Zeitumkehr
Ich nutze diesen, den 701. Post, um verwundert feszustellen, dass ich eben meinen 700. Post veröffentlicht habe.
Gefühltes Alter
Gerade hatte ich eine Erkenntnis: warum beschäftigt mich seit ca. 1 Jahr mein Alter so sehr (das ich zwar spüre, Stichwort Müdigkeit, aber doch in vergleichsweise geringem Maße)? Es hängt mit meinem neuen Job zusammen. Digitalisierung wird so einem alten Mann nicht zugerechnet (ich spüre das deutlich). Ein Glück, dass ich, wie mein Vater, wohl erst mit siebzig graue Haare kriege und so rein optisch noch für jünger durchgehe, als ich bin. Eine merkwürdige Erfahrung - aber es leuchtet mir gerade sehr ein. Es dauert immer eine Weile, bis Menschen Zutrauen dazu fassen, dass ich tatsächlich etwas zu dem Thema beizutragen habe. Da rächt sich natürlich auch, dass das kein Thema in der Schule ist: gerade jüngere können sich nicht recht vorstellen, wie alt Computertechnologie und das Thema Digitalisierung (damals noch: „Kybernetik“) tatsächlich sind. Aber viele Ältere eben auch nicht. Ich befasse mich also mit einem „jungen“ Thema und erfahre deswegen mein Alter. Faszinierend.🖖
Sua fata libelli
Es ist manchmal schon merkwürdig, wie und zu welchem Zeitpunkt einem Bücher begegnen. Knausgård musste Jahre warten, bis er mich bis ins innerste traf. „Zeitzuflucht“ von Georgi Gospodinov, gerade erschienen, trifft meine Gestimmtheit in schn fast gespenstischer Weise, es ist eines von den Büchern, die von all den Büchern leben, die ich gelesen habe. Ein fast schon erhabenes Gefühl des Einverständnisses in einer Zeit des Abschiedes.
Musse
Was die Kirche alles muss auf ihre alten Tage. Wollen wir sie nicht einfach in Ruhe sterben lassen, ihr materielles Erbe sozialveträglich auflösen und dann schauen, was Neues kommt?
Hardcoretheology
Wenn Christus, der Sohn, ewig ist, dann ist es auch sein Leib, die Kirche. Deswegen steht sie im Glaubensbekenntnis. Alles andere ist Religionssoziologie. (No offence. Just saying)
Standort
Ich kann auch seriös und deep. Ich will aber nicht. Lieber cringe und flat. Ist näher an der Sachlage.
Rezession als Erzieher
Deutsche Verbraucher geben zu wenig Geld für unnötigen Bullshit aus. Selbst schuld, wenn es ihnen schlecht geht!!
Neue Lieder
Gestern war ich Gast bei einer Veranstaltung mit Menschen um die 80 Jahre, die alle kirchlich sehr aktiv waren, z.T. auch professionell in leitenden Ämtern. Zu Beginn wurde gesungen: alles „neue“ Lieder. Es war ein fröhliches Schmettern. Schlagartige Erkenntnis: Wie alt viele der „neuen Lieder“ sind und wie kurztaktig Kirche geworden ist.
Pfingsten II
Pfingsten oder: der Urknall des theologischen Antisemitismus.
Pfingsten
Flanmen überm Schädel, schön und gut, aber Feuer unterm Hintern wäre grad mal nötiger, Kyrie eleison.
Freier Fall
Eine evangelische Kirchengemeinde, die Eugen Drewermann zu einer Veranstaltung einlädt, hat meines Erachtens so komplett die Orientierung verloren, fass ich mich ernsthaft frage, ob ich noch richtig orientiert bin. Es wird Zeit für den Ruhestand.
Donnerstag, 25. Mai 2023
Problem
Dass „Zeit zum Denken haben“ als ein „Privileg“ innerhalb des Pfarrberufes angesehen wird, sagt ein Doppeltes: Zeit zum Denken ist offensichtlich nichts Normales und der Pfarrberuf hat seine Orientierung verloren. Es wird zu wenig gedacht.
Gesunder Menschenverstand
Da der gesunde Menschenverstand mit seiner Dynamik von Simplifizierungen, Monokausalität, Handlungszuschreibung (ska „Schuld“), knapper sensitiver Reichweite („glaube nur, was ich sehe“) und hoher Adaptivität fürs „Faktische“ (da kannste nix machen) tendenziell faschistoid ist, kommen einem gesellschaftliche Rechtsrucke irgendwie normal vor. Ich finde, dass gestern mit der völlig überzogeben Razzia gegen die „Letzte Generation“ eine Grenze überschritten wurde, die mir wirklich Sorgen macht. Populismus und Recht als Ausübung von Durchsetzungsmacht sind eine gefährliche Mischung, die schleichend alles untergräbt, was wir aus zwei Weltkriegen, dem Holocaust, den diversen Energiekrisen und dem Klimawandel gelernt haben könnten. Wir entwickeln uns zu einer Oligarchie gefährlicher und offensichtlich ziemlich skrupelloser Reaktionäre von „Kindern aus gutem Hause“, deren Law-ans-Order Outfit reine Camouflage eines plutokratischen Anarchismus ist. Einfach gesagt: nach mir die Sintflut, sollen sie doch Kuchen essen. Der „gesunde Menschenverstand“ wird gerade auf das übelste missbraucht - was ihn als eine Form mangelnder Bildung entlarvt. Es ist ein Elend, aber eigentlich ist es eine Schande.
Mittwoch, 24. Mai 2023
Erfahrung II
Kirche und cringe: es ist ein Thema 🙄🤦🏼
Erfahrung
Ich habe mir ein E-Bike ausgeliehen, um mich dem Fahrradfahren wieder anzunähern (komplizierte Geschichte). 24h und zwei simple Touren in die Stadtmitte Baunatals haben mir drastisch vor Augen geführt, wie privilegiert und (vermutlich systemisch bedingt) ignorant Autofahrende sind. Und das in einer der lizensiert fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands.
Boomerang
Dass es für auch noch den letzten abgefahrenen Kram Fans gibt, ist manchmal einfach schwer zu ertragen, aber ein Zinnfigurensammler sollte da vielleicht etwas geduldiger sein, und auch als Christ - naja, demnächst auch.
List der Vernunft.
In Star Trek, Harry Potter und Herr der Ringe steckt (wegen der starken christlichen Prägung der Schreibenden) oft mehr Christentum als in manchem gutgemeintem kirchlichen Content. Könnte ein fun fact sein, wenn es nicht so traurig wäre.
Hysterie
Gestern seit ewigen Zeiten mal wieder durch Twitter gescrollt. Eine merkwürdig hysterische Welt. Denken Menschen wirklich so? Dann wäre ja alles noch viel schlimmer!!!
Achtung: Ironie.
Dienstag, 23. Mai 2023
SUV
Vielleicht sollte man die gegenwärtige Phasender Gesellschaft die „SUV-Gesellschaft“ nennen, nichts taugt als Metapher für alles, was gerade schiefläuft (und ich sage nicht: „alles läuft schief“) besser, als diese in fast allen Fällen völlig sinnlosen und asozialen Fahrzeuge, die zudem, wie sich leicht beobachten lässt, ihre Fahrerinnen und Fahrer meist völlig überfordern.
Andere Welt
Heute Zeitungsartikel über eine Taufe, 5 Frauen: Baby, Mutter (17), Grossmutter (42), Urgrossmutter (59), Ururgroßmutter (76). Wohnen fussläufig, Mutter kann weiterhin zur Schule….ich bin weit entfernt von „Natürlichkeits“-argumenten, aber ich habe doch manchmal den Eindruck, dass eine junge Mutterschaft, die der „biologischen Ausstattung“ eher entspricht, und eine stärkere Generationenbindung erzeugt, eine humanere Gesellschaft hervorbrächte - die freilich entsprechend eingerichtet sein müsste. Vor allem was die Ausbildung und Unterstützung betrifft. Wenn die junge Mutter 30 ist, ist sie wie man so sagt, „aus dem Gröbsten raus“ und kann ihr Arbeitsleben neu starten - während beim jetzigen Trend Frauen durch späte Mutterschaft eine Erfahrung starker Diskontinuität machen, um es etwas unterkühlt zu sagen. Der Gedanke ist genau dann nicht reaktionär, wenn man ihn emanzipatorisch versteht: die dann (relativ zur Lebenserwartung) sehr jungen Mütter wären nicht „bedauernswert“ und das Kind keine „Katastrophe…“ und eine prekäre Situation wäre nicht gegeben…Ich finde diesen Trend zur späten Mutterschaft deswegen so bedenklich (neben all dem medizinisch-biologischen), weil sie, meines Erachtens, der Effekt einer gnadenlos der Arbeit ausgelieferten Gesellschaft ist. Wie anders erlebt man Familie wohl, wenn die Grossmutter so alt ist, wie heute manche Mütter, und nicht (wie bei mir, einem späten Kind), die halbe Familie schon tot ist, wenn das „Kind“ selbst ein Kind hat? Meine Kinder (ebenfalls „spät“ bekommen) haben von meiner Herkunftsfamilie fast niemanden mehr erlebt ausser meinen ebenfalls schon alten Eltern - also ich glaube, bei diesem Thema läuft etwas in die Irre, das der Sache der Frauen (und damit ja auch der Männer) nicht sehr dienlich ist. Auch hier brauchts noch mehr Diversität der Lebensstile, eine solche junge Mutter darf nicht der Gegenstand von Bedauern sein oder ein weisser Elefant, der in die Zeitung kommt. Oder übersehe ich da etwas grundsätzliches?
Sonntag, 21. Mai 2023
Jubilieren
Das Finale von Mahlers 7. Sinfonie (1905) oder die Unmöglichkeit, zu jubilieren (Latour!). Als ob er geahnt hätte, für was für ein kommendes Jahrhundert er schreibt.
Das Humane
„Animalisch“ klingt sehr animalisch, „tierisch“ sehr tuerisch, „tierhaft“ sogar noch tierhafter, ganz zu schweigen von der Bestialität des Wortes „bestialisch“. Offensichtlich haben wir für unser basales (!) evolutionäre Erbe nur diffamierende Ausdrücke aus dem Tierreich übrig. Was bedeutet das für das Wort „menschlich“? Fragen wir die Tiere.
Post-(postmodern)-modernes Gehen
Dass ich dieses Spaziergehparadies direkt vor der Haustür habe, erfüllt mich jedesmal mit Freude Und ich hike und bike nicht, walke, jogge und „laufe“ nicht, gehe auch nicht Gassi. Ich verkleide mich nicht als Fitness-clown für die 5-8km. Ich gehe spazieren. Einzige Konzession: der hightech gepufferte Spazierstock, die Knie, ihr wisst schon. Mein unglaublich schlechtes Gedächtnis für Orte erhöht den Spass: ich brauche die Wege nur ab und zu andersherum zu gehen und habe das Gefühl, hier noch nie gewesen zu sein.
Fassungslos
Ich habe gerade gelesen, dass aus einem Rettungswagen der Notfallrucksack geklaut wurde. Es sind solche „kleinen“ Sachen, die mir mehr zusetzen als irgendwelche Bombardierungen, weil es so unmittelbar unfassbar bösartig dumm ist und darin so menschlich.
Virus und Gehirn
Ein Virus ist äusserst bedrohlich, gut, dass wir daran vergleichsweise glimpflich daran erinnert wurden. Gefährlich aber ist das von ihm überforderte Reptiliengehirn: Wer nur „glaubt“, was er sieht….Glaube und Wissenschaft konvergieren im Unsichtbaren. Leider finden sowohl Glaube als sich Wissenschaft in einem Hirnbereich statt, der das Reptilienhirn nicht erreicht. Es gibt gnadenlos stupide Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie es gnadenlos dumme Fromme gibt. Corona war ein Test auf Intelligenz und Resilienz. Beunruhigendes Ergebnis.
Samstag, 20. Mai 2023
Bot-Leben
Ein bot aus den USA hat sich in meinen blogs festgelesen. Ich füttere also gerade eine sog. Künstliche Intelligenz mit meinen Texten. Ist das dann auch eine Metapher für Ewiges Leben?
Glaube und Kirche
„Soziale Systeme entstehen auf Grund der Geräusche, die psychische Systeme erzeugen, bei ihren versuchen, zu kommunizieren“. Luhmann, soziale Systeme, 292.
Römer 10,7. Ekklesiologie in nuce. Es geht völlig ohne Metaphysik und Mystik: Kirche ist ein Emergenzphänomen von Kommunikation (und nicht ungekehrt).
Leib und Glieder
„Denn wer wollte ernsthaft und durchdacht behaupten, dass die Gesellschaft nach dem Bilde des Menschen, Kopf oben usw., geformt werden könnte“. Luhmann, soziale Systeme, 289.
Nun, ich kenne eine „Wissenschaft“, die das tut. Das biblische Bild von „Leib Christi“ taugt für Organisation überhaupt nicht. Schon allein, weil wir ein völlig anderes Verständnis von Körperlichkeit haben. Dieses Bild ist ebensowenig mehr intuitiv verständlich wie z.B. das Bild vom „sterbenden Weizenkorn“ oder ALLES, was über Sexualität gesagt wird. Der historischen Kritik muss Dekonstruktion (nicht: Destruktion) folgen, sonst bleiben theologische Konzepte untergründig reaktionär und theologische Ethik ist dann nichts als Raisonnement, wenn nicht gar Ressentiment.
Hund Hitler
Der Hund des Künstlers Flatz hiess Hitler, ich lernte ihn auf einer Fortbildung kennen. Eine frühe Erfahrung von cringe.
Interessant, wie Überschriften triggern. Hättest du, liebe Leserin, lieber Leser, auch einen post mit der Überschrift Hund Flatz angeklickt?
Freitag, 19. Mai 2023
Todesstrafe
Für Derrida ist die Todesstrafe die religiöse Frage überhaupt und dieses Buch ist quasi sein Jesusbuch. Und schon die ersten Seiten sind faszinierend und tiefsinnig (im besten Sinne dieses blöden Wortes), weil er die Todesstrafe vom Nichtvergebbaren denkt, ein theologisch eher peinliches Thema.
Kitsch
Der Wille des Protestantismus, Kitsch zu vermeiden,, erzeugt besonders heftigen Kitsch. Es ist und bleibt eine Meta-Religion, die sich nach Religion sehnt. (Woran man sieht: der Begriff „Religion“ ist selbst kitschig, weil er vor Aufklärungspathos trieft. Als theologischer Begriff völlig ungeeignet).
Void
Heute Morgen mit leerem Kopf aufgewacht, die innere Stille ist wohltuend, der Schreibzwang aber bleibt. Also schreibe ich nichts auf und fühle mich, wie es bei Junkies so ist, hinterher schlecht. Schämen sich eigentlich Autorinnen und Autoren auch fürs Binge- Schreiben?
Donnerstag, 18. Mai 2023
Lucky Sinner
Das Schöne am Bloggen: ich trage mit meinem Gefasel keine Verantwortung für Papierverschwendung und Staubfängerproduktion.
Reprise
In der Symphonie, genauer: im Sonatensatz, macht die Reprise die Zeit spürbar: unumkehrbar wird deutlich, dass man in der Exposition falsch gehört hat, weil die Themen noch keine Geschichte hatten, und das ist jedesmal so. Ich trete gerade ein in die Reprise: das Wiederlesen von schon Gelesenem inklusive der Anstreichungen und Kommentare des Jünglings vergangener Tage macht nicht nur mein Alter spürbar, es zeigt mir auch, wie wenig ich verstanden hatte und wie unmöglich Verstanden-haben eben deswegen schon war, weil es noch Exposition war. Manche Anstreichungen rühren mich zutiefst, weil sie vor Hoffnung strotzen, doch schon der Jüngling hatte einen klaren Begriff davon, dass Theorie eine Praxis ist, die die verlogene Praxis retten kann, Young Kassandra. Nun, beruhigend ist das nicht, es kommt ja schlimmer, aber Kontinuität ist auch etwas Schönes. Die Symphonie meines Lebens, um pathetisch zu werden, bleibt in der Tonart, wenn auch nicht klar ist, in welcher (deswegen wohl meine Liebe zu Mahler, Wagner und Schostakowitsch. Und, natürlich, mein Liebäugeln mit der Apokalypse, der finalen Coda, die, anders als die Paniker meinen, die gerne mit Apokalyptikern verwechselt werden, auf ein happy end zuläuft).
Event
Heute mal ein ganz krasser Gottesdienst zu Himmelfahrt: Agende 1, Orgel, drinnen, 20+min Predigt. Alle happy. Kirche kann auch ungewöhnlich.
Himmelfahrt
Der einzige Feiertag, der nicht irgendein anderes Fest beerbt hat - der vielleicht christlichste und „modernste“ Feiertag. Er feiert die Abwesenheit Gottes. Der Tag des Erwachsenwerdens. Es ist die übliche Ironie der Geschichte (manchmal denke ich, mein Denkleben wäre einfacher, könnte ich ein naiver Hegelianer sein): ausgerechnet dieser Tag ist zum Tag der repubertisierten Männlichkeit geworden. Das Scheitern des (westlichen) Christentums hat viele Facetten.
Mittwoch, 17. Mai 2023
Drill
Lesen braucht Übung. Und wie bei der Musik können es die einen leicht, den anderen fällt es schwer, aus sehr verschiedenen Gründen. An welchen Kindern sollte sich der Unterricht orientieren? Dass der Anteil von Kindern steigt, die in der Grundschule nicht flüssig zu lesen lernen, sagt viel über unsere Gesellschaft aus: Orientierung an den „Starken“ und Vermeidung von eben jener Anstrenung der Habitualisietung, die der Schule und dem Studium einst ihre Namen gaben. Repetition und Habitualisierung werden genau dann kein „Drill“, wenn man sich Zeit dafür nimmt (gr. schole σχολη, die Muße) und den Eifer der Kompetenzerfahrung (lat. studium, der Eifer) weckt. Das geht natürlich nicht, wenn Lernens als Optimierung und Input verstanden wird. Mich würde sehr interessieren, welche Rolle Eltern hier spielen, denen die Schule „zu langsam“ ist. Und welche Rolle schultraumatisierte Menschen bei bildungspolitischen Entscheidungen spielen. Ich habe da manchmal so einen Verdacht, warum Schulpolitik in Deutschland so ein emotionaler Kampfplatz ist….möglicherweise ist die Selbsttäuschung über das, was Bildung ist, im Land der Dichter und Denker, das faktisch das Land der Ingenieure und Händler ist, sehr viel höher, als ich bisher dachte: Krämerseelen, um es mal polemisch zu sagen. Und natürlich die autoritäre Tradition unseres Bildungsystems, die immer noch Träume von Gleichschaltung (anstatt individueller Förderung) träumt und einen kompetitiven (anstatt kompetenzorientierten) Leistungsbegriff kultiviert - „aber die Kosten“! Schämt Euch!!
Dienstag, 16. Mai 2023
Zeitlast
Heute Magenschverstimmung, bettlägerig. Je älter ich werde, um so mehr spüre ich die Last verlorner Tage.
Zeugnis aus den Heiden
„Atheistische“ Autoren wie Žižek, Derrida oder Knausgård sind oft näher an Christus als naive Texte einer törichten Theologie. Und auf Christus kommt es an.
Kleine Meister
Ich finde spotify und andere Musikstreaningdienste nicht zuletzt auch deswegen so genial, weil sie einen Raum der Musik öffnen, der noch einmal zeigt, wie klein, eng und letztlich wirklich dumm der Mainstream-Konzertbetrieb im Bereich klassischer Musik ist. In dem letzten 200 Jahren wurden tausende (!) von Symphonien geschrieben, von denen viele auch aufgeführt wurden und z.T. sogar sehr erfolgreich waren. Natürlich von sehr verschiedener Qualität - das meiste aber ist sehr hörenswert und kontextualisiert die „grossen“ Meister mit oft verblüffenden Einsichten. Und natürlich die komponierend Frauen…..
Aber was sich zeigt: es gab einmal eine klasische Musikszene, die aktuell war und ständig Uraufführungen bot. Ich kann meine zeitgenössischen Konzerte oder gar Uraufführungen an einer Hand abzählen…
pastoralprovokation
Es gibt zwei Sätze, mit denen ich offensichtlich immer wieder Menschen provoziere:
1. Warum sind Sie Pfarrer geworden? Weil ich damit Geld verdiene.
2. Woher wissen Sie das alles? Ich lese viel. Lesen ist Teil meines Berufs.
Mathe
Dass mir die Schönheit der Mathematik verschlossen ist, ist ein großer Schmerz, fast noch größer als der meiner Unmusikalität. Begabungen sind so ungerecht….
Montag, 15. Mai 2023
Schaffen
Wird Gott als Künstler gedacht, hat Schöpfung keinen Zweck. Er wird aber eher als Ingenieur gedacht. Und „Heil“ folglich als Reparatur.
Orion
Es ist, angesichts des hypes um das Star-Trek-Franchise wirklich ein Jammer, dass „Raumpatrouille“ nicht weiter verfolgt wurde. Schaue ich mir Janeway, Seven of Nine, T‘Pol und andere „starke Frauen“ (schon der Begriff) an, dann fangen Tamara Jagellowsk, Helga Legrelle und vor allem Lydia van Dijk sehr an zu leuchten. Sie hatten wirklich starkes Potential. Sie waren krasse Avantgarde und haben für mich die Vorstellung von Frauen in Führungs- und Leitungspositionen sehr geprägt. Was hätte aus Raumpatrouille werden können, wenn die Serie durch „68“ durchgelaufen wäre und sich mit ihren autoritär-faschistoiden Elementen auseinandergesetzt hätte! Rainer W. Fassbinder (Stahlnetz!) als Gastregisseur? Charlotte Kerr (Lydia van Dijk) war die Ehefrau von Friedrich Dürrenmatt... Nun, stattdessen gabs Derrick und Der Kommissar, die über Jahrzehnte die piefigsten Seiten der alten BRD kultivierten. Und Science-Fiction galt als noch schmuddeliger als Comics. Mein Verdacht, dass das sich selbst als so modern und fortschrittlich sehende „bessere“ Deutschland tatsächlich so reaktionär (wenn nicht Schlimmeres) war, wie die 68er es sahen, erhärtet sich mehr und mehr: in Wahrheit stand auch die BRD nie an der Spitze des Fortschrittes.Es gab immer eine massive antiintellektuelle und technikfeindliche Tradition, an der nie gearbeitet wurde (am allerwenigsten übrigens in der Theologie).
Möglicherweise rächt sich das jetzt, dass wir diese Tradition der technisch-sozialen Utopie nicht kultiviert haben. Star Trek war für die Entwickler von Mobiltelefon, Tablett und Co. eine starke Inspiration, und der erste TV-Kuss zwischen einem weissen Mann und einer schwarzen Frau fand auf der Enterprise statt.
Sonntag, 14. Mai 2023
Wahlberichterstattung
Tagesschau zu Bremen: journalistische Anmaßung. Es ist gerdezu pfäffisch. An der Stelle braucht sich die Kirche keine Sorgen um ihr Erbe machen müssen - das schwer Erträgliche wird schon mal bewahrt. .
Das Knappe
Ein mir persönlich und dienstlich eher fernstehender kirchenleitender Mensch, mit dem ich kurzfristig wegen einer Krise in Sachen PR zusammenarbeiten musste, sagte beiläufig: Sie sind ja eher so ein Meister der kleinen Form - er bezog sich auf die Zinnfiguren. Aber ich merke immer mehr, dass das auch auf anderen Gebieten stimmt (das mit dem Meister lassen wir mal dahingestellt sein). Im Grunde ist der Aphorismus meine Form, die Eisbergspitze. Meine Predigten - die ja eher lang sind - widersprechen dem nicht. Sie sind, wie ich jetzt anlässlich der Überarbeitung einer alten, längst vergessenen Predigt merkte, close readings meines eigenen Aphorismus. Sie könnte in einem Satz gesagt werden. Der Rest ist Performance. Das gilt ja auch für das Evangelium: Fürchtet Euch nicht!
Weekend
Das Wochenende ist der totale Sieg des Kapitalismus über das Christentum. Der Preis dafür ist der „Montag“.
Könnte sein
Anja, während sie meine Wildlederschuhe abbürstet: »Wahrscheinlich hast du deinen eigenen Staub überholt. Du bist weiter als dein Leben, daher die depressiven Verstimmungen.«
Rolf Rothmann, Theorie des Regens, 108. Er kommt mir immer näher. Starker Gedanke: er könnte mein nervtötendes Kassandra-Symptom erklären.
Frühlingsseligkeit
Es ist so still hier, dass wir bei geöffneter Balkontüren schlafen können. Auch wenn Schlaflosigkeit nicht nett ist: die kalte Frühlingsluft im Raum und das Vogelgezwitscher erfüllen mich mit Seligkeit.
Charcuterie
Ochsenauge«, »Schweineohren«, »Liebesknochen«, »Kalter Hund«: Noch wenn sie Kuchen essen, verschlingen die Deutschen Fleisch. Und das Knusprigste in ihren Bäckerläden sind die Tüten.
14.5.
Heute vor 63 Jahren war es so heiss, dass ich zur Freude der Nachbarschaft bei offenem Fenster geboren wurde und man angeblich am ersten Schrei hören konnte, dass es „ a jingelchen“ war- eine der stabilsten Erinnerungen an ein Ereignis, bei dem ich dabei war, an das ich mich aber nicht erinnern kann. Was eigentlich für mein ganzes Leben gilt.
ESC
Kleists Marionettentheater ist eine grosse Verständnishilfe für das, was es heisst, deutsch zu sein: verkrampft. Der Verlust der Unmittelbarkeit wird nicht akzeptiert, sondern zur moralischen Herausforderungen. An die Stelle fröhlichen Tuns tritt die Beobachtung des fröhlichen Tuns und dessen Imitation. Das macht das Komische peinlich, das Tragische pathetisch, das Emotionale kitschig und das Böse absolut abgründig. Ein Sieg des Protestantismus pietistischer Färbung auf ganzer Linie….aber halt in der gottlosen Variante: Sünde ohne Vergebung, Buße ohne Reue. Dann aber eben auch keine Erlösung - bis im die Körperhaltung hinein: Krampf. Und der Wille zur Fröhlichkeit wird zur Predigt. Kein Wunder, dass das niemanden anspricht und es viele einfach nicht mögen: es nervt.
[Wer es es nicht kennt: Pflichtlektüre für alle, die über das Denken denken wollen
https://de.m.wikisource.org/wiki/Über_das_Marionettentheater ]
Samstag, 13. Mai 2023
Deutshe spreken
„Angesichts der vielen Franzosen, die jedem tastenden Versuch, ihre Sprache zu sprechen, mit hochnäsiger Oberlehrer-Attitüde oder grinsendem Spott begegnen, verstehe ich plötzlich die Türken, die nach zwanzig Jahren im unfreundlichen, ja ruppigen Berlin kaum mehr als »Nein«, »Ja« oder »Danke« sagen können. Und wollen.“
Rolf Rothmann, Theorie des Regens.Ontologische Disruption
Mir wird immer deutlicher, dass der triviale Platonismus, der tief in die DNA auch des westlichen Christentums eingeschrieben ist, durch die ontologischen Effekte der Digitalisierung endgültig an Relevanz verliert. Ist das möglicherweise der Grund, warum Theologie und Kirche sich damit erkennbar noch schwerer tun als der Rest unserer Gesellschaft, die, via abgesunkenen deutschen Idealismus, auch diesen merkwürdigen, dem Dingen und Substanzen verhafteten reaktionären Zug hat? Es kann einem schwindelig werden bei der Frage nach den Konsequenzen. Wohin steuert eine Gesellschaft, deren ontologischen Grundanschauungen schlicht falsch sind? Man kann es kann den Kirchen erkennen.
Dimensionen
Immer habe ich bei Bruckner, vor allem bei seiner irgendwie gegenüber den anderen schrägen Sinfonien noch viel schrägeren 6.Sinfonie, das Gefühl, dass sich eine Art Stargate öffnet und wir eine Musik aus einer anderen Dimension hören, oder besser noch (wie es Adorno über Beethoven sagt): den dreidimensionalen Schatten einer x-dimensionalen Musik.
Frische Liebe
Wenn ich Instagram und Facebook-reels richtig interpretiere, hat der erste Furrz dem ersten Kuss als Basis-Zeichen der Liebe den Rang angelaufen
Next Generation
Ich sehe es als massives Problem an, dass die schiere Masse an 59-64-Geborenen immer wieder den Generationenwechsel verhindert. Es entstehen sehr problematische Alters-gaps - in 10 Jahren wird es proportional zu wenig „mittelalte“ Menschen in Verantwortungsposten geben. Mich besorgt das ein wenig - das erzeugt immer Kontinuitätsbrüche, die viel Energie dafür verbrauchen, das Rad neu zu erfinden. Wieso kann man mit, sagen wir mal, 57+ nicht einfach etwas zurücktreten und Jüngeren Raum geben? Ich habe da so eine Ahnung, aber die ist nicht nett. Ich werde jetzt 63 und merke: es ist Zeit für die Jüngeren. Nur weil ich alt bin, habe ich die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Aber die Angst vor dem „etwas gewesen sein“ scheint sehr mächtig zu sein. Wir sind womöglich doch ziemlich lost.
Freizeit
Die Frage „was mache ich denn mal heute so“ ist der grösste Luxus überhaupt.
Mittelalter
Es ist der „Neuzeit“ super gelungen, ihre eigene, durchaus finstere Herkunft zu verschleiern: was vulgo „mittelalter“ genannt wird, ist fast inmer frühe Neuzeit. Die war „finster“. Das 11.-13. Jahrhundert hingegen: Gotik und frühe Reichsverfassung.
Muttertag
Wenn es einen „Feiertag“ gibt, an dem und zu dem ich mich strikt weigern würde, irgendetwas „Christliches“ zu machen, dann Muttertag. Unsäglich. Punkt. An diesen Tag kristallisiert sich wirklich alles aus, was zum Thema „Frau und Familie“ in den letzten 200 Jahren schiefgelaufen ist.
Relation
Der IW Einkommensrechnerhtml ist für Pfarrpersonrn möglicherweise ein Schock: ihr seid gar ja nicht arm!
Freitag, 12. Mai 2023
Tümlich
„Das Volk ist nicht tümlich“, soll Brecht gesagt haben, ich liebe diesen Satz, er ist für eine Theologie, die von Gott spricht, ein Stoppschild.
Oder sollte es sein. Ich möchte heute so manchem, was ich unter dem label Glaube und Kirche höre und lese, sagen: Das Volk ist vor allem nicht dümmlich. Mal abgesehen davon, dass es kein „Volk“ (mehr) gibt, ebensowenig wie die „einfachen Leute“. (Für Profis gesagt: Wenn Theologie akkomodiert, macht sie es sich zu komod und wird zur Komödie, was tragisch ist).
Komplexitätskulinarik
Luhmann lesen ist wie Lesen in einem Kochbuch der Molekularküche: alles super, aber ich werd‘s nicht hinkriegen.
Donnerstag, 11. Mai 2023
Gute Fee
„Du hast drei Wünsche frei - aber natürlich nicht den Wunsch, nochmal drei Wünsche frei zu haben. Ich bin zwar ein mythisches Fabelwesen, aber nicht doof“ - okay: dann wünsche ich mir, dass diese Regel aufgehoben wird“. (Luhmann-Lektüre zahlt sich aus) .
Barbarei
Dass die christliche Kultur es schaffte, die Sklaverei abzuschaffen (wenn auch unter grössten Mühen und immer noch mit Residuen), aber nicht die Todesstrafe (die zur selben Kategorie der Okkupation von Göttlichkeit gehört), dafür aber die Sexualität nachhaltig ruinierte, sollte mehr als nur einen Verdacht wecken, was die Christlichkeit der Christlichkeit betrifft. Kreuz und Todesstrafe schliessen einander kategorisch aus. (Falls jemand verwirrt ist: Das Kreuz als Symbol des groteskesten Justizirrtums der Menschheit hebt ja die Todesstrafe, die über das menschliche Geschlecht als ganzem verhängt ist, definitiv auf und rückt den Körper in den Fokus: Auferstehung des Fleisches. Nur Gott ist Herr auch über den Tod, und weil Gott eben Gott ist, instrumentalisiert er den Tod gerade nicht und macht nicht den Körper zur Bühne von Strafe. Wer für Todesstrafe ist, hat defnitiv nicht einmal im Ansatz verstanden, was der biblische Mythos erzählt, das Symbol des Kreuzes ausdrückt und das Ritual des Abendmahls darstellt: Blut gehört Gott. Je archaischer man hier denkt, um so humaner ist die Sicht auf die Welt. Und die Vorsicht vor den Mächten des Archaischen steigt. Nicht der „Unglaube“ ist der Feind des Glaubens, sondern das als Kultur getarnte Reptiliengehirn. Das ist ein bisschen eklig. Vielleicht umgeht die Studierzimmertheologie deswegen solche Themen.
Kundschaft
Vielleicht wäre vieles sehr viel klarer und uns eine Menge sehr törichter Diskussionen erspart geblieben, wenn die traditionellen Professions“wissenschaften“ ihre alten Bezeichnungen behalten hätten: Heilkunde, Rechtskunde, Gottesgelehrtheit. (Dazu gesellen sich heuer: Gesellschaftskunde und Literaturkunde)
Womöglich hätten wir ein völlig anderes Bildungssystem, das viel stärker die trivialen Komponenten trainiert und auf kundige Menschen zielt: Lesen, Schreiben, Sprechen, Rechnen - anstatt „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ hervorbringen zu wollen, die im den allermeisten Fällen (weil sie ja nicht von Wissenschaftlern unterrichtet werden), einen leeren Habitus entwickeln, um es freundlich zu sagen. Das sage ich nicht als Verächter der Wissenschaften, sondern gerade als ihr Bewunderer. Wenn ich nur darauf käme, woher ich so ein Bildungssystem schon kenne…..der Theologie jedenfalls tat es nicht gut, sich more geometrico zu gerieren. Es ist ein Etikettenschwindel, der langsam auffliegt.
Mittwoch, 10. Mai 2023
Richtung Weisheit
Ich merke, dass ich keine „grossen“ zusammenhängende Texte mehr schreiben kann. Es schmerzt, und doch fühlt es sich wie ein Fortschritt an. Möglicherweise ist der Aphorismus besser für Komplexität geeignet als ein Essay. Essays kann man sich so schön vom Leib halten, weil sie den Eindruck von „Antwort“ und etwass „Ganzem“ erwecken. Es gilt aber richtig zu fragen und Fragmentarität offen zu halten. So, wie möglicherweise Trümmer die Wahrheit über Städte sind.
Fleisch
„Es gehört zum Wesen der Inkarnation, dass Gott sich selber aufgegeben hat“. Knausgård, Alles hat seine Zeit. Das christologische Thema der Post-moderne in einem Satz. Dieses Buch ist das Bewegendste, was ich an Theologie in den letzten Jahren gelesen habe: Er nimnt „Gott“ ernst. (Die Frage, ob er „gläubig“ ist oder nicht ist natürlich völlig irrelevant, weil sie völlig irrelevant ist, identitärer bullshit).
Kiddiekram.
Hab ich schon mal gesagt, wie sehr mir die Infantilisierung von Religion auf den Geist geht? Ist mir glatt ein Posting wert. Ich warte auf das erste Meeting mit Handpuppe „Denari“, die den Haushaltsplan erklärt.
Grüsse!!!
Es gibt eine Leserin/einen Leser, der meine Blogpost fast reflexartig innerhalb von einer halben Minute liest. Lieber Bot: Danke für die Illusion, gelesen zu werden! Und sag es den anderen Bots aus China, Kanada und Bolivien bitte weiter. Ihr macht mich glücklich. Ich liebe die Moderne!
Trauma
Ich habe im Mai Geburtstag, liebe dieses Lied und hatte als Kind tatsächlich Angst vor dem Herrn Mai. Eine meiner tiefsten Kindheitserinnerungen. Man sollte sich über die Trivialität kindlicher Ängste nicht lustig machen: das ist, was ich daraus mitgenommen habe. Denn banal sind sie nie. https://www.instagram.com/reel/CroMSM1PFmn/?igshid=MzRlODBiNWFlZA==
Erwachen
Es ist die träumende Kirche, die gerade zu Grunde geht. Die Frage ist: wann schlief sie ein und begann, ihre bildungsbürgelich-neoliberalen Optimierungs-Wachträume für Realität zu halten? Ich habe mich als Kind aus dem kleinbürgerlich-bäuerlichen Milieu an der Universität weniger fremd gefühlt als in der Kirche, deren strukturellen Moralismus ich anfangs für ein Nebenphänomen hielt, bis ich in die Leitungsebene ging - und erkannte, dass er systemisch ist und von Kirche tatsächlich nur Moral generiert wird - Digitalisierung z.B. wurde bis vor kurzem ausschließlich untet der Frage: „dürfen wir das?“ verhandelt und ansonsten der IT überlassen: kinda dirty business. Weil der theologische Impact nicht gesehen wurde: der Traum von Kirche war immer technikfern, clean und sozusagen elektrisch zölibatär. Das Medium, in dem wir seit hundert Jahren leben, das nun wirklich, konkret und messbar das „Wohinein unserer Geworfenheit“ ist, der Punkt unserer faktischen schlechthinnigen Abhängigkeit ist - heisst Elektrizität. Mit ihr - als Symbol für Energie - müsste eine Schöpfungslehre heute beginnen. Stattdessen dösen wir inzwischen in einer Art kleinbürgerlich- linksgrünen trivialen Ethikecke vor uns hin, überlassen den Sternenhimmel den Kreationisten und das moralische Gesetz in mir kirchenleitenden Gremien. Das Salz der Erde ist dumm geworden: erschrocken von der eigenen Schärfe? Oder hat Marx Recht: dass dieses Salz doch ein Barbiturat ist?
Tragische Ignoranz
Wie anders sähe wohl die Theologie aus, wenn nicht der (letztlich massiv missinterpretierte) explizite Heide Heidegger , sondern der (völlig ignorierte) mystische Christ Wittgenstein zum Leitphilosophen geworden wäre? Ich finde, dass das eine Dimension hat, die einer Aufarbeitung bedarf. Es hat die Theologie massiv abgehängt.
Dienstag, 9. Mai 2023
Sad
Es ist schon traurig, dass mit der Kirche auch so etwas Schönes und Kostbares wie die Theologie verschwinden wird. Sie ist ein kultureller Schatz, der immer weniger Menschen zugänglich ist, und darum natürlich auch von immer weniger Menschen als das gesehen wird, was sie ist. Selbst in der kirche schwindet ihre Bedeutung, seit sie zur Leitungstheorie oder Schlimmerem (christliche Kulturwissenschaft und dergleichen) degradiert wurde und es den einen oder die andere gibt, der oder die sich der Theologie möglicherweise sogar ein wenig schämen.
Donna Haraway
Donna Haraway habe ich zu spät entdeckt. Was ich bei ihr lese (und verstehe…), bestätigt fast alles, was ich mir im Laufe der Jahre so zusammengedacht habe, und zugleich sehe ich, wo ich, amateurhaft, verkürzt oder verdreht gedacht habe - wenn ich Haraway lese, kommt gelegentlich doch mal der Wunsch auf, einen akademischen Weg eingeschlagen zu haben - schlicht aus dem Grunde, ihrem Denken in der Lehre (meiner tiefsten Freude, der ich jetzt nicht mehr nachgehen kann) Reichweite und Impact zu verschaffen. Sie ist nämlich nicht nur klug (und witzig) - sie ist theologisch anschlussfähig wie kaum eine andere philosophisch-epistemologische Theorie - wegen ihrer Betonung der Geschichten. Mit Haraway lässt sich Offenbarung denken im Kontext der Evolution: als situiertes Wissen schlechthin.
Ereignis und Struktur
…statt Ding und Sache. Und schon wird aus Theologie eine Lebenswissenschaft. Im Grunde ist Theologie die Ereigniswissenschaft schlechthin. Könnte die moderne Physik ein legitimes Kind der spezifisch“ westlich“-lateinischen Sicht auf Offenbarung sein? Das macht das strukturell-behördliche Denken in der Kirche noch grotesker: allein schon ihre Gestalt widerspricht der „Botschaft“. Denn eine Organisation ist erst einmal eine Ereignisberhinderungsmaschine.
Montag, 8. Mai 2023
Aufhebung
Ich bin, sagte er, ein verkantetes Genie - und lass verbittert Hegel.
Klarstellung
Die „Praxis“ der Theologie heisst Poesie. Sie beschreibt nicht, sie beschwört, evoziert, kombiniert, es geht um Mythen, Symbole, Rituale als Ausdruck, nicht sls „Gegenstand“. Alles andere ist ein groteskes Missverständnis, das sich Gott vom Halse halten will, durch einen akademischen Habitus, der nicht mal mehr komisch ist, sondern - traurig.
Traurige Trauer
Wenn es gar keine tragenden und stützenden gemeinsamen Rituale mehr gibt und alles individuell ausgehandelt werden muss - bei Hochzeiten mag es noch angehen. Aber bei Beerdigungen finde ich es zunehmend belastend: die Attmoshäre der Verunsicherung und Unsicherheit, die das Ritual eben gerade nicht „klein und unaufwändig“ etc. macht - sondern ganz im Gegenteil und völlig kontraproduktiv in den Fokus der Aufmerksamkeit stellt: „was kommt jetzt?“. Mich greift das ziemlich an.
Das Volksganze
Wo Diversifizierung als „Spaltung“ gelabelt wird, ist nicht nur die Gegenwart nicht angekommen, schlimmer noch: es wird eine identitäre Einheit beschworen, die schon immer eine Illusion war. Faschistoide Wünsche sitzen tief, und politisierendes Geschwätz ist, wegen der Reichweitenerweiterung, so gefährlich wie nie.
Sonntag, 7. Mai 2023
Abständig
Als ehemaliger Zeitungsleser (zum Teil ja sogar professionell) bin ich etwas erschrocken, wie fern mir inzwischen der jounalistische Habitus ist. Um nicht zu sagen: er nervt mich. Was ist geschehen?
Wahre Sintflut
Die lakonisch-distanzierte Unerbittlichkeit, mit der Knausgård in „Alles hat seine Zeit” auf rund 100 Seiten die Sintflut erzählt, ist eine entschieden schlagkräftigere Metapher als tausend Seiten „Der Schwarm“ mit seinem plakativen Missbrauch der ökologischen Denkweise. Deutlich daran wieder: Katastrophismus ist Verharmlosung.
Linke Biologie
Hallo, liebe Law-and-order-Sozialdarwinisten, struggle-for-live-Biologisten und survival-of-the-fittest-Naturburschen: Es gibt aus evolutionärer Perspektive keine „Schmarotzer“ und dergleichen, Symbiosen sind immer win/win-Situationen, denn genau das ist ihre fittness. Weder die „Natur” noch die “Wissenschaft” sind auf eurer Seite, alles, was ihr sagt und denkt, ist leider einfach nur dumm. Es ist schon so: aus Eurer vermurksten Perspektive ist die „die Natur“ ziemlich links.
Zufall.
Der „Zufall“ ist wirklich ein grosses
Rätsel. Letztlich habe ich Kühe bemalt, und zwar nicht irgendwie, sondern ganz präzise definiert für ein Diorama: das Vogesenrind. Dessen Fellmuster sind zwar genetisch codiert, aber so ausgewürfelt, dass es völlig random ist. Das nun malerisch zu gestalten, erwies sich als richtig schwierig, irgendwie kamen immer Muster zu Stande, die irgendwie regelmässig waren. Ich habe dann schließlich ein pattern von einem Bild quasi Pixel für Pixel „abgemalt“. Das nun wieder führte dazu, dass ich bei den anderen Kühen die „random“ Verteilung besser hinbekam. Kreativität ist schon mamchmal recht seltsam.
Schrecken
Manches, was mir so durch den Kopf geht, ist so furchtbar, das ich es Aphorrismus nenne und gar nicht aufschreibe.
Furchtbar dämlich, meine ich natürlich.
Anthropologie
Der Mensch ist das Tier, das Elefanten im Zoo hält.
Grumpy Rev
Wie hoch mag wohl der Anteil unhöflicher, grober, maulfauler, kommunikativ underperformender, launischer und schlicht ungezogener Amtsinhaber und Amtsinhaberinnen an der Krise der Kirche sein?
Samstag, 6. Mai 2023
everlasting love
Nirgends vermisse ich die protestantische Nüchternheit so sehr wie im Bereich Hochzeit und Trauungen. Das ist alles längst zu einem Fest illusionärer Liebe geworden: ein totaler Sieg des Romans und des Geschäftes. Oder - ist es die ultimative Beschwörung des Kontrafaktischen und damit das Ur-religiöse schlechthin? Und ist das am Ende gar kein Gegensatz? Dann frage ich mich allerdings, was ich da vermisse und warum. Es gilt auch hier die Regel: Wenn du alles irgendwie falsch findest, liegt der Verdacht nahe, da du selbst falsch liegst.
Krisenkern
Dass Kirche nach ihrem Sinn fragt: Kern der Krise. Frage nur: Ursache oder Symptom?
Freitag, 5. Mai 2023
Sintflut, norwegisch
Knausgårds „Alles hat seine Zeit“ fängt etwas schleppend an - es könnte aber auch sein, dass in meinem Hirn erst ein paar Drähte gezogen werden mussten, um zu begreifen, was er da erzählt und wie: Gen 1-11….jetzt, im Sintflut-Kapitel hat es mich gepackt. Sollte Pflichtlektüre für Theologiestudierende und Theologieprofessionals sein, Gott sei Dank fragt mich keiner. Knausgård ist wirklich tief in die Narrativität der alten Mythen eingetaucht, es erinnert an Thomas Mann, aber ohne die süffisante Distanz. Knausgård weiß ganz genau, dass uns die Hütte Noah-mäßig brennt und die Abwesenheit Gottes ein verdammtes Problem ist.
Unglück, Russisch.
Ich höre Schostakowitsch, Sinf. Nr.12, und das ganze Elend des 20. Jahrhunderts und das noch einmal viel größere Elend Russlands zerreißt mir das Herz, gerade weil es mit das Schwächste, fast schon Erbärmlichste ist, was er geschrieben hat, russische Musik ist immer klingende Ambivalenz, der Weg von Tschaikowski zu Helene Fischer ist nicht weit.
Bewahrung der Schöpfung
Lynn Margulis, Die andere Evolution, 143. ( Dieser bescheuerte deutsche Titel von „the symbiotic Planet“ regt mich jedes Mal wieder neu auf).
Transsubstantiation
Ach, guck: Sex hat seinen Ursprung im Kannibalismus einzelliger Lebewesen. (Lynn Margulis). Ganz neue Perspektiven auf die Eucharistie. (Und ein Grund mehr, sie semiotisch und nicht metaphysisch zu verstehen, wenn ihr versteht, was ich meine).
SchizoChurch
Wie viele Menschen in einer Organisation haben wohl Führungsaufgaben übernommen in völliger Unkenntnis darüber? Ich bin erstaunt, was zum Teil abenteuerliche Vorstellungen selbst bei Hauptamtlichen (aka professionellen) Akteuren in der Kirche über die Kirche existieren. Theologische Verbrämung (aka Ideologiesierung) von Organisation rächt sich immer bitter: sie macht die Organisation als Organisation für sich selbst unsichtbar. Ist das nicht ein wenig irre? Oh ja, sehr sogar. „Die Kirche“ hält sich für etwas anderes, als sie ist. Bei Menschen ist so etwas ebenso tragisch wie komisch. Bei Kirche ist es einfach nur - teuer.
Donnerstag, 4. Mai 2023
Bewusstsein
Der gelegentliche Wunsch, einfach mal kein Bewusstsein zu haben, erzeugt den elenden Schmerz des Menschenfluches: ich wüsste ja nicht, dass ich ohne Bewusstein wäre, ich könnte es nicht genießen. Deswegen lockt mich der Rausch schon lange nicht mehr: er gaukelt nur Bewusstseinsverlust vor, und wenn du aufwachst, ist alles nur viel schlimmer. Wir sind Gefangene des Bewusstseins, vielleicht doch nicht gerade die Spitze der Evolution. Deswegen ist Christus ja auch der Logos.
Simples Gemüt
Ich liege in der Abendsonne auf der Hollywoodschaukel und alles, wirklich alles, ist gut.
Clear speaking
Einmal so klar auf den Punkt kommen können, vor allem bei dem Thema, Gänsehaut: https://www.instagram.com/reel/Cro5BSMLVvf/?igshid=YmMyMTA2M2Y=
Digitalpropheten
Die Klarheit, mit der z.B. ein Umberto Eco schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts gesehen hat, dass Digitalität die Grundoperation jedes Zeichenprozesses (und damit der Kultur-Natur-Differenz überhaupt) ist, verblüfft mich immer wieder. (Z.B. Eco,Semiotik,5.Aufl. 1985, 224f).Dieses schlichte Faktum ist offensichtlich ähnlich kränkend wie die Fakten zur Evolution oder zum Klimawandel: das Bewusstesten als bloßes Epiphänomen. Wo wäre der Ort, dass theologisch zu bedenken? Sündenlehre? Jedenfalls nicht in der „Ethik“, die ja bekanntlich immer zu spät kommt.
Schreiben
Lange dachte ich, dass Schreiben mir gegen die Verdummung hilft, wie so eine Art Aufbautraining für die Denkmuskeln. Jetzt weiß sich: Es macht die eigene Dummheit nur sichtbar. Das dämpft meine Lust am Schreiben sehr. Ich habe da eigentlich immer weniger Lust zu. (Schön paradox, das aufzuschreiben).
Papas Biologie
Hinter der Rede von Ei und „Samen“ steckt immer noch die männliche Wunschvorstellung, ein komplettes eingefaltetes Wesen (eben einen Samen) in eine bloß aufnehmende und reproduzierende Erde zu legen. Erstaunlich, dass selbst Bei Feministinnen wie Margulis der Begriff „Samen“ verwendet wird. Männliche Keimzellen sind Pollen (im botanischen Sinne: sie enthalten nur einen halben Gensatz!). Möglicherweise ist diese biologische Kränkung der „zeugenden“ Männlichkeit so stark, dass sie nicht nach oben dringt. Und möglicherweise ängstigt das unbewusste Wissen, dass, schaut man sich Sexualität genauer an, man dem Tod ins Auge blickt. Der Tod des Individuums ist eine Folge der sexuellen Rekombination verschiedener halber Gensätze. Das genau ist nämlich ein Individuum. Das gibts nur bei Sexwesen: Tieren und Pflanzen. Liebe ist der Tod.
Erinnerung
Leben, so lese ich bei Lynn Margulis, ist Erinnerung, gespeichert in der DNA/RNA. Das beeindruckt mich noch mehr als Schrödingers „Leben ist Fressen von Ordnungen“. Denn mit Margulis Definition lässt sich sehr einfach sagen, was Bewusstsein ist: Leben mit Erwartung (als Extrapolation von Erinnerung, die als Erinnerung erinnert wird - für mich diese Schleife der Reflexion ein größeres und viel unverständlicheres Mysterium als die Reduplikationsschleife der DNA. Die „erinnert“ und fängt dabei den Zufall ein (Mutation) - das bleibt immer noch im regelhaft maschinellen. Aber Reflexion gestaltet und erzeugt Neues und fängt es nicht bloß ein. Wie kommt es dazu?
Randphänomen
Man muss sich klar machen, dass wir in einer Welt leben, in der Ayn Rand als Philosophin gilt.
Mittwoch, 3. Mai 2023
ND
Je intensiver ich mich mit AI befasse, um so deutlicher wird mir, dass das Zusammentreffen von AI mit ND eine große Herausforderung werden wird für die CW
Glossar:
AI: Artificial Intelligence, (wörtlich: Technische Rechereche), oft fälschlich übersetzt mit „künstlicher intellingenz“.
NB: Natural dumbness, die evolutionäre Grundausstattung aka Reptiliengehirn (für 90% ausreichend ausgestattet, mit 10 völlig überfordert).
CE: Cultural wisdom, der Inbegriff nicht-natürlicher Kompetenzen menschlicher sozialer Akteure.
Dienstag, 2. Mai 2023
Geschwätz
Nicht aggressiver Atheismus, theoretischer Laizismus oder allgemeine Religionsverschtung werden die Küche zu Fall bringen, sondern halbinformiertes Geschwätz in Redaktionen, Lehrerzimmern, Grillparties und - Pfarrkonferenzen und Kirchenvorständen. . Ich bin gelegentlich sehr erschrocken über den Stand der Organisationalen Unkenntmis (was mir, btw, auch ziemliche Sorgen um blick auf unseren Staat und die Demokratie macht). Kirche wird zum nicht geringen Teil schlicht kaputtgeschwätzt und einer bemerkenswerten Mischung aus Leichtfertigkeit und Ignoranz, und zum nicht geringen Teil von ihren eigenen Leuten.
Das Neue
Was macht das „Neue“ eigentlich so bedrohlich? Je älter ich werde, um so weniger verstehe ich das. Besonders der Widerspruch zwischen dem allgemeinen Gestöhne über die „Verhältnisse“ bei gleichzeitig verbissenem Kampf, sie zu erhalten, ist ein erstaunliches Phänomen. Ich frage mich vor allem: wie wird in diesem Kontext die zentrale christliche Aussage gehört, Gott mache alles neu? Vermutlich im Sinne von Aufräumen, Reparieren, Polieren, Wiederherstellen der „Ordnung“, im Kirchensprech: Reform und Konsolidierung. Ich denke mal, dass das nicht gemeint ist. Das Christentum ist im Kern revolutionär. Es hat ja Gründe, warum die Lektüre der Heiligen Schrift so stark durch „Theologie“ eingehegt wird.
Was law-and-order und Denkfaulheitskonservative gerne übersehen: das Neue von Heute ist das Konservative von morgen und das Reaktionäre von übermorgen. Einer der Gründe, warum Konservativismus immer zu spät kommt. Er reagiert auf Vergangenes.
Montag, 1. Mai 2023
Excalibur
Der Film war 1981 eine Sensation, ein Gamechanger des Fantasy-Genres. Ich habe ihn mehrfach im Kino gesehen, er spielte für uns damals in derselben Liga wie Star Wars oder Close Encounter. Ich habe ihn jetzt, nach vierzig Jahren, wieder anschauen wollen (weil ich erst jetzt kapierte, dass Helen Mirren mitspielte). Der Film ist unerträglich peinlich, pathetisch und schierer cringe. Eine Viertelstunde habe ich durchgehalten. Das verblüfft mich. Wieso sind Star Wars und die Spielbergfilme immer noch gut anzuschauen - und dieser Film nicht? Es muss am Genre liegen. Eigentlich verschwand das pastoral-mythisierende Pseudo-Pathos erst mit Xena aus dem Genre (woran Peter Jackson anknüpfte - Weta Workshop und Ngila Dickson haben unsere Vorstellung von Fantasy irreversibel geprägt). Mich bewegt das deswegen, weil falsches Pathos ja auch ein Problem in der Kirche ist.
1.Mai
Es sind die protestantischen Todsünden nach wie vor: Sich selbst was Gutes tun und für seine Rechte einstehen. Wirklich erreicht wird die Welt der Arbeit damit nicht. Es sind und bleiben religiös grundierte kapitalistische Ressentiments. Nietzsche meet Marx Contra Diakonissen-Mindset. Darum haben wir in den Kirche so eine krankmachende (und damit faktisch dysfunktionale und sehr teure Arbeitsmoral).
SM
Es ist vermutlich wieder einmal eine der berühmten Listen der Vernunft, dass SM auch Social Media bedeuten kann.
Schlichte Mystik
In der tiefen, warum auch immer schlaflosen Nacht mit Knausgård den Mysterien der Engel nachgehen. Mystik fernab von jedem Mystizismus, schlichte Präsenz des sich Entziehenden.



