Ich wüsste gern, wie die Mehrheit der Menschen sich Herkunft, Aufgabe und Pflege des Rechts vorstellen. Das wäre, glaube ich, sehe erhellend. Ich erinnere mich an Gespräche mit wirklich klugen Menschen, die erstaunlich dumme, ja geradezu dumpfe Vorstellungen davon hatten (seltsamerweise auch mit jurist*innen. Man kann offensichtlich auch Jura, wie Theologie, ohne Sinn und Verstand rein dogmatisch-reproduktiv studieren). Meist zeigt sich ein sehr faschistoides Naturrecht (erstaunlicherweise auch oft von links) oder ein diffuses Gottesrecht (es ist viel Theologie unterwegs, wo sie wenige vermuten), gleichzeitig aber die (faktisch rechtspositivische) Forderung nach diesem oder jenem - bei ebensolch gleichzeitiger Ablehnung des Rechts (wenn es um eigene Rechtsbeugung geht). Mir wird immer klarer, das hier eine der Hauptquellen für das schwindende Verständnis von Demokratie zu finden ist: die intuitive Suche nach einer nicht-ambivalenten Rechtsquelle und die Sehnsucht nach Gewalt als Rechtsmittel. Die deutlich nachlassende Regeldisziplin (aka „Verrohung“) ist da für mich ein deutliches und ziemlich beunruhigendes Signal. Woher kommt das? Nun, nichts macht das Recht so unplausibel wie Korruption.
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