Samstag, 30. September 2023

Falsche Angst

 Irgendwie fürchten sich nicht wenige davor, das die „künstliche Intelligenz“ die Macht übernimmt oder es einen Roboteraufstand gibt. 

Leute: in den nächsten 10 Jahren gehen ca 12 Mio - 12 000 000 - unterbeschäftigte, frustrierte, wohlstandsverzogene  Boomer in den Ruhestand. 

Freitag, 29. September 2023

Incurvata

 Möglicherweise ist eine auf sich selbst bezogene Kirche, die immer mehr zur Spielwiese von allem Möglichen wird, das kein Mensch ausser einer winzigen Insidergruppe mit Kirche verbindet, genau das, was gerade nötig ist, damit das Evangelium ungestört neue Wege gehen kann. 

Stultitia Dei

 In der (schon im Prinzip falschen) traditionellen philosophisch-theologischen Gotteslehre käme man viel weiter in der Erklärung des Weltzustandes, rechnete man mit einem dummen Gott.  Das gilt vor allem für die Rede vom „Ebenbild“ Gottes, dem Menschen. Auf einmal wäre alles plausibel, ohne dass man mit einem bösartigen Schöpfer rechnen müsste. Wer je einen dummen Vorgesetzten hatte, weiss, was das bedeutet. 

Donnerstag, 28. September 2023

Naltur

Ernstmachen mit der (Post-)Moderne hiesse, dass Smartphones auf dem Erntedank-Altar lägen. Die Differenz Natur-Kultur ist extrem toxisch, und ich staune über eine Schöpfungstheologie, die ohne Technik auskommt - vor allem ohne Lob der Technik. 

Simple Sätze

Opfer sind sinnlos. 

Gutes tun mit der Hoffnung auf Lohn ist närrisch. 

Gott in Christus, nirgends sonst (anti-Voodo, pro Mensch) 



Mittwoch, 27. September 2023

Archaischer Adventskalende

 Adventskalenderwerbung im September, denn sie könnten ja bald vergriffen sein. Wenn aus Glaube Religion, aus Religion Kommerz, aus Kommerz Bullshit und - Achtung!- aus Bullshit wieder Religion  wird. Das, was wir gerade auf vielen Ebenen erleben. Das geht uns als Kirchen viel mehr an die Substanz als es jeder theoretische Atheismus je könnte, weil es praktisches Heidentum ist. Heiden sind ja nicht gottlos. Sie verfallen Götzen. Ja, das ist eine archaische Argumentation. Weil es ein archaisches Geschehen ist. Mit barbarischem Potential. Nein, das ist keine Dekadenztheorie: es entsteht ja eine Kultur und sie feiert sich. Der Adventskalender ist quasi ihr Fetisch: 24 mal „Geschenke“. Und was, wenn die Party mal vorbei ist? Dann wirds rudimentär. Dieses Potential meine ich. 

Muster

 Es ist auf eine merkwürdige Art beunruhigend, dass die drei grossen populären Mythen des ausgehenden 20.  und beginnenden 21. Jahrhundert - Lord of the Rings, StarWars und Harry Potter - ein gemeinsames Motiv haben, das nicht aus der klassischen bzw. traditionellen Mythologie stammt: das Nicht-Wahrhabenwollen der Präsenz und vor allem aber Wiederkehr des Bösen. Es macht mich, der ich die Mythen als proleptisch- zeitanalytisches Narrativ lese, sehr nervös. 

Montag, 25. September 2023

Digital Senior

 Heute kramte mal wieder eine ältere Dame mit Rheumahänden in ihrem Portemonnaie, um das Kleingeld herauszuklauben. Was ihr sterbenspeinlich war, am Ende machte es doch die Kassiererin, alles sehr freundlich, aber beschämend. 

Digital bezahlen ging nicht: weil die Displays und Keyboard der Eingabegeräte für die Augen und Hände von 18-30jährigen konstruiert sind. Es ist noch ein weiter Weg zum digitalen Mindset - vor allem, solange das in den Händen von Hipstern, Nerds, IT-Ingenieuren und Sonntagsrednern bleibt, weil die deutsche Intelligenzia naserümpfend „kritische Theorie“ produziert. 

Thin red line

 Christ bin ich darin: Pessimist im Kleinen, Optimist im Großen. Dazwischen läuft die feine rote Linie zwischen Sarkasmus und Zynismus. Ich finde die Umkehrung nämlich zynisch. Wer Sarkasmus als warmem Spott und Zynismus als kalte Verachtung nicht unterscheiden kann - ist faktisch ein Heide. 

Reverspervers

 Ich bin so klug, das ich mein eigener Besserwisser bin. 

Kackophonische Koprophagie

 Clickbaite ist die Signatur des Zeitalters Anthropozän. Wir ersticken am eigenen Scheiss: wörtlich und mental. 

Normal genervt

 Ich bin so scheiss-normal, dass mir die linkswoke weinerlichkeit genauso auf den keks geht wie das rechte gejaule und ich eine bestimmte sorte feminismus genauso lächerlich finde wie patriarchales rumgehirsche und mir kirchliche betulichkeit genauso peinlich ist wie fundamentalistisches gebell und ich vegane skrupel ebenso abtörnend finde wie eklige fleischbatzen auf überteuerten grills und ich weiss, hätte ich das alles verbindlicher, betulicher und netter geschrieben sähe es wie versöhnliche  altersweisheit aus ich verrate euch was das ist bloss passiv-aggressives genervtsein von altwerden ich will eigentlich nur meine ruhe und das nervt mich noch mehr und eigentlich will ich nur still fromm sein was ich keine drei tage aushielte schon klar wenn alle bekloppt sind bin ich in whrheit der bekloppte. 

Sonntag, 24. September 2023

Black Box

 Die universale Metapher für alles: Fang damit an, dir  vorzustellen, dass Du keine Ahnung hast, was vorgeht.

Das ist gemeint mit „Zweifel als Prinzip“.  

Und nicht besserwisserisches Gemecker auf Halbwissenbasis, aus dummen Ontologien heraus („ich glaube nur, was ich sehe“) oder aus schlichter Angst. Letzere direkt zu kommunizieren setzt natürlich voraus, dass man sie wahrnimmt und den Mut hat, sie zu benennen. 

Samstag, 23. September 2023

Autoreflexiv

 „Gehirnwäsche“ ist ein Wort, das nur von Leuten verwendet wird, die einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. 

Donnerstag, 21. September 2023

Dilemma, ontologisch

 Selbst ein harter Konstruktivist wie ich muss gelegentlich, wenn es zu doof wird, sagen: aber so ist es eben einfach nicht! Das macht Ignoranz noch schwerer zu ertragen. 


(Wie? Theologe und Konstruktivist? Nun, was macht die Sünde mit dem Verstand? Bitte! Sei froh, dass du überhaupt ein paar Daten halbwegs zusammenbekommst, Mensch) 

Matrix, deutsch

Liebe *
Hass #

*

Autofahrer

Fussgänger

Radfahrer

Autofahrer

#

#

#

Fussgänger

#

#

#

Radfahrer

#

#

#

Eklig

 Immer, wenn ich einen Impuls von Unwohlsein in der Nähe von Fremden fühle und spüre, wie sich das zu einem rassistischen Impuls verdichten will,  frage ich mich, wie es sich wohl anfühlen mag, wenn man diesem Impuls ungebremst, ungefiltert und ungehemmt nachgibt und daraus seine ganze Weltsicht baut. 

Und es fühlt sich so eklig an (weil es sich für mich wie eine Demütigung und eine Niederlage meiner Ratio und meiner Empathie anfühlt), dass ich mich weiter frage: spüren Rassisten das auch? Fühlt sich Rassismus von innen auch so verwirrend zwiespältig an, und könnte das auch ein Grund sein, warum ich rassistische Menschen immer als aggressiv erlebe? Eine Art Grund-Unwohlsein ohne genau zu wissen woher (wie bei schlecht sitzender Unterwäsche)? Denn die Widersprüche, vor das sich rassistisches Denken slltäglich gestellt sieht, sind ja eklatant ( wenn man nicht völlig abgestumpft oder schlicht dumm ist). Es wird mir immer auch ein Rätsel bleiben. 

Dienstag, 19. September 2023

Bewusstsein

 Versteht die Katze, was bei der Tierärztin geschieht? Es gibt Videos, wo sich Tiere scheinbar oder anscheinend für geöffnete Geschwüre, geschiente Beine oder gesäuberte Ohren bedanken. Ich habe aber auch gelernt, wie hoch der Anteil von Instinkt, Reflex und „Autopilot“ am Verhalten ist, das können auch alles reine Übersprungshandlungen oder konditionierte Reflexe auf Angst sein. In dieser Situation find ich die Frage geradezu bedrängend. 

Montag, 18. September 2023

Betulichkeit.

 Sie macht aus Theologie Tantologie. 

Masseinheit: Tantigkeit = (%cringe pro Satz). 

Kirchliche  Äußerungen können es auf bis zu 100% bringen. Erzeugt starke Ermüdungserscheinungen, bei entsprechender Disposition schwere Lachkrämpfe. Hohe Dosen machen aggressiv und lösen Fluchtreflexe aus. 

Rezeptionsästhetik

 Ich glaube, bei wenigem liegen so viele so falsch wie bei der Einschätzung von Rezeption. Eine nie versiegende Quelle von Frustration. 

Traurig

 Was schaffen die Dummen? 

Dass die Klugen verstummen. 

Blabla

 Der Tag, an dem ich verstanden habe, was mit der Formulierung „Mitten im Leben“ gemeint ist, ist vermutlich der erste Tag der Endzeit. Eine der sinnlosesten Anbiederungsformeln überhaupt. „Kirche mitten im Leben“.  Wo soll das sein? War Golgatha mitten im Leben? War Galiläa „mitten im Leben?“ Und wo ist der „Rand des Lebens“? Die Geburt? Das Totenbett? Oder alles ausserhalb der bürgerlichen Mischung aus Panik und Selbstgefälligkeit, die wir auch gerne die „Mitte“ nennen?  

Die Mitte


Samstag, 16. September 2023

Fortschritte

 Wir sind nicht im „Zeitalter der Fake-News“. Wir sind in dem Zeitalter, in dem sie erkannt werden. 

Freitag, 15. September 2023

Technodizee

 Die Geschichte von Alan Turing ist wie eine Spiegelmetapher für die Digitalisierung: alles krass irrational im Umgang mit dem Rationalisten, was Menschen jemals erfanden/entdeckten. Eine Art technodizee-Frage stellt sich, und wie die Theodizee-Frage ist die Frage nach dem Menschen. Wir sind zu doof für unsere eigene Klugheit. 

Donnerstag, 14. September 2023

Zirkel

 Autoritäre Menschen wissen oft gar nicht, dass sie autoritär sind, weil sie gar nicht wissen, was das ist: autoritär sein - weil sie ganz bei sich sind. Wie beneidenswert im Grunde. 

I/O

 Wieso ist Boolsche Algebra nicht auf Lehrplänen? Mir dämmert gerade, was für einen ontologischen Impact sie hat - für die Theologie eine viel grössere Herausforderung als der philosopisch-anthropologische Atheismus des 19. Jahrhunderts, der ja einfach nur ihr Spiegel war. Die Boolsche Algebra ist ein komplett anderes Mindset, das ist die Linie von Leipniz (und weiter zurück Cusanus) - also die Philosophen/Theologen, die mir im Theologiestudium jedenfalls als zu belächelnde begegneten. Da war aber Deleuzes Falten-buch schon längst geschrieben und Wittgenstein lange tot - stattdessen schwurbelte eine Heidegger-Rezeption (Bultman) herum, die ich heute für schlicht falsch halte. Heidegger war viel Nähe an Wittgenstein, als seine Sprache vermuten lässt, Gestell und Geviert sind prozessualen Algorithmen näher sls (und so lesen THEOLOGen ihn immer, afaik) irgendwelchen strukturalen Ontologien. Merkwürdig, das Informatk-unterricht zuzmindest zu meiner Zeit so angeboten wurde, das seine mathematische Basis nicht sichtbar wurde im Mathematkunterricht (so, wie Grammatik m.E. zumeist falsch gelehrt wird). Ich frage mich, warum das so ist - warum Logik, die im sog. „finsteren Mittelalter die Basis von Bildung überhaupt darstelle, so ins Hintertreffen geraten ist, obwohl sie faktisch in nie dagewesener Weise unser Leben bestimmt: der Computer ist die prozessuale Dualismusmaschine schlechthin. Möglicherweise sind Stochastik und Boolsche Logik die beiden Zweige der Mathematik, die dem alltäglichen Gebrauch in einer komplexen Gesellschaft näher stehen als die traditionellen Algebra und Analysis. 

Mittwoch, 13. September 2023

Nazi

 Wenn einer, der ein Nazi war, nicht sagen kann, dass er ein Nazi war, dann ist er noch einer. 

Ich war in meiner Jugend, so zwischen 15 und 20 aus Gründen persönlicher Konstellationen (Freunde von Freunden, Verwandte von Verwandten etc.) an der jugendlichen Neo-Nazi-Szene sehr nah dran. (Die übrigens nicht Neo war. Im Hintergrund tauchten alte Nazis auf). 

Die meisten waren schlicht dumm, einige unterlagen allen möglichen Zwängen und jugendlichem Geltungsbedürfnis, einige ganz wenige waren „überzeugt“ und fast alle (!) hatten schlicht einen kriminellen Zug, weil sie ein Problem mit Gewalt, Besitz und Frauen(!) hatten. (Das Incel-Problem kannte ich schon avant la lettre und halte sich selbst als underfuckt wahrnehmende junge Männer immer noch für gefährlich). 

Okay: mit 15-20 mag man so gewesen sein, meine linksreligöse Attitüde war auch peinlich (allerdings nur peinlich). 

Aber davon kann man sich lösen, und es sollte einem Erwachsenen nicht schwer fallen, auf das jugendliche Ich mit versöhnter, aber klarer Distanz zu schauen, das kann eine starke Kraftquelle sein, gerade im Umgang mit Jugendlichen. Und wer das nicht tut, hat eben keine Distanz - und ist immer noch Nazi. Da ist schlicht ein Stück Pubertät nicht abgeschlossen. Oder? 

(PS: faszinierend übrigens, wir die Amish das mit der Institution des „Rumspringa“ zu lösen versuchen. Kann natürlich nicht wirklich funktionieren.) 

Dienstag, 12. September 2023

Orakel

 „Welche Antwort gibt uns z.B. Adorno zu den Fragen unserer Zeit (so heute etwa der DLF wegen Teddys 120.)?“

 Nun, es gibt keine richtigen Antworten auf falsche Fragen. Und eine Frage, die in Texten nach Antworten fragt, ist eine falsche Frage. So etwas macht man in Orakeln. 

Die Frage ist doch, welche Fragen wir stellen müssen, um die „heutige Zeit“ (dümmste Formulierung ever, sehr beliebt bei Presse, Funk und Fernsehen und natürlich in der Kirche, der vermeintlichen Antwortmaschine) überhaupt in den Blick zu bekommen. Das habe ich jedenfalls bei Adorno gelernt. Und im Theologiestudium. Da kam ich nicht nicht mit guten Antworten, sondern mit präzisierten Fragen raus. .  



Natural Body

 Die AI/KI kann nicht zwischen Wahrheit und Lüge, Fiktion und Bericht unterscheiden, weil sie kein Körper ist. Sie stirbt nicht: deswegen kommt es nicht so drauf an.

Austausch

 Zombies treten an die Stelle des Auferstandenen. Hoffnung heisst also: ewig untot sein. Die hektische Moderne gönnt sich noch nicht eimal einen nachaltigen Tod. Aber Zombies sind der Vergangenheit verpflichtet. Ich beobachte es schon länger in der Trauerkultur: eine Art Ahnenkult ohne Zukunft. Die Zombiefizierung des „Glaubens“ macht aus Hoffnung Voodoo. Und aus Konservativen Reaktionäre. 

Montag, 11. September 2023

Kupskis Paradox

Weil ich es noch nirgends explizit gelesen habe, eröffne ich mal einen claim auf das folgende Paradox:

Im Zeitalter der lichtschnellen unendlichen Enzyklopädien und der fast trägerlosen unerschöpflichen Archive ist klassische (Schrift-) Bildung notwendiger denn je. 

Denn Digitalität denkt nicht. 



(Honneurs an Heidegger, der da erstaunlich viel gesehen hat, bei ihm hiess es nich Kybernetik)  

Vice versa

 Die Banalität des Bösen ist in Wahrheit die Bösartigkeit der Banalität. 

Aussen

 Es gibt kein „Aussen“. Das habe ich aus der Physik begriffen. Es gibt aber folglich auch kein „Innen“.  Es gibt nur interagierende Zustände und Prozesse, die so komplex sind, dass sie uns als statistische Phänomene erscheinen. Der eigentliche theologische Impact der Moderne: Die vox externa - „woher“ kommt sie? Theologie tut so, als wüsste sie es. Sie tut so, sls wüsste sie, was in Schrödingers Kiste geschieht (anstatt darüber nachzudenken, dass „wir“ die Katze sind, die sich dabei beobachtet, Schrödingers Katze zu sein. Es gibt nämlich auch Schrödingers Kiste gar nicht…

Statistik

 „Normalität“ definiert Individualität als Abweichung. Das Elend der Moderne: „Ich“ sein zu müssen. Wie heilsam da Paulus klingt: nun aber nicht mehr ich, sondern Christus in mir. Wenn alle „normal“ sein sollten, ist halt jeder und jede in Sünde. Die social media sind das Schillersche Weltgericht, das immanente Heidentum der Moderne immer mit einem Fuss in der Barabarei, mit dem anderen in der Ignoranz. 

Sonntag, 10. September 2023

Assi-Asi

 Solange in Gemeinden und Erprobungs-/Kooperationsräumen das Konzept „Assistenz“ nicht verstanden und kultiviert wird, wird keine „Reform“ zu Stande kommen, jedenfalls keine, die über 50er-Jahre-Kleingartenverein hinauskommt. Und das wird so lange dauern, bis alle kapiert haben, dass „Verwaltung“ und Organisation nicht dasselbe sind. Bleibt die Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer dahinter zurück, wird es nie etwas - weil wir dann nämlich keine guten Leute für die Assistenz bekommen - die brauchen wir aber, weil die künftig entstehenden Einheiten der mittleren Ebene bei zunehmender Schwächung der Zentrale immer mehr Geschäftsführungs- und Büroleitungsfunktionen brauchen werden. Stand jetzt: Kalendersharing und Aufgabensharing flächendeckend faktisch nicht vorhanden. Asisstenz im Blindflug. 

Neuer Adam

 Frankensteins Humunculus: Ein neuer Adam aus elektrifizierten Leichenteilen - wie soll die Theologie dagegen ankommen? Zumal wir es heute ohne Leichenteile schaffen. Die occamsche Frage, ob Gott, Esel geworden, auch die Esel erlösen kann, ist ein Klacks. Kann er, (Cy)Borg geworden, auch Cyborgs erlösen? 

Kopfmaschine

 Es ist bemerkenswert, dass bei vielen neueren Maschinentheorien die Guillotine eine markante Rolle spielt: die neueste Zeit beginnt mit rhythmisierter Mechanisierung des (legitimen!) Tötens in fast digitaler Reinheit: kein Zergliederungs- und Tötungsspektakel mehr, sondern 1:lebt | 0:ist tot. Was die Todesstrafe langweilig macht, bzw. sie in die Phantasie verlegt. Und hier dann verkoppelt (in aller Regel) mit einem geradezu algotithmischen (Miss!-)verständnis von Recht als Talionismaschine. Das Unbewusste der Moderne ist die Maschine (Freud: „Verdrängung“, Trieb“, Martin Burckhardt). Ein Grund für die Abwehr gegenüber dem Maschinellen - bei gleichzeitiger Verfallenheit: JEDE Maschine ist eine potentielle Tötungsmaschine. Dem ist mit simpler Ethik nicht beizukommen. 

Sonntag

 Ich bin so altmodisch, ich denke Sonntags noch nicht einmal. 

Samstag, 9. September 2023

Nüchtern

 Ein Examen ist KEIN Intelligenztest. 

Elektro-Sinn

 Ein Organismus: Mechanismus des Geistes? Ein sinnloser Satz im Wittgensteinschen Sinne. Jedes der drei Wörter haben wir nicht begriffen. Möglicherweise sind sie sogar tautologisch: wenn die DNA ein Programm ist. Theologie schaut hier staunend zu: Elektrizität kommt halt in der Bibel nicht vor. Also: Wittgenstein Tractatus 7 (Inzwischen die Generalabsolution für schlampige Theologie). 

Freiheit

 Ist die Zunahme von schlechtem Benehmen einer der Preise für die Zunahme an Freiheit? Dann ist das ein hoher Preis, der zudem noch Gefahr läuft, Barbarei zu entfesseln, denn „rechts“ sein ist oft einfach nur schlechtes Benehmen. Man möchte denen manchmal am liebsten mit dem Stöckchen auf die Finger hauen (aber ich tue es nicht, das ist der Unterschied). 

Freitag, 8. September 2023

Match

 Dass die Eskalation der Klimakrise mit der Kohorte der alternden „Boomer“, von denen viele einfach kein Bock auf Neues mehr haben, zusammenfällt,  ist ein fatales statistisches Match, wenn es hier nicht sogar eine gewisse Kausalität gibt, das wäre noch schlimmer, das Opfergejaule ist jetzt schon unerträglich. 

Hass

 Ich bin der Ukraine durch meine väterliche Familie verbunden, Wolhynien (Westukraine) ist ein grosses Narrativ von Heimat, letztlich irrational und bloss fantasmatisch. Der russischen Literatur und Musik bin ich tief verbunden, bin aber auch zu grosser Vorsicht vor „den Russen“ erzogen worden, meine Ostverwandtschft (darunter SED-Mitgliede) war russenfeindlich nach dem vierten Bier. Der modernen Ukraine als Staat stehe ich eher zurückhaltend gegenüber, man schaue Selenskis Satire. Und ich spüre trotzdem eine so tiefe Verachtung gegenüber Putin und für was er steht (Putin ist ebensowenig und ebensoviel Russland wie Trump USA), es hat sogar Züge von Hass (aka Vernichtungswünsche). 

Wie muss es erst Ukrainerinnen und Ukrainern gehen? Ich bin mit ukrainischer Geschichte (die ja auch mal polnische, deutsche, österreichische, litauische, sowjetische Geschichte war), und weiss, was dieses Flandern des Ostens schon alles erlebt hat. Ich glaube aber, dass dieser Krieg unversöhnlichen Hass erzeugt- das wird nicht mehr reparierbar sein. Denn tatsächlich steht für Ukraine so etwas wie Ansätze von Freiheit auf dem Spiel, die noch einmal etwas anderes als die eher ethnisch- tribale Freiheit der Kosaken. Das ist historisch eine neue Qualität: Industrialisierte Landwirtschaft und Urbanität. 

Diktatur

 Möglicherweise haben viele Menschen während Corona zum ersten Mal im Alltag die Disziplinargewalt des Staates erfahren und haben deshalb den Eindruck, in einer Diktatur zu leben. Die letzte Diktatur - oder zumindest ein aggressiv autoritärer Staat - liegt offensichtlich zu weit zurück. Staatsbürgerliche Bildung ist halt wichtig. Mich würde ja, nach langen Jahren im Lehrerzimner, mal interessieren, wie es da bei Lehrerinnen und Lehrern aussieht. Könnte es sein, dass da eine Problemzone nicht recht sichtbar ist? Immerhin ist, wer jetzt um die 40 ist, in einem neoliberalen Demokratieumfeld großgeworden, das unter Umständen, sagen wir mal: zu leichte Konzepte von Staatlichkeit förderte…

Donnerstag, 7. September 2023

Anarchie

 Rechtsbruch und Schlamperei aus Gutmütigkeit, Naivität und Barmhertigkeit. Woher kenne ich dasbloß? 

Tool-Fool

 Der Computer ist kein Werk-zeug, sondern eine Werk-statt. Martin Burckhardt („über dem Luftmeer“) hat mir gerade ein Licht aufgesteckt. Er ist ein ORT, eine Präsenz, ein Raum, in dem Werkzeuge bereitliegen, ein Ort der mechanisch-elektischen Arbeit, eine Schmiede, eine Mühle, eine Fabrik. 

Feelings

 Sollte ich denkerisch im staub kriechender Bücherwurm, der alles nur halb versteht, den kühnen Gedanken aussprechen  dass Hegel Schleiermacher nicht verstanden hat oder nicht hat verstehen wollen oder gar  ihn verstanden, aber bösartig verdreht hat? Der grosse Hegel hier ein erbärmlicher Egel? Ich denks nur, ich sags nicht. Gefühlt !!!) ist der Schwurbelfaktor bei Hegel höher als bei Schleiermacher. Aber, klar, ich bin ja nur Amateur-Theologe. Ich kann ja gleich aus zwei Gründen gar nicht Recht haben. 

Moderne

 Gab es eigentlich auch „Mittelalter-Verweigerer“, so wie es „Moderne-Verweigerer“ gibt? Die Frage ist so dumm nicht, wie sie klingt. Es ist die Frage nach Innovation und Bewusstsein. Dass die Moderne sich selbst Moderne nennt - das ist Teil ihres Problems. Sie glaubt es sich selbst nicht und definiert sich aus Abgrenzung (finsteres Mittelalter).  Aber: e negatione patet omnia. Definition aus Abgrenzung öffnet unendliche Interpretation. Summa: die Moderne-Verweigerer sind die eigentliche Moderne, volle Souveränität über das eigene mindset. Schönes Paradox. 

Mittwoch, 6. September 2023

Endzeit

 Ich bin doch etwas überrascht, dass die Endzeit-Krise der „Groß-Kirchen“ auch eine Krise der Theologie zu werden scheint. Weniger eine inhaltliche Krise (da kränkelt die deutschsprachige Theologie ja schon seit mindestens 50 Jahren), sondern eine Krise der Akzeptanz: sie spielt keine Rolle mehr.

In meiner Arbeit - die die Theologie im Namen trägt: „theologische Begleitung“ - jedenfalls wird überhaupt nicht theologisch reflektiert, und wenn, dann sind es die nichttheologischen Mitarbeitenden, die da nachdenken.  Was ich für fatal halte - die Theologie, und das scheint mir das Symptom zu sein - verpasste die erste, die maschinelle Moderne mehr oder weniger, die zweite, die digitale Moderne wird faktisch kaum gesehen: da gibt es noch die Welt der Substanzen, Wesen und Dinge, die Welt der universalen Semantik, die aus allem eine Allegorie macht. Etsi Schleiermacher, Barth und Tillich non daretur. 

Und ich merke: ich bin es müde. Meine Kernkompetenz ist aus der Mode - jedenfalls im professionellen Bereich. 


Merkwürdig- oder bemerkenswert?: meine explizit theologischen Predigten kommen seltsam gut an, gerade bei sog.  „normalen“ Leuten. Ich bin immer wieder überrascht: Es gibt einen großen Bedarf an dezidiert intellektueller  theologischer Weltdeutung zwischen dummer Esoterik und stumpfer Empirie, zwischen Kitsch und Quatsch. 

Intellektuell heisst hier: komplex (was nicht nicht „kompliziert“ bedeutet, sondern: durchdacht. Das Ergebnis kann dann sehr klar und einfach sein.). Aber das heisst auch: ich lasse mir für die Vorbereitung richtig viel Zeit. Im Grunde: vierzig Jahre. Und nun scheint es damit gut zu sein: die Eremitage als Raum der Stille. Ich werde keine Artikel fürs Pfarrerblatt schreiben….

Dienstag, 5. September 2023

Normale Pareto-Leute

 Was in der massen- und netzmedialen Kommunikation völlig untergeht, ist die solide Durchschnittlichkeit. Das gilt auch für Kirche. Solide Durchschnittlichkeit (das Einzige, was man durchhalten kann) wird immer noch )seit den Siebziger Jahren) geringgeschätzt. Dabei ist sie das Muster, nach dem basale Arbeit einzig funktionieren kann. Alles andere sind günstigstenfalls PR- Strohfeuer, schlimmstenfalls einfach Lügen, uneinlösbare Schecks. . 

Montag, 4. September 2023

Purpose

 Dass meine Koch-und Back Postings mehr likes haben als meine Gedanken zeigt: ich habe alles richtig gemacht. 

Samstag, 2. September 2023

Kulak

Wer das Wort „Kulak“ noch nie gehört hat (und was sich damit verbindet), sollte zum Ukrainekrieg vielleicht erst einmal schweigen. 

Fehler

 Das Gespräch ist die am meisten überschätzte Form der Kommunikation. 

Schlüssel

 Wer verstanden hat, was es bedeutet, nicht geliebt zu werden, hat den Schlüssel zur Weltgeschichte in der Hand. 

Freitag, 1. September 2023

Fatal

 Die wohl folgenreichste Fehlentscheidung in den deutschen Kirchen nach 1918: Theologen die Kirche leiten lassen. An den folgen kauen wir nicht nur bis heute, sie sind jetzt sogar besonders deitlich: organisationale Amateure. Dass Kirchen Heimat, Hafen, Safespace und Entfaltungsort für alle Sorten von Realitätsflüchtigen, Moderneverweigern, Weltverbesserungssonderlingen und wie auch immer gestrickter innovativer oder ignoranter Schön- und Gutgeister ist, ist nicht nur in Ordnung, es ist eine ihrer Stärken. Nur freilich als Vorgesetzte, Chefs, Arbeitgeber….manchmal schäme ich mich vor unseren nichttheologischen Mitarbeitern ein wenig, was sie mit „Pfarrpersonen“ so erleben…

Meinung

 Warum eigentlich müssen Menschen, die ihre Meinung sagen, inmer sagen, dass sie ihre MEINUNG sagen? Das nervt mich am Meinungsjournslismus am meisten: die Vorrede, hier ginge es um Meinungsfreiheit - entweder es stimmt, oder es stimmt nicht.