Wenn einer, der ein Nazi war, nicht sagen kann, dass er ein Nazi war, dann ist er noch einer.
Ich war in meiner Jugend, so zwischen 15 und 20 aus Gründen persönlicher Konstellationen (Freunde von Freunden, Verwandte von Verwandten etc.) an der jugendlichen Neo-Nazi-Szene sehr nah dran. (Die übrigens nicht Neo war. Im Hintergrund tauchten alte Nazis auf).
Die meisten waren schlicht dumm, einige unterlagen allen möglichen Zwängen und jugendlichem Geltungsbedürfnis, einige ganz wenige waren „überzeugt“ und fast alle (!) hatten schlicht einen kriminellen Zug, weil sie ein Problem mit Gewalt, Besitz und Frauen(!) hatten. (Das Incel-Problem kannte ich schon avant la lettre und halte sich selbst als underfuckt wahrnehmende junge Männer immer noch für gefährlich).
Okay: mit 15-20 mag man so gewesen sein, meine linksreligöse Attitüde war auch peinlich (allerdings nur peinlich).
Aber davon kann man sich lösen, und es sollte einem Erwachsenen nicht schwer fallen, auf das jugendliche Ich mit versöhnter, aber klarer Distanz zu schauen, das kann eine starke Kraftquelle sein, gerade im Umgang mit Jugendlichen. Und wer das nicht tut, hat eben keine Distanz - und ist immer noch Nazi. Da ist schlicht ein Stück Pubertät nicht abgeschlossen. Oder?
(PS: faszinierend übrigens, wir die Amish das mit der Institution des „Rumspringa“ zu lösen versuchen. Kann natürlich nicht wirklich funktionieren.)