Jedes Wort, dass wir sprechen, verweist auf die Shoa, wie die Wörter vorher auf das „Sein“ verwiesen. Die Vernichtung ist der wahre unausgesprochene Sinn, der tiefer liegt als das Begehren. Was vordem „Sünde“ hiess und alles befleckte, heisst nun industrielle Vernichtung der Anderen - und wie harmlos war die Sünde als Begehren gedacht!
Da jede und jede des Anderen Anderer sind, kann sich niemand entziehen. Gott als Leben zu denken, ist schon der radikalste Gedanke. Hinter dem kategorischen Imperativ steht der kategorische Genozid , der immer mitgedacht werden muss als das tiefste Menschenmögliche, gegen das jede Ethik das Zweite ist, gescheitert schon Ansatz. Bei denen, die gar nicht denken, bricht es nach oben, ungefiltert und entlarvt die grausame Wahrheit: anima naturaliter faschistica. Der Hitlergruss im Suff ist wahrer als jede Umarmung. Der Genozid an den Juden war nicht der erste und wird der letzte nicht sein. Aber er ist kategorial das reine Grauen, die grösste Niederlage Gottes. In jedem Wort, das wir sprechen, ist er mitgemeint, es gibt kein Zurück. Und wir können nicht schweigen, denn im Schweigen wird alles nur lauter. Es ist unfassbar, wss den Nazis gelang: Zerstörung bis in die tiefsten Schichten von Grammatik und Semantik. Der zweite Turmbau, der Turmbau des Grauens. Die Shoah ist die schlechthinnige Inschrift.