Meinen Gegner möchte ich entweder überzeugen, dass er/sie völlig falsch liegt, gegebenenfalls möchte ich ihn bzw. sie aller Handlungsmöglichkeiten berauben und seinen bzw. ihren Einfluss möglichst kleinhalten oder gar beenden und seine bzw. ihre Gefolgschaft umstimmen oder marginalisieren.
Weil ich für falsch halte, was er bzw. sie für richtig hält. Mit meinem Gegner sind Kompromisse möglich. Ich kann sogar nach der Auseinandersetzung mit ihm oder ihr Essen gehen oder freundlich reden. Die schlimmstmögliche Haltung gegen über Gegnern ist "zivilisierte Verachtung". Die Grundhaltung ist der Respekt.
Meinen Feind möchte ich vernichten, schlimmstenfalls physisch. Weil ich meinen Feind daran erkenne, dass er mich vernichten will. Meinen Feind lieben bedeutet vor allem, ihn zu verstehen, warum ich meines Feindes Feind bin. Aber verstehen heißt nicht billigen, vor allem dann, wenn er oder sie nicht nur mich hasst, sondern auch die Menschen, die um mich herum sind, meine Kultur oder meinen Lebensstil vernichten will. Mit meinem Feind sind Verhandlungen nur mit der Waffe auf dem Tisch (metaphorisch, aber gelegentlich auch wörtlich) möglich. Feinde müssen besiegt werden, was nicht notwendigerweise ihre Vernichtung bedeutet. Aber maximale Eindämmung. Denn hier regiert der Hass. "Clementia" (Güte) funktioniert hier nur, wenn ich stark genug bin.
Da bin ich ganz auf Seiten von Carl Clausewitz, auch wenn seine Grundhaltung zum Krieg (Fortsetzung von Politik mit Mitteln der Gewalt) für grundfalsch halte. Gewalt ist gerade Scheitern von Politik. Zwischen Feind und Gegner verläuft die haarfeine Linie der Zivilisation.