Sonntag, 28. April 2024

TicToc

 Ich stand und stehe den sog. social media und den Entwicklungen, die das Internet mit sich bringt, relativ neutral gegenüber, technische Entwicklungen haben immer zwei Seiten, und gerade als Zeitgenosse ist schwer einzuschätzen, welche Folgen welche Technologie haben wird. Nur bei wenigen Technologien ist das wirklich einigermaßen abzusehen, das gilt natürlich vor allem für Technologien, deren Ressourcenverbrauch prekär ist oder deren Langzeitfolgen menschliche Möglichkeiten übersteigen. Ansonsten: schwer vorstellbar, wie wir leben würden ohne die Möglichkeiten des Internets. 

Aus beruflichen Gründen bin ich jetzt seit ein paar Tagen auf TicToc unterwegs. Was ich hier erlebe und sehe, schockiert mich schon. Ich halte das inzwischen tatsächlich für gefährlich. Wer als Kind oder Jugendlicher, oder als Mensch mti eher rudimentärer Bildung sein Weltbild hier zusammenbaut, wird auf keinen guten Weg gebracht. Ich habe nicht die geringste Phantasie, wie dem entgegengesteuert werden kann. 


Weisheit

 Ich habe das mit der “Weisheit des Alters” schon immer für ein verlogenes Konstrukt gehalten, dass genau jene Wahrheit übertüncht, die ich, älter werdend, gerade erlebe: dass mir tatsächlich Kompetenzen abgesprochen werden (auch solche, die ich ein Leben lang erworben habe).  

POV

 Sähen Frauen sich so, wie Männer sie sähen, wenn sie sie so sähen, wie sie sie sie sehen und nicht, wie sie meinen, sie sehen zu müssen, hätten wir eine andere Welt. Ich glaube sogar: eine bessere. 

Sonntag, 21. April 2024

narrative Predigt

"Narrative Predigten" von unbegabten und untrainierten Erzählerinnen und Erzählern - wie Gospelgesang von verkrampften Weißen, französisches Essen in der Dönerbude oder nachgemachter Eingeborenen-Dialekt: KANN funktionieren - äußerst selten. Ansonsten ist es mit das Furchtbarste, was man an misslingender Kommunikation erleben kann: betulicher Kitsch. 

Samstag, 20. April 2024

Informationen

 Nichts hat mein Vertrauen in den öffentlichen Diskurs so erschüttert, wie die Anmaßung von Expertise im „Internet“.  Das ist wirklich vernichtend. 

Innocentia

 Es ist so: Die Lektüre von „Schnelles Denken -Langsames Denken“ hat mich für den öffentlichen Diskurs verdorben. 

Doom

 In Deutschland war der Protestantismus immer ein Eliteprojekt. Der Verlust der Intellektuellen, der Industriellen und der politischen Menschen ist sein Niedergang. Ob einem das gefällt oder nicht: diese Tradition ist mit der jetzt noch lebenden Generation beendet. Das führt dazu, dass das kleinbürgerlich-ressentimentgeladene Element, das auch immer stark war in ihm, aber quasi in Schach gehalten wurde, nun sein mainstream wird, der, immer mit einem antielitären und antiintellektuellen Unterton, an seinen Rändern fundamentalistisch oder „woke“ wird, auf jeden Fall aber penetrant und oft geschmacklos und unfreiwillig komisch. Der Protestantismus hat keineswegs „die Mitte der Gesellschaft“ verloren. Er steht mitten drin. Nur, dass das womöglich im Moment kein wirklich guter Ort ist, möglicherweise hausen dort sehr böse Geister, die die Kinder des Lichtes, wie so oft, unterschätzen.