Wie man diesem Exzess entfesselter widerlichster frauenverachtender Männlichkeit (auf der Ebene der Handlung) folgen kann und gleichzeitig Nazi sein kann, ist mir ein Rätsel: da müssen ganze Hirn- und Gemütsregionen brachliegen. Die Wagner-Rezeption wird mir immer ein Geheimnis bleiben: wie unglaublich dumm muss man sein, nicht mitzubekommen, was hier auf der Bühne geschieht (und aus dem Orchestergraben deutlichst kommentiert wird): Gier und Geilheit zerstören Frauen, Beziehungen, Natur und am Ende die Welt, übrig bleibt eine prekäre, entzauberte Existenz. Und wer reisst es am Ende? Die Frauen - durch „Opfer“ . Das ist auch keine Lösung. Der alte Anarchist Wagner bleibt sich eben doch treu, nix Schopenhauer. Oder ist es am Ende der Anarchismus des Ganzen, der faschistische und reaktionär-bürgerliche Gemüter erhitzt? Das kriegt auf dem Hintergrund der Rammstein-Geschichte einen gruseligen Aspekt…die Okkupation Wagners durch den Faschismus und reaktionär-nationalistische Operngucker ist jedenfalls immer noch ein Thema. Auf jeden Gall: das Werk ist klüger als als Produzent und Rezipient. DAS sollte man bei Wagner allemal begreifen. Und es bleibt die Erkenntnis: das grösste Gift der Neuzeit ist der Antisemitismus -allein dass es möglich ist, Figuren wie Mime, Alberich, Beckmesser, Kundry etc „jüdisch“ zu lesen, zeigt das deutlich. Man muss das Werk vor dem Autor retten. Und seine Figuren vor den Rezipienten. Vielleicht war es das, was Wagner vom Theater ohne Theater träumen lösst, nachdem er die erbärmlichen Aufführungen in Bayreuth gesehen hat. Was wäre wohl geschehen, wenn Wagner auf Freuds Couch gelegen hätte? Das ganze Elend der letzten 200 Jahre in einer Person. Und dann höre ich die Musik und denke mir: musste sich dieses ungeheure musikalisch-dramatische Genie in so einer jämmerlichen Figur inkarnieren. Und der Theologe wird ganz still.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen