Mt 25 ist ohne starke Christologie überhaupt nicht predigbar: ein Qualitätsprüfstein der Theologie. Nur der Blick auf den Sprechenden, der sich als der sich selbst richtende Richter für die Geringsten hingegeben hat, macht diesen Text (samt seiner Wirkungsgeschichte) erträglich. Das letze, das größte, das finale Liebeswerk ist die Aufhebung des Gerichtes - nicht aber die Aufhebung des Gesetzes: das Böse ist das Gute, das man nicht tut. Und das Gute ist das selbstverständlich einfache Gute. Das Gesetz der Liebe ist nicht kasuistisch, es ist selbsterklärend: Liebe ist Begehren und Erfüllung. „Was willst du, das sich dir tue“ ist die einzige „ethische“ Frage. Alles andere ist bestenfalls moralisierender Kitsch oder mehr oder weniger verhohlene Drohung. Es ist gerade darin, dass er ein theologisch so starker Text ist, Gericht an der Kirche, wenn sie, als Dienst an den Geringsten, auch nur im Ansatz etwas anderes verkündigt als vorbehaltlose Liebe - zum Feind (Bergpredigt!). Noch einfacher: es geht hier nicht um Christen oder die Kirche. Nicht einmal imGericht ist sie relevant. Relevant ist sie einzig, wenn sie die universale Liebe gegen allen Augenschein, aber eben gerade nicht gegen alle Vernunft, verkündigt. Wer meint, dass das zu wenig sein, überlege noch mal, was genau Jesus hier gerade macht.
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