Ich bin der Ukraine durch meine väterliche Familie verbunden, Wolhynien (Westukraine) ist ein grosses Narrativ von Heimat, letztlich irrational und bloss fantasmatisch. Der russischen Literatur und Musik bin ich tief verbunden, bin aber auch zu grosser Vorsicht vor „den Russen“ erzogen worden, meine Ostverwandtschft (darunter SED-Mitgliede) war russenfeindlich nach dem vierten Bier. Der modernen Ukraine als Staat stehe ich eher zurückhaltend gegenüber, man schaue Selenskis Satire. Und ich spüre trotzdem eine so tiefe Verachtung gegenüber Putin und für was er steht (Putin ist ebensowenig und ebensoviel Russland wie Trump USA), es hat sogar Züge von Hass (aka Vernichtungswünsche).
Wie muss es erst Ukrainerinnen und Ukrainern gehen? Ich bin mit ukrainischer Geschichte (die ja auch mal polnische, deutsche, österreichische, litauische, sowjetische Geschichte war), und weiss, was dieses Flandern des Ostens schon alles erlebt hat. Ich glaube aber, dass dieser Krieg unversöhnlichen Hass erzeugt- das wird nicht mehr reparierbar sein. Denn tatsächlich steht für Ukraine so etwas wie Ansätze von Freiheit auf dem Spiel, die noch einmal etwas anderes als die eher ethnisch- tribale Freiheit der Kosaken. Das ist historisch eine neue Qualität: Industrialisierte Landwirtschaft und Urbanität.
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