Donnerstag, 14. September 2023

I/O

 Wieso ist Boolsche Algebra nicht auf Lehrplänen? Mir dämmert gerade, was für einen ontologischen Impact sie hat - für die Theologie eine viel grössere Herausforderung als der philosopisch-anthropologische Atheismus des 19. Jahrhunderts, der ja einfach nur ihr Spiegel war. Die Boolsche Algebra ist ein komplett anderes Mindset, das ist die Linie von Leipniz (und weiter zurück Cusanus) - also die Philosophen/Theologen, die mir im Theologiestudium jedenfalls als zu belächelnde begegneten. Da war aber Deleuzes Falten-buch schon längst geschrieben und Wittgenstein lange tot - stattdessen schwurbelte eine Heidegger-Rezeption (Bultman) herum, die ich heute für schlicht falsch halte. Heidegger war viel Nähe an Wittgenstein, als seine Sprache vermuten lässt, Gestell und Geviert sind prozessualen Algorithmen näher sls (und so lesen THEOLOGen ihn immer, afaik) irgendwelchen strukturalen Ontologien. Merkwürdig, das Informatk-unterricht zuzmindest zu meiner Zeit so angeboten wurde, das seine mathematische Basis nicht sichtbar wurde im Mathematkunterricht (so, wie Grammatik m.E. zumeist falsch gelehrt wird). Ich frage mich, warum das so ist - warum Logik, die im sog. „finsteren Mittelalter die Basis von Bildung überhaupt darstelle, so ins Hintertreffen geraten ist, obwohl sie faktisch in nie dagewesener Weise unser Leben bestimmt: der Computer ist die prozessuale Dualismusmaschine schlechthin. Möglicherweise sind Stochastik und Boolsche Logik die beiden Zweige der Mathematik, die dem alltäglichen Gebrauch in einer komplexen Gesellschaft näher stehen als die traditionellen Algebra und Analysis. 

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