Ich bin doch etwas überrascht, dass die Endzeit-Krise der „Groß-Kirchen“ auch eine Krise der Theologie zu werden scheint. Weniger eine inhaltliche Krise (da kränkelt die deutschsprachige Theologie ja schon seit mindestens 50 Jahren), sondern eine Krise der Akzeptanz: sie spielt keine Rolle mehr.
In meiner Arbeit - die die Theologie im Namen trägt: „theologische Begleitung“ - jedenfalls wird überhaupt nicht theologisch reflektiert, und wenn, dann sind es die nichttheologischen Mitarbeitenden, die da nachdenken. Was ich für fatal halte - die Theologie, und das scheint mir das Symptom zu sein - verpasste die erste, die maschinelle Moderne mehr oder weniger, die zweite, die digitale Moderne wird faktisch kaum gesehen: da gibt es noch die Welt der Substanzen, Wesen und Dinge, die Welt der universalen Semantik, die aus allem eine Allegorie macht. Etsi Schleiermacher, Barth und Tillich non daretur.
Und ich merke: ich bin es müde. Meine Kernkompetenz ist aus der Mode - jedenfalls im professionellen Bereich.
Merkwürdig- oder bemerkenswert?: meine explizit theologischen Predigten kommen seltsam gut an, gerade bei sog. „normalen“ Leuten. Ich bin immer wieder überrascht: Es gibt einen großen Bedarf an dezidiert intellektueller theologischer Weltdeutung zwischen dummer Esoterik und stumpfer Empirie, zwischen Kitsch und Quatsch.
Intellektuell heisst hier: komplex (was nicht nicht „kompliziert“ bedeutet, sondern: durchdacht. Das Ergebnis kann dann sehr klar und einfach sein.). Aber das heisst auch: ich lasse mir für die Vorbereitung richtig viel Zeit. Im Grunde: vierzig Jahre. Und nun scheint es damit gut zu sein: die Eremitage als Raum der Stille. Ich werde keine Artikel fürs Pfarrerblatt schreiben….
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