Ich liebe Friedhöfe. Sie sind so still. Hier müssen die Lebenden endlich mal die Klappe halten und sich aufs Blümchengießen beschränken. Was aber lächerlich ist: das, was in der Erde ist, verhöhnt das, was drüber ist. Je bombastischer, um so mehr. Friedhöfe sind Orte absoluter Wahrheit unter der Oberfläche. Sie sind auch eine Mahnung, nicht bloß des memento mori. Sondern eine Mahnung all jener Millionen zu gedenken, die nicht auf Friedhöfen liegen. So sind Friedhöfe ein Ort der Würde, zutiefst menschlich. Wer dort liegt, wurde nicht gefressen, zerissen, zerstampft, vermisst; und wenn es nur kleiner Finger war, er steht für das ganze der Person. Friedhöfe sind aber auch Orte der absoluten Lüge: als wären sie das Ende.
Ich werde, endlich, wieder neben einem Friedhof wohnen. Wie schön. Angenehme Nachbarn. Und ein wirklich schöner Friedhof: Ich blicke auf ihn, wenn ich aus meinem Arbeitszimmer schaue, und über den Friedhof hinweg in den Habichtswald und die große Ebene Richtung Fritzlar, ins Weite.
Also ist doch ein Denkfriedhof ein wundervoller Name für einen Notizzettelkasten.
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