Sonntag, 22. Februar 2026

Mystik

Jenseits des Wissen liegt nicht das Unwissen, sondern das Unbekannte. 

Das setzt sich zusammen aus dem möglichen Wissbaren (also aus noch Unbekannten) und dem unmöglich Wissbaren (also dem für immer unbekannt Bleibenden). 

Merkwürdigerweise haben wir dafür kein eigenes Wort. Als wäre es eine Art Tabu, das noch  nicht einmal benannt werden kann. 

Ist es das Mystische? Nein, ist es nicht. Denn das Mystische ist auf seine Art ja auch Wissbares. Durch Versenkung, Veränderung des Blickes, phänomeneologische Epoche, meinetwegen auch durch Sex, Rausch und kataleptische Ereignisse öffnen sich Wahrnehmungsräume von jenem, was bis vor Kurzem (galaktisch gedacht) noch etwas schwammig das Metaphysische oder - noch schwammiger - das Transzendente genannt werden durfte, bevor es peinlich wurde. 

Aber es ist immer als das Unbenennbare benennbar, es ist immer noch per Metapher erreichbar (das Seelenfünklein, der Abgrund, das Innerste, das Woher meines Gesetztseins, was auch immer). Das alles aber ist noch nicht das Unbekannte, das als Unbekanntes unbekannt bleibt. Das "jenseits" der Diffferenz, das Jacques Derrida mit der differance nicht-benannte, das Deleuze mit dem Begriff der Falte (extrem abstrakt, unanschaulich und gleichzeitig fast schon kitischig plausibel), die platonische Chora, die Stille, die nicht einfach Abwesenheit von Geräusch ist. 

Der Tod? Noch nicht einmal der, denn der Tod lebt immer noch von der Differenz, es gäbe  ihn nicht, gäbe es das Leben nicht, aber "es gibt" das, was weder Tod noch Leben ist, das als noch nicht einmal als nicht Vorstellbares nicht vorstellbar ist, nicht pure Negativität, nicht pures Nichts, sondern .... 

Die Frage ist, ob ein Gebet das erreicht, was nicht erreichbar ist. Die Geste purer Hinwendung, die die Frage nach der Erkenntnis, dem Wissen oder Nichtwissen, dem Bekannten oder Unbekannte gar nicht erst stellt. Und ob nicht diese Geste die wahrhaft philosophische, wahrhaft menschliche ist und unser Spott über das Gebet nicht nur heroischer Frevel einer wissensversessenen Moderne ist, sondern letztlich pure Ignoranz, Angst vor der Grenzenlosigkeit. Es würde gut erklären, warum die Moderne so hysterisch ist. 

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