Ich weiss, es nervt. Reminder: Die Reformation war gegenüber frommen Verrenkungen etwas zurückhaltend, um es vorsichtig zu sagen. Religion ist die größte aller fleischlichen Versuchungen, es hat Gründe, warum wir an Invokavit, Beginn der Passionszeit, die Versuchungsgeschichte im Gottesdienst hören, wo der Teufel versucht, Jesus mit der Bibel und frommen Sprüchen auszutricksen. Evangelisch-sein heisst, gegenüber religiösen Praktiken, die auf moralische Überlegenheit oder Bessermacherei hinauslaufen oder gar das Vertrauen in das Vertrauen in Frage stellen, sehr zurückhaltend zu sein. Es hat gute, sehr gute Gründe, warum es keine evangelische Fastenzeit, sondern eine Passionszeit gibt. Wenn es protestantisch etwas zu fasten gibt, dann „Religiosität“.
Martin Luther schreibt: „Es sind leider viele blinde Menschen, die ihr Kasteien, es sei Fasten, Wachen oder Arbeiten, allein darum üben, weil sie meinen, es seien gute Werke, dass sie damit viel verdienen. Darum fahren sie daher und tun deren zuweilen so viel, dass sie ihren Leib damit verderben und ihren Kopf toll machen. Noch viel blinder sind die, die das Fasten nicht allein nach der Menge oder Länge messen wie diese, sondern auch nach der Speise. Sie achtens dafür, es sei viel kostbarer, wenn sie nicht Fleisch, Eier oder Butter essen. Über diese hinaus sind diejenigen, die das Fasten nach den Heiligen richten und nach den Tagen erwählen, der am Mittwoch, der am Sonnabend, der an Sankt Barbara, der an Sankt Sebastian und so fort. Diese allesamt suchen nicht mehr in dem Fasten als das Werk an sich selbst; wenn sie das getan haben, meinen sie, es sei wohlgetan ... Darum lass ichs geschehen, dass sich ein jeglicher Tag, Speise, Menge zu fasten erwähle, wie er will, sofern, dass er es nicht dabei bleiben lasse, sondern auf sein Fleisch achthabe. Soviel wie dasselbe geil und mutwillig ist, lege er an Fasten, Wachen und Arbeit drauf und nicht mehr, es habe geboten Papst, Kirche, Bischof, Beichtiger oder wer da will. Denn der Fasten, des Wachens, der Arbeit Maß und Regel soll ja niemand an der Speise, Menge oder Tagen nehmen, sondern je nach Abgang oder Zugang der fleischlichen Lust und des Mutwillens, um derentwillen allein sie zu töten und dämpfen - das Fasten, Wachen, Arbeiten eingesetzt ist. Wo dieselbe Lust nicht wäre, so gälte Essen so viel wie Fasten, Schlafen so viel wie Wachen, Müßigsein so viel wie Arbeiten und wäre eines so gut wie das andere, ohne allen Unterschied.“ (Von den guten Werken (1520), K. Aland (Hg.) Luther Deutsch,
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