Nur ein ernsthafter, klarer, disziplinierter und vor allen nüchterner Protestantismus hat der Welt noch etwas zu bieten, was sie sich selber nicht bieten kann.
Alles andere machen alle anderen halbseidenen Scharlatane und Clowninnen aus Religion, Konsum, Medien, Pseudophilosophie und Küchenpsychologie auch und meist besser. Kirche wirkt in diesem Umfeld nicht mehr peinlich (wie einst in der Wissenschaft), sondern albern. Theologie ist dann nicht mehr nur schlechte Wissenschaft, sondern die Lore eines infantilen Fantasyprojektes ewig Pubertierender. Die dann auch die Bedürfnisse ewig Pubertierender erfüllt.
Dieser nüchterne Geist des Protestantismus heisst Kritik, Kritik heisst aber nicht Genörgel, sondern harte Arbeit des Prüfens - Askese statt „Fasten“, „Lesen“ statt Inszenieren, Dekonstruktion statt Verleugnung (nur so kommt systemischer Missbrauch überhaupt als solcher in den Blick. Schon das ein Grund zur Ernsthaftigkeit).
Askese.
Bonhoeffer versuchte das mit dem Gedanken der Arkandisziplin zu fassen. Barth und die frühe dialektische Theologie mit dem Ruf der Vertikale und dem Aufruf, die historisch-kritischen müssten kritischer sein.
Der Ruf ist bis heute verhallt. Die ernsthafteste Auseinandersetzung mit dem Glauben findet ausserhalb der Theologie statt - bei den eher linken Theoretikern wie Vattimo, Žižek, Agamben, Serres, Derrida und auf seine Art Habermas. Sie alle sehen die Lücke, die eine sich selbst verkaspernde banalisierte Religion hinterlässt. Und es ist nicht komisch.
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