Es erfüllt mich mit tiefer Traurigkeit, dass meine dunkelsten Visionen über den Gang der Dinge, die in meinem Umfeld gerne als eine Art Stammtischapokalyptik angesehen wurden, von der Realität noch übertroffen werden.
Und ich bin in grosser Sorge, was meine weiteren Einschätzungen betrifft.
Ich habe, nicht weil ich so schlau bin, sonderm weil ich mich hobbybedingt seit Jahrzehnten intensiv mit Militärgeschichte befasse, bemerkt, dass immer die Falken Recht behalten haben (vor allem Martin v. Creveld, horribile dictu). Es war der NATO-Doppelbeschluss, der mich da geprägt hat.
Und ich bin sehr erleichtert, dass im linksgrünen Bereich das Verständnis dafür wächst. Krieg ist immer noch ein Mittel der Politik und deswegen auch Bestandteil von Politik - in autoritären Staaten nämlich.
Ich habe das Baltikum als Kriegsschauplatz für den Beginn eines grossen europäischen Krieges schon lange im Blick (ich habe vor vierzig Jahren in einem baltischen Studentenwohnheim gewohnt und sehr viel über Lettland, Litauen und Estland gelernt).
Die Bundeswehr verlegt nicht ohne Grund eine Brigade nach Litauen. Aber eine Brigade: das ist nichts.
So schwach, wie Europa militärisch jetzt ist - wäre ich Putin: lieber heute als morgen, sobald in der Ukraine Ruhe ist. . Es scheint so zu sein, dass in Europa immer dann grosse Kriege ausbrechen, wenn mindestens ein Schlafwandler dabei ist. Und da sind Demokratien sehr anfällig. Ich bin sehr erfreut, mit Kaja Kallas eine estnische Politikerin in der europäischen Aussenpolitik und als Vizepräsidentin zu haben.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen