Sonntag, 19. Mai 2013

Pfingstpredigt: Lieber Sterben als Kooperieren.

Pfingstpredigt aufgeschrieben - ein Widerspruch in sich.

Daher hier nichts, außer dem Predigttext und ein paar Notizen.

Wem zum Predigttext nicht SOFORT etwas einfällt ist ein glücklicher Mensch. Ich hatte eher Mühe, mich auf drei Gedanken zu  konzentrieren. [Merkwürdigerweise hat das einzige Predigthilfebuch, das ich benutze, (von Gottfried Voigt, für die Insider), diesen Text als für die Predigt unergiebig gegen einen andern ausgetauscht. Das lässt tief blicken und verrät uns einiges über den Geist der siebziger Jahre in der Kirche. Mein lieber Scholli: die waren weit weg von der Lösung. Deswegen kann es ja heute auch keiner so richtig. Kooperation machen, meine ich. Im Beschwören sind wir allerdings ziemlich gut.]    

4.Mose 11,11-12.14-17.24-25, Gute Nachricht.


Und Mose sprach zum Herrn:
»Warum tust du mir, deinem Diener, dies alles an? Womit habe ich es verdient, dass du mir eine so undankbare Aufgabe übertragen hast? Dieses Volk liegt auf mir wie eine drückende Last. 14Ich allein kann dieses ganze Volk nicht tragen, die Last ist mir zu schwer.
Wenn du sie mir nicht erleichtern willst, dann hab wenigstens Erbarmen mit mir und töte mich, damit ich nicht länger diese Qual ausstehen muss.«

Der HERR antwortete Mose:

»Versammle siebzig angesehene Männer aus dem Kreis der Ältesten Israels, die sich als Führungspersonen bewährt haben, und hole sie zum Heiligen Zelt. Dort sollen sie sich neben dir aufstellen.
17Ich werde herabkommen und mit dir sprechen, und dann werde ich von dem Geist, den ich dir gegeben habe, einen Teil nehmen und ihnen geben. Dann können sie die Verantwortung für das Volk mit dir teilen und du brauchst die Last nicht allein zu tragen.

24Mose ging hinaus und teilte dem Volk mit, was der HERR gesagt hatte. Er versammelte siebzig Männer aus dem Kreis der Ältesten Israels und stellte sie rings um das Heilige Zelt auf.
25Da kam der HERR in der Wolke herab und redete mit Mose. Er nahm einen Teil des Geistes, den er Mose gegeben hatte, und gab ihn den siebzig Ältesten. Als der Geist Gottes über sie kam, gerieten sie vorübergehend in ekstatische Begeisterung wie Propheten.



Selbst die Kinder waren im Festzelt ganz Ohr, als Mose sterben wollte vor Müdigkeit und Verzweiflung. Und die Aussage, dass Kooperation die Lösung ist und Wertschätzung (sprich: Liebe, sprich: Geist) der Weg, erzeugte auch heftiges Kopfnicken. Denn diese Form der Liebe kann man und muss man üben und lernen und weitergeben, und dazu sind wir als Kirche berufen. Deswegen gibt es kein Wohnzimmerchristentum (heftiges Kopfnicken und Murmeln!). Wer Kooperation auf Sympathie baut, hat nämlich schon verloren. Es geht nur über Wertschätzung, und die kann ich sogar meinem Feind gegenüber aufbringen.
Die Bemerkung, dass Ehen, die auf Liebe gegründet sind, weniger stabil sind als die, die auf Kooperation gebaut sind, erzeugte sogar einen Lacher. Da kannste ma sehn.
Und dass Gott den Geist des Mose teilt, also maximale Partizipation und Horizontalität erzeugt, ist auch einfach nur vernünftig, und weil es vernünftig ist und einfach, so elend schwer und damit ohne Gott nicht gangbar: wir kriegen den Hintern nicht hoch, weil wir Kooperation als Schwäche und Abgeben verstehen. Die 70 sind alle zusammen das Ganze des Geistes. So ein genialer Text:  Lieber Sterben als Zusammenarbeiten. Damit wir das begreifen, musste Jesus sterben. Es geht hier nicht um Kleinigkeiten. Pfingsten ist existentiell.

War also im Grunde eine langweilige Predigt: nichts als gesundeter* Menschenverstand. Am Ende gabs Herz-Bonbons, dazu mein geliebter Zinzendorf  "Herz und Herz vereint zusammen....." 


 Sehr schön passend  das Glaubensbekenntnis von Bonhoeffer: ein starker Text jenseit dem Aufsagen heilsgeschichtlich-mythischer Topoi.





Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein..






* Das Partizip hat es natürlich in sich. Hier steckt die Botschaft. Nur zur Sicherheit, falls jemand den Eindruck bekommt, ich hätte nun meinerseits Besenkammermassenpsychologie betrieben (siehe vorheriger Thread).


Achja, fast hätte ich´s vergessen: Gottesdienst macht glücklich.

5 Kommentare:

  1. Das hätte ich gern -gehört- ....

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  2. oder eben auch gelesen...

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  3. Ich werde mir ein Aufnahmegerät besorgen, so eines von diesen smarten High-End-Teilen, die gleich die fertigen files liefern zum Hochladen. Dann mache ich mein eigenes Internet-Kirchenradio.

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  4. Das wäre toll, aber die alten Aufnahmen waren auch schon gut! Is ja kein Konzert...
    LG

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  5. Man hat Ansprüche---und jetzt ahbe ich ja bald auch wieder Zeit und vor allem Energie, mich um Derartiges zu kümmern. Und nicht nur dafür zu sorgen, dass andere sich darum kümmern.

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