ein licht"strahl" wird gespalten, rast auf zwei bahnen durch die leitung, erzeugt zwei punkte auf einer leinwand, nachdem er wieder zusammengeführt wurde. berührt man eine der leitungen, verändern sich die punkte in ihrer intensität, die summe bleibt gleich. ein wellenphänomen.
ein lichtstrahl wird gespalten, jeder bekommt die entgegengesetzte polarisation, sie rasen durch zwei lichtleiter in zwei getrennte räume. ein detektor stellt fest: es können zum selben zeitpunkt zwei identisch-komplementäre ereignisse gemessen werden, als wäre ein teilchen gleichzeitig an zwei stellen. licht ist ein teilchenphänomen.
Einstein nannte das die spooky photons. es ist das phänomen der verschränkten teilchen, das mich schon seit meiner schulzeit nicht loslässt, das ist der kern der quantenphysik, die uns mitten hineinführt in die fragen nach raum und zeit.
Ich hatte ein langes, sehr aufregendes und bewegendes gespräch über zufall und determinismus, über beobachtung und beobachtete beobachtung mit einem der physiker im raum, mit einem anderen redeten wir lange über die frage, was die quantenphysik eigentlich beschreibt.
ich war so dankbar, gründlich theologie studiert zu haben, wie schon lange nicht mehr. meine lektüre von basilius, augustinus, thomas v. aquin, kant, wittgenstein, schleiermacher, barth....machte sich in diesem moment bezahlt. lauter alte bekannte traten auf, das nunc stans, die creatio ex nihilo...
...vor allem aber beschäftigt mich ein für mich ganz neuer gedanke, auf den mich die anschaulichkeit dieser experimente brachte (außer dass ich zum hunderttausendsten mal fluchte, so eine mathekrücke zu sein, als der eine physiker von der schönheit und der der formeln schwärmte, mit denen man das alles beschreibt: für diese schönheit bin ich blind! es ist zum heulen).
also: Gott würfelt doch (gegen Einsteins diktum) und die kopenhager interpretation hat große plausibilität (niels bohr taucht an mehreren stellen der dokumenta auf, z.b. im ottoneum).
er würfelt freilich so, dass zwei würfel, die einmal kontakt hatten, fortan immer diesselben ergebnisse zeigen. das ergebnis des wurfes ist niemals vorherzusagen (weil die würfe selber nicht kausal miteinander verbunden sind, es sind statistische ereignisse), aber dass beide würfel dasselbe ergebnis zeigen, schon, und zwar egal, wie weit sie voneinaner entfernt sind. dieses phänomen war mathematisch vorherssagbar, bevor man ideen hatte, wie man es messen kann. die schlichte apparatur im fridericianum führt eine der entdeckungen der physik vor, bei der das rätsel in das geheimnis umschlägt. der physikus schaute mich ganz irritiert an, als ich ihn frug, warum dass so sei mit den verschränkten photonen. das sei die falsche fragestellung. die gleichungen gingen auf, das reiche, um weiterzufragen. die theologie könnte sehr gewinnen von diesem geist der empirie (schleiermacher!), der mit platten meinungserhebungen und der sog. empirischen theologie natürlich nichts zu tun hat (das ist religionskunde).
es ist ein frage der messung, was man sieht, entweder "wellen" oder "teilchen", das eine ist messbar, das andere bleibt unscharf. im mikrokosmos waltet der zufall, sind raum und zeit bloße, von außen herangetragene parameter.
die quantenphyisk schaut in das herz des universums, und hier sieht man es schlagen - theologisch erinnerte mich vieles in unseren gesprächen an jene auffassung der Schöpfung, die man occasionalismus nennt und die vor allem im reformierten bereich stark verbreitet ist: gott schafft jeden moment neu.
es gibt zwischen ereignissen folglich keine kausalen beziehungen (David Hume! reformierter geist?), sie werden durch einen unausforschlichen und umessbaren willen zusammengehalten, der sich letztlich sprachlich äußern muss. hier berühren sich "geist" und "materie", bzw. hier wird deutlich, dass diese unterscheidung bloß noetisch ist (wie alle dualismen einfach nur dumm sind, weil sie auf grammatik hereinfallen).
für uns sind es quanten, ereigniskluster, die aus einer "zeit" und einem "raum" hervorgehen, die unanschaulich und entzogen sind, und beim denken genau dann an unverständlichkeit zunehmen, wenn sie an schärfe gewinnen: im kern der dinge waltet die trinität.
wir haben in der theologie eine unglaublich starke "kontakttheorie" zur modernden physik, wir haben ein feines, komplexes "gottesbild", das die bildhaftigkeit gerade verweigert, und wir haben ein fantastisches sprachliches inventar zur beschreibung von gleichzeitigkeit und instantanität, wir haben eine in diskursivität übersetzte mythologie (während die physik aufpassen muss, dass ihre diskurse nicht in mythologie verwandelt werden. hört mal zu, wenn kinder über "schöpfung" reden.) warum wird sie nicht genutzt und stattdessen eine peinlich banale natürliche theologie betrieben, die die physik vereinnahmt und mit die jedem forschungsfortschritt neu angepasst werden muss?
die physik löst die rätsel, wir wahren das geheimnis. dass sich die denkfiguren und sprachfiguren immer weiter annähern ist kein wahrheitsbeweis, sondern hinweis darauf, dass hier derselbe, menschliche geist am wirken ist (finitum non capax infinitum) und wir über die transzendentale Einheit der apperzeption in diesem leben nicht hinauskommen werden (weil das infinitum eine bloße idee der vernunft ist). solange wir keine göttlichen messgeräte haben (deren skalen wir nicht ablesen könnten), wird jede verfeinerung der messung die paradoxalität der ergebnisse erhöhen und so zwar die theorie bestätigen, unser verstehen aber immer weiter in die unanschaulichkeit treiben. wir theologInnen wissen dass, seit die trinitätslehre entwickelt und entdeckt wurde. sie ist unser größter theologischer schatz, ein wahrheitskcontainer und eine denkmaschine zur paradoxienbewältigung. da geht es um mehr also um grammatik (hier liegt barth einsicht gegenüber schleiermacher: die trintitätslehre beschreibt die möglichkeitsbedinungen theologischer erkenntnis, nicht bloß ihre ausdrucksformen).
mit einem wort: mit dieser installation, die alle grenzen von kunst, wissenschaft, spekulation, wissen und erkenntenis, natur und geist, technik und kunst, aufhebt, zeigt uns carolyn christov bargaciev das universum: the brain, the heart. die betenden motoren sind metapher dafür, und die möbiusschleifen im ottoneum neben dem raum mit den erdbarren: es ist wie ein rausch der erkenntnis und der sinne. im ottoneum freilich gibts auch plattes zu sehen, auch wenn mein modellbauerherz juchzt. aber es ist eben politischer modellbau (wovon ich rede: hinsehen, angucken, jeder wird sofort verstehen, was ich meine) und zu wirklicher kunst wird es modellbau nie schaffen, er ist zu ikonisch, kann nicht wirklich abstrahieren.
der teilchendetektor. auf dem boden der erlebten stabilität waltet der zufall.realtität ist ein ereigniscluster. eine opake gardine aus kasuellen fäden. ein teppich (!!!! wie viele teppiche es auf dieser documenta gibt. teppiche heißt das hauptwerk des clemens von alexandria. ich kam aus diesem raum nicht raus und bin dreimal zurück).
station b "bob": hier kommt ein teilchen an
der sender: hier werden die teilchen geteitl und in 90 grad versetzte polarisation gebracht.
station a (alice). hier kommt da anderes teilchen an. beide schirme zeigen diesselben werte. so eine gänsehaut hatte ich schon lange nicht mehr. zuletzt (jedenfalls fiel mir das sofort ein) im parsifal: zum raum wird hier die zeit. Kunst ist eben doch wissenschaft, wenn sie nicht blödes mainstream-kunsthandwerk ist, und wissenschaft ist, wegen ihrer leidenschaft und verliebtheit ins material und wegen ihrer askese, immer auch kunst. jedenfalls in ihren exceptionellen exemplaren. sie schafft kunstvoll wissen. wieviel list nötig ist, der "natur" ihre geheimnisse abzulauschen. das ist diesselbe energie, die dali für seine fließenden uhren aufbringen musste. gemalte physik.
die bronzenen möbiusschleifen im ottoneum. ich habe die möbiusschleife (aus papier) im unterricht immer benutzt, um über raum, zeit, ewigkeit und dreieinigkeit mit den kindern zu reden, es war immer gut, die möbiusschleife mit ihrer endlichen unendlichkeit macht das unanschauliche sinnlich erfahrbar und zeigt, wie nah das erhabene und das komische liegen: beim zerschneiden gab es immer mordsverblüffungsgelächter. mit der bronze würde das übrigens nicht funktionieren. sie demonstriert die schönheit der schleife, aber nicht ihre verborgene dynamik. es sei denn, man arbeitet mit der flex und einem spreizer.
klar kann man die möbisuschleife auch verformen. aber nicht topologisch umgestalten. sie ist kein körper, sie ist reine oberfläche !!!! das ist so,...so...so...schön irgendwie. wers nicht glaubt: wikipedia.
modellbautechnisch eine beeindruckende leistung. aber dann doch mehr politische demonstration als kunst, trotz mancher verfremdungseffekte. aber im kontext des ottoneums funktioniert das ganz gut. von wegen die austellung habe kein konzept. honi soit qui mal y pense.
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