Dienstag, 31. Oktober 2023

Assistenz

 Heute feiert sich die Theologie wieder selbst. Aber ohne den ausgewiesenen Organisations/Verwaltungsfachmann und Power-Assistenten Geirg Spalatin wäre das ein mit Scheiterhaufen beendetes Theologen- und Mönchsgezänk geblieben. Ich schätze ihn sehr, er steht für mich für den blinden Fleck der evangelischen Kirche: ihre rein organisationale Gestalt, die gerne spirituell aufgeplustert wird mit allerlei religiösem Plunder und Titelschummelei.

Reformation einfach erklärt

 Die Reformation war keine Volksbewegung und auch nicht die heroische Tat eines Einzelnen. Ein hochbegabter akademisch-theologischer Aussteiger bürgerlicher Herkunft wurde Quereinsteiger an einer aus dem Boden gestampften Prestige-Eliteuniversität, die sich einen avantgardistischen  braintrust von krasser Modernität zusammengekauft hat und trieb die seit 100 Jahren anstehenden Reformprozesse voran, indem er auf Grund einer grammatisch-philologischen Entdeckung eine Neuinterpretation biblischer Kernstellen vorlegte und zugleich unter Nutzung einer mit der Universität verbundenen Medienagentur  an politische Strömungen der Dezentralisierung von Macht anküpfte, die auch im Interesse nicht weniger Kirchenfunktionäre der mittleren Ebene und des Mönchstums lag. Der Prozess geriet ausser Kontrolle. 

Montag, 30. Oktober 2023

Aufruf!

 Theologen und Theologinnen!!Macht Euren Erben eine Freude! Kauft Boomer-gehen-in-den-Ruhestand-Bibliotheken auf! Edelmakulatur mit 60er-Jahren Problemen zu 90er Jahren Preisen!

Plato

 In einer medialen Massengesellschaft, in der das Gerücht und das Geschwätz in allen ihreb Gestalten zur bestimmenden Macht geworden sind, muss das Konzept der repräsentativen Demokratie überdacht werden: weil die Kräfte überrepräsentiert sein werden, die sie nicht wollen, ohne zu begreifen, dass sie sich damit selbst schaden. Ich fange an, Platos krasses Konzept zu begreifen. Was daraus folgt: ich habe keine Idee, ich bin ja auch kein politischer Mensch. Aber die repräsentative Demokratie der Bonner Republik ist inzwischen ein im schlechten Sinne „konservatives“(privilegiert denkfaules) Projekt. Das Geschwätz ist die Bedrohung des 21. Jahrhunderts. 

Abwrackung

 „Unternehmerisches Denken“ ist per se eine Kultur des kurz- bis mittelfristigen Eigennutzes. Es kann keine Grundlage politischen Handelns sein. Das sollte die Lehre aus der Rückständigkeit Deutschlands sein, die anfängt, massive soziale Verwerfungen zu erzeugen. 

Sonntag, 29. Oktober 2023

Speaker

 In den USA ist ein radikaler religiöser Fundamentalist, der sich selbst ganz unmetaphorisch als Gotteskrieger sieht, der drittmächtigste Mann im Staat geworden. 

Radikaler religiös-politischer Fundamentalismus kann nur gedeihen, wo eine gut grundierte, praktische und gelebte alltägliche Frömmigkeit verschwunden ist: er ist ein durch und  durch säkulares Phänomen. Eine Nation ohne „Kirche“, die aus rein statistischen Gründen schon eine Theologie mittlerer Temperatur vertreten muss, ist sehr gefährdet - aber eine tantenhafte Kirche, die nicht auch den Mut hat, Fundamentalismus das zu nennen, was er ist - gottlose Ideologie und Missbrauch des Gottesnamens -, weil sie Angst hat, „Konservative“ zu verlieren, ist da auch wenig hilfreich. Es gibt faktsch kaum noch „Konservative“.

Aber wenn das Thema „Religion“ auf dem religionskritischen Niveau des 19. Jahrhunderts und auf der Inhaltesebene von Was ist Was Büchern wahrgenommen wird (wie es in vielen Redaktionsstuben und Lehrerzimmern offensichtlich geschieht) braucht man sich nicht zu wundern. Frau Brockschmidt hat völlig Recht und ich empfehle ihr Buch wärmstens. Der religiös-faschistoide Backlash ist eine massive und höchst reale Bedrohung für „säkulare“ Gesellschaften. Und was den Konservativismus betrifft: er radikalisiert sich. Weil es die Welt nicht mehr gibt, auf die er einmal eine politische Antwort war. Wenn radikaler Konservativismus „religiös“ wird, entsteht eine sbsolut gefährliche politische Bewegung, die per Definitionem antidemokratisch-autoritär  ist. 

Samstag, 28. Oktober 2023

„Erbsünde“

 Die drei „monotheistischen“ Religionen, die sich auf Abraham berufen, erinnern  durch ihre blosse Existenz daran, dass wir Gott verfehlen.