Sonntag, 29. Oktober 2023

Speaker

 In den USA ist ein radikaler religiöser Fundamentalist, der sich selbst ganz unmetaphorisch als Gotteskrieger sieht, der drittmächtigste Mann im Staat geworden. 

Radikaler religiös-politischer Fundamentalismus kann nur gedeihen, wo eine gut grundierte, praktische und gelebte alltägliche Frömmigkeit verschwunden ist: er ist ein durch und  durch säkulares Phänomen. Eine Nation ohne „Kirche“, die aus rein statistischen Gründen schon eine Theologie mittlerer Temperatur vertreten muss, ist sehr gefährdet - aber eine tantenhafte Kirche, die nicht auch den Mut hat, Fundamentalismus das zu nennen, was er ist - gottlose Ideologie und Missbrauch des Gottesnamens -, weil sie Angst hat, „Konservative“ zu verlieren, ist da auch wenig hilfreich. Es gibt faktsch kaum noch „Konservative“.

Aber wenn das Thema „Religion“ auf dem religionskritischen Niveau des 19. Jahrhunderts und auf der Inhaltesebene von Was ist Was Büchern wahrgenommen wird (wie es in vielen Redaktionsstuben und Lehrerzimmern offensichtlich geschieht) braucht man sich nicht zu wundern. Frau Brockschmidt hat völlig Recht und ich empfehle ihr Buch wärmstens. Der religiös-faschistoide Backlash ist eine massive und höchst reale Bedrohung für „säkulare“ Gesellschaften. Und was den Konservativismus betrifft: er radikalisiert sich. Weil es die Welt nicht mehr gibt, auf die er einmal eine politische Antwort war. Wenn radikaler Konservativismus „religiös“ wird, entsteht eine sbsolut gefährliche politische Bewegung, die per Definitionem antidemokratisch-autoritär  ist. 

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