Freitag, 18. Juli 2014

Reden von Gott




Von Gott kann nur Gott reden. Er ist der ursprünglich Redende: Es werde Licht.

Jedes Reden von Gott ist also nur ein nachsprechendes Reden dessen, was Gott schon geredet hat. Die Stimme Gottes ist Jesus Christus, in dem alle Stimmen vorher und nachher vereinigt sind. Das ist jetzt keine schwurbelige Mystik, sondern einfach nur die Konsequenz aus der Tatsache, dass alles Reden Gottes als Schrift, als Geschriebenes vorliegt, das vorher ein Gehörtes war.

Die Rolle des Menschen im Reden von Gott ist also die eines Hörenden. Der Mensch lauscht: Höre, Israel! und so, nur so, kommt der Mensch ins Reden von Gott. Wer Latein kann, wird es verstehen, wenn ich sage: a Deo, nicht de do. Von Gott her reden wir, nicht "von Gott", als sprächen wir über ihn. Gott kann kein Gegenstand der Sprache sein, selbst wenn er als "Objekt" (Gegenstand) im Satz auftaucht, ist er doch in der Realität das Subjekt, der, der ursprünglich gesprochen hat.

Darum ist Rede "von Gott" Zeugenrede. Es ist ein Reden, dass aus einer Erfahrung kommt. Freilich nicht aus einer ursprünglichen Erfahrung des Redenden, denn dann müsste der Redende eine Offenbarung gehabt haben - die können wir aber nicht gehabt haben, denn niemand hat Gott bisher gesehen. Wir hören nur von denen, die von ihm gehört haben. Unser Reden steht auf dem Zeugnis der Apostel und Propheten. Der Geist beglaubigt dieses Reden, insofern er uns verstehen lässt, was da gesagt wird. Wenn ich von dem, was ich höre, so bewegt werde, dass es mein Leben ändert, indem es meine Wahrnehmung ändert und mir die üble Welt als gute Schöpfung Gottes eröffnet, erfahre ich ein Zeugnis des Geistes. Die Quelle dafür aber ist die Schrift: sie ist die uns gegebene Rede von Gott. Alle Rede von Gott ist Auslegung der Schrift, die wiederum Auslegung der Erfahrung einer Begegnung mit Jesus Christus ist (jedenfalls für uns Christen - das macht uns zu Christen).

Reden wir also "von Gott", dann reden wir von dem, was wir gehört haben und was uns berührt hat. Insofern ist Reden von Gott dann gelungen, wenn wir die Berührung, mit der wir berührt worden sind, so weitergeben, dass sie wiederum zu einer Berührung führt. Das Reden von Gott ist also etwas ganz und gar körperliches, konkretes, es ist eine Geste der Anrede und der Zurede. Dass der/die Andere hört, habe ich nicht in der Gewalt. Überhaupt geht er hier nicht mit Gewalt, wohl aber mit Überwältigung: Überwältigung durch die Erfahrung einer Rede, die mehr ist, als bloß Gesprochenes.

Darum ist die Geste der Rede von Gott immer die Liebe. Darum ist nicht jeder Satz, in dem Gott vorkommt, schon eine Rede von Gott. Andererseits kann jeder Satz, in dem Gott nicht vorkommt, Rede von Gott sein.



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Von Gott reden heißt also vom Menschen reden (Bultmann). Der einzige Mensch aber, von dem ich authentisch (wenn auch nicht automatisch wahrhaftig!) reden kann, bin ich. Jede Rede von Gott, die nicht Theologie (also abstrakte Reflexion über die Bedingung des Redenkönnens) ist, ist eingeklammert von einem: Ich rede. Und darum ist jede Rede von Gott, die nicht abstrakte Rede von Gott ist (also Theologie) ein Zitat dessen, der als einziger sowohl authentisch als auch wahrhaftig "Ich" sagen kann: "Ich bin der gute Hirte". Von einem "Ich" aber kann man gar nicht abstrakt reden, von einem Ich muss man erzählen, denn ein "Ich" steht in der Zeit. Darum ist das Erzählen die einzige Form, von Gott zu reden.
Es ist die Geschichte Jesu Christi, in der sich für den Glauben die Geschichte der Welt so verdichtet, dass alles von ihr Sagbare gesagt ist: Sie die von Gott geliebte, gefallene Schöpfung, die berufen ist, der Ort der Vewandlung zu werden. Reden von Gott heißt immer: von mehr zu reden, als wir wissen können, weil es Rede von Zukunft ist, von herrlicher Zukunft. Ohne diesen Horizont ist eine Rede von Gott bloß abstraktes Denken von etwas, das wir Gott nennen, eine Denkgrenze. Die sollte man nicht mit Gott verwechseln. Das ist bloßes Geschwätz.

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Genau das spiegelt sich in der Lehre der Trinität, die jedes abstrakte Reden von Gott im Keim erstickt, weil es die Aporie deutlich macht, die entsteht, wenn Endliches vom Unendlichen spricht. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist ist ein ewiger Prozess der Liebe, die sich entäußert, Gott selber ist in sich Geschichte, und die Schrift ist die Entfaltung dieser Geschichte in der Geschichte. Von Gott reden heißt also: erzählen. Denn Erzählen ist der Redemodus der Erfahrung. Darum sind die Gleichnisse und die Wunder die authentischen Redenformen von Gott: in ihnen sprechen wir sowohl de Deo als auch a Deo: er selbst hat sie geredet. Und in der Geschichte vom Kreuz und von der Auferstehung fallen Gleichnis und Wunder zusammen: Es ist die Urgeschichte unseres christlichen Redens von Gott, die Geschichte, in die in allen Geschichten enthalten ist. Der Tod Gottes, der in er Auferstehung nicht rückgängig gemacht wurde, sondern ein Teil der Geschichte Gottes wurde, beginnt schon mit der ersten Rede: Es werde Licht. Jede Rede "von Gott" ist also, wenn sie gelingt, eine erleuchtende Rede. Das ist das Kriterium ihrer Wahrheit: der andere stimmt mit ein. Die Quelle dieser Rede ist die Schrift, die von der Tradition ausgelegt und je neu, aber niemals "neu", gesagt wird.

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Der Beweis der Wahrheit der Rede von Gott ist also, wenn das Erzählen "von Gott" im Gebet mündet: In Lob, Klage, Dank und Bitte. Sie sind die genuinen Redeformen des Glaubens. Nur, wo gebetet wird, ist die Rede an ihr Ziel gekommen: überzeugend, nicht überredend, überwältigend, aber nicht gewalttätig, bereichernd, ohne den Anderen zu enteignen. Rede von Gott führt in die Gemeinschaft derer, die rufen: Abba, lieber Vater.


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Hören, Reden, Beten.

Samstag, 19. April 2014

Ladekabeltheologie

Eine aktuelle Debatte auf Twitter, die aus einem Scherz geboren wurde, entwickelt sich sehr interessant.

Unter dem Hashtag #ladekabeltheologie wurden allerhand verballhornte Bibelverse gepostet. Das rief den Protest einiger hervor, die das pietätlos fanden, den Beifall anderer, die das für einen mehr oder weniger feinen Humor halten. Wie auch immer: Mich machte das, auch angesichts meiner aktuellen Lektüre (Norbert Bolz, Das Gestell) darauf aufmerksam, dass es eine Theologie der Technik eigentlich nicht gibt, jedenfalls nicht so, dass sie mir bekannt wäre.

In der evangelischen Theologie herrscht eine gewisse Technikleere, die sich aus einer latenten Technikfeindlichkeit oder doch zumindest Skepsis gegenüber der Technik speist. Die Technik wird gesehen als ein Bemächtigungsakt gegenüber der Schöpfung und daher zumeist von ihren negativen Folgen her betrachtet. Das macht sich bemerkbar etwa in den Debatten um Sterbehilfe (die ja erst durch den enormen technischen Fortschritt der Medizin zum Problem wird) oder bei allen Fragen im Bereich Umwelt.
Doch das erscheint mir problematisch.
Die Technik muss als eine Weiterschreibung der Evolution gesehen werden, und zwar nicht einfach im Sinne eines naiven Fortschrittsdenkens, sondern im globalen Bereich der Ausdifferenzierung der Gattung Mensch. Wir entwickeln sozusagen erweiterte Organe.
In der philosophischen Techniktheorie (die auch erst in den Kinderschuhen steckt und ganz ähnliche Probleme wie die Theologie hat) wird die Technik sozusagen als Weiterentwicklung der Hand betrachtet, auch gibt es Theorien, die sie als Weiterentwicklung zerebraler Fähigkeiten betrachtet. Das ist alles noch in den Kinderschuhen (erstaunlich eigentlich!).
Theologisch muss das differenzierter betrachtet werden. Denn wir leben nicht in der intakten, sondern in der gefallenen Schöpfung, in der Natur, Geist und Kosmos auseinanderfallen. Sünde meint hier die verlorene Ganzheitlichkeit. Alle Kultur ist der Versuch, diese verlorene Ganzheitlichkeit (dazu gehört wohl auch, versteht man die Schöpfungsgeschichte richtig, die Unsterblichkeit) wiederherzustellen. Das berichtet die Genesis in der Urgeschichte sehr eindrücklich.
Das Werkzeug versetzt den Menschen in die Lage, trotz der verlorenen ursprünglichen Fertigkeiten in der gefallenen Schöpfung zu existieren. Immer schon war das mit Hybris verbunden (Turmbau zu Babel), aber nicht nur. Die Erfindung der Stadt (Henoch) und die Herstellung von Metallen, die Entwicklung der Musik und vieles andere wird in diesem Kontext positiv gewürdigt. Denn es gehört zur Würde des gefallenen Menschen, dass er seine Kräfte einsetzt, aus seiner Situation außerhalb des Paradieses das Beste zu machen. Viele Psalmen und das Buch Hiob oder überhaupt die weisheitliche Literatur können sich über die Fähigkeiten des Menschen kaum einkriegen. Das ist die Spur zu einer positiven Würdigung der Technik. Die Medizin kann heute Dinge tun, die schlicht an Wunder grenzen. Maschinen haben den Menschen nicht nur von quälender Arbeit befreit, sondern sogar Möglichkeiten des Handelns und Gestaltens entwickelt, die weit über die natürlichen Fähigkeiten des Menschen hinausgehen. Viele Techniken des Alltags sind inzwischen sogar zu einer zweiten Natur geworden, ich denke vor allem an die Telekommunikationstechnik, ohne die eine befriedete globale Gesellschaft überhaupt nicht denkbar wäre.
Dabei gelingt es der Technik natürlich nicht, den Schaden des Menschen, seinen Charakter als Mängelwesen (Arnold Gehlen) aufzuheben. Mit jeder Technik steigt die Verantwortung. Technik ruft nach Ethik. Hier liegt das Versäumnis. Die Technik hat insofern eine dämonische Seite, als dass sie sich gegenüber dem menschlichen Willen verselbstständigt und aus sich heraus neue Technik entwickelt. Das ist keineswegs so ein planvoller Vorgang, wie immer gerne gedacht wird. Die Technik überholt den Menschen.
Aus dem Erbauer der Maschine kann leicht der Bediener und am Ende der Diener werden. Unsere Abhängigheit vom "Ladekabel" (als Metapher) macht uns das schmerzhaft deutlich. Die Technik kann eine Art des schlechthinnigen Abhängigkeitsgefühles (Schleiermacher) erzeugen, die dem religiösen Grundgefühl sehr ähnlich sieht. Die Technik tritt an die Stelle der Metaphysik, weil sie als die im Hintergrund waltende Kraft von allem für alles erscheint. Ähnlich wie die Offenbarung muss man die Technik nicht verstehen, um sei bedienen zu können, ja es ist gar nicht möglich, sie zu verstehen, wenn man kein Spezialist oder ein Nerd ist.
Der Ingenieur erscheint als eine Art Hohepriester, der über ein Geheimwissen verfügt, das unser Leben bestimmt. Technik ist nicht demokratisierbar. Wer weiß, wie die Maschine funktioniert, ist dem weit voraus, der sie nur bedienen kann. Jeder Computeruser weiß das.
Diese Abgründigkeit der Technik ist wohl der Grund, warum sie in der Theologie so beargwöhnt wird. Sie sieht dem Glauben mit seinem unbedingten Vertrauen in eine höhere Macht zum Verwechseln ähnlich und kann sich als ihr funktionales Äquivalent aufbauen und Erlösungsmächtigkeit simulieren. Das teilt sie aber auch mit der Kunst und der Wissenschaft!
Alle drei, Wissenschaft, Kunst und Technik sind darin ähnlich, dass sie nicht denken, sondern aus Wissen heraus gestalten. Das klingt abwertender, als es gemeint ist. Der Ingenieur denkt nicht, er probiert aus und berechnet. Er schreitet von Prozess zu Prozess voran, eine Verknüpfung aber der Ergebnisse, ein Bedenken von Gründen für sein Handeln (im Sinne von Motiven) findet nicht statt. Das ist ein altes Problem. Die Aufgabe also wäre, die Technik zu bedenken.
Gott macht Adam und Eva Schurze und lehrt sie die Landwirtschaft. Der Impuls zur Entwicklung der Technik ist ein Akt göttlicher Gnade (es ist die Sistierung des eigentlich auf den Genuß der verbotenen Furcht verhängten sofortigen Todesstrafe). Insofern eignet der Technik ein gnadenhafter Impuls und eine Element von Rechtfertigung. Das "Ladekabel" mag eine Prothese sein, wie der Schurz für Adam und Eva, es ermöglicht aber auch die Verbindung zur Ernergiequelle und damit zu allem, was die Technik an Möglichkeiten eröffnet. Es ist die Verbindung von Maschine und Energiequelle (wie etwa eine Tankstelle), ein Transitus (darin etwa auch dem Mensch-Maschine Übergang eines Bahnhofes ähnlich, der nicht ohne Gründe Anfangs Anleihen an der gotischen Kirchenarchitektur nahm).

Wenn wir die Natur loben, denken wir, dass wir die Schöpfung loben. Das ist aber erst einmal so nicht ganz richtig. Wir loben in der Natur so etwas wie ein Echo der ursprünglichen Schöpfung, sie ist letztlich eine Metapher für das, was Gott eigentlich meinte.
So ähnlich kann man auch die Technik betrachten. Sie ist ein Echo auf die Fähigkeiten zur Gestaltung und Waltung der Natur im Schöpfungsauftrag. Damit eignet ihr aber eine unbedingte Positivität. Sie kann auch als Ausdruck von Gottes Willen verstanden werden, dem Sünder und der Sünderin, dem gefallenen Geschöpf, ein Leben unter den Bedingungen des Todes zu ermöglichen, indem sie die Mächte des Todes (Kranhkeit, Hunger, Not, Einsamkeit etc) zu mildern und zu lindern hilft. Das wäre für mich ein Ansatz, eine positive Theologie der Technikt unter dem - zugegeben jetzt evangelisch-positionellen - Gedanken des simul iustus et peccator zu entwicklen.
Die Technik ist nicht der Weg in das Reich Gottes, das immer noch Gottes Werk ist. Aber sie kann doch auch Reich-Gottes analog verstanden werden: Kein Geschrei mehr, keine Tränen, kein Verstummen. Wie die Religion (die ja nach der Genesis auch erst später in Erscheinung trat, als man anfing, den Namen Gottes anzurufen, Gen 5) hat die Technik daher den schillernden Charakter sowohl eines Segens als auch eine Fluches. Was die Technik zum Fluch werden lässt ist, dass sie sich eben abkoppelt vom kulturellen Prozess und dass in ihr überhaupt nicht mehr nach dem Willen Gottes gefragt wird. Das war, als die Entwicklung der Technik begann, durchaus nicht so.
Und daran sollten wir anknüpfen, wenn wir als Theologen und Theologinnen, als Christen, nicht den denkenden Kontakt zur Wirklichkeit der gefallenen Schöpfung verlieren wollen. Immerhin sitzt Du, wenn Du das liest, gerade vor Deinem Computer, verbunden mit mir  - durch das Ladekabel. Es ist eine starke Metapher. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger als alle anderen Metapher, die gerade in diesen österlichen Tagen reichlich bemüht werden: Weizenkorn, Blüte und die Metamorphose des Schmetterlinges seien als prominente Metaphern genannt.
Die Technik ist theologisch analogiefähig und damit hat sie eine Würde - es sei denn, man betrachtet sie als reines Teufelswerk. Aber solchen dualistischen Versuchungen dürfen wir uns als Christen nicht hingeben, wenn wir nicht die Einheit der Schöpfung, die uns durch Christus neu zugänglich geworden ist, aufs Spiel setzen wollen. Wenn er die Fülle der Schöpfung repräsentiert, dann muss das auch das meinen, was seit dem ersten "Es werde Licht" (als mythische Metapher des Urbeginnes, ich bin kein naiver Kreationist) von Gott auf den Weg gebracht wurde. Mit anderen Worten: Im Reich Gottes wird es auch Technik geben müssen, wenn denn das Reich Gottes nicht einfach nur die Wiederherstellung des Ursprunges, sondern die heilende Aufnahme des gesamten Weges des Menschen durch die Geschichte meint. Auch die Technik unterliegt der Rechtfertigung. Nicht als Werk des Menschen, sondern als Teil seiner Würde. Die Erlösten sind nicht nackt, sie tragen Kleidung. Gereinigte Kleidung. Das sind, auch wenn wir es nicht mehr merken, weil die Textiltechnik uns als Technik nicht mehr so gegenwärtig ist wie den Alten, technische Metaphern.
Das himmlische Jerusalem ist ein Produkt der technischen Kultur. Das finale Bild der Bibel macht unmissverständlich deutlich: Wir enden nicht in einem Garten, wir enden im Inbegriff dessen, was für die Antike menschliche Kultur war, in einer Stadt. Die Evolution wird die Erlösung hineingenommen, es wird uns nicht aus der Hand gerissen, was wir in Jahrtausenden geschaffen haben, indem wir, unter Nutzung der gottgegebenen, freilich begrenzten Vernuft, der Natur abgelauscht haben. Auch in der Technik waltet der göttliche Impuls, und wenn in Christus alles eins sein wird, dann muss der Computer (die absolute Turingmaschine) dabei sein. Sollte alles, was wir getan haben, verworfen werden? Biblisch ist dieser Gedanke nicht. Das himmlische Jerusalem ist ein Artefakt, und Gott ist auch ein Handwerker (er hat ja auch, 2. Buch Mose, dem Mose ein Modell der Stiftshütte gezeigt).
Das wäre der Faden, der hier aufzunehmen ist.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Predigtblog

Liebe Geheimmitleser des Denkfriedhofes,
es ist still geworden hier. DAs hat viele Gründe. Vor allem aber den, dass ich jetzt wieder "draussen" bin, viele schöne Veranstaltungen mit regem Gedankenausstausch in einer dafür sehr empfänglichen Gemeinde, nebenbei schreibe ich immer noch Gelegenheitstexte für diesen und jenen, schreibe auch mehr für den Bergmoser und Höller-Verlag (ich muss ja meine Zinnfiguren und Opernabende finanzieren und will dafür nicht das Erbe meiner Kinder verjuxen...). Und ich schreibe wieder regelmässig für die Kanzel. Da ich da immer wieder angefragt werde, die Predigt nachlesen zu können, habe ich nach einigen Experimenten mit der Dropbox und anderen, ähnlichen Stores mich doch wieder entschlossen, die Form des Blogs zu wählen. Ist am einfachsten.
Der Blog heißt "Theopred". Klingt wie ein Medikament, sagt _um; warum auch nicht. Antidot gegen Unglauben und Schwachsinn (was zwei ganz verschiedene Dinge sind, die gleichwohl gemeinsam auftreten können).  ;). In der Tat war "Theos Predigten" oder "Predigten von Theo" und dergleichen als Namen nicht durchzusetzen bei blogspot, es gibt wohl schon recht viele Predigtblogs.
Ich werde hier die Texte einstellen, die in der Gemeinde zu hören waren.

Theos Predigten

Dienstag, 3. September 2013

Schlussandacht zum Konfi-Tag Psalm 23

Der Konfi-Rap für die Schlußandacht des genialen Konfi-Tages in Baunatal. Vorbereitet von den Jugendarbeitern in der Gemeinde, von den Pfarrern und Pfarrerinnen unterstütz und von einer Armee von Helfern durchgeführt.

Der Gottesdienst hat ganz gut geklappt, war leider etwas unruhig, weil eine Gruppe (insgesamt 200 Konfis und 50 Mitarbeiter!) irgendwie neben der Spur war. Aber nach geschätzt 50 Schulgottesdiensten ist man da etwas cooler....

Der Schaf-Rap

Und die Melodie zum Flow. Erstellt mit Primus. Achtung, Cracks: Ich bin kein Musiker. Alles nach Gehör und Lehrbuch zusammengeflickt. Wer´s besser kann: her damit. Funktioniert hat es jedenfalls. Könnte rhythmisch noch etwas raffinierter sein, aber ich weiß nicht, wie man so einen schleppenden 3/4 Takt notiert. Egal, war ein Spaß.

Der Schaf-Rap Flow

Donnerstag, 29. August 2013

Müdigkeiten

Heute abend bin ich hundemüde, aber es ist eine völlig andere Müdigkeit als die, die ich die letzten zwei Jahre empfunden habe, wenn ich abends heimkam. Ich habe in meinem "homeoffice" einen schönen Text fertiggestellt (an dem ich im Büro seit drei Wochen herumgedoktert habe), zwei Gespräche betreffs der Gemeinde geführt, drei (!) Gottesdienste vorbereitet bwz. konzipiert - mit anderen Worten, ich habe etwas geschaffen, anstatt etwas zu verwalten. Und siehe, schon geht es mir gut. Und zwischendurch hatte ich noch Muße, mit meinen Zinnfigurenfreunden Kaffeeklatsch zu halten.

Es gibt ein richtiges Leben im Falschen.
 Hoffentlich.

Montag, 26. August 2013

Tageslosung: Ansprache zur Verabschiedung LKA 27.8.2013



Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.
Psalm 48,10                                                                                                          
Lasst uns aufeinander acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen.
Hebräer 10,24-25                                                                                                 


Liebe Hausgemeinde!

Was macht die Kirche, was nur die Kirche macht? Was machen wir, was sonst kein Anderer macht? Woran sind wir so eindeutig als Kirche zu erkennen, dass man uns gar nicht verwechseln kann?

Das ist, auf modernem Medienfachsprech gesagt, die Frage nach dem Alleinstellungsmerkmal der Kirche.
Dieses, so wird man allenthalben von Marketingfachleuten, den modernen Nachfahren der Marktschreier, belehrt, dient dazu, die Kirche auf dem Markt zu profilieren.
Ich stelle die Frage immer wieder einmal gerne im Gespräch. Und bin immer ganz erstaunt über die Antworten.
Da kommt:
„Naja, wir stehen für Werte wie Nächstenliebe und Vertrauen“. Aha. Das würde die AWO auch sagen, auch der friedliche Islam würde das sagen, und nur ein sehr hartgesottener und fehlgeleiteter Atheist würde das nicht für sich in Anspruch nehmen. Werte? Das ist nicht unser Alleinstellungsmerkmal.

„Ja, gut, soziale Aktivitäten, wir kümmern uns“.
Nun, auch das tun andere gut, sehr gut sogar, oft besser als wir, weil weniger umständlich und betulich.  Wer würde das bestreiten?
„Nun: wir kümmern uns um die Seele.“
Tja, aber das tun die Kurhessen-Thermen nach eigenem Bekunden auch. Und auch der Yoga-Lehrer in der umgebauten Scheune im Dorfkern tut das. Und eine Armee von Therapeuten kümmert sich.
„Wir halten die Tradition aufrecht“. Das macht der Dorfverschönerungsverein, der Gesangverein, die historische Gesellschaft und selbst die Kirmesbuchen auch. Und oft richtig gut. Hochzeiten und Beerdigungen machen inzwischen auch Profis, bei denen es sich lohnt, einmal hinzuschauen, womit die so viel Geld verdienen.
„Wir halten den Glauben an Gott wach“. Das klingt schon besser, möchte man meinen. Aber das würden der Imam, der Rabbi und die Zeugen Jehovas auch sagen.

Jetzt ist der Punkt der Verunsicherung langsam erreicht. „Ja, wozu sind wir denn dann da? Was macht uns zur Kirche?“
Nun denn, die Antwort auf die Frage ist kinderleicht. ich gebe sie immer wieder gerne. Und ernte damit immer wieder gerne bedenkliche Blicke, gefaltete Stirnen, gemessen-zweifelndes Kopfwiegen. Das stimmt nun wieder mich sehr bedenklich und zeigt mir: Hier stimmt was nicht. Haben wir  vergessen, wer wir sind?
Denn die Antwort lautet: Kirche ist überall dort, wo das Evangelium lauter und rein verkündigt und die Sakramente gemäß dem Worte Gottes gereicht werden. So steht es in der Grundurkunde der evangelischen Kirche, der Confessio Augustana. Mit anderen Worten: Dort, wo christlicher Gottesdienst stattfindet, da ist die Kirche. Das machen nur wir. Nur wir verehren Jesus Christus in der Versammlung der Getauften und reichen Abendmahl und Taufe so, wie sie in der Bibel stehen. Also noch klarer:
Jesus Christus macht uns zu Christen und damit zur Kirche. An Jesus Christus erkennt man uns. Wo man darauf trifft, da trifft man auf Kirche. In vielerlei Gestalt, wohlgemerkt. das ist nicht das Alleinstellungsmerkmal der Evangelischen Kirche von Kurhessen Waldeck - das findet man in der Grundordnung.
Nein, es geht um die Kirche als die Gemeinschaft der Heiligen, als die von Gott gerufenen getrösteten Sünder und Sünderinnen, als die Boten der Frohen Botschaft von der Versöhnung, es geht um uns, die wir das Salz der Erde und das Licht der Welt – nein, nicht sein sollen: sondern eben sind!
Denn das ist die wunderbare Botschaft, die uns anvertraut ist.

Die Tageslosung beschreibt, was der Kern einer christlichen Existenz ist, und wo wir zu denken anfangen und aufhören müssen: Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel, betet Israel und wir mit ihm.  Dieser Tempel aber ist für den Glauben der Leib Christi, schreibt Paulus, und das ist die versammelte Gemeinde. Alles, was  wir als Kirche sonst noch tun, auch und gerade das, was in diesem Haus hier geschieht – und ihr wisst, wie sehr ich inzwischen die Arbeit, die in diesem Hause gleistet wird, schätze und für wertvoll einschätze – alle Arbeit, die wir als Kirche leisten, dient nur diesem einem: Gottesdienst zu ermöglichen, damit das Wort Gottes nicht verstummt und wir als Kirche sichtbar und vor allem hörbar bleiben, als Kirche, und nicht als Traditionsverein zur Pflege christlichen Brauchtums. Wir werden in den nächsten Jahren diese Frage nach dem Kern unseres Tuns immer und immer wieder stellen. Wir werden uns verabschieden müssen von unserem Wohlstand,  und wir werden uns verabschieden müssen von Dingen, über die wir jetzt noch gar nicht nachzudenken uns trauen. Nur vom Gottesdienst, sollten wir uns nicht verabschieden.  Aber dafür braucht´s nur Menschen und einen Ort.
Und ich finde, und das nehme ich aus den 2 ½ Jahren meiner Tätigkeit auf dem Marktplatz der Meinungen mit, ich finde, wir können das ruhig offensiv und deutlich tun, auch und gerade untereinander. Denn die Probleme sind nicht neu. Gemeinden haben schon immer darum kämpfen müssen, bestehen zu bleiben. Der Schwund des Gottesdienstbesuches ist nichts Neues. in der Gemeinde, in der ich jetzt anfange, ist der Gottesdienstbesuch heute fast dreimal so hoch wie vor 70 Jahren. Es war letztlich die preussische Polizeiverordnung, die dafür sorgte, dass im 19. Jahrhundert die Kirchen Sonntag voll waren, jedenfalls auf dem Dorf. In den Städten sah es immer schon anders aus, je nach Epoche. In Schleiermachers Berlin, also um 1820, sah es auch ganz schlecht aus.
Wir haben da auch ganz falsche Vorstellungen.
Dabei bräuchten wir bloß aufmerksam die Bibel zu lesen. Der Hebräerbrief, ein Text aus der dritten Generation, der schreibt am Ende seiner Gemeinde schon hinter die Ohren, worum es geht, und zwar deutlich:
Lasst uns aufeinander acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen.

Ja genau, darum geht es, dass wir uns zur Gemeinschaft auch anreizen und ermahnen, einander einladen, einander mitbringen und einander tragen und stützen. Wir spüren doch, wie gut es uns tut, wenn wir einander sehen und erleben. Kein Medium, kein Fernsehen, kein Radio, kein Internet kann ersetzen, dass man sich Aug´ in Aug´ sieht, eng beieinander sitzt und sich seines Glaubens durch bloßes Dasein vergewissert. Der Glaube ist nicht selbstverständlich. Alles in uns Sündern wehrt sich dagegen. Wir sind faul und träge, wir sind im Kern gottlos. Käme Gott nicht zu uns, wir kämen nicht zu ihm. Wir wollen uns gar nicht verändern lassen. Wir sind zwar unglücklich, in dem, was wir sind, aber wir fürchten das mögliche Unglück der Veränderung noch viel mehr. Damit aber verpassen wir auch das Glück der Veränderung. Wer Gottes Wort nicht hört, wird nicht von selber darauf kommen. Darum. Gottesdienst, Unterricht, Seelsorge. Eine Kirche, die nicht Gottesdienst feiert, wie ist wie ein Fußballverein, der nicht spielt, ist wie ein stummes Orchester oder wie ein Verschönerungsverein, der sich Dias davon anschaut, wie schön es mal war.

Ich will raus, ich will an die Menschen und unter Menschen. Dahin bin ich gerufen. Da gehe ich wieder hin. Dafür bin ich ordiniert: das zu tun, was der Hebräerbrief uns ans Herz legt, damit wir Kirche bleiben.

Und dass ich das mitmeiner Frau zusammen darf und unter so passenden Verhältnissen, empfinde ich als besonderen Segen und besondere Herausforderung. Diese Chance, so jedenfalls unser Gefühl, kommt so schnell nicht noch einmal.

Gottesdienst ist das Alleinstellungsmerkmal der Kirche,
die Verkündigung der Botschaft von Jesus Christus,
die Anbetung Gottes des Vaters, des Schöpfers
und das Leben aus der Liebe, die vom Geist gestiftet wird.
Jeder und jede an seinem Ort.
Jeder und jede nach seinen Gaben.
Jeder und jede nach seiner Kraft.
Aber immer im Dienst des Herrn:
Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.
Lasst uns aufeinander acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen.
Darum gehe ich jetzt an meinen Ort.

In diesem Sinne: Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.

Sonntag, 25. August 2013

Übergänge

Als ich vor mehr als zwei Jahren das Amt des Pressesprechers/Leiters ÖA antrat, habe ich nächtelang nicht geschlafen, aus Respekt vor der Aufgabe. Nach wenigen Wochen wusste ich schon, dass es ganz schwierig wird. Und nach einem Jahr brach ich zusammen. Ich war angetreten, weil ich das Zutrauen hatte, dass die Aufgabe bewältigbar ist, wenn ich Zeit habe, mich einzuarbeiten und das Aufgabengebiet das ist, als das es mir begegnete. Es kam anders.
Jetzt bin ich froh, entronnen zu sein. Was mich aber doch etwas bitter und traurig macht ist, dass ich jetzt schon zum dritten Mal eine Stelle verlasse, weil die Arbeit nicht passt oder die Umstände sich gegen mich gewendet haben.
Ich spüre, das mich das verunsichert. Heißt es nicht, bei als 2mal ist es ein Muster? Und ist es nicht, dass wenn einem ein Muster begegnet, man selber der Verursacher ist?
Und schließlich sass ich heute in einem Gottesdienst, der zwar nicht schlecht war, aber eben doch einer von der Sorte, bei der ich dachte: Kein Wunder, dass uns keiner für voll nimmt.

Werde ich das gut könne, was ich einmal gut konnte? Oder haben mich die Erfahrungen so weit verändert, dass ich nicht mehr so frisch und klar bin, wie ich einmal war?

Ich bin gespannt. Das wird eine spannende Woche des Überganges: Und zwar komplett ohne Pause.

Ist vielleicht gut so.
Warum ich das geschrieben habe?
Damit ich in einem Jahr noch einmal nachlesen kann, wie es war.

Morgen kommt die Ansprache. Deren kristalline Schärfe erschreckt mich etwas.

Ich bin gespannt.

Seltsamerweise: ich schlafe in letzter Zeit so gut wie selten zuvor.