Samstag, 15. Februar 2025

Idiotokratie

 Ich bin heute auf Threads so übel angepöbelt worden,  dass sogar mein Schattenmisanthrop erschauerte. Wir leben in wachsendender Barbarei: Idiotokratie. Moronarchie. Die traditionelle Demokratie erstickt an ihrem Unrat. Und ich habe nicht die geringste Vorstellung davon, wie wir da herauskommen. 

Mittwoch, 12. Februar 2025

Demokratie und Brot

 Derrida („Schurken“) stellt die Frage, wer/was da kommt im Kommenden. Ein Gott ist es, der nicht ist. Die Moderne hat eine Lücke, eine Singularität eher, die sie nicht füllen kann, die als Lücke kommt. Wo nur Kausalität herrscht, gibt es keine Zukunft. Wo nur Kontingenz herrscht, gibt es keinen Plan, nicht mal eine Prognose, keine Figur ist lächerlicher als der Prophet, Kassandra lacht. Wo nur das Recht herrscht (das immer das des Stärkeren ist, die Maske gezügelter, aber eben auch nur gezügelter), gibt es keine Barmherzigkeit eines guten Endes, wer nur von hinten lebt -„Geschichte“- muss nichts so sehr fürchten wie das „Ende“, und es zugleich lieben, weil es die Erlösung ist. Reine Kausalität ist suizidal. Wie soll da Demokratie möglich sein, ja überhaupt nur denkbar? Wo sie doch nur als kommende überhaupt ist? Der Gott, der uns da retten kann (Heidegger) ist tot, weil es ihn nie gab, er war der Götze der Geschichte. Das Kommende findet sich in den Augen der Hungernden: das Stück Brot für heute, damit es ein Morgen gibt. 

Falschbildung

 Durch die Ereignisse in den USA und was man dazu alles so lesen kann in den Social Media, ist mir ein Begriff in den Sinn gekommen, den ich vorher noch nicht kannte.

Ein bisschen arrogant und überheblich wird ja gerne mit dem Begriff der „Bildung“ umgegangen und seinem Gegenbegriff der „Unbildung“. Dazu ließe sich viel sagen. Mir ist schon sehr bewusst, wie schwierig beide Begriffe sind und vor allem die Entgegensetzung, es stellt sich die Frage der Standards. Die Debatte ist mir geläufig. Und dennoch:   In den letzten Jahren hat sich etwas etabliert, was ich „Falschbildung“ nennen möchte, denn es geht nicht nur darum, dass man Dinge nicht weiß, Zusammenhänge nicht kennt und bestimmte kulturelle Techniken nicht trainiert hat, sondern dass man es falsch macht und falsch gelernt hat und falsch weitergibt. Ich weiß natürlich, dass auch die Unterscheidung von „richtig“ und „falsch“ nicht unproblematisch ist. Dennoch: Was mir in vielen Posts, Artikeln, Stellungnahmen usw. in den Social Media begegnet, zeigt ein Maß an Verwirrung auf fast allen Ebenen, dass man nicht mehr sagen kann es sei „Unbildung“ sondern eben „Falschbildung“, der Habitus der „Fake-News“, nur dass es um mehr als um News geht. Es ist auch nicht einfach ideologische Verengung.  Es ist ein bisschen wie der Zwiesprech bei Orwell. Nur fürchte ich, dass das sehr viel tiefer geht. Mir macht das große Sorge, denn es ist von der Aufklärung her gedacht, zu der ich ja durchaus ein dialektisches Verhältnis habe, eine Verdunkelung.


Dienstag, 11. Februar 2025

Nackte Wahrheit

 Eine Ethik, die wirklich auf Veränderung aus ist und zugleich wahrhaftig sein will, setzt bei ihrem ewigen Zuspätkommen an, sie formuliert kein „Du sollst“, sondern ein: „So hätte es sein müssen, okay, nächstes Mal“. Und so weiter. Inzwischen sorgt irgendwie eine Mischung aus Instinkt und Metaphysik dafür, dass wir uns nicht permanent den Schädel einschlagen, Frauen bei jeder Gelegenheit niedermachen und ständig furzen. 

Sonntag, 2. Februar 2025

Wachsen und Schrumpfen

 Es gibt eine Frage, die mich mein gesamtes Leben, allemal aber zu meiner Zeit im aktiven Dienst, zutiefst bewegt hat, und einen nicht geringer Anteil meiner leidenschaftlichen, niemals unterbrochenen Lektüre von allem Möglichen hat die Suche nach einer Antwort darauf als Motiv: 

Warum zerbrechen die einen an dem, was ihnen im Leben so begegnet und andere nicht? 

Warum kommen die einen aus Trauer, Schock, Enttäuschung und Verletzung nie heraus und werden kleiner und kleiner, biestiger, stummer, einsamer, und die anderen wachsen, reifen, erblühen, überleben nicht nur, sondern nehmen sogar noch etwas mit? 

Alles, was ich dazu gedacht und gelesen, spekuliert und geredet habe, zeigt nur: es ist so. Es betrifft Fromme und Unfromme, Reiche und Arme, Privilegierte und Verdrängte, Männer und Frauen, egal welcher Nationalität und Herkunft - und ich selbst habe mich auch als jemand erlebt, der aus Krisen (und davon gabs nicht wenige) und Verlusten (davon gab es sogar noch mehr) eher stärker, oder zumindest gereifter, besonnener herausgekommen ist, in dem Sinne, dass ich meinen Lebensmut nicht verlor (auch wenn es manchmal sehr knapp war), mein Kompass stabil blieb (auch wenn ich ihn oft nicht mehr ablesen konnte), während ich in meinem Umfeld, und natürlich in meinem Beruf, erlebte, dass Menschen schon bei sehr viel kleineren (sofern man das werten kann) Erfahrungen völlig zerrütteten und nie wieder stabil wurden. 

Der Glaube, die Religiosität, spielte dabei immer nur eine katalytische Rolle, niemals eine kausale (der Grundirrtum aller die meinen, man könne auf diese Weise etwas reparieren), und es ging auch völlig ohne (sofern es ohne überhaupt geht, anderes Thema). Auch Therapien habe ich so wahrgenommen, sofern das von außen möglich war - bei mir haben sie eigentlich immer gewirkt. Und sei es nur, dass ich die Zähne länger zusammenbeißen konnte oder rechtzeitig die Flucht ergriff (was ich für ein durchaus rationales Verhalten halte und erst einmal nicht moralisch sehe. Das ist immer die zweite Frage, allemal, wenn es um Treue und Solidarität geht). 

Das Rätsel wird für mich eher größer mit dem Alter. Warum zerbrechen die einen, wachsen die anderen? Selten habe ich etwas dazwischen erlebt, das waren, sofern ich es mitbekam, immer eher Latenzphasen. 

Ich habe gelernt, dass das "Resilienz" heißt. Aber das Wort erklärt gar nichts, es benennt es nur, und ich bin mir auch nicht so sicher, ob es wirklich ein gutes Wort ist. Es geht um mehr als und Fehlerfreundlichkeit und Repariermechanismen. 


Aber worum geht es? 


Theologisch - es sei nur angedeutet - kommen wir hier in den heiklen Bereich von Determinismus und Prädestination. Aber auch hier habe ich die Vermutung, dass Menschen, die nicht so leicht zerbrechen, eine andere Auffassung haben als solche, die eher zerbrechlich sind. 


Und ganz in der Tiefe meiner Seele liegt der - fast schon dekonstruktivistische Verdacht - dass zerbrechliche Menschen keinen Zugriff auf ihre Vulnerabilität haben, während die stabileren die Vulnerabilität alles Lebendigen eher vor Augen haben. Aber das nur hinter vorgehaltener Hand, dieser Gedanke hat ein paar unerfreuliche Implikationen. 


Die Frage treibt mich jetzt wieder um, weil die politische Situation sehr viel mit Vulnerabilität und Resilienz zu tun hat. Es könnte schließlich auch sein, und jetzt wird es wirklich dekonstruktivistisch, dass hinter der Resilienz eine Wahrnehmungsschwäche liegt, die bis zur Ignoranz gehen kann. 


Derrida spricht vom hermeneutischen Zirkel als von einem Rad, auf das wir geflochten werden. 

Inbrunst

 Die glühende Sehnsucht, gemischt mit einem hinter scheuer Höflichkeit eines immensen Intellekts verborgenem Zorn, mit der Jaques Derrida von Erlösung spricht, ist schiere Inbrunst, die ich in der Theologie so schmerzlich vermisse. Es ist ein Leiden an dem was ist, im Namen dessen, was  sein könnte, das erst dadurch zum wirklichen Schmerz wird, dass es keinen metaphysischen Trost gibt, kein Denker ist der dunklen Wahrheit des Kreuzes so nahe. 

Samstag, 1. Februar 2025

Nerd-Expertise

 Nerd-Expertise ist ein großer Spaß. Solange man kein Nerd ist. Merke: Wer sich selbst Nerd nennt, ist keiner. In jedem Fandom leicht zu bestaunen. Da bekommt das Wort „Fach-simplen“ noch mal eine ganz neue Bedeutung.