Wenn Politik scheitert, wächst die Polizei. Dieser auch etymologisch naheliegende Zusammenhang (von dem mir bislang unbekannten französischen Philosophen Rancières ausgerbeitet wurde, hat etwas intuitiv Erhellendes, grade auch im Blick auf die USA. Ich erinnere mich stark daran, wie in den 70er Jahren die Polizei auch optisch demilitarisiert wurde (Uniformen in Pastellfarben designtvon Heinz Oostergard) und die Parole ausgegeben wurde: „Die Polizei , dein Freund und Helfer“. Mit der Deplausibilisierung von Politik wurde auch die Polizei immer militärischer, d.h. sie symbolisierte und performte Gewalt. Mir war nicht klar, was für eine systemische Schlüsselrolle die Polizei in demokratischen Gemeinwesen hat - nicht nur als „Ordnungsmacht“, sondern als Barometer des gesellschaftlichen Modernisierungsdruckes. Das wirft ja auch theologische Fragen auf nach der Legitimität von Macht jenseits einer naiven Zwei-Reiche-Lehre. Der gute Brockes war dem auf der Spur: „Was sagst du nun, verstockter Atheist, wenn du die Polizei der Bienen siehst?“ Polizei und Politik sind hier (18.Jahrhundert) noch dasselbe Wort, und der Hamburger Senator Brockes kann sich nicht vorstellen, dass solch eine Ordnug selbststabilisierend ist, dahinter muss eine die Ordnung ordnende Hand stehen, der liebe Gott, dein Freund und Helfer. In wie vielen Köpfen mag wohl dieser Gedanke (der letztlich ein Element der dunklen Moderne ist), herumspuken?
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