Freitag, 9. Februar 2024

MinimalMaxime

 „Kein Tag ohne Zeile. Es gilt, die mittlere Höhe zu gestalten“ (Sloterdijk, Zeiten III, 603). 

Jeder längere Text ist Auschmücken eines Erzählkerns, jede Predigt ein aktueller Ausschnitt eines kontinuierlichen inneren Monologs, ich habe die Schriftlichkeit des Predigens nie wirklich verstanden - jetzt weiss ich, dass das mit ihrer Schrifthaftigkeit (Derrida) zusammenhängt. Sie ist schon Schrift, bevor sie gesprochen wird. Predigt ist niemals Literatur, immer Rede (also auch nicht dramatischer Monolog).  Die Kanzel ist keine Bühne. Sie ist ein brennender Dornbusch. Das ist der Ernst der Predigt. Sie auf einzelne Sprech- (oder gar Schreib-) Ereignisse zu reduzieren, ist ein Unding. Predigen ist eine Existenzweise. Dass ich sie zu meinem Beruf machen konnte, ein Privileg. Dass sie in der Kirche definitiv an Bedeutung verliert, ist vermutlich ein Symptom unter Symptomen für das nahende Ende. Ein Verstummen, kaschiert unter fadenscheinigen rezeptionsästhetischen Mäntelchen, ausgehend vom Phantom der schlecht Zuhörenden. Möglicherweise eine Projektion in einer Kirche mit erworbenem ADHS. 

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