Den Kitzel der Blasphemie empfindet natürlich nur der Glaube, ein Atheist oder eine Agnostikerin kann nicht blasphemisch sein, sie reden höchstens verletzendes Zeug.
Die schnoddrige „lockere“ Respektlosigkeit protestantischer Glaubensprofis hingegen, die gelegentlich als vermeintliche Frucht der Freiheit zu Markte getragen wird, ist vom Ernst des Blasphemischen weit entfernt, sie hat mehr zu tun mit dem Erzählen schlüpfriger Witze oder dem ostentativen Gebrauch obszöner Terminologie aus Angst vor Sexualität. Es hat etwas primitiv Obszönes, dieses Verweigern von Heiligkeit (dessen andere Seite freilich der ritualistische oder fundamentalistische Pomp ist, der auf seine Art eben auch obszön, ja in seiner schamlosen Zurschaustellung von Religion etwas Pornographisches hat) Schleiermacher sprach nicht ohne Grund vom Sinn und Geschmack (!) für das Unendliche.
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