Montag, 25. Dezember 2023

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 Ich habe gestern eine sehr schlichte Predigt gehalten, die nichts anderes machte, als den biblischen Text zu erklären und zu entfalten. Die Reaktionen zeigten: ich glaube, dass die Homiletik in vielen Punkten im Modus der permanenten Übertreibung und der artifizialität steckt.  Die „Predigtidee“, entwickelt am Gespenst einer Hörerin, eines Hörers, steht im Mittelpunkt - d.h. der biblische Text wird instrumentalisiert antstatt entfaltet. Ich bin oft sehr erstaunt, was ich in diversen Predigtforen so mitbekomme, wie sich Kolleginnen und Kollegen mit dem Predigteinfall herumplagen. Vielleicht verstehe ich da auch etwas falsch - aber wer nach einem „aktuellen Bezug“ sucht, hat ein sehr merkwürdiges Verständnis davon, was ein Text sei (also z.B. ein Container von Botschaften). Und die meisten Predigten, die ich lese, setzen viel zu viel voraus. Möglicherweise liegt hier sogar das Problem. Das macht für mich ja auch viele exegetische Bemühungen fast unlesbar. 

 Ich stelle fest: die schlichte erklärende Auslegung des Textes fasst Menschen an.  

So jedenfalls höre ich Sätze wie: Es ist schön, einen Bibeltext einfach mal erklärt zu bekommen. Oder: so habe ich das noch nie gesehen. Oder: was da alles drin steckt…der clou ist: es hat in der Vorbereitung eine große Leichtigkeit, weil ich exakt genau das tue, was ich gelernt habe: Texte auslegen. Wenn Menschen das erkennen, darf es auch mal schiefgehen - man hat auch mal schlechte Tage im Job. 



(Natürlich geht es nicht um exegetische Vorlesungen, Schatzi, sondern um homiletische explicatio et applicatio. Du musst den Text natürlich verstanden haben und vor allem dein Verstehen verstanden haben. Klugheit kann man nämlich simulieren, eine gute Rede, die aus Herz und Verstand kommt, nicht. Das homiletische Trainingsprogramm lautet: lesen, lesen und noch mehr lesen. Und zwar so vielerlei wie möglich, multum, nicht multa)  

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