Bei Knausgård kann man fast physisch erfahren, das die Unterscheidung Autor/Werk bzw. authentisch/fiktional und was dergleichen mehr ist, nicht wirklich hilfreich ist. Und schon gar nicht, wenn da mit moralischen Argumenten hantiert wird. Mir kommt da mein theologisches Handwerk sehr zu Gute:
unvermischt“ (ἀσυγχύτως, asynchytos), „unverwandelt“ (ἀτρέπτως, atreptos), „ungetrennt“ (ἀδιαιρέτως, adiairetos) und „unzerteilt“ (ἀχωρίστως, achoristos).
Das gilt für jeden Text. Aber Knausgårds Kunst ist, den „Autor“, den „Erzähler“, den Protagonisten „Ich“ und sich selbst (auch „Autor“ ist eine Stilisierung!) in chalcedonensischer Doppelbeschreibung zu halten: nimm es als wahrhaftig nicht für bare Münze, aber darin bitte völlig ernst. Großartig.
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