Samstag, 29. Juli 2023

Nackte Wahrheit

 Ein Besuch in der Sauna verdeutlichte mir aufs Neue, dass nicht Nacktheit prekär ist und beschämt, sondern die Art und Weise, wie jemand Körper ist. Mir jedenfalls wird das körperliche Unbehaustsein eines Menschen immer unangenehmer - dabei sind Alter und Geschlecht völlig egal, die wohlgebauteste junge Frau und der durchgestylteste Body eines jungen Mannes sind eher Störsignale, wenn diese Körper nicht bewohnt, sondern eher nur ertragen werden, und lösen eher Schmerz als Begehren aus. Seltsam ist, dass ein Funken des Begehrens in dem ansonsten ja eher asexuellen Klima einer grossen Sauna eher bei den Körpern aufblinkt, die sich davor gerade meinen schützen zu müssen - ein ganz klar sggressives, auf Macht und Bemächtigung zielendes Begehren. Es ist eine vertrackte Sache mit dem durch ein weltverachtendes Christentum verunstalteten Körper. Und natürlich betrifft das Frauen im stärkeren Maße - Männer neigen eher dazu, den Körper zu präsentieren, was aber nur die andere Seite derselben Medaille ist - solange es einen Leib-Seele Dualismus gibt (mens sana in corpere sano verdreht hier die Kausalität gleich doppelt), wird es prekäre Körperlichkeit geben, die in der Sauna explizit sichtbar wird,  aber in Wahrheit unser gesamtes zusammenleben massiv bestimmt:Körperscham, die sich nicht auf ein Handeln, sondern auf ein Sein bezieht und deshalb von besondere Brutalität ist. Die Differenzen dick/dünn; schön/hässlich; begehrenswert/abstossend  sind nicht Ursache, sondern Ausdruck dessen. Ihre - wörtliche! - Oberflächlichkeit ist verstörend. 

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