Gerd Dudenhöfer (link auf YouTube)
Das Internet gibt ja Einblicke in das Gemüt des Menschen, die wir vorher so nie hatten oder nur in anekdotischer Evidenz (z.B. der Onkel Heinz, der nach dem dritten Asbach Uralt sein besorgtes Herz öffnete, wer hat nicht so einen Onkel)….jedenfalls: jetzt kann man sehen, wie Menschen tatsächlich wahrnehmen.
Und so verdoppelt sich manches Vergnügen auf schreckliche Weise, die Meta-ebene bekommt eine Metaebene (die dann nach Wittgenstein ja keine mehr sein kann…) und es grinst einen am Ende der reine Irrsinn an.
Beispiel: Gerd Dudenhöfers neues Programm auf YouTube. Er macht sich ja auf sehr raffinierte (und grenzgängerische) Weise über seine Bühnenfigur Heinz Becker lustig (ohne seine Würde zu verletzen: das ist Dudenhöfers Kunst, die ihn von einem „Witzbold“ wie Dieter Nuhr kategorial unterscheidet).
Und nun der Metaeffekt: in den Drukos sind es die Heinz Beckers dieser Welt, die nicht Dudenhöfer, sondern Heinz Becker Beifall zollen, und es ist auffallend, dass diese Rezipienten das alles witzig finden, weil sie die Ironie nicht sehen. Sie machen sich lustig über die, die sich über Heinz Becker lustig machen, aber sie machen sich lustig ohne Humor, der verbissene Ernst, der Dummköpfen so eigen ist, macht es eiskalt unlustig - es sind verheerende Meta-schleifen, die mich erschauern lassen. Dudenhöfer hat das offensichtlich im Blick: er bringt die Todesstrafe als Thema so ein, dass es einen gruselt, wenn man sich vorstellt, dass Menschen wirklich so denken. Wie soll man mit den Heinz-Becker Heinz-Becker Fans umgehen?
Humor (der gerade nicht die Schadenfreude von Erschiessungskommados meint) klappt ja nicht…. Das habe ich, im Heinz-Becker Milieu aufgewachsen, nur geahnt. Ein Glück nur, dass auch hier das Internet täuscht: so viele sind es auch wieder nicht. Sie haben jetzt nur eine öffentliche Stimme. Und das sollte einen Demokraten doch froh machen. Aber so recht fröhlich bin ich da nicht…
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