Der arme Vogel kann ja nichts dafür, und ich weiß auch nicht, wie er zu dem wenig schmeichelhaften Titel kam, bzw. wie der Fink mit dem Schmieren in Kontakt gebracht wurde. Wie auch immer: es ist ein altmodisches Wort. Leider ist es auch etwas verbraucht, weil es polemisch gegen eine bestimmte Form von kritischem Journalismus eingesetzt wird, der damit herabgesetzt werden soll, und es wundert nicht, dass das Wort, in pragmatisch-semantischer Nachbarschaft zur "Lügenpresse" und "Meinungsdiktatur" auftaucht und folglich natürlich auch eine Nazi-Geschichte hat.
Ich bedauere das, weil ich das Wort für einen anderen Sachverhalt, für eine andere Form von nichtswürdigem Gebrauch des Stiftes, gerne behalten hätte, und heute, nach meinem Gang in die Bibliothek, sogar mit einer gewissen verächtlichen Wutenergie: Wer bitte schreibt, malt und markiert in Bibliotheksbücher? Einen solchen Menschen würde ich lebenslanges Studier- und Ausleihverbot anhängen, und ihn eben, auch gerne öffentlich, einen Schmierfinken nennen wollen. Gerne auch gegendert: Denn natürlich, ist das Hymen des weißen Papieres erst einmal zerstört, fingern auch andere mit ihren Griffeln darin herum. Es scheint ansteckend zu sein, wie jeder Tabubruch, der im Stillen stattfindet. Und die Schrift zeigt (mit einer gewissen Verlässlichkeit der Einschätzung nach 20 Jahren Unterricht): es waren Männer und Frauen, die da in das Buch krakelten. Einziger Trost: eine der Damen (oder ein sehr feminin schreibender Mann) hat so strunzdumme Kommentare in das Buch geschrieben, dass ich damit schon wieder meinen Frieden machen kann. Es gibt hoffnungslose Fälle.
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