Samstag, 6. April 2013

Warum Krieg? Nordkorea, Trinität und Wahrheit.

Die Nordkorea-Spannungen machen auf etwas aufmerksam, was gerne verdrängt wird: Welche Rolle Psychopathen bzw. Soziopathen gerade beim Ausbruch von Kriegen in der Weltgeschichte spielen. Wer im Alltag je erlebt hat, wie ein Mensch, der in Neurosen, Ängsten oder Süchten gefangen ist, eine ganze Gruppe von Menschen (Familie, Kollegen, Freunde, Nachbarn) dazu bringen kann, immer irrwitzigere Dinge zu tun und zu glauben, der wird auch verstehen, wie so mancher Krieg ausbrach: Weil es irgendwann einen Punkt of no return für alle gab.
Nicht mehr mitzumachen würde Gesichtsverlust bedeuten, man liefert sich den Konkurrenten und Rivalen aus, man setzt Priviligien auf´s Spiel... dabei spielt vor allem der erste Aspekt eine Riesenrolle.
Man hat vor Tag und Jahr einem Menschen vertraut oder ihn gewählt oder einfach einen Eid geschworen, man war von ihm überzeugt oder doch eben einfach nur loyal. Und jetzt zeigt sich, wie so oft: unter Stress und mit Macht ausgestattet entwickelt dieser Mensch Wahnideen, verliert den Kontakt zu Realität, wird Paranoid oder hält an ganz engen, angstgeprägten Vorstellungen fest. Ihn jetzt fallenlassen würde bedeuten, auch die eigenen Einschätzung von damals fallenlassen zu müssen: ich habe mich geirrt.

Das fällt vielen Menschen ungeheuer schwer, ganz besonder schwer aber Militärs, weil hier Ehre und Loyalität eine große Rolle spielen. Abgesehen davon, dass oft auch schierer Terror ausgeübt wird, mit der Illusion, bei Wohlverhalten verschont zu werden (als ob Terror so funktionieren würde).

Und schon ist es passiert.

Prominentestes Beispiel (nein, nicht Hitler, gerade hier liegen die Dinge komplizierter): Napoleone Buonaparte und seine Marschälle. Das ist alles nur reiner Wahnsinn, sonst nichts. Stalin ist auch so ein Fall.

Und darum macht mir Nordkorea Sorge. Es kann gut sein, dass hier im innersten Zirkel der point of no return schon überschritten ist. Dann gibt es nur noch den Untergang, der gestaltet werden muss. Und das waren immer die scheußlichsten Kriege. Warum? Einen gemeinen, räuberischen Überfall oder einen Racheakt muss man überleben wollen, sonst hat er keinen Sinn, und es ist auch nicht ratsam, die Überfallenen allzusehr niederzudrücken (sonst versiegt die Quelle). Das haben die Assyrer und Babylonier über Jahrhunderte hinbekommen. Aber die Sorte Krieg, die sich hier anbahnt - der Irrsinnskrieg - hat die eigene Vernichtung mit im Blick: Brandgefährlich.

Es ist klar, dass ich als Theologe hier die Sünde am Werke sehe. Des Menschen Dichten und Trachten ist böse von Jugend auf, und wenn des Menschen Dichten und Trachten nicht durch geeignete Institutionen gelenkt, gesteuert und geführt wird, dann bricht es sich Bahn. Wenn es je ein Argument gab, warum Demokratie, und sei sie noch so schwach und erbärmlich, jeder noch so stabilen anderen Herrschaftsform vorzuziehen ist, dann sind es die Irrsinnskriege: die sind mit einer stabilen Demokratie einfach nicht auf die Beine zu stellen- zu viele Querköpfe. Die Demokratie ist die einzige Staatsform, die die Sünde  in die Waage bringt - ganz im Sinne einer "Zwei-Reiche-Lehre", die nicht trennt, sondern unterscheidet: Gottes Werk und Menschen Werk. Der trinitarische Gott (nix:"Monotheismus") ist in sich kommikativ vielfältig, sodass nur Vielfalt ihm entsprechen kann. Irgendwelche Formen von Alleinherrschaft sind mit dem Menschgewordenen und Geistsendenden Gott nicht legitimierbar: Nur Kommunikation kann uns schützen. Retten kann uns nur Gott.

Was also tun?
Wenn ich ehrlich bin: Nordkorea militärisch zerschlagen, so schnell wie möglich. Je weniger sie in der Lage sind, sich zu wehren, um so besser für die Zivilbevölkerung. Auf dem Schulhof hilft gegen Großmäuler oft nur die schiere körperliche Überlegenheit und die Kraft, sie auflaufen zu lassen. Aber das traut sich im Westen nach der Blamage im Irak keiner mehr zu sagen....wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, denn.....

--------- Vorausgesetzt für alle diese Gedanken ist ja, dass wir nicht von unseren eigenen Leuten belogen werden......das erste Opfer des Krieges ist immer die Wahrheit, und Kriege beginnen nie mit dem ersten Schuß, sondern mit der ersten Lüge.
Etwas anders sieht es dieFAZ
http://m.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/nordkorea-kims-kalkuel-12139511.html




2 Kommentare:

  1. "Was also tun?
    Wenn ich ehrlich bin: Nordkorea militärisch zerschlagen, so schnell wie möglich. Je weniger sie in der Lage sind, sich zu wehren, um so besser für die Zivilbevölkerung."

    Mutige Position - was machen Sie dann mit der Bergpredigt? Theologisch versteht sich...
    Danke .... und herzliche Grüße

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  2. Die Bergpredigt ist keine Aufforderung, die Welt den Irren zu überlassen, ganz im Gegenteil. Die Bergpredigt, das sind nicht nur die Seligpreisungen. Das sind auch die Worte vom Salz (das taub werden kann) und die Antithesen, die uns deutlich machen, dass das Gesetz eine Utopie ist, an der man scheitert, wenn man nicht human mit ihr umgeht. Die beiden letzten Seligpreisungen preisen die Verfolgten selig, aber gewiß nicht die Verfolger. Als Ethik des Reiches Gottes ist sie Gericht an der Welt: Spiegel unseres Scheiterns. Sonst wäre ja die Rechtfertigung gar nicht nötig. Freilich kommt durch das Schwert um, wer das Schwert erhebt. Aber was ist mit denen, die einfach zuschauen?

    Man beachte: Mein Kalkül des schnellen Schlages (der unmöglicher wird, je länger es dauert) hat die Zivilbevölkerung im Blick, die im "modernen Krieg" immer die Hauptlast trägt. Ein schleichender Zusammenbruch Nordkoreas ist für mich ein Schreckensszenario, gegen das Lybien und Syrien, Mali und Kongo wie eine Schulhofprügelei aussehen. Aber die internationale Gemeinschaft hat sich für den Verhandlungsweg entschieden: dann hoffe ich nur, dass es präzise Pläne gibt, was nach dem wirschaftlichen Zusammenbruch Nordkoreas dort geschehen soll. Das wird ja nicht ohne China auf den Weg zu bringen sein.

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