Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land; mir ist ein schönes Erbteil geworden. Psalm 16,6
Das ist ja mal eine schöne Losung. Sie lässt mich den ganzen Tag schon nicht los, und wer Hebräisch kann, wird noch bezauberter sein. Ich war heute "zu Hause", also im schönen Werrratal: das ist ein liebliches Land. Es ist mein Los, dort geboren worden zu sein, und was für ein schönes. Dieses liebliche Land habe ich so verinnerlicht, dass ich, wenn mir alles auf den Keks geht, ich nur in den Garten meines Geburtshauses zu gehen brauche (innerlich) - und schon tröstet mich die Landschaft mit ihrer Sanftheit und mit Ihrer Verheißung (die natürlich nichst anderes ist als verbrämte Kindheit. Wohl dem, der eine hatte, die des Verbrämens würdig ist!). Darum ist das Paradies kein abstrakter Ort. Es ist eine Gegend, eine Landschaft. Wer kein konkretes Bild des Paradieses in sich trägt, ist wahrhaft ein verlorener, ein wahrer Zeuge Jehovas, der auf Billigprojektionen aus Wachturmheftchen angewiesen ist, auf das Kino oder auf irgendwelche momentanten Gelüste. Zeig mir dein Paradies, und ich sage dir, was für ein Mensch Du bist, so sinngemäß Nietzsche. Wessen Paradies das liebliche Land ist, dass man erben wird, darf sich, wie ich, glücklich schätzen. Um den Preis, das jeder andere Ort, sogar das Leben selber, zum Exil wird.
Aber das gesamte Alte Testament ist ja nichts anderes als das:Bewältigung des Exils.Was für eine Quelle des Trostes.
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