Er weiß, was in der Finsternis liegt, denn bei ihm ist lauter Licht.
Daniel 2,22
Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden soll, und ist nichts geheim, was nicht an den Tag kommen soll.
Markus 4,22
Es gibt eigentlich nur ein Geheimnis, das sich aber von Sekunde zu Sekunde, von Moment zu Moment enthüllt: Die Zukunft.
Für uns liegt dort der Tod. Für Gott liegt dort das Leben. Der Glaube empfängt, auf den Tod zugehend, das Leben. Das Gegenteil von Glauben ist also nicht Unglauben (in dem banalen Sinne, in dem das Wort normalerweise verwendet wird), sondern Verzweiflung. Die Evolutionstheorie hat darum diesen verzweifelten Kern: Sie versteht das Leben ausschließlich von hinten her, vom Ursprung her: es ist getrieben. Der Gedanke der Schöpfung aber (in seiner christlichen Variante: als Auferweckung) versteht das Leben von vorne her, es ist zielorientiert. Die Wissenschaft löst eben nur Rätsel, der Glaube wahrt das Geheimnis. Biede zusammen sind die Fülle des Denkens und Lebens: aus der Tiefe der gelösten Rätsel der Vergangenheit gehen auf die Höhe des offenbaren Geheimnisses zu.
Wer sie gegeneinander ausspielt, ist ein Tor, nimmt weder den Tod noch das Leben ernst: er ist nach hinten dumm und nach vorne blind.
Darum ist Jesus von Nazareth so wichtig für den Glauben: Er schaut in beide Richtungen, kennt Tod und Ewiges Leben. Das gibt ihm die Gelassenheit gegenüber dem, was kommt, die Trauer, über das, was gewesen ist, und den heiligen Zorn über das, was ist.
Das kann keine Esoterik leisten, die mit irgendwelchen anonymen kosmischen Mächten operiert, die nichts anderes sind als vergeistigte Naturgesetze, die Magie ist ja nichts anderes als falsch verstandene Naturwissenschaft. Aber die Zukunft kommt nicht nach Regeln.
Das ist die Erkenntnis, die Jesus als den Christus in den Mittelpunkt des Glaubens rückte: Er ist selber das Geheimnis, das umso geheimnisvoller wird, je mehr man sich ihm nähert.
Darum ist es so schade, dass er für viele nur noch eine historische - also tote - Figur ist oder ein bloßer Morallehrer und "Religionsstifter" (das war er nun, weiß Gott, am allerwenigsten: ist doch in der Religion der Keim des "Wissens" schon angelegt).
Wir enthalten den Menschen das Geheimnis vor, wenn wir ihnen nur das Rätsel Jesus erklären (darum konnten ich mit den allermeisten Unterrichtsmaterialien für den RU nichts anfangen: bloße Forschungsergebnisse. Stinklangweilig). Wer freilich seinen Glauben aus Forschungsergebnissen meint ziehen zu müssen -- hier liegt die eigentliche Crux der modernen Theologie. Sie ist historische Wissenschaft, nicht Kunde vom Geheimnis. Stinklangweilig eben. Ohne Licht. Höhlenforschung. Und wenn die dann auch noch auf der Kanzel betrieben wird.....
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