Es war immer ein Merkmal des Christentumes, dass es zur Welt, wie sie ist, in Distanz stand: weil es die gefallene Schöpfung ist, die wir wahrnehmen und sehen. Die andere, die ursprünglich geschaffene, gute, sehr gute Welt ist uns völlig entzogen: Nur der Schatten einer Erinnerung, die im Mythos transportiert wird, als alte Mär und Kunde vom Paradiese, in dem Frieden herrschte und der Tod nicht wahr. Aus diesem Schatten speist sich die Hoffnung: nicht auf das alte Paradies, sondern auf das Neue, das Bessere, das himmlische Jerusalem- nicht ein Garten elementarer Lebensfreude, sondern der Inbegriff der Kultur, die Stadt, wird zum Ideal. Zwischen Paradies und himmlischem Jerusalem aber liegt die Welt, wie sie ist. Jammertal, Elendsort (heißt "Elende" doch: die Fremde). Der Ort des Todes, und schon daher kein guter Ort, einer, der zu verlassen ist. Und doch eben nun gerade der Ort des Lebens, das Kraft und Energie gerade daraus erfährt, dass es vergänglich ist - aber eben zugleich auch Kummer und Leid.
Die Welt, wie sie ist, ist nicht die von Gott gemeinte. Aber es die von Gott geliebte. Darum haben wir kein Recht, sie zu verachten, sondern die Pflicht (!) sie zu lieben. Darum haben wir kein Recht, ihren Untergang zu wünschen oder zu beschleunigen oder auch nur einfach laufen zu lassen, aber wir dürfen uns gleichwohl auf das Neue, Andere, Bessere freuen.
Die Welt, wie sie ist, ist ein Ort, den man gerne verlassen möchte, wenn nicht das Heimweh so groß wäre nach den Orten der ersten Erfahrung von Welt. Darum allein lieben wir sie schon, aber immer doch in Gestalt des Vertrauten und Bekannten. Doch auch das ist nur Spur der Erinnerung, und jeder weiß, was für unerträglich dämlicher Kitsch gerade über die Heimat erzählt wird.
Unsere Heimat ist im Himmel: Auf der Erde wohnend und lebend sind wir in der Fremde. Wir sind die Aliens, um unseretwillen stöhnt die ganze Schöpfung. Das Ebenbild Gottes waren wir einmal: als wir die Namensgeber und Friedensgäetner waren. Jetzt sind wir doch nur seine Karikatur, ein Zerrbild. Einzig in Christus ist das Ebenbild noch sichtbar: und es ist das Bild eines tief leidenden, an seinem Geschöpf um dessen Freiheit willen leidenden Gottes, dessen Schwäche kaum zu ertragen ist und als Stärke nicht einleuchten will. Und doch ist es gerade diese Schwäche, die den Vater Jesu Chrisit, den Spender des Geistes, so liebenswert macht und verehrungswürdig: weil er kein alter, sentimentaler Trottel ist, sondern weil er den einzigen Weg gefunden hat, die Welt, wie ist sein zu lassen und doch zu verändern,ohne Katastrophe, ohne Gewalt: durch machtvolles Dulden. Dass er damit den Hass der Welt auf sich zieht, versteht sich - und allemal den Hass der Frommen, die meinen, sie wüssten, wie die Welt zu sein habe, die von einem starken Gott träumen, der aber nur der Popanz ihrer eigenen Schwäche ist. Nietzsche hat völlig recht: der metaphyisch rachsüchtige "am Ende wird abgerechnet"-Gott ist eine widerliche Ausgeburt lebensschwacher Kindsköpfe; kleinkarierte Rachefantasien, als Liebesgericht schmackhaft gemacht und umbenannt.
Der Glaube macht Ernst damit, dass Gottes Schwäche seine Stärke ist und dass er, weil er Gott ist, und eben nicht Mensch, die Welt, wie sie ist, dieWelt sein lassen muss, die sie ist. Aber unser Herz, das kann er ändern. Und darum gehts-- das ist die Tür zum himmlischen Jerusalem, die allen (!) offensteht: der Glaube an die unverbrüchliche Güte Gottes angesichts einer Welt, von der man lieber heute als morgen möchte, dass es zu Ende geht.
Und wen dieser letzte Satz ärgert, der ist der Aufklärung auf den Leim gegangen und dem, was sie aus dem Glauben gemacht hat: Die religiöse Soße auf dem sogenannten "Optimismus", der eigentlich besserer "Optimierungs-Faschismus" heißen sollte. Und jetzt, wo langsam auch die letzten aufwachen und verwundert sich in der Wüste umschauen, die sie bisher für eine milde Aue hielten, geht dieses Christentum mitsamt dem "Optimismus" der Aufklärung dahin, woher sie gekommen sind: Zum Teufel.
Ich bin nur gespannt, ob der Glaube die Kraft haben wird, den Untergang dieses Christentumes zu überleben (hier bei uns, meine ich, anderswo hat man nie vergessen, was der Glaube von der Welt zu halten hat). Mit Eiapopeia, Kulturschickimickitum, Bildungsgetue und esoterischem Gefasel jedenfalls nicht, noch weniger aber mit fundamentalistischer Verkniffenheit und ängstlichem Festhalten an der sog. Tradition. Es wird nur mit einer Theologie und einer Verkündigung gelingen, die die alten Geschichten so erzählt, dass ihre Wahrheit leuchtend im Raum steht, nicht als Behauptung, sondern als Erfahrung, die aller weltlichen Erfahrung nun gerade wiederspricht. Daran wird man sie erkennen: dass sie der Welt fröhlich ihr Ende vor Augen hält, um des Lebens jetzt willen.
Die Welt, wie sie ist, ist nicht die von Gott gemeinte. Aber es die von Gott geliebte. Darum haben wir kein Recht, sie zu verachten, sondern die Pflicht (!) sie zu lieben. Darum haben wir kein Recht, ihren Untergang zu wünschen oder zu beschleunigen oder auch nur einfach laufen zu lassen, aber wir dürfen uns gleichwohl auf das Neue, Andere, Bessere freuen.
Die Welt, wie sie ist, ist ein Ort, den man gerne verlassen möchte, wenn nicht das Heimweh so groß wäre nach den Orten der ersten Erfahrung von Welt. Darum allein lieben wir sie schon, aber immer doch in Gestalt des Vertrauten und Bekannten. Doch auch das ist nur Spur der Erinnerung, und jeder weiß, was für unerträglich dämlicher Kitsch gerade über die Heimat erzählt wird.
Unsere Heimat ist im Himmel: Auf der Erde wohnend und lebend sind wir in der Fremde. Wir sind die Aliens, um unseretwillen stöhnt die ganze Schöpfung. Das Ebenbild Gottes waren wir einmal: als wir die Namensgeber und Friedensgäetner waren. Jetzt sind wir doch nur seine Karikatur, ein Zerrbild. Einzig in Christus ist das Ebenbild noch sichtbar: und es ist das Bild eines tief leidenden, an seinem Geschöpf um dessen Freiheit willen leidenden Gottes, dessen Schwäche kaum zu ertragen ist und als Stärke nicht einleuchten will. Und doch ist es gerade diese Schwäche, die den Vater Jesu Chrisit, den Spender des Geistes, so liebenswert macht und verehrungswürdig: weil er kein alter, sentimentaler Trottel ist, sondern weil er den einzigen Weg gefunden hat, die Welt, wie ist sein zu lassen und doch zu verändern,ohne Katastrophe, ohne Gewalt: durch machtvolles Dulden. Dass er damit den Hass der Welt auf sich zieht, versteht sich - und allemal den Hass der Frommen, die meinen, sie wüssten, wie die Welt zu sein habe, die von einem starken Gott träumen, der aber nur der Popanz ihrer eigenen Schwäche ist. Nietzsche hat völlig recht: der metaphyisch rachsüchtige "am Ende wird abgerechnet"-Gott ist eine widerliche Ausgeburt lebensschwacher Kindsköpfe; kleinkarierte Rachefantasien, als Liebesgericht schmackhaft gemacht und umbenannt.
Der Glaube macht Ernst damit, dass Gottes Schwäche seine Stärke ist und dass er, weil er Gott ist, und eben nicht Mensch, die Welt, wie sie ist, dieWelt sein lassen muss, die sie ist. Aber unser Herz, das kann er ändern. Und darum gehts-- das ist die Tür zum himmlischen Jerusalem, die allen (!) offensteht: der Glaube an die unverbrüchliche Güte Gottes angesichts einer Welt, von der man lieber heute als morgen möchte, dass es zu Ende geht.
Und wen dieser letzte Satz ärgert, der ist der Aufklärung auf den Leim gegangen und dem, was sie aus dem Glauben gemacht hat: Die religiöse Soße auf dem sogenannten "Optimismus", der eigentlich besserer "Optimierungs-Faschismus" heißen sollte. Und jetzt, wo langsam auch die letzten aufwachen und verwundert sich in der Wüste umschauen, die sie bisher für eine milde Aue hielten, geht dieses Christentum mitsamt dem "Optimismus" der Aufklärung dahin, woher sie gekommen sind: Zum Teufel.
Ich bin nur gespannt, ob der Glaube die Kraft haben wird, den Untergang dieses Christentumes zu überleben (hier bei uns, meine ich, anderswo hat man nie vergessen, was der Glaube von der Welt zu halten hat). Mit Eiapopeia, Kulturschickimickitum, Bildungsgetue und esoterischem Gefasel jedenfalls nicht, noch weniger aber mit fundamentalistischer Verkniffenheit und ängstlichem Festhalten an der sog. Tradition. Es wird nur mit einer Theologie und einer Verkündigung gelingen, die die alten Geschichten so erzählt, dass ihre Wahrheit leuchtend im Raum steht, nicht als Behauptung, sondern als Erfahrung, die aller weltlichen Erfahrung nun gerade wiederspricht. Daran wird man sie erkennen: dass sie der Welt fröhlich ihr Ende vor Augen hält, um des Lebens jetzt willen.
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