Donnerstag, 9. Mai 2013

Demut und Optimierung. Predigt zu Himmelfahrt anläßlich des Kongresses der ästhetisch-plastischen Chirurgen in Kassel


Es ist guter Brauch: wenn in den Veranstaltungsräumen des Landeskirchenamtes in Kassel (die nicht von der Kirche bewirtschaftet werden) eine Veranstaltung über einen christlichen Feiertag stattfindet, wird ein Gottesdienst als Teil des Programmes angeboten. Der fand nun heute morgen, 8.30 Uhr statt. Die Veranstaltung war schon bemerkenswert und erzeugte im Vorfeld schon hohe mediale Aufmerksamkeit.
vdaepc-kongress



Liebe Gemeinde,

Während draußen sich um diese Stunde tausende, wenn nicht hunderttausende von Vätern (echte und selbsternannte, künftige) sich auf den Weg machen, sich in der sogenannten freien Natur gepflegt zu betrinken und sich was zu grillen – was ich in meiner wilden Zeit auch sehr gerne tat,damit ich hier nicht missverstanden werde – während also draußen "Vatertag" gefeiert wird, haben Sie sich versammelt, um darüber zu beraten, wie Sie die Welt ein wenig schöner machen können. Denn das ist das besondere an Ihrem medizinischen Auftrag: Sie machen nicht nur gesund, in dem Sinne, dass sie einen Organismus wieder stabilisieren, sie machen auch schöner oder wieder schön, was durch Natur oder Schicksal verunstaltet wurde.

Und ich?

Ich stehe hier und verkündige das Wort Gottes, denn nur weil das, was ich gleich vorlese werde, in der Bibel steht, sind wir überhaupt heute zusammen. Christi Himmelfahrt ist eines der wenigen echten christlichen Feste, das sich nicht an irgendein anderes, schon vorhandenes Fest angedockt hat. Und es ist auch deswegen ein zutiefst christliches Fest, weil es die Hoffnung, die wir Christen haben, in ganz besonderer, geradezu kindlich bildhafter Weise zum Ausdruck bringt. Die Hoffnung auf den Himmel.

Lk 24.50-53, mit kurzer Einführung in die Szene.

50 Jesus führte die Jünger hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. 51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. 52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude 53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.



Was haben wir gehört? Die Geschichte einer Vision und einer Audition. Sie sind Ärzte oder doch medizinisch gebildet genug, um sich die physiologisch-psychologischen Voraussetzung solcher Erfahrungen erklären zu können. Aber damit ist natürlich gar nichts erklärt. Die Vision als solche ist ja nicht das Entscheidende, sondern ihre Deutung. Die Jünger müssen endgültig Abschied nehmen von ihrem Meister: Kaum haben sie den Schock seines gewaltsamen Todes überwunden, kaum haben sie die tief verunsichernden Erlebnisse seit dem Ostermorgen verkraftet, verlässt er sie nun endgültig. Und zwar in Richtung Himmel: nach oben. Und das ist es, was ich mit ihnen heute Morgen kurz bedenken möchte: der Himmel, der viel mit dem zu tun hat, was Sie tun.

Der Himmel nämlich war in der Antike der Ort, wo Gott wohnt: über den Himmeln, streng genommen sogar. Der Himmel war gedacht als eine Art Kristallschale, und zwar siebenfach gestaffelt: an jeder Schale hing ein Planet, - deswegen sieben - und darüber waren die Fixsterne angebracht, und das ganze drehte sich um die Erde – die übrigens in der Antike mehrheitlich mitnichten als Scheibe gedacht wurde. Und über dem siebten Himmel war Gottes Ort. Dorthin sehen die Jünger Jesus verschwinden. Und Sie wissen: Er geht ihnen voran. Die christliche Gewissheit, hier, unter dem Himmel, nicht verloren zu sein, sondern eine Hoffnung haben zu dürfen, die bis in den siebten Himmel reicht, drückt sich darin genau aus. Der Himmel steht uns offen.

Nun ist der Himmel für uns dieser Ort nicht mehr, auch wenn er in unserer Sprache so weiterlebt. Deswegen erfassen wir ja sofort, wovon die Geschichte erzählt. Aber um sie verstehen, müssen wir uns klar machen: Die Antike dachte in Räumen, wo wir in Zeiten denken. Was für die Alten der Himmel war, ist für uns die Zukunft – und zwar die herrliche Zukunft. Wie aber kommen wir dahin?

Und schon sind wir bei unserer Profession angelangt. Der Himmel ist der Ort unbeschwerten, glückseligen Lebens. Ein Leben in Schönheit und Unvergänglichkeit, ein Leben in Perfektion und Klarheit ohne Leid und Geschrei. Mit anderen Worten: Im Himmel gibt’s keine Kirche: denn die Menschen leben unmittelbar zu Gott. Keine spirituellen Krücken, keine Rituale, keine fromme Erziehung. Die überwältigende und beglückende Nähe Gottes ist unmittelbar. Die Kirche ist nur ein Hilfsmittel, diese Hoffnung am Leben zu halten: die Wolke der Zeugen. Sie ist nur ein Schatten des Künftigen, und oft genug ein recht kümmerlicher. Da ist viel Anlass zur Demut. Himmelfahrt erinnert uns auch an die Zerbrochenheit und Vorläufigkeit des Irdischen.

Schönheitschirurgen wird´s darum im Himmel auch nicht brauchen. Es wird sie nicht brauchen, weil wir im Himmel erlöste Menschen sein werden. Und was kann es für eine größere Erlösung geben als die Erlösung vom menschengemachten Leistungs-, Perfektions- und Schönheitsdruck. Was kann es schöneres geben, als ein Handicap zu verlieren. Wir werden im Himmel nicht schöner sein. Und auch nicht klüger. Und auch nicht fitter. Aber die Art und Weise, wie wir uns ansehen, auch im Spiegel, wird sich verändern. Und die Art und Weise, wie wir uns wertschätzen, wird sich verändern. Es wird nichts Hässliches mehr geben, nur Verschiedenes. Ich weiß, dass klingt völlig naiv und kindlich. Aber das Bild hat mächtige, tröstende Kraft, und es ist meilenweit entfernt von den naiven Himmelsbilder, wie man sie aus frommen Büchern kennt: lauter schöne Menschen um die Dreißig. Das ist der der Himmel der Sekten: Der Himmel der optimierten Menschen. Ein furchtbarer, ein langweiliger Ort.

Ich habe mal einen schwer behinderten Mann begraben, der unglaubliche 40 Jahre mit einem gewaltigen Hydrozephalus – und folglich auf eine fast pflanzenhafte Existenz verwiesen – von seinen Schwestern gepflegt wurde. Als er dann starb, war die Trauer groß. Und beim Gespräch stellte sich die Frage, wie er wohl im Himmel aussehen werde: Ob diesem Leben dann Gerechtigkeit wiederfahren werde. Denn natürlich wurde er, wie es noch bis vor gar nicht langer Zeit üblich war, versteckt, gar zu scheußlich und gräulich sein Anblick, angeblich. Ich habe dann auf das Bild des Gekreuzigten gezeigt, der in der frommen Stube hing, und gesagt: So wie Jesus. Mit den Wunden. Mit dem, was wir hässlich finden, wird er im Himmel sein. Denn nicht dieser Mensch muss verändert werden, sondern wir müssen verändert werden. So ist es mit dem Himmel. Das ist ein ganz naiver Gedanke, das weiß ich wohl, und ich hoffe, Sie verstehen, dass ich in Bildern rede, wie das der Glaube einzig tun kann. Aber Sie spüren hoffentlich auch, welche Kraft dieses Bild hat, auch für das, was Sie tun. Denn es macht deutlich: Wir leben eben auf der Erde. Und da werden Menschen täglich verunstaltet und in ihrer Lebensqualität eingeschränkt und eingedämmt, weil sie hässlich sind oder dazu erklärt werden, weil sie Körperteile verlieren, weil sie beim Blick in den Spiegel erschrecken oder ihr Leben unerträglich geworden ist, weil sie sozial, sexuell oder politisch ausgegrenzt werden um einer schiefen Nase, einer hängenden Brust oder einer verbrannten Haut willen. Was für ein Segen die moderne Technik ist, was können wir Menschen heute helfen, glücklicher zu werden. Wir sind ganz schon weit gekommen damit, den Himmel auf die Erde zu holen. Aber es ist immer ein menschengemachter Himmel. Es hat immer einen Schatten. Prof. Noah hat mir Ihren Ehrenkodex geschickt. Allein, dass es ihn geben muss, zeigt, dass hier nichts selbstverständlich ist. Der Philosoph Sloterdijk spricht, wenn er auf die Moderne blickt, von den „Anthropotechniken der Selbstoptimierung“, die uns in eine unerträgliche Spannung versetzen, die er „Vertikalspannung“ nennt: Immer höher hinaus. Das ist sozusagen Himmelfahrt aus eigener Kraft. Das kennen sie sehr gut. Und sie wissen auch, dass ihr Handeln, so segensreich es sein kann, auch begrenzt ist. Eine neue Nase allein reicht nicht, und eine wundervoll rekonstruierte und meinetwegen auch optimierte Brust reicht nicht. Was alle heilenden und helfenden Berufe sich immer wieder sagen lassen müssen: Wir können die Menschen nicht retten,m nur leiten und begleiten, und auch das nur in Maßen. Das ist eine oft demütigende Erfahrung. Sie beschreibt unsere Grenze, die wir akzeptieren müssen. Und es ist besonders schlimm, Menschen zu leiten und zu begleiten, um dem eigenen Ego zu dienen. Und der Himmel auf Erden hält meist nur von Zwölf bis Mittag, wie man hier in Hessen sagt – deswegen können Schönheitsoperationen süchtig machen und Religionen fanatisch: Dann will man´s mit Gewalt. Es gibt genauso fratzenhafte Formen des Glaubens wie es Gesichter gibt, denen man das Unmaß des Schönsein-Wollens ansieht. Gott ist im Himmel, wir sind auf der Erde. Auch das ist die Botschaft des Himmelfahrtstages.

Der Himmel aber, der wirklich ewig ist, ist der Himmel Gottes. Der steht uns offen, umsonst. Ich spüre, wie dieses „umsonst“, dieses „gratis“ uns als evangelische Kirche auch an Rand der Gesellschaft bringt: das will die Optimierungsgesellschaft nicht hören. Doch der Glaube beharrt darauf: Wir brauchen uns nicht zu verkrampfen. Unter dem offenen Himmel können wir leben; entspannt. Und gemeinsam Wege suchen, dass der Mensch, der auf Erde lebt, der Erde treu bleibt und lernt, sich zu lieben, wie er ist. Es ist eine große Aufgabe, dem Menschen zu seiner Schönheit zu verhelfen, die ihm vom Gott her seit je eingesenkt ist: Denn die wahre Schönheit eines Menschen ist seine Würde. Da können Skalpell und Gespräch einiges, viel sogar. Die Quelle der Würde aber ist Gott, indem er uns des Himmels für würdig erklärt. Da kommt alle chirurgische Kunst an ihre Grenzen, auch aller Erziehungs- und Predigtkunst und überhaupt alle Menschkunst: Da können wir tatsächlich nur, wie die Jünger damals, in den Tempel gehen und Gott loben und preisen, dass er den Himmel aufgerissen hat: Für alle. Die Hässlichen und die Schönen, die Lahmen und die Flotten, die Klugen und die Dummen, die Reichen und die Armen: das spielt dann alles keine Rolle.

Das Gotteslob sei hiermit geschehen zu Beginn dieses Tages mit seinem vollen Lernprogramm. Gott schenke Euch Phantasie und einen wachen Geist, Kreativität und tiefe Einsicht in das, was ihr tut: Dass ihr es mit Lust tut zum Wohle und zur Würde des Menschen – unter dem offenen Himmel.

Amen.

Sonntag, 5. Mai 2013

Losungen, Lebenszeichen, Lockerungsübung


Mögt ihr zürnen, nur sündiget nicht!
Psalm 4,5

Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.
Epheser 4,26

Manchmal treffen die Losungen geradezu unheimlich ins Schwarze. Heute hat unser Sohn Konfirmation - und der Lehrtext ist unser Trauspruch. Das darf die Welt ruhig wissen. Er ist übrigens, wie ich finde, ein genialer Trauspruch. Auch wenn er im Winter oft schwer zu realisieren ist.

Ansonsten ist es hier so stille, weil mein Geist wirklich extrem beansprucht wird im Moment: Es ist wieder Umbruchzeit.
Das wird auch noch eine Weile so bleiben.
Im Grunde kann man sagen: Nur, wenn es mir richtig gut geht (wie heute) oder wenn es mir richtig schlecht geht (wie fast die gesamten letzten 4 Jahre) lebt der Blog. Er ist entweder Klage oder Jubel.

Man liest sich!



Freitag, 19. April 2013

Der Zug nach unten

Wie kann jemand, der Beethovens letzte Streichquartette liebt, der Neue Musik mag und dem so schnell nichts abgefahren und kompliziert sein kann, so einen Zug nach unten haben, dass er Operette und Schlager mag?

Na, eben drum. Das geschärfte Gehirn (und das ist das Lustorgan schlechthin) nimmt sich selber als geschärft war. Es ist der absolute Nerd-Genuß.
Auf der einen Seite hemmungslos verbotenen Sachen (Sexten! verminderte moll-Akkorde!Terzenseligkeit zwischen Sopran und Tenor, lauter echte falsche Gefühle, Geigen mit Dämpfer, Harfe, lauter schluchzende Trugschlüsse auf der vierten Stufe und dann seliges Tonika-Verzücken), auf der anderen Seite aber auch die Wahrnehmung der Lust an den verbotenen Sachen.

Das ist doch großartig. Das emotionale Zentrum wird bedient, und der Intellek zieht kichernd mit. Das ist maximal ganzheitlich. Und man wird nicht so in den Sessel gedrückt wie bei Wagner oder so klein wie bei Mozart oder von Bedeutung förmlich niedergeschmettert. Und das wirklich Subversive gerade der Operette (und, weniger sich seiner selbst bewußt) des Schlagers ist, dass sie die große Geste lächerlich machen. Graf Danilo als eine Art Wotan-Karikatur. Schlösser, die im Monde liegen statt zehrender Sehnsucht nach metaphysischer Erlösung.
"Die Julischka, die Julischka aus Buda-Buda-Pest": das ist Dada, lange bevor es Dada gab. Und es ist schon fast gemein, wie die Operette sich über die Oper lustig macht. Andersrum geht natürlich nicht: der gewichtige Pomp kann sich nicht veräppeln. Hier ist es genau andersherum als sonst: Ein Dummer kann sich bekanntlich nicht klug stellen, aber ein Kluger kann sich dumm stellen. Jetzt gehen wir mal davon aus, dass die Operette die Kluge ist, die sich dumm stellt, dann steht die Oper ziemlich dumm da.
Wagner wusste das ganz genau, in den Meistersingern ist das nämlich so ein Subthema, das Triviale. Die Meister sind ja keine: es sind Schuster. Und Stolzing? ist doch, man beachte den Namen!, eine lächerliche Figur. Ich glaube, Wagner hätte geniale Operetten geschrieben. Wie bizarr wirkt "Winterstürme wichen dem Wonnemond" in der Walküre! Als würde plötzlich ein Schlagerfuzzi auftreten. Selbst das Orchester dröhnt wie Kinoschmonz.
Die Operette macht damit Ernst, dass sie es nicht ernst meint. Sie ist auch Tanz auf dem Vulkan. Das gibt ihr Dramatik, ja sogar Tragik. Man muss immer mal schauen, wann sie geschrieben worden sind. Die Czardasfürstin ist von 1915. Da wurde auf dem Balkan Totentanz gespielt, der Czardas der Kanonen. Da könnt ich heulen, und gute Inszenierungen lassen das spüren. Ich habe mla eine gesehen (Bonn? weiß nicht mehr, ist ewig her), wo, nur durch Kleinigkeiten in der Deko, ein Photo von einem Soldaten, eine Feldflasche, die irgendwie herumlag usw. die Gegenwart der Abfassungszeit greifbar. Und dazu dann der absolut hirn- und herzerweichende Sound des Kalman-Orchesters. Grandios.
Der Zug nach unten. Für Christen ist das doch der normale Weg. In der Operette in all ihrer Trivialität steckt mehr Wahrheit als im artifziellen Konstrukt der Oper. Der Schlager ist wahrer als das Schubertlied. Näher an der Sünde. Näher am Tod. Näher am Schweiß, am Blut, an den Tränen. Darum greift uns das Triviale ans Herz. Und es will nicht verändern. Die Operette und der Schlager konstatieren nur, sie bieten billige Gnade, sie verweigern Metaphysik. Alles wird gut! Adorno hasste das, der verklemmte Spießer, der ein unerträglicher Weiberheld war und hinter verquasten Texten nur seine Sehnsucht nach der Einfachheit kaschierte.
Die Operette ist einfach. Und zugleich komplex. Ich liebe sie (wie die amerikanischen Filmmusicals und Action-Filme der ballerigen Art) genau deswegen.
Die Oper ist nur komplex (außer Mozart natürlich. Aber der giltet nicht, wie Bach). Beethovens Streichquartette auch. Direkt nach einem Operettenbesuch gehört, klingen sie bizarr weltfremd. Und natürlich unendlich genial, unauslotbar. Sie reden von Erlösung und wissen um sie und ihren Preis: Den Schmerz.
Die Frage ist: Welche CD nähme ich mit auf die einsame Insel? Frau Luna oder Op. 131?


 
 



Anette Dasch, Dove sono.....das ist ....eben das, was es ist: inkarnatorische Musik, oben und unten. 

Donnerstag, 18. April 2013

Wenn die Hölle los ist, hats der Himmel schwer

...und bei mir ist gerade die Hölle los, Arbeiten und Schlafen.
Das geht echt auf die Kreativität. Also darum ist hier auch Funkstille. Es ist kein Platz für "unnötiges Denken". Und das gibt mir zu denken. Das muss doch für den geistlichen Stand wirklich tödlich sein. Denn wir sind doch mehr als unnötig. Wir sind doch der reine Luxus, wie die Kunst. Wir sind doch die, die wir uns leisten, damit wir als Menschen nicht vegetieren. Wir sind doch die, die die humane Möglichkeit leben sollen: aus dem Geist heraus. Mit Erdenschwere in den Gliedern, die einen so müde macht, das man vor Müdigkeit kaum schlafen kann, wird das nicht gehen.

Da zuckt natürlich der fleißige Bürger und Steuerzahler, hier ruft einer zum Müßiggang auf! Hier zuckt auch so mancher wackerer Protestant, der hinterum mit der Gnade doch einen Deal gemacht hat: Immer schön fleißig, damit die Gnade in der Welt sichtbar wird. Wenn die wüssten, wie gottlos das ist.

Nein, nein: von Fleiß und Faulheit kann nur sprechen, wer den Flow nicht kennt, das Glück, in dem, was man tut, zu versinken. Wer das kennt, kann, wie ich, vor dem Dual von Fleiß und Faulheit nur begriffstutzig stehen und sich wundern. Ist "Fleiß" nicht eine ganz besonders perfide Form von dem, was der, der von Fleiß spricht, mit Faulheit meint? Nämlich: das, was man tut, nicht ernsthaft annehmen und akzeptieren. Das, was man tut, mit zusammengebissenen Zähnen tun, um des Tuns willen. Ist das nicht die äußerste menschliche Faulheit, von der Freiheit keinen Gebrauch zu machen?

Ich kenne nur Arbeiten in Freiheit und Arbeiten unter Zwang. Das eine bringt etwas fertig, das andere macht einen fertig. 

Mir gibt das sehr zu denken, dass meine Arbeit mich so leer macht, dass ich keine überflüssigen Gedanken mehr habe. Dann ist keine Arbeit, dann ist es eben doch nur tierische Nahrungsbeschafffung auf höchsten Niveau, sozusagen. Es ist dann wie mit dem Lesenden Affen. Der liest ja nicht, der bringt ja nur zwei Code-Tabellen in Abgleichung. Es sieht nur aus wie Lesen.

Na, es kommen bessere Zeiten. Immerhin hast Du, lieber Leser, soviel Muße, das hier bis zum Ende zu lesen und dich zu fragen: Was will er eigentlich sagen?

Nun, ganz einfach: Schön, dass Du das hier gelesen hast, es verbindet uns ;). Wenigsten für ein paar Minuten mal still gesessen und "Nichts" gemacht.


Sonntag, 14. April 2013

Predigt 14_4_13; Joh 21, 15ff: Wir sind Papst - die Unglaublichkeit der Gnade

Ein Versuch, diesmal via Dropbox einen Rohmittschnitt meiner Predigt einzustellen. Ist mit MP3 Player "ohne Alles" einfach so aufgenommen. Ich wollte mal sehen, was dabei herumkommt. Ist das noch erträglich? Eher nicht, oder (ich meine jetzt technisch....)?

Versuch mit der Dropbox.

14_4_13_BaunatalMitte.mp3


Samstag, 13. April 2013

Die simple Logik der Gnade. Tageslosung

Liebet den HERRN, alle seine Heiligen! (Psalm 31,24)

Causa efficiens und causa finalis verwechseln heißt Gesetz und Evangelium verwechseln. 

Also: 


Wir sind nicht heilig, weil wir Gott lieben, 
wir sind heilig, damit wir Gott lieben. 

Freitag, 12. April 2013

Der Ort, wo von Gott noch nichts gehört wurde...Tageslosung.

Jes 66:19: Ich will einige von ihnen, die errettet sind, zu den Völkern senden, wo man nichts von mir gehört hat; und sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkündigen. 


Das ist ein toller Vers, der die Aufgabe der Kirche in der Gesellschaft perfekt beschreibt. Dahin gehen, wo man nichts von mir gehört hat. Das ist in der Mitte, auch in der Mitte der Kirche. Man hat in Wahrheit von Gott noch nichts gehört, nur Pauschalen, Meinungen, Irrungen. Man muss es immer und immer wieder hören, bis sich die Gnade erschließt. Die Unterscheidung von wahren Glaubenden und weniger wahren Glaubenden und was dergleichen mehr ist, geht an den Erfahrungen der Propheten völlig vorbei. Der Ort, wo von Gott noch nichts gehört wird, ist immer und immer wieder die Kirche selber. Vergessen wir das auch nur einen Moment, haben wir schon verloren. Denn wahrhaft revolutionäer und umwälzend und in seiner Radikalität noch lange nicht eingeholt ist, was der Vers in seinem Fortgang sagt:


20 Und sie werden alle eure Brüder aus allen Völkern herbringen dem HERRN zum Weihgeschenk auf Rossen und Wagen, in Sänften, auf Maultieren und Dromedaren nach Jerusalem zu meinem heiligen Berge, spricht der HERR, gleichwie Israel die Opfergaben in reinem Gefäße zum Hause des HERRN bringt.
21 Und ich will auch aus ihnen Priester und Leviten nehmen, spricht der HERR.
22 Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir Bestand haben, spricht der HERR, so soll auch euer Geschlecht und Name Bestand haben.

Priester und Leviten aus den Heidenvölkern, die aus aller Welt nach Jerusalem kommen: die Fremden, die Heiden, die Gottlosen. Aus ihnen erwählt sich Gott sein Volk, je und je. Haben wir das verstanden? Haben wir es je gehört?

Interessante Perspektive für eine Volkskirche. Welche Kirche für welches Volk? 

Das wird die Gretchenfrage der nächsten Jahre: Wo ist der Ort, wo von Gott noch nie gehört wurde? Vom Vater Jesu Christi, vom Herrn der Gnade, der Barmherzigkeit, der Wertschätzung, der unbedingten Annahme eben gerade des Sünders um des einen Gerechten willen (jesus Christus)?
Ich fürchte, dieser Ort ist dort, wo ich bin, wenn ich morgens aufstehe.....