Samstag, 19. Februar 2011

Dmitri Schostakowitsch


Ich denke mal, dass Dimitri Dimitrijewitsch Schostakowitsch immer noch zu den unbekannteren Komponisten zählt, und das finde ich sehr schade. Denn für mich ist er einer der Großen des 20. Jahrhunderts, der alles, was in diesem Jahrhundert entsetzlich und schön war, in sich vereint. Schon sein Leben, geprägt durch die russische Revolution und den Terror Stalins ist außergewöhnlich und ein Spiegel der letzten hundert Jahre. Es war deswegen auch Gegenstand mehrerer Filme, die natürlich nur auf arte um 34.40 Uhr laufen.
Seine Musik? Bewegend, ergreifend, anrührend, witzig, sarkastisch, krass, platt, wehmütig, herzzerreissend, raffiniert, überwältigend. Seine Symphonien stehen deutlich in der Nachfolge Mahlers, seine Kammermusik ist schwerer zuzuordnen, aber auch sie knüpft an das späte 19. Jahrhundert an. Ich finde sie, je älter ich werde, um so besser. Intensität ist glaube ich das angemessene Wort für diese Musik. Aber er konnte auch richtigen Müll schreiben, übelste Progandamusik, reisserische Tanzmusik, rumpelnde Balletmusik. Differenzierter zu sehen ist seine Filmusik, davon ist ja Einiges inzwischen populär geworden.
Ich merke, dass es mir schwerfällt, das, was mich an Schostakowitschs Musik berührt, zu beschreiben. Sicher hängt das auch damit zusammen, dass ich ihn schon lange kenne: Ich bekam, schon in den frühen 70er Jahren, als Gegengabe für Jeans und T-shirts von meiner "Ost-Verwandschaft" Schostakowitsch-Platten geschenkt. Schon mit 14 kannte ich fast alle seine Sinfonien - sie sind mir also tief vertraut, und gerade bei moderener Musik ist Vertrautheit schon sehr wichtig, damit sie sich einem erschließt. Vielleicht ist es auch meine "russische Seele", die hier einen Resonanzboden findet, je älter ich werde, umso mehr entdeckte ich das Erbe des Ostens in mir, das mich vor allem durch meinen hier schon mehrfach erwähnten Großvater erreicht hat. Wie auch immer - eigentlich möchte ich Euch nur an meiner Begeisterung für einen Komponisten teilhaben lassen, den zu Unrecht nur wenige kennen. Ich habe heute, auf dem Heimweg von einer sehr erfüllenden Tagung, wieder sein 2. Klaviertrio und seine 15. Symphonie gehört: Klasse!
Sein kurzer Ruhm  im Westen wegen seiner 7.Symphonie war, wenn ich recht sehe, ein Missverständnis, das viel mit der westlichen Arroganz gegenüber dem Osten zu tun hat: Er wurde zum Helden des Kampfes gegen Hitler stilisiert und vereinnahmt- weil im Westen keiner ahnte, dass sein wirklicher Feind Stalin hieß und Dmitri bei jeder Note, die er schrieb, um sein Leben bangen musste.


Er war ein hübscher junger Mann. Seine Altersbilder zeigen, was das Leben aus ihm gemacht hat: ein körperliches Wrack. Aber musikalisch ist sein Altersstil für mich nur mit Beethoven vergleichbar.




Sein Trio: der "witzige" Schostakowitsch.




Die 9. Symphonie: Ironie. So eine 9. hat keiner erwartet. Dafür bekam er viel Ärger (unbegreiflich im Rückblick)


Darunter der dritte Satz der 6. Sinfonie: der ist schon sehr typisch.