Ich merke, dass es mir schwerfällt, das, was mich an Schostakowitschs Musik berührt, zu beschreiben. Sicher hängt das auch damit zusammen, dass ich ihn schon lange kenne: Ich bekam, schon in den frühen 70er Jahren, als Gegengabe für Jeans und T-shirts von meiner "Ost-Verwandschaft" Schostakowitsch-Platten geschenkt. Schon mit 14 kannte ich fast alle seine Sinfonien - sie sind mir also tief vertraut, und gerade bei moderener Musik ist Vertrautheit schon sehr wichtig, damit sie sich einem erschließt. Vielleicht ist es auch meine "russische Seele", die hier einen Resonanzboden findet, je älter ich werde, umso mehr entdeckte ich das Erbe des Ostens in mir, das mich vor allem durch meinen hier schon mehrfach erwähnten Großvater erreicht hat. Wie auch immer - eigentlich möchte ich Euch nur an meiner Begeisterung für einen Komponisten teilhaben lassen, den zu Unrecht nur wenige kennen. Ich habe heute, auf dem Heimweg von einer sehr erfüllenden Tagung, wieder sein 2. Klaviertrio und seine 15. Symphonie gehört: Klasse!
Sein kurzer Ruhm im Westen wegen seiner 7.Symphonie war, wenn ich recht sehe, ein Missverständnis, das viel mit der westlichen Arroganz gegenüber dem Osten zu tun hat: Er wurde zum Helden des Kampfes gegen Hitler stilisiert und vereinnahmt- weil im Westen keiner ahnte, dass sein wirklicher Feind Stalin hieß und Dmitri bei jeder Note, die er schrieb, um sein Leben bangen musste.
Er war ein hübscher junger Mann. Seine Altersbilder zeigen, was das Leben aus ihm gemacht hat: ein körperliches Wrack. Aber musikalisch ist sein Altersstil für mich nur mit Beethoven vergleichbar.
Sein Trio: der "witzige" Schostakowitsch.
Die 9. Symphonie: Ironie. So eine 9. hat keiner erwartet. Dafür bekam er viel Ärger (unbegreiflich im Rückblick)
Darunter der dritte Satz der 6. Sinfonie: der ist schon sehr typisch.