Freitag, 18. Juli 2014

Reden von Gott




Von Gott kann nur Gott reden. Er ist der ursprünglich Redende: Es werde Licht.

Jedes Reden von Gott ist also nur ein nachsprechendes Reden dessen, was Gott schon geredet hat. Die Stimme Gottes ist Jesus Christus, in dem alle Stimmen vorher und nachher vereinigt sind. Das ist jetzt keine schwurbelige Mystik, sondern einfach nur die Konsequenz aus der Tatsache, dass alles Reden Gottes als Schrift, als Geschriebenes vorliegt, das vorher ein Gehörtes war.

Die Rolle des Menschen im Reden von Gott ist also die eines Hörenden. Der Mensch lauscht: Höre, Israel! und so, nur so, kommt der Mensch ins Reden von Gott. Wer Latein kann, wird es verstehen, wenn ich sage: a Deo, nicht de do. Von Gott her reden wir, nicht "von Gott", als sprächen wir über ihn. Gott kann kein Gegenstand der Sprache sein, selbst wenn er als "Objekt" (Gegenstand) im Satz auftaucht, ist er doch in der Realität das Subjekt, der, der ursprünglich gesprochen hat.

Darum ist Rede "von Gott" Zeugenrede. Es ist ein Reden, dass aus einer Erfahrung kommt. Freilich nicht aus einer ursprünglichen Erfahrung des Redenden, denn dann müsste der Redende eine Offenbarung gehabt haben - die können wir aber nicht gehabt haben, denn niemand hat Gott bisher gesehen. Wir hören nur von denen, die von ihm gehört haben. Unser Reden steht auf dem Zeugnis der Apostel und Propheten. Der Geist beglaubigt dieses Reden, insofern er uns verstehen lässt, was da gesagt wird. Wenn ich von dem, was ich höre, so bewegt werde, dass es mein Leben ändert, indem es meine Wahrnehmung ändert und mir die üble Welt als gute Schöpfung Gottes eröffnet, erfahre ich ein Zeugnis des Geistes. Die Quelle dafür aber ist die Schrift: sie ist die uns gegebene Rede von Gott. Alle Rede von Gott ist Auslegung der Schrift, die wiederum Auslegung der Erfahrung einer Begegnung mit Jesus Christus ist (jedenfalls für uns Christen - das macht uns zu Christen).

Reden wir also "von Gott", dann reden wir von dem, was wir gehört haben und was uns berührt hat. Insofern ist Reden von Gott dann gelungen, wenn wir die Berührung, mit der wir berührt worden sind, so weitergeben, dass sie wiederum zu einer Berührung führt. Das Reden von Gott ist also etwas ganz und gar körperliches, konkretes, es ist eine Geste der Anrede und der Zurede. Dass der/die Andere hört, habe ich nicht in der Gewalt. Überhaupt geht er hier nicht mit Gewalt, wohl aber mit Überwältigung: Überwältigung durch die Erfahrung einer Rede, die mehr ist, als bloß Gesprochenes.

Darum ist die Geste der Rede von Gott immer die Liebe. Darum ist nicht jeder Satz, in dem Gott vorkommt, schon eine Rede von Gott. Andererseits kann jeder Satz, in dem Gott nicht vorkommt, Rede von Gott sein.



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Von Gott reden heißt also vom Menschen reden (Bultmann). Der einzige Mensch aber, von dem ich authentisch (wenn auch nicht automatisch wahrhaftig!) reden kann, bin ich. Jede Rede von Gott, die nicht Theologie (also abstrakte Reflexion über die Bedingung des Redenkönnens) ist, ist eingeklammert von einem: Ich rede. Und darum ist jede Rede von Gott, die nicht abstrakte Rede von Gott ist (also Theologie) ein Zitat dessen, der als einziger sowohl authentisch als auch wahrhaftig "Ich" sagen kann: "Ich bin der gute Hirte". Von einem "Ich" aber kann man gar nicht abstrakt reden, von einem Ich muss man erzählen, denn ein "Ich" steht in der Zeit. Darum ist das Erzählen die einzige Form, von Gott zu reden.
Es ist die Geschichte Jesu Christi, in der sich für den Glauben die Geschichte der Welt so verdichtet, dass alles von ihr Sagbare gesagt ist: Sie die von Gott geliebte, gefallene Schöpfung, die berufen ist, der Ort der Vewandlung zu werden. Reden von Gott heißt immer: von mehr zu reden, als wir wissen können, weil es Rede von Zukunft ist, von herrlicher Zukunft. Ohne diesen Horizont ist eine Rede von Gott bloß abstraktes Denken von etwas, das wir Gott nennen, eine Denkgrenze. Die sollte man nicht mit Gott verwechseln. Das ist bloßes Geschwätz.

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Genau das spiegelt sich in der Lehre der Trinität, die jedes abstrakte Reden von Gott im Keim erstickt, weil es die Aporie deutlich macht, die entsteht, wenn Endliches vom Unendlichen spricht. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist ist ein ewiger Prozess der Liebe, die sich entäußert, Gott selber ist in sich Geschichte, und die Schrift ist die Entfaltung dieser Geschichte in der Geschichte. Von Gott reden heißt also: erzählen. Denn Erzählen ist der Redemodus der Erfahrung. Darum sind die Gleichnisse und die Wunder die authentischen Redenformen von Gott: in ihnen sprechen wir sowohl de Deo als auch a Deo: er selbst hat sie geredet. Und in der Geschichte vom Kreuz und von der Auferstehung fallen Gleichnis und Wunder zusammen: Es ist die Urgeschichte unseres christlichen Redens von Gott, die Geschichte, in die in allen Geschichten enthalten ist. Der Tod Gottes, der in er Auferstehung nicht rückgängig gemacht wurde, sondern ein Teil der Geschichte Gottes wurde, beginnt schon mit der ersten Rede: Es werde Licht. Jede Rede "von Gott" ist also, wenn sie gelingt, eine erleuchtende Rede. Das ist das Kriterium ihrer Wahrheit: der andere stimmt mit ein. Die Quelle dieser Rede ist die Schrift, die von der Tradition ausgelegt und je neu, aber niemals "neu", gesagt wird.

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Der Beweis der Wahrheit der Rede von Gott ist also, wenn das Erzählen "von Gott" im Gebet mündet: In Lob, Klage, Dank und Bitte. Sie sind die genuinen Redeformen des Glaubens. Nur, wo gebetet wird, ist die Rede an ihr Ziel gekommen: überzeugend, nicht überredend, überwältigend, aber nicht gewalttätig, bereichernd, ohne den Anderen zu enteignen. Rede von Gott führt in die Gemeinschaft derer, die rufen: Abba, lieber Vater.


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Hören, Reden, Beten.

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